Kulinarik

Alain Ducasse in Rabat: »Aldabaran« eröffnet im Mohammed VI Tower

Im 33. Stock des höchsten Gebäudes Marokkos serviert Alain Ducasse jetzt Küche von der Riviera. »Aldabaran« ist sein erstes Restaurant im Land, und es öffnet schon zum Frühstück.

Foto: Aldabaran Alain Ducasse

Rabat stand lange im Schatten von Marrakesch und Fès. Die Hauptstadt galt als Stadt der Ministerien und Botschaften, ruhig, korrekt, ein wenig verschlossen. Wer kam, besuchte die Kasbah der Oudaya und den Hassan-Turm und fuhr weiter. Seit Kurzem verändert ein Gebäude die Silhouette am Ufer des Bouregreg: Der Mohammed VI Tower ragt über die Zwillingsstädte Rabat und Salé, schlank und gebogen wie eine Rakete kurz vor dem Start. Im April eröffnete darin das Waldorf Astoria Rabat Salé mit 55 Zimmern und Suiten. Ende September kam Alain Ducasse nun selbst nach Rabat, um das Restaurant offiziell vorzustellen, das dem Haus seine kulinarische Handschrift geben soll.

Wer ist Alain Ducasse?

Alain Ducasse wuchs auf einem Bauernhof in den Landes im Südwesten Frankreichs auf. Er lernte bei Michel Guérard, Roger Vergé und Alain Chapel, also bei den Köchen, die die französische Küche in den Siebzigern leichter und produktnäher machten. 1984 überlebte er als Einziger einen Flugzeugabsturz in den Alpen und verbrachte Monate im Krankenhaus. Drei Jahre später übernahm er das »Louis XV« im Hôtel de Paris in Monte-Carlo. 1990 erhielt es drei Michelin-Sterne, es gilt als erstes Hotelrestaurant mit dieser Auszeichnung. 2005 führte Ducasse als erster Koch drei Restaurants mit jeweils drei Sternen in drei Ländern: in Monaco, Paris und New York.

Alain Ducasse im hellen Hemd am Eingang seines Restaurants Aldabaran im Mohammed VI Tower in Rabat

Foto: Aldabaran Alain Ducasse

Heute ist Ducasse mehr Unternehmer als Koch am Herd. Zu seiner Gruppe gehören Restaurants auf mehreren Kontinenten, Kochschulen und eine Schokoladenmanufaktur in Paris. Ein Ducasse-Restaurant bedeutet deshalb eine Handschrift und ein System. Im neuen Restaurant »Aldabaran« in Rabat leitet Morgan Perrigaud die Küche. Ducasses Team hat Karte, Abläufe und Service mitentwickelt. Inhaltlich hat sich Ducasse in den vergangenen Jahren immer weiter reduziert: Gemüse, Fisch und Getreide rückten in den Mittelpunkt, aufwendige Saucen und Luxusprodukte traten zurück. Marokko soll dabei keine Ausnahme bleiben. Mit der Köchin Fatema Hal plant Ducasse bereits ein zweites Haus im Palais Jamaï in Fès.

Ein Stern, der den Plejaden folgt

Der Name »Aldabaran« verweist auf den hellsten Stern im Sternbild Stier. Arabische Astronomen nannten ihn al-Dabarān, »der Folgende«, weil er am Nachthimmel den Plejaden hinterherzieht. Die europäische Schreibweise Aldebaran setzte sich später durch, das Restaurant hält sich enger an das arabische Original. Das Motiv zieht sich durch das ganze Hotel: Die Uhr in der Peacock Alley im 30. Stock, eine Neuinterpretation der berühmten Lobby-Uhr des New Yorker Waldorf Astoria, bildet das Sonnensystem nach.

Foto: Aldabaran Alain Ducasse

Frühstück bei Ducasse

Ungewöhnlich ist die Tageszeit: »Aldabaran« serviert jeden Morgen Frühstück, was nach Angaben des Hauses nur wenige Restaurants im Ducasse-Portfolio tun. Morgens kommen hausgemachtes Gebäck auf den Tisch und Ducasses Klassiker, die Cocotte aus Eiern und Pilzen, hier mit hauchdünn gehobeltem Wagyu-Schinken. Dazu bringt der Service Madeleines, noch warm in ihren Backförmchen.

Riviera mit Zitronen aus dem Norden von Fès

Mittags und abends kocht die Küche von der Côte d’Azur: Petits farcis, das gefüllte Gemüse aus Nizza, Gambero rosso mit Ricotta-Tortellini oder Lamm mit Caponata. Spannend wird es dort, wo Marokko ins Spiel kommt. Perrigaud bezieht Zitrusfrüchte von L’Agrumiste. Laurent Boughaba baut auf rund 100 Hektar in M’Kansa, eine Autostunde nördlich von Fès, mehr als 250 Sorten an. Bergamotte und Yuzu wachsen dort neben seltenen Zitronen und Mandarinen. Gerade dieser Austausch dürfte darüber entscheiden, ob »Aldabaran« mehr wird als ein exportiertes Monte-Carlo.

Zitronendessert in einer Glasschale auf schwarzem Marmortisch im Aldabaran

Foto: Aldabaran Alain Ducasse

Die Weinkarte folgt derselben Logik. Marokko hat eine lange Weinbautradition, die meisten Gäste aus Europa kennen sie trotzdem kaum. Die Karte stellt die Anbaugebiete des Landes vor und ergänzt sie um Frankreich, von Grands Crus aus Bordeaux und Burgund bis zu kleinen Erzeugern an Rhône und Loire.

Zellige, Art déco und der Blick bis zum Atlantik

Den Raum gestaltete Pierre-Yves Rochon, der auch das Hotel eingerichtet hat und in Paris das Four Seasons George V prägte. Die geschwungene Form des Restaurants nimmt die Kurven des Turms auf. Handgefertigte Zellige-Fliesen und Keramik in Schwarz und Gold zitieren marokkanisches Handwerk, ebenso Details in der Technik der Damaszierung. Geometrische Formen und ein schwarzer Holzboden mit schwarz-weißen Akzenten verweisen auf das Art déco der Ville Nouvelle, die Rabat unter französischem Protektorat bekam. Durch raumhohe Fenster schweift der Blick über Rabat und Salé, das Tal des Bouregreg und hinaus auf den Atlantik.

Gut zu wissen

Private-Dining-Raum im Aldabaran mit ovaler Tafel, Kronleuchter und Blick über Rabat auf den Atlantik

Foto: Waldorf Astoria Rabat-Salé

»Aldabaran« liegt im 33. Stock des Waldorf Astoria Rabat Salé im Mohammed VI Tower. Frühstück gibt es täglich, Mittagessen von Mittwoch bis Sonntag, Abendessen von Dienstag bis Samstag. Reservierungen über SevenRooms, telefonisch unter +212 5 30 48 20 20 oder per E-Mail an rbart.restaurants@waldorfastoria.com.

Häufige Fragen

Wo liegt das Restaurant Aldabaran?
Aldabaran liegt im 33. Stock des Mohammed VI Tower im Waldorf Astoria Rabat Salé, an der Grenze zwischen Rabat und Salé.
Ist Aldabaran das erste Restaurant von Alain Ducasse in Marokko?
Ja, Aldabaran ist das erste Restaurant des französischen Spitzenkochs in Marokko. Ein zweites Haus im Palais Jamaï in Fès ist in Planung.
Wer kocht im Aldabaran?
Küchenchef ist Morgan Perrigaud. Alain Ducasses Team hat Karte, Küche und Service mitentwickelt.
Welche Küche serviert Aldabaran?
Die Karte orientiert sich an der Côte d'Azur und verarbeitet Produkte aus Marokko, etwa Zitrusfrüchte von einer Plantage nördlich von Fès.
Kann man im Aldabaran frühstücken?
Ja, Aldabaran serviert täglich Frühstück. Mittagessen gibt es von Mittwoch bis Sonntag, Abendessen von Dienstag bis Samstag.
Was bedeutet der Name Aldabaran?
Der Name geht auf den Stern Aldebaran zurück, arabisch al-Dabarān, »der Folgende«. Er folgt am Himmel den Plejaden.
Jennifer Latuperisa-Andresen
Je kälter, karger und einsamer es um sie herum wird, desto höher schlägt Jennys Herz. Wer braucht schon Palmen im Urlaub, wenn man auch Eisberge haben kann? Deshalb verbringt die Chefredakteurin aus dem Ruhrpott ihre Sommer auch gerne mal in der Arktis bei den Eisbären. Sie sagt: Das ewige Eis kann zur Sucht werden.