Schon die Zufahrt auf das weite Gelände macht klar, dass hier eine andere Idee verfolgt wird als in den dunkel getäfelten Häusern mit maurischen Anklängen, die sich sonst an der andalusischen Küste reihen. Weiße Kuben, klare Kanten, wenig Zierrat. Ob sich das eher als Modernismus oder als Referenz an die Betonoptik lesen lässt, die auf Ibiza und Mykonos längst zum Standard gehört, darf offenbleiben. Zum Aperol Spritz und zu leuchtenden Sneakern, die hier oft in Kombination zu sehen sind, passt beides. Die Eingangshalle als Rezeption zu bezeichnen, wäre untertrieben. Der Raum ist groß, hell und sehr aufgeräumt, und das berühmte Licht von Cádiz fällt so hinein, dass Filter überflüssig werden.

Foto: Jorge Morales
352 Zimmer: Helle Naturtöne, breite Betten und reichlich Kissen
Die Zimmer und Suiten folgen bekannter Strandhotelästhetik: helle Naturtöne, viel Holz, weiche Stoffe und indirektes Licht. Die Betten fallen ausgesprochen großzügig aus. Bei der Kissenausstattung wurde ebenfalls nicht gespart, weshalb das abendliche Freiräumen der Liegefläche eine gewisse Vorlaufzeit braucht. Ähnliches gilt für die im Raum verteilten Lichtquellen, die erst einmal gefunden werden wollen.
Gestalterisch geht es weniger um Effekt als um Ruhe. Viele Einheiten bieten Meerblick oder wenigstens einen seitlichen Ausschnitt des Atlantiks, Balkone gehören zur Grundausstattung. Technisch bleibt wenig offen, von großen Flatscreens über schnelles WLAN und Klimaanlage bis zu Kaffeemaschine, Regendusche und USB-Anschlüssen. Der Gesamteindruck ist angenehm unaufgeregt.

Foto: Verum Hotel Development
Und was ist mit Wellness?
Dass ein Strandhotel mit überwiegend jungem Publikum keinen balinesischen Tempel errichten muss, leuchtet ein. Dass in einem Haus, das in Spitzenzeiten deutlich mehr als 500 Gäste beherbergt, ein einziger Behandlungsraum für sämtliche Massagen bereitsteht, ist dagegen eine sportliche Entscheidung. Angeboten werden Massagen und Beauty-Anwendungen der Marke Germaine de Capuccini, empfehlenswert ist die Amazonas-Massage.
Laut Hotel soll das Konzept demnächst überarbeitet werden. Die Grundidee bleibt allerdings, dass möglichst viel unter freiem Himmel stattfindet, mit Blick auf die Pools und das Meer. Der Fitnessraum überzeugt unabhängig davon. Eine geschickt gesetzte Spiegelwand suggeriert zwar etwas mehr Fläche, als tatsächlich vorhanden ist, doch Ausstattung und Tageslicht stimmen.

Foto: Jorge Morales
Rooftop mit Sterneküche: Was das Hayaca auf den Teller bringt
Kulinarisch bewegt sich das Haus in einem Feld, das sich als gehobene Urlaubsgastronomie mit Lifestyle-Anteil beschreiben lässt. Mehrere Restaurants, eine Rooftop-Bar, eine Poolbar und Loungeflächen stehen zur Wahl. Das Niveau der Küche reicht dabei von gut bis herausragend, unabhängig davon, wo bestellt wird.
Das Restaurant Mare Nostrum bedient Frühstück und Abendessen mit Buffet, inklusive Showcooking. Auf dem Dach liegt mit dem Hayaca das Signature-Restaurant, dessen Konzept Sternekoch Mauricio Giovanini entwickelt hat. Serviert wird lateinamerikanische Küche vor andalusischer Kulisse, dazu kommen Cocktails und ein Sonnenuntergang, der auch abgebrühte Gäste kurz weich werden lässt.

Foto: Jorge Morales
Rund um diesen Sonnenuntergang hat das Hotel ein eigenes Format gebaut. Das Sunset Ritual auf der Dachterrasse kombiniert Signature-Cocktails des Mixologen Diego Cabrera mit dem Blick über die Playa de la Barrosa. Gedacht ist es laut Haus als bewusster Moment, bei dem das Publikum das Verschwinden der Sonne im Atlantik gemeinsam verfolgt.
Was das Amàre von vielen gut aussehenden, aber austauschbaren Häusern unterscheidet, ist ebendiese Atmosphäre. Andalusische Folklore wird hier nirgends aufgetragen. Keine Gitarren an den Wänden, keine Flamenco-Motive, keine bemühte Postkartenromantik. Übrig bleiben Leichtigkeit, Weite und sehr viel Weiß, dazu die Lage an einem acht Kilometer langen Sandstrand mit breiten Dünen und dem Licht, für das die Costa de la Luz ihren Namen trägt.
Mehr zum Hotel
Das Amàre Beach Hotel Sancti Petri hat im Sommer 2026 eröffnet und gehört zur Fuerte Group. Hier geht’s zur Website des Hotels.


