Wer mit der Deutschen Bahn reist, muss sich häufig entscheiden: günstiges Ticket mit Zugbindung oder teurer Flexpreis mit freier Zugwahl? Auf eine ungewöhnliche Möglichkeit zum Sparen hat die BILD-Zeitung aufmerksam gemacht. Dem Bericht nach testete Verbraucherjournalist Frank Ochse die Strategie mit besonders günstigen Bahntickets. Nach seinen Angaben wurde bei 75 Prozent seiner Testbuchungen die Zugbindung aufgehoben.
Ab 20 Minuten Verspätung entfällt die Zugbindung
Normalerweise müssen Reisende mit einem Super Sparpreis den gebuchten ICE oder IC nehmen. Man spricht in dem Fall von einer Zugbindung. Doch bei einer voraussichtlichen Verspätung von mindestens 20 Minuten am Zielbahnhof wird die Zugbindung bei innerdeutschen Verbindungen aufgehoben. Dann dürfen Fahrgäste einen anderen Zug zum gebuchten Ziel nutzen. Besonders interessant: Die Fahrt muss nicht am geplanten Tag stattfinden. Die Deutsche Bahn bestätigt auf ihrer Website ausdrücklich, dass Reisende ihre Fahrt beispielsweise drei Wochen später antreten dürfen. Grundsätzlich ist das sogar bis zu einem Jahr nach dem ursprünglich gebuchten Reisedatum möglich.
So funktioniert der Bahn-Spartrick
Angenommen, man kauft ein besonders günstiges ICE-Ticket von Köln nach Berlin für 6,99 Euro. Den ursprünglich gebuchten Zug möchte man aber gar nicht nutzen. Stattdessen beobachtet man, ob die Verbindung am Reisetag mindestens 20 Minuten Verspätung am Zielbahnhof hat. Ist das der Fall, entfällt die Zugbindung. Das Ticket kann anschließend für eine spätere Fahrt verwendet werden. Genau darauf setzt die von BILD beschriebene Strategie.
Laut BILD eignen sich dafür vor allem längere Zugverbindungen mit vielen Zwischenhalten. Auf langen Strecken mit vielen Zwischenhalten können sich Verspätungen unterwegs summieren. Deshalb setzt die von BILD beschriebene Strategie besonders auf solche Verbindungen. Auch Verbindungen über stark belastete Bahnknotenpunkte wie etwa Köln, Frankfurt oder Hannover können interessant sein. Besonders kurze Umsteigezeiten erhöhen das Risiko, einen Anschlusszug zu verpassen. Eine Garantie für die Aufhebung der Zugbindung ist das freilich nicht.
Wie weist man die Verspätung nach?
Wer die Benachrichtigungen zur Reise aktiviert hat, wird von der Deutschen Bahn per E-Mail oder Push-Nachricht über Verspätungen und Fahrplanänderungen informiert. Auf die Benachrichtigung allein sollte man sich allerdings nicht verlassen. Die Bahn empfiehlt, die Verbindung zusätzlich in der Reiseauskunft zu überprüfen. Ob die Zugbindung aufgehoben wurde, lässt sich in der App DB Navigator oder auf bahn.de überprüfen. Eine schriftliche Bestätigung ist bei innerdeutschen Verbindungen grundsätzlich nicht erforderlich. Trotzdem empfiehlt es sich, entsprechende Mitteilungen und Screenshots aufzubewahren. Das kann hilfreich sein, wenn das Ticket erst Monate später genutzt werden soll.

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Der Trick klappt allerdings nicht immer. Ist der gebuchte Zug pünktlich, bleibt das Ticket an diese Verbindung gebunden. Wer mehrere günstige Tickets auf Verdacht kauft, kann also Geld verlieren. Und auch wenn die Zugbindung aufgehoben wird, gelten weiterhin Einschränkungen: Start und Ziel der Reise bleiben gleich, nur die Strecke dazwischen darf sich ändern. Ob die Deutsche Bahn ihre großzügigen Regeln wegen solcher Spartricks irgendwann ändert, ist offen.
Lohnt sich der Trick?
Besonders interessant ist die Strategie für Reisende, die regelmäßig dieselbe Strecke fahren und bei ihrer Fahrt mit der Bahn flexibel sind. Sie können unter Umständen viel Geld sparen. Wer dagegen zwingend einen bestimmten Zug an einem bestimmten Tag erreichen muss, sollte sich auf den Trick auf keinen Fall verlassen. Schließlich bleibt die entscheidende Voraussetzung eine erhebliche Verspätung.
Aktuell bietet die Deutsche Bahn besonders viele günstige Fahrkarten an. Noch bis einschließlich 6. November 2026 stehen eine Million zusätzliche Sparpreis-Tickets ab 6,99 Euro zur Verfügung, schreibt die Bahn in ihrer Pressemitteilung. Die Tickets können für Reisen bis zu einem Jahr im Voraus gebucht werden. Unabhängig davon verkauft die Bahn auch weiterhin Last-Minute-Tickets ab 6,99 Euro für ausgewählte ICE- und IC-Verbindungen.


