Foto: Sivan Askayo / Almanac Palais Vienna
Hotels

Almanac Palais Vienna: Lässiger Luxus in zwei Wiener Palais

Luxus, der sich durch eine zurückhaltende Lässigkeit auszeichnet, ist erst so richtig sexy. Beweisstück A: Das Almanac Palais Vienna. Davon konnte sich Harald Braun selbst ein Bild machen. Und das ganz ohne Krawatte.

Schon bevor ich das Almanac betrete, bin ich ein wenig beeindruckt. Allein die Lage des Hotels! Direkt vor der Tür zieht der berühmte Wiener Ring seine perfekte Schleife um die Stadt, diese große Wiener Geste aus Stein und Geschichte. Oper, Parks, Museen – all das befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hotels. Zwar wird niemand behaupten, dass der Eingang selbst viel hermacht. Doch wenn man die erste, recht unscheinbare Tür am Parkring hinter sich gelassen hat, weitet sich der Blick auf ein offenbar sehr fein inszeniertes Palais. Ein Palais, richtig gelesen. Ehrlich gesagt hatte ich mich schon gefragt, ob ich der Richtige für solch ein Etablissement bin. Ist so ein schicker Palast nicht ein wenig zu steif und mondän für einen Typen, der nicht mal eine Krawatte im Schrank verwahrt?

Historische Fassade des Almanac Palais Vienna mit hellem Stuck und dem Schriftzug Almanac über dem Eingang, davor kahle Bäume vor türkisfarbenem Himmel.

Foto: Almanac Palais Vienna

Zwei historische Palais, neu zusammengesetzt

Die Lobby ist hell, pur, nichts Plüschiges, nichts, das sich anbiedert. Glatte Flächen, klare Linien, ein Geruch nach Kaffee, Vanille, dazu etwas Metallisches, eine nicht zu übersehende Skulptur in der Mitte des Raums. Trotzdem kein Ort, der nach Aufmerksamkeit schreit – eher einer, der sie diskret voraussetzt. Das Hotel repräsentiert in Stein gemeißelte Geschichte: In Wahrheit handelt es sich dabei um gleich zwei »Paläste« am Parkring 14 und 16, dem Palais Henckel von Donnersmarck (richtig, die Familie des Hollywoodregisseurs) und dem Palais Leitenberger. Beide erbaut im 19. Jahrhundert, vor einigen Jahren von neuen Besitzern entkernt, mit Stil und Gegenwart aufgeladen und gemeinsam neu zusammengesetzt.

Goldglänzende Bronzeskulptur von Erwin Wurm in Gestalt eines Mantels auf zwei Beinen in der Lobby, im Hintergrund geht eine Frau in Bewegungsunschärfe vorbei.

Foto: Almanac Palais Vienna

Entstanden ist ein zugegeben leicht labyrinthisch anmutendes Juwel moderner Gastlichkeit (beim Versuch, von meinem Zimmer ins Gym zu kommen, musste ich zwar nur ein Stockwerk, aber zwei unterschiedliche Aufzüge nutzen …). Hinter dem Konzept steht die Wiener Familie Haselbacher, die bereits in Barcelona und Prag Almanac-Häuser betreibt und weitere Hotels in Europa plant (Funfact: Herbert Haselbacher ist in Wien vor allem durch seine frühere Karriere als Basketballprofi bekannt). Die beiden hochherrschaftlichen Palais in Wien wurden stilistisch entstaubt. Das Ergebnis: klare, von überflüssigem Zierrat befreite Räume, klarer Fokus auf Funktion. »Lean Luxury« nennt man das wohl, Reduktion auf wenig, aber effektives Design. 31 Zimmer und 80 Suiten. Manche Suiten verfügen über eine eigene Sauna, eine davon ist stolze 200 Quadratmeter groß.

Wu-Tang Clan und nationale VIPs: Wer im Almanac gern absteigt

Wie man hört, wissen auch diverse Prominente aus aller Welt den Schutz der Privatsphäre zu schätzen, den das Almanac auf allen Ebenen bietet. Über Namen spricht man hier (natürlich) nicht, aber dass etwa der Wu-Tang Clan aus New York kein großes Geheimnis daraus macht, wo er in Wien absteigt, können wir als Referenz anbieten. Dazu passt, dass ich auf dem Weg durch das Hotel gleich mal auf die Security-Leute eines nationalen VIPs treffe, eines Stammgasts des Hauses.

Historische Eingangshalle mit hoher, reich verzierter Gewölbedecke und Marmorsäulen, mit Blick durch die geöffnete Glastür ins herbstliche Freie.

Foto: Tony Gigov / Almanac Palais Vienna

Ich schlendere durch die Beletage des Almanac, auch hier hohe Räume, große Fenster: Geschichte ohne Pathos. Früher wurde hier repräsentiert, Hof gehalten, wenn man so will. Heute ist die Beletage eine exklusive Bühne für Hochzeiten, Empfänge und Veranstaltungen aller Art. Das ist so gewollt: Die Beletage hat die Verwandlung in die zeitgenössische Moderne verweigert und verfügt über eine Grandezza, die nicht wegkuratiert wurde. Man bewegt sich hier automatisch ein wenig langsamer, spricht leiser, als hätte dieser Raum ein Gedächtnis. »Die Geschichte ist da«, sagt Frank Spielmeyer, der Direktor des Hotels, »aber sie bestimmt nicht den Ton.« Damit meint er zwar konkret gerade die Beletage des Almanac, liefert aber gleichzeitig auch ein Statement, das für sein gesamtes Haus gelten könnte.

Restaurant Donnersmarkt: Lange Tafel, viel Gemüse und Wiener Patisserie

Auch kulinarisch überzeugt das Almanac mit bodenständiger Exzellenz: Das hauseigene Restaurant trägt den Namen Donnersmarkt, eine Wortspiel-Reminiszenz an die früheren Besitzer von Donnersmarck. Es verzichtet ebenso wie die Zimmer des Hotels auf theatralische Gesten und lenkt den Blick auf wenige, aber spektakuläre Highlights. Die lange Tafel etwa, die zur Geselligkeit beitragen soll, indem sie Hotelgäste beim Essen zwangsläufig miteinander ins Gespräch bringt. Ein Schwerpunkt der Küche liegt auf vegetarischen oder sogar veganen Speisen, Nachhaltigkeit auf allen Ebenen ist für das Almanac eine Selbstverständlichkeit. Wobei kulinarische Raffinesse durchaus gewünscht ist: Die Desserts etwa werden von einer Patissière mit Wiener Ausbildung und internationalem Schliff zubereitet.

Noch ein Bonus: Der Service! Das Personal gibt sich unaufgeregt freundlich, aufmerksam, aber ohne jede Form von Aufdringlichkeit. Niemand fragt zu viel, niemand erklärt zu lange. Dienstleistung ist hier keine antrainierte Pose, sondern selbstverständliche Grundhaltung. Man wird gesehen, aber nicht beobachtet – ein Unterschied, den ich selten so klar wahrgenommen habe.

Café Elias: New Yorker Coolness mitten in Wien

Ein paar Schritte nur vom Restaurant Donnersmarkt entfernt öffnet sich der hauseigene Elias Coffee Shop zur Straße hin. An den Tischen auf dem Bürgersteig sitzen junge Menschen im Freien, augenscheinlich nicht nur Hotelgäste. Sie lehnen sich zurück und schauen so selbstbewusst in die Stadt hinein, als gehöre sie ihnen. Das Café Elias hat etwas lässig New-Yorkisches. Weiß gekachelte Wände zum Beispiel wie einst bei Dean & DeLuca in den Coffeeshops der Starck-Hotels – diese Mischung aus urbaner Selbstverständlichkeit und gediegener Coolness. Drinnen Espresso, draußen Gesprächsfetzen, dazwischen eine Leichtigkeit, die dem restlichen Haus noch ein wenig vorauseilt.

Foto: Almanac Palais Vienna

Kunst in Form von Gemälden und Skulpturen spielt zudem in jedem Bereich des Hotels eine Rolle, ohne dabei banale Dekoration zu sein oder sich besonders in den Vordergrund drängen zu wollen. Kooperationen des Hotels laufen mit Belvedere, Albertina oder etwa der Viennacontemporary. Ungewöhnlich auch ein Kellerraum des Hauses, der als schallisolierter Club für Sportübertragungen oder etwa Techno-Yoga genutzt wird. Für Formate also, die man nicht sofort einem Luxushotel zuordnen würde. Ich schlendere noch einmal durch die Flure des Hotels, und meine bange Frage ploppt wieder auf, bevor ich das Almanac betrat: Würde ich mich hier wohlfühlen? Passe ich hier rein? Die Antwort fällt leicht. Zweimal: unbedingt. Und dafür müsste ich mir nicht mal eine Krawatte zulegen.

Wohnbereich der Klimt-Suite mit gerahmter Bleistiftzeichnung an der Wand und rundem Holztisch, auf dem ein Gugelhupf mit frischen Beeren und eine Espressotasse stehen, dazu gelbe Sonnenblumen und ein grüner Sessel.

Foto: Tony Gigov / Almanac Palais Vienna


Almanac Palais Vienna, Parkring 14/16, 1010 Wien, Österreich. Nacht im DZ ab 300 Euro, Nacht in der Suite ab 450 Euro, www.almanachotels.com/de/vienna

Häufige Fragen

1. Wie plant man einen Städtetrip nach Wien?
Wien ist gut mit der Bahn erreichbar, ökologisch korrekt etwa mit dem ICE ab München in nur vier Stunden. In der Stadt selbst zahlt sich die Vienna City Card für günstigen Eintritt in Museen und vergünstigte Fahrten mit der Bim aus. Die meisten Sehenswürdigkeiten im ersten Bezirk sind leicht zu Fuß erreichbar.
2. Was sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten am Wiener Ring?
Am Wiener Ring reihen sich prunkvolle Bauten wie die Wiener Staatsoper, die Hofburg mit dem Heldenplatz, das Kunsthistorische und das Naturhistorische Museum gegenüber, das Parlament mit der Pallas-Athene-Statue, das Rathaus und das Burgtheater. Weitere wichtige Gebäude sind das Universitätshauptgebäude, die Votivkirche und die Postsparkasse von Otto Wagner.
3. Wie erkundet man den Ring am besten?
Ein Klassiker ist der Spaziergang entlang der gesamten Ringstraße, beginnend etwa am Schottentor, von wo aus man Universität, Rathaus, Burgtheater, Parlament, Museen und Oper nacheinander passiert. Alternativ fährt man eine Runde mit der Ringstraßenbahn Linie 1 oder 2, um alle Prachtbauten bequem zu überblicken.
Harald Braun
Harald liebt heiße Orte. Also so richtig heiß, gerne über 35 Grad, wie zum Beispiel in Australien oder Thailand. Und während andere hier nach einer Abkühlung suchen, fläzt Harald gern in der Sonne oder erkundet aktiv die Gegend. Allerdings nur an Land. Wasser mag der Wahl-Schleswig-Holsteiner so gar nicht.