Guatemala gilt vielen noch als Geheimtipp, und das liegt weniger am Angebot als am Ruf des Nachbarn. Während Costa Rica seit Jahren als Ökoreise-Klassiker gebucht wird, blieb Guatemala im Windschatten. Dabei bringt es Vulkane und Regenwald ebenso mit wie die Pazifikküste, dazu ein Maya-Erbe, das bis heute den Alltag prägt. Fünf Erfahrungen zeigen, warum sich die zweite Wahl als erste entpuppt.
Zwischen Marktständen und Weberdörfern

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Rund 42 Prozent der Bevölkerung Guatemalas verstehen sich als Maya. Ihre Traditionen sind kein Ausstellungsstück, sondern gelebter Alltag, nirgends so dicht wie auf den Märkten. Der Markt von Chichicastenango zieht donnerstags und sonntags Händler aus der ganzen Region an. Am nahen Hügel Pascual Abaj halten Maya-Priester bis heute Zeremonien ab. Zur örtlichen Tradition gehört auch der »Palo Volador«, bei dem sich Tänzer an einem hohen Holzpfahl festbinden und, an Seilen hängend, spiralförmig zu Boden drehen.
Weiter im Hochland reiht sich Weberort an Weberort. In der Weberstadt Momostenango entstehen Wolldecken nach überlieferter Technik, im Nachbarort San Andrés Xecul prägen die Muster der Huipil-Blusen das Straßenbild. Jedes Muster ist ortsgebunden und verrät, aus welcher Gemeinde die Trägerin stammt. Ein einziges Stück entsteht in monatelanger Handarbeit.
Kaffee aus Vulkanasche, Kakao als frühere Währung

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Rund um Antigua, die bekannteste Kaffeeregion des Landes, wächst Kaffee zwischen mehreren Vulkanen. Die nährstoffreiche Vulkanerde prägt den Geschmack: Bohnen aus über 1.500 Metern Höhe tragen Noten von Karamell und Milchschokolade, dazu florale Aromen.
Antigua ist nur eine von mehreren Kaffeeregionen. Weiter im westlichen Hochland bringen Huehuetenango oder San Marcos durch ihr eigenes Mikroklima ganz andere Geschmacksnoten hervor. Verkosten lässt sich das bei Röstereibesuchen und auf Farmtouren. Noch älter ist die Geschichte des Kakaos.In den nördlichen Bergregionen Alta und Baja Verapaz nutzten die Maya ihn einst als Zahlungsmittel und Ritualgetränk. Heute zeigen Kakaobauern jeden Schritt von der Ernte an, bis in Werkstätten in Antigua Schokolade nach alter Rezeptur entsteht.
Eine Maya-Sprache dort lernen, wo sie gesprochen wird

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Wer eine Maya-Sprache lernen will, ist am Atitlán-See gut aufgehoben. Schöner lassen sich Vokabeln kaum pauken. Der See füllt eine Caldera, die vor rund 84.000 Jahren bei einer gewaltigen Eruption entstand. Mit 340 Metern Tiefe ist er der tiefste See Zentralamerikas. Drei Vulkane rahmen ihn, an seinen Ufern reihen sich zwölf Maya-Dörfer, jedes mit eigener Webtradition. Gesprochen werden hier vor allem die drei Maya-Sprachen K’iche‘, Kaqchikel und Tz’utujil.
Aldous Huxley, Autor des Romanklassikers »Schöne neue Welt«, verglich ihn 1934 mit dem Comer See, nur schöner, weil hier noch ein paar gewaltige Vulkane dazukommen. Bis heute werden in Guatemala 22 Maya-Sprachen gesprochen. Am See unterrichten Sprachschulen neben Spanisch auch K’iche‘ oder Kaqchikel. Oft vermitteln sie auch direkt Zimmer in einer Gastfamilie. Nur wenige Orte weltweit erlauben es, eine indigene Sprache dort zu lernen, wo sie im Alltag lebt.
Tikal, Kulisse für die Rebellen von Star Wars

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Im Petén, der großen Regenwaldregion im Norden Guatemalas, liegt Tikal, eine der mächtigsten Metropolen der Maya-Welt und seit 1979 Unesco-Welterbe.
Die höchsten Tempelpyramiden ragen knapp 70 Meter über das Blätterdach und sind damit so hoch wie ein Hochhaus. Ein Großteil der Stadt liegt bis heute im Wald verborgen.Wer vor Sonnenaufgang zum Tempel IV steigt, hört, wie Brüllaffen und Tukane den Dschungel wecken. Regisseur und Star-Wars-Schöpfer George Lucas ließ 1977 an genau dieser Kulisse die Rebellenbasis aus »Star Wars: Eine neue Hoffnung« spielen.
Wer noch tiefer in den Dschungel will, wandert mehrere Tage bis El Mirador, wo sich die Pyramide La Danta erhebt. Sie ist bis heute größtenteils von Wald überwuchert.
Schlafen mit Blick auf glühende Lava

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Guatemala trägt den Beinamen »Land der 37 Vulkane«. Einen davon erleben Wanderer besonders nah, auf dem Acatenango-Trek, einer Zwei-Tages-Tour mit Übernachtung am Berg. Sie startet meist in Antigua, der alten Kolonialstadt im zentralen Hochland. Der Aufstieg ist anspruchsvoll, auf knapp 4.000 Metern wird die Luft dünn. In vier bis fünf Stunden geht es hinauf zum Hochlager auf 3.600 Metern, gut drei Kilometer Luftlinie vom Nachbarkrater entfernt. Der heißt Fuego, Feuer, und macht seinem Namen alle Ehre. Mehrmals pro Stunde stößt er Aschewolken aus. Nach Einbruch der Dunkelheit laufen glühende Lavaströme über seine Flanken. Vom Zelt im Hochlager sind sie gut zu sehen.
Wer der Lava lieber ganz nah kommt, bleibt in der Gegend von Antigua und steigt auf den Pacaya, einen der sanfteren Vulkane. Das Gestein am Gipfel ist oft noch warm genug, um Marshmallows daran zu schmelzen.
Ganz anders im westlichen Hochland bei Quetzaltenango. Dort führt der Santa María bei Sonnenaufgang zu einem Blick hinab auf den Santiaguito, einen aktiven Lavadom, der seit 1922 fast ununterbrochen ausbricht. Harmlos ist das nicht. Die meisten Explosionen bleiben klein, doch größere schleudern Aschelawinen und Gestein über die Flanken. 1929 brach ein Teil des glühenden Lavadoms ab und raste als Glutlawine ins Tal, Tausende starben. Besucher beobachten das aus sicherer Entfernung, vom rund 1.000 Meter höher gelegenen Gipfel.
Weitere Informationen zu Reisezielen, Anreise und Touren in Guatemala auf der Webseite von Visit Guatemala.


