Vom Prager Hauptbahnhof bis zur Tür sind es rund 300 Meter, also wenige Minuten zu Fuß. Wer sie zurückgelegt hat, steht vor einem Bau von 1916, der ursprünglich die Versicherungsanstalt der Zuckerindustrie beherbergte und bis heute Zuckerpalais heißt. Die Dimensionen beeindrucken sofort: hohe Decken, viel Tageslicht, dazu eine Innenausstattung, die sich von klassischer Grandhotellerie bewusst entfernt. Gold und Kristall bleiben außen vor, stattdessen arbeiten die Räume mit Naturmaterialien, gedeckten Tönen und künstlerischen Setzstücken.
Wer nach der Rezeption sucht, braucht einen Moment. Sie liegt in einem Seitenflügel hinter dem gut besuchten Café. Laut Hotel soll so die Lebendigkeit des Hauses in den Vordergrund gestellt werden. Mit einer formellen Rezeption wäre das schwer geworden. Entsprechend liest sich die Lobby eher als kuratierter Wohnraum, mit organischen Formen, warmen Stoffen, Büchern und Kunstobjekten, die aufeinander Bezug nehmen.

Foto: Hyatt/Andaz Prague
Die Zimmer: Böhmische Wälder als Muster auf Teppich und Stoff
Die 176 Zimmer und Suiten verteilen sich auf sechs Etagen. Schon die Einstiegskategorie misst rund 24 Quadratmeter, die Deluxe-Varianten liegen bei etwa 29, die Premium-Zimmer bei 37, und die Junior Suiten reichen bis in den Bereich jenseits von 60 Quadratmetern. Für eine europäische Innenstadtlage ist das großzügig.
Sichtbar wird das Gestaltungskonzept auch hier. Teppiche und Stoffe greifen florale und organische Muster auf, die an böhmische Wälder und an traditionelle tschechische Stickereien erinnern. Die Anspielungen auf heimische Mythologie bleiben dabei durchgehend zurückhaltend.

Foto: Hyatt/Andaz Prague
Die Betten sind hochwertig bestückt, von der Matratze über die Bettwäsche bis zur Kissenauswahl. Bei der Beleuchtung hat jemand mitgedacht: warm, indirekt, dimmbar und vor allem bedienbar, ohne dass sich Gäste durch ein Dutzend Schalter arbeiten müssen. Technisch bleibt wenig offen, von großen Flatscreens über schnelles WLAN bis zur intelligenten Klimasteuerung, ohne dass das Ambiente deshalb digital wirkt. In den Bädern dominieren Naturstein und große Regenduschen. Trotz der zentralen Lage dringt kaum Straßenlärm bis in die Zimmer.
Klara Rott Spa: Reduziert, aber für ein Stadthotel großzügig
Der Wellnessbereich spielt seine Stärke in der Atmosphäre aus. Auf rund 500 Quadratmetern bleibt das Klara Rott Spa bewusst reduziert, mit warmen Materialien, gedämpftem Licht und klaren Linien. Zur Ausstattung gehören zwei Saunen, darunter eine finnische, dazu ein Dampfbad und ein Ruheraum. Behandelt wird in zwei Räumen sowie einem Raum für Paare, das Angebot reicht von Massagen bis zu gängigen Beauty-Anwendungen.
Das Fitnessstudio steht laut Haus rund um die Uhr offen, ausgestattet mit Geräten von Technogym. Frühaufsteher können also trainieren, bevor Prag in Fahrt kommt. Wer eine mehrwöchige Kur plant, ist in einem Stadthotel ohnehin an der falschen Adresse. Für alle anderen stimmt das Verhältnis.

Foto: Hyatt/Andaz Prague
ZEM und MEZ: Wo tschechische Küche auf Izakaya-Kultur trifft
Kulinarisch versucht das Haus den Spagat zwischen regional und international, und das erfolgreich. Das Restaurant ZEM arbeitet mit Produkten aus der Umgebung und interpretiert sie modern. Saisonales Gemüse und Kräuter bilden die Basis, die Gerichte wirken leicht und präzise gearbeitet.
Der eigentliche Dreh liegt woanders. Die Küche mischt tschechische Grundlagen mit Einflüssen aus der japanischen Izakaya-Kultur, zubereitet an einer offenen Küche mit Holzkohle und Dampf. Auf der Karte steht etwa die Duck Tsukune, eine Ente mit japanischer Würzung.

Foto: Hyatt/Andaz Prague
Die MEZ Bar hat sich schnell über den Hotelbetrieb hinaus etabliert und zieht auch Einheimische und Gäste anderer Häuser an. Die Cocktailkarte bezieht sich auf böhmische Mythologie. Beim Frühstück setzt das Andaz auf à la carte statt Buffet, mit frischen Produkten und Rücksicht auf persönliche Wünsche.
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Das Andaz Prague hat im April 2022 eröffnet und liegt am Senovážné náměstí im Stadtteil Nové Město. Mehr unter www.hyatt.com


