Wer in Calais ankommt, hat meist schon ein anderes Ziel im Kopf: England. Schnell auf die Fähre, vielleicht noch ein Kaffee und ein Snack, dann geht es weiter. Dabei übersehen viele, dass die Hafenstadt in Nordfrankreich inzwischen gute Gründe liefert, den Autoschlüssel erst einmal stecken zu lassen.
Ein feuerspeiender Drache als Attraktion? Das hätten wohl nur wenige Calais zugetraut. Denn auf den ersten Blick prägen vor allem Hafenanlagen und der Verkehr Richtung Ärmelkanal das Bild. Wer die Stadt jedoch nur als Durchgangsstation sieht, verpasst einiges. Zwischen Rathaus, Sandstrand, Kunst und guten Restaurants lässt sich problemlos ein Wochenende verbringen. Außerdem liegt die spektakuläre Opalküste gleich nebenan.
Die Sehenswürdigkeiten in Calais auf einen Blick:
- Der Drache von Calais
- Der Strand von Calais
- Rathaus mit Belfried, Notre-Dame und Rodins »Bürger von Calais«
- Cité internationale de la dentelle et de la mode
- Restaurants, Hafenviertel Courgain Maritime und Leuchtturm
- Opalküste mit Cap Blanc-Nez, Cap Gris-Nez und Wissant
Ein Drache spaziert durch Calais
Manche Städte haben einen Eiffelturm, andere eine Kathedrale. Calais hat dagegen einen Drachen, und zwar einen, der sich tatsächlich bewegt. Le Dragon de Calais ist eine gewaltige mechanische Kreatur aus Holz und Stahl. Am 1. November 2019 wurde er zur Eröffnung der neuen Strandpromenade eingeweiht. Seitdem gehört er zu den ungewöhnlichsten Attraktionen Nordfrankreichs. Das 25 Meter lange und laut Betreiber rund 72 Tonnen schwere Ungetüm bewegt Kopf, Augen und Flügel. Außerdem stößt es Rauch und Wasser aus und kann sogar Feuer speien.

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Entworfen hat ihn der französische Künstler François Delarozière mit seiner Compagnie La Machine aus Nantes. In Calais spaziert der Drache gemächlich die Strandpromenade entlang. Bis zu 48 Gäste fahren dabei auf einer Terrasse auf seinem Rücken mit und blicken aus zwölf Metern Höhe aufs Meer. Die reine Fahrt dauert rund 30 Minuten, mit Ein- und Ausstieg sollte man 45 bis 60 Minuten einplanen. Wer lieber festen Boden unter den Füßen behält, schaut von der Promenade aus kostenlos zu. Vorher lohnt allerdings ein Blick in den Spielplan der Compagnie du Dragon. Denn der Drache ist nicht jeden Tag unterwegs.
Seit 2025 hat er übrigens Gesellschaft: Der Varan de Voyage, eine riesige Echse, nimmt bis zu 25 Gäste mit auf eine Tour durch das Viertel Saint-Pierre. Im Fort Risban zeigt eine kostenlose Ausstellung außerdem, wie die Maschinen entstanden sind.
Ein Sandstrand, den kaum jemand auf dem Schirm hat
Strandurlaub in Calais? Was zunächst eigenwillig klingt, erweist sich als durchaus reizvoll. Denn die Stadt hat einen überraschend breiten Sandstrand. Bei Ebbe liegt zwischen Promenade und Wasser eine riesige Fläche. Dazu kommen Strandhäuschen, Spielplätze für Kinder und eine moderne Uferpromenade. Dass der Strand mehr ist als eine Kulisse für vorbeifahrende Fähren, hat sich inzwischen auch in Frankreich herumgesprochen. Im Oktober 2026 wählte das Publikum die Plage de Calais bei der Abstimmung der Umweltorganisation Surfrider Foundation zum Lieblingsstrand der Franzosen. Im Finale setzte sie sich gegen Berck-sur-Mer durch.

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Am schönsten ist ein Spaziergang am späten Nachmittag. Dann taucht die tief stehende Sonne den Strand in warmes Licht, während draußen die Fähren zwischen Frankreich und England pendeln. Bei klarer Sicht zeichnen sich am Horizont sogar die weißen Kreidefelsen von Dover ab.
Zum Baden eignet sich der Strand vor allem im Sommer. Mediterrane Verhältnisse sollte man allerdings nicht erwarten. Das Wasser bleibt auch in der warmen Jahreszeit frisch, und der Wind gehört hier ungefähr so selbstverständlich dazu wie das Baguette zum französischen Frühstück. Dafür gibt es selbst an vollen Tagen reichlich Platz.
Rodin, Rathaus und ein bisschen große Geschichte
Wer vom Meer ins Zentrum spaziert, entdeckt eine andere Seite von Calais. Besonders eindrucksvoll ist das Rathaus, das zwischen 1911 und 1925 im Stil der flämischen Neorenaissance entstand. Mit seiner Backsteinfassade und dem mächtigen Glockenturm erinnert es eher an ein Märchenschloss als an ein Amtsgebäude. 2026 wurde es als Monument historique unter Denkmalschutz gestellt. Der 75 Meter hohe Belfried gehört bereits seit 2005 zum Unesco-Welterbe. Ein Aufzug bringt Besucher nach oben, und von dort reicht der Blick über die Dächer bis zum Hafen und bei gutem Wetter weit darüber hinaus.
Einen Abstecher lohnt außerdem die Kirche Notre-Dame de Calais, die im englischen Perpendicular-Stil erbaut wurde. Hier heiratete am 7. April 1921 der spätere französische Staatspräsident Charles de Gaulle seine Frau Yvonne Vendroux, die aus Calais stammte.

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Direkt vor dem Rathaus wartet ein weiteres Highlight: Auguste Rodins berühmte Skulpturengruppe »Die Bürger von Calais«. Der Guss von 1895 ist der erste von insgesamt zwölf. Die sechs Männer erinnern an ein dramatisches Kapitel des Hundertjährigen Krieges. Nach einer langen Belagerung 1346 und 1347 erklärten sich sechs angesehene Bürger bereit, sich dem englischen König Eduard III. auszuliefern. So wollten sie ihre Stadt vor weiterer Zerstörung bewahren. Der Überlieferung nach rettete schließlich Königin Philippa von Hennegau mit ihrer Fürsprache ihr Leben.
Wer noch tiefer eintauchen möchte, besucht das Musée des Beaux-Arts. Seit 2025 zeigt das Kunstmuseum im Erdgeschoss eine neue Rodin-Galerie, unter anderem mit Leihgaben des Musée Rodin in Paris. Daneben sind Werke aus verschiedenen Epochen zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Warum Calais in der Modewelt einen Namen hat
Spitze und Hafenkräne haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Doch Calais war über Generationen ein Zentrum der französischen Spitzenindustrie. Vor allem maschinell gefertigte feine Spitze machte die Stadt international bekannt. Diese Geschichte erzählt seit 2009 die Cité internationale de la dentelle et de la mode am Quai du Commerce. Das Museum liegt in der ehemaligen Spitzenfabrik Boulart aus den 1870er-Jahren und zeigt, wie aus unzähligen Fäden feine Stoffe für Kleider, Dessous und Luxusmode entstehen.

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Besonders eindrucksvoll sind die historischen Maschinen. Ihre komplizierte Mechanik gibt einen faszinierenden Einblick in die Textilproduktion des Industriezeitalters. Darüber hinaus zeigt das Museum, welchen Einfluss die Spitze aus Calais auf die Haute Couture hatte. Für den Besuch sollte man mindestens anderthalb Stunden einplanen, gerade an einem Regentag ist das Museum deshalb eine gute Wahl. Und wer bisher glaubte, Spitze sei ungefähr so aufregend wie eine Knopfkiste, ändert hier vielleicht seine Meinung.
Bistro, Fischerviertel und Leuchtturm
Zu einem Wochenende in Frankreich gehört natürlich auch gutes Essen. In Calais spielen dabei Fisch und Meeresfrüchte die Hauptrolle. Auf den Speisekarten stehen oft Muscheln mit Pommes frites, frischer Fisch und andere Spezialitäten aus dem Ärmelkanal. Wer es deftiger mag, findet zudem Klassiker der nordfranzösischen Küche, zum Beispiel die Carbonade flamande, ein in Bier geschmortes Rindfleischgericht.

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Eine gute Adresse ist »L’Histoire Ancienne« in der Rue Royale. Küchenchef Patrick Comte serviert dort Bistroküche mit gehobenem Anspruch, zwischen Zinktheke und Antiquitäten. Wer beim Essen lieber aufs Meer schaut, ist im »Aquar’Aile« richtig. Das Restaurant liegt im obersten Stockwerk mit Blick auf den Strand, auf der Karte stehen vor allem Fisch und Meeresfrüchte.
Anschließend lohnt ein Spaziergang durch das alte Fischerviertel Courgain Maritime am Hafen. Hier ist noch etwas von der Atmosphäre zu spüren, die Calais über Jahrhunderte geprägt hat. Über dem Viertel ragt der Leuchtturm auf, der Phare de Calais. Seit 1848 ist er in Betrieb, 271 Stufen führen hinauf. Oben belohnt ein Rundumblick über Stadt, Hafen und Meer, bei klarer Sicht bis nach Dover.
Die Opalküste: Das Schönste liegt gleich nebenan
So reizvoll die Sehenswürdigkeiten von Calais sind, das landschaftliche Highlight wartet wenige Kilometer außerhalb. Denn südwestlich der Stadt beginnt einer der eindrucksvollsten Küstenabschnitte Nordfrankreichs. Am Cap Blanc-Nez ragen weiße Kreidefelsen bis zu 134 Meter über den Ärmelkanal. Wanderwege führen über die grünen Höhen, während tief unten die Wellen an den Strand rollen. Bei klarem Wetter scheinen die englischen Kreidefelsen auf der anderen Seite zum Greifen nah.

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Etwas weiter südlich liegt das Cap Gris-Nez. Der felsige Vorsprung ist der Punkt des französischen Festlands, der England am nächsten liegt: Bis Dover sind es gerade einmal 34 Kilometer. Seit 2011 tragen beide Kaps gemeinsam das Label Grand Site de France Les Deux-Caps.
In der Bucht dazwischen liegt Wissant, ein hübscher Küstenort mit langem Sandstrand, kleinen Cafés und entspannter Atmosphäre. Hier versteht man schnell, warum die Region Côte d’Opale heißt. Denn je nach Wetter und Licht schimmert das Meer in den unterschiedlichsten Blau-, Grün- und Grautönen.
Wer einen ganzen Tag Zeit hat, fährt die Küstenstraße entlang und legt mehrere Stopps ein. Vor allem zum Wandern ist die Gegend wunderschön. Allerdings sollte man auf den ausgewiesenen Wegen bleiben und Abstand zu den Abbruchkanten der Klippen halten.
Weitere Infos zu Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen und Ausflügen gibt es bei Calais XXL Tourisme. Dieser Link führt auf die offizielle Tourismusseite von Calais.


