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Österreich

Konrads Kolumne: Warum die (römisch-)deutsche Reichskrone in Wien liegt

Mit dem Erben ist es ja immer so eine Sache. Wer kriegt denn nun was? Die Verteilung des Nachlasses kann schnell zum Streit führen. So auch im Fall der Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Warum liegt die eigentlich in Wien?

Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, mich ein Wochenende in der österreichischen Hauptstadt Wien herumzutreiben. Ein Programmpunkt war in Stein gemeißelt, nämlich der Besuch der Kaiserlichen Schatzkammer in der Wiener Hofburg. Als großer Mittelalterfan war es mir schon lange ein Anliegen, die Insignien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation einmal in echt zu sehen. Aber Moment mal! Warum liegen die eigentlich in Österreich?


Unser Redaktionshistoriker Konrad sammelt auf Tour zwangsläufig allerhand Geschichten. Die lassen sich leider – Anweisung der Chefredaktion – nicht immer in einer Reportage unterbringen. Auf dieser hart erkämpften Seite darf er dafür seine liebsten historischen Anekdoten zum Besten geben. Dönekes halt.


1806: Als Napoleon das Heilige Römische Reich beendete

Der Grund dafür liegt im Jahr 1806, als Kaiser Franz II. das Reich nach mehr als 800 Jahren für aufgelöst erklärte. Nicht ganz freiwillig, sondern auf Druck Napoleons, der sonst wohl selbst bis nach Wien gezogen wäre. Eine Sache aber blieb zunächst ungeklärt: Wer kriegt nun Omas Tafelsilber? In diesem Fall die sogenannten Reichskleinodien, die Zeichen der Macht, also unter anderem die jüngst abgelegte Reichskrone, der Reichsapfel und das Zepter. Noch bis kurz vor knapp wurden diese nämlich der Tradition nach sowohl in Nürnberg als auch in Aachen verwahrt – obwohl die österreichischen Habsburger das Reich von Wien aus regierten. Dorthin wurde der ganze Tinnef dann vor dem anrückenden Napoleon im Jahr 1796 schließlich auch gebracht.

Außenansicht der Hofburg in Wien im Sonnenschein.

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Nach der Reichsauflösung dauerte es nur wenige Tage, bis sich die nun ehemalige Reichsstadt Nürnberg selbstbewusst am Wiener Hof meldete. Ob man denn nun gedenke, die Kleinodien wieder nach Nürnberg zu verfrachten, oder ob es da eines besonderen Antrags bedürfe. Prompt kam die Antwort, Nürnberg sei ja nun keine Reichsstadt mehr, daher könne man die Reichskleinodien auch nicht zurücksenden. Tja. Ähnlich verfuhr man auch mit einem Antrag der Stadt Aachen, der freundlich mitgeteilt wurde, dass »ein eigentlicher Rechtsgrund zur Begründung des Begehrens« nicht bestünde.

Die Reichskrone in ihrer Vitrine in der Kaiserlichen Schatzkammer in Wien

Foto: Konrad Bender

Nur einmal verließen die Kleinodien Wien wieder

Nur einmal sollten die Reichskleinodien Wien noch verlassen, nämlich nach dem »Anschluss« Österreichs an Nazideutschland. Aus Propagandazwecken wurden sie nach Nürnberg gebracht und dort ausgestellt. Nachdem die Artefakte in den letzten Kriegsmonaten zum Schutz vor Bomben in Bunkern unter der Stadt in Sicherheit gebracht worden waren, führten die Alliierten den ganzen Segen nach dem Krieg wieder nach Wien. Und dort ist der Schatz seit 1954 der Öffentlichkeit zugänglich. Sogar für Piefke!

Die Reichskleinodien sind mit vielen anderen Exponaten in der Kaiserlichen Schatzkammer der Wiener Hofburg ausgestellt. Empfehlenswert ist das Kombiticket, das auch den Zutritt zum Kunsthistorischen Museum ermöglicht. Mehr unter www.kaiserliche-schatzkammer.at.

Häufige Fragen

Was ist in der Kaiserlichen Schatzkammer zu sehen?
Herrschaftszeichen aus tausend Jahren, darunter die Reichskrone und die Heilige Lanze, die Krone Rudolfs II. sowie der Ornat des Ordens vom Goldenen Vlies.
Wo befindet sich die Schatzkammer und wann hat sie geöffnet?
Im Schweizerhof der Wiener Hofburg, 1010 Wien. Geöffnet ist täglich von 9 bis 17.30 Uhr, dienstags bleibt die Schatzkammer geschlossen. Letzter Einlass ist 30 Minuten vor Schluss.
Was kostet der Eintritt?
Erwachsene zahlen 16 Euro online und 18 Euro vor Ort, ermäßigt 12 beziehungsweise 14 Euro. Unter 19 Jahren ist der Eintritt frei. Seit April 2026 gilt ein gebuchtes Zeitfenster.
Konrad Bender
Konrad hat Geschichte studiert, das Mittelalter, um genau zu sein. Logisch, dass es ihm die geschichtsträchtigen Orte Europas besonders angetan haben. Egal ob in den historischen Städten Deutschlands, einsam im Norden Norwegens oder wandernd in den Vogesen – überall findet Konrad eine Story, die es zu erzählen lohnt. Hauptsache, nicht am Strand liegen – das ist so gar nicht Konrads Ding.