Manche Städte besitzen eine Altstadt. Luxor besitzt dagegen gleich eine ganze antike Metropole. Wo heute Autos hupen, Händler ihre Waren anbieten und Ausflugsboote über den Nil schippern, regierten vor mehr als 3.000 Jahren mächtige Pharaonen. Ihre Tempel und Gräber gehören bis heute zu den außergewöhnlichsten Bauwerken der Menschheit.
Luxor liegt im Süden Ägyptens, auf dem Gebiet des antiken Theben. Die Stadt war zeitweise Hauptstadt des ägyptischen Reiches. Der Nil teilt sie in zwei Hälften: Am Ostufer liegen das moderne Stadtleben und die großen Tempel. Am Westufer erstreckt sich dagegen das einstige Reich der Toten mit den berühmten Königsgräbern. Seit 1979 gehören die antiken Stätten von Theben deshalb zum Unesco-Welterbe.
Wer vorher noch durch die Hauptstadt reist, findet Tipps in unserem Beitrag zu Kairo.

Foto: Sean Wang/Unsplash
Karnak-Tempel: Ein steinerner Wald für die Götter
Wer vor den wuchtigen Säulen des Karnak-Tempels steht, fühlt sich schnell winzig. Denn die Anlage im Norden der Stadt gehört zu den größten Tempelbezirken der Antike. Über viele Jahrhunderte ließen Pharaonen hier Heiligtümer, Höfe, Obelisken und gewaltige Eingangstore errichten. Im Mittelpunkt stand dabei die Verehrung des Gottes Amun.
Vor allem der Große Säulensaal beeindruckt. Er hat 134 mächtige Säulen aus Sandstein, die zwölf höchsten sind rund 21 Meter hoch. Ihre Kapitelle erinnern an geöffnete Papyrusblüten. Reliefs und Hieroglyphen erzählen außerdem von religiösen Festen und den Siegen der Könige. Wer zwischen den Säulen hindurchgeht, fühlt sich deshalb fast wie in einem versteinerten Wald. Zu den Höhepunkten zählen zudem der Heilige See, an dem sich einst die Priester rituell reinigten, und der fast 30 Meter hohe Obelisk der Hatschepsut.

Foto: Lichtwolke/Shutterstock.com
Tipp: Am frühen Morgen ist die Hitze noch erträglich, außerdem ist das Licht dann besonders schön. Es lohnt sich zudem, nach oben zu schauen. Denn viele Verzierungen entdeckt man erst an den Kapitellen.
Luxor-Tempel: Besonders am Abend ein Erlebnis
Mitten im Zentrum, direkt an der Nilpromenade, steht der Luxor-Tempel. Er bildet einen reizvollen Kontrast zum Alltag der modernen Stadt. Seine heutige Gestalt verdankt er vor allem Amenophis III. und Ramses II. Vor dem Eingang sitzen gewaltige Statuen von Ramses II., daneben ragt ein Obelisk auf. Ursprünglich standen hier allerdings zwei. Den zweiten schenkte Ägyptens Herrscher Muhammad Ali im 19. Jahrhundert Frankreich, seitdem steht er auf der Place de la Concorde in Paris. Im Inneren des Tempels warten Säulengänge, Höfe und kunstvoll verzierte Wände.

Foto: AlexAnton/Shutterstock.com
Spannend ist auch die Geschichte des Ortes. Denn innerhalb der Anlage steht bis heute die Abu-Haggag-Moschee. Sie zeigt, wie verschiedene Religionen diesen Ort über Jahrhunderte geprägt haben.
Tipp: Am schönsten ist der Luxor-Tempel am späten Nachmittag oder nach Einbruch der Dunkelheit. Dann strahlen Scheinwerfer die Säulen und Statuen an, und die Anlage wirkt besonders stimmungsvoll.
Sphinxallee: Auf den Spuren der Pharaonen
Zwischen dem Luxor-Tempel und Karnak verläuft eine alte Prozessionsstraße. Die rund 2,7 Kilometer lange Sphinxallee diente einst für religiöse Feste. Während des Opet-Festes trugen Priester hier zum Beispiel die Götterbilder von einem Heiligtum zum anderen. Über Jahrhunderte lag ein großer Teil der Straße jedoch unter Sand, Häusern und Straßen verborgen.
Erst nach jahrzehntelangen Grabungen wurde die Allee 2021 feierlich wiedereröffnet. Seitdem säumen wieder zahlreiche steinerne Figuren den Weg, darunter Sphingen mit Menschen- und Widderköpfen.

Foto: Sergii Figurnyi/Shutterstock.com
Tipp: Gegen Abend lohnt sich ein Spaziergang entlang der zugänglichen Abschnitte. So verbinden sich antike Architektur und heutiges Stadtleben.
Tal der Könige: Zu Besuch bei Tutanchamun
Auf dem Westufer ändert sich die Landschaft schlagartig. Statt grüner Felder prägen hier karge Hügel und helle Felsen das Bild. Mittendrin liegt eine der berühmtesten archäologischen Stätten der Welt: das Tal der Könige.
Zahlreiche Herrscher des Neuen Reiches ließen sich hier in aufwendig gestalteten Felsgräbern bestatten. Anders als die Pyramiden älterer Epochen sollten die versteckten Gräber die Toten vor Grabräubern schützen. Allerdings ging diese Strategie kaum auf, denn viele Gräber wurden schon in der Antike geplündert.
Weltberühmt wurde das Tal 1922, als der britische Archäologe Howard Carter das Grab von Tutanchamun entdeckte. Darin lagen Tausende Grabbeigaben. Das Grab selbst ist im Vergleich zu anderen Königsgräbern dagegen überraschend klein. Sehenswert sind außerdem die reich verzierten Grabkammern anderer Pharaonen. Ihre Wände zeigen Götter, Symbole und Texte, die den Toten den Weg ins Jenseits weisen sollten.

Foto: Mark Green/Shutterstock.com
Tipp: Nicht alle Gräber sind immer geöffnet, und für einige gelten eigene Eintrittskarten. Die Auswahl deshalb am besten erst vor Ort festlegen.
Hatschepsut-Tempel: Große Architektur vor steilen Felsen
Kaum ein Bauwerk in Luxor fügt sich so eindrucksvoll in die Landschaft wie der Totentempel der Hatschepsut. Seine breiten Terrassen und langen Säulenreihen erheben sich vor einer mächtigen Felswand am Westufer. Rampen verbinden die Terrassen miteinander.
Der Tempel entstand im 15. Jahrhundert vor Christus. Hatschepsut war eine der wenigen Frauen, die als Pharao über Ägypten herrschten. Sehenswert sind vor allem die Reliefs, zum Beispiel die Bilder einer Expedition in das sagenhafte Land Punt. Sie erzählen von Handel, kostbaren Waren und dem Selbstbewusstsein einer mächtigen Herrscherin.
Tipp: Früh am Morgen ist es hier angenehmer. Später staut sich vor der Felswand nämlich oft die Hitze.
Medinet Habu: Reliefs, Farben und weniger Trubel
Wer nach Karnak noch nicht genug von Tempeln hat, sollte Medinet Habu besuchen. Der Totentempel von Ramses III. gehört zu den am besten erhaltenen Anlagen in Luxor. Hinter dem gewaltigen Eingangstor warten Höfe, Säulen und eindrucksvolle Reliefs.

Foto: Aleksandr Ozerov/Shutterstock.com
Einige Reliefs zeigen Kämpfe gegen die sogenannten Seevölker, andere religiöse Rituale. An geschützten Stellen sind sogar Farbreste erhalten. Sie zeigen, dass die Tempel im alten Ägypten einst viel bunter waren als die heutigen Ruinen aus Sandstein. Vor allem die tief eingeschnittenen Hieroglyphen verdienen deshalb einen zweiten Blick.
Tipp: Medinet Habu lässt sich gut mit dem Tal der Könige oder dem Hatschepsut-Tempel kombinieren.
Tal der Königinnen und Deir el-Medina: Die andere Seite der Geschichte
Am Westufer wurden nicht nur Pharaonen bestattet. Im Tal der Königinnen fanden auch Mitglieder der Königsfamilien ihre letzte Ruhe. Berühmt ist vor allem das Grab der Nefertari, einer Gemahlin von Ramses II. Seine prächtigen Malereien gelten als Meisterwerke altägyptischer Kunst. Weil die Farben empfindlich sind, ist der Zugang allerdings manchmal eingeschränkt.
Ein ganz anderes Bild zeigt Deir el-Medina. In dieser Siedlung lebten einst die Handwerker und Künstler, die an den Königsgräbern arbeiteten. Reste ihrer Häuser und bunt bemalte Gräber erzählen von den Menschen, ohne die die berühmten Monumente nie entstanden wären.
Tipp: Deir el-Medina lohnt sich für alle, die neben den Geschichten der Herrscher auch den Alltag im alten Ägypten kennenlernen möchten.
Luxor-Museum: Meisterwerke im kleinen Format
Nach all den Tempeln wirkt das Luxor-Museum angenehm überschaubar. Es liegt an der Nilpromenade und zeigt ausgewählte Statuen, Reliefs und Funde aus der Region. Hier fallen feine Gesichtszüge, Inschriften und Details auf, die in den großen Tempeln leicht untergehen. Ebenfalls in Nilnähe liegt das Mumifizierungsmuseum. Es erklärt, wie die alten Ägypter ihre Toten einbalsamierten und welche Vorstellungen vom Jenseits dahinterstanden.
Tipp: Ein Museumsbesuch passt gut in die heißen Mittagsstunden.
Heißluftballonfahrt: Luxor aus der Vogelperspektive
Noch vor Sonnenaufgang beginnen am Westufer die Vorbereitungen. Spielt das Wetter mit, steigen die Heißluftballons über die Felder auf. Von oben wirken Nil, Palmenhaine, Dörfer und Tempel dann wie eine Landschaft aus verschiedenen Zeitaltern. Ob die Ballons starten dürfen, entscheiden allerdings Wind, Wetter und die Behörden.

Foto: muratart/Shutterstock.com
Tipp: Nur bei zugelassenen Anbietern buchen und die Fahrt möglichst nicht auf den letzten Urlaubsmorgen legen. So bleibt bei einer Absage noch Spielraum.
Felukenfahrt: Der Nil im Abendlicht
Nach staubigen Wegen und heißen Tempelhöfen ist der Nil eine willkommene Abwechslung. In einer traditionellen Feluke gleitet man unter Segeln an Palmen, Häusern und Gärten vorbei. Am schönsten ist die Stimmung am späten Nachmittag, wenn die Sonne das Wasser golden färbt. Da eine Feluke vom Wind abhängt, geht es bei Flaute allerdings sehr gemächlich voran. Aber auch das gehört zum Erlebnis.

Foto: Alexandra Lande/Shutterstock.com
Tipp: Vor dem Ablegen Preis, Dauer und Route klar vereinbaren.
Souk und Nilpromenade: Das lebendige Luxor
Bei all den Gräbern und Tempeln vergisst man leicht, dass Luxor auch eine ganz normale ägyptische Stadt ist. Rund um den Souk stapeln sich Gewürze, Stoffe, Schmuck und Souvenirs. Händler bieten ihre Waren an, und aus kleinen Cafés duftet es nach Tee und Kaffee. Handeln gehört hier zum Einkauf dazu. Am besten verhandelt man deshalb freundlich, gelassen und ohne Zeitdruck.
Ruhiger geht es an der Corniche zu, der Promenade am Nil. Hier kann man den Booten zusehen oder den Tag in einem Café ausklingen lassen. Auch ein Blick auf die Speisekarten lohnt sich. Denn ägyptische Klassiker wie Koshari aus Reis, Nudeln, Linsen und würziger Tomatensauce gehören ebenfalls zu Luxor.

Foto: hussein farar/Shutterstock.com
Weitere Infos zu Sehenswürdigkeiten und Ausflügen in Luxor gibt es auf der offiziellen ägyptischen Tourismusseite. Dieser Link führt auf die Seite Experience Egypt der ägyptischen Tourismusbehörde.


