Ein Sommer an der bretonischen Küste beginnt am besten dort, wo die Boote anlegen. Seefahrt prägt den Alltag der Region seit Generationen, und in jedem Hafen zeigt sich das anders: hier klingende Segelmasten im Wind wie ein loses Glockenspiel, dort der geschäftige Betrieb einer Fischauktion. Wer im Sommer entlang der Häfen reist, bekommt daher nicht nur maritime Postkartenmotive zu sehen, sondern auch einen Einblick in Handwerk und Geschichte, getaktet vom Rhythmus der Gezeiten, der die Region bis heute bestimmt. Den Auftakt macht Frankreichs größter Hafen für Frischfisch.
Le Guilvinec: Frankreichs größter Frischfischhafen
Im Südwesten der Bretagne liegt mit Le Guilvinec Frankreichs größter Hafen für Frischfisch. Das Fischerei-Entdeckungszentrum Haliotika bringt Besuchern die Arbeit auf See näher. An Bord der nachgebauten Bara Breizh erkunden sie Kojen und Fischladeräume. Auf der Kommandobrücke erleben sie virtuell einen Tag auf hoher See. Am Nachmittag ab 16 Uhr kehren die Kutter der Küstenfischer zurück und bringen ihren Fang in die Fischhalle, ebenfalls sehr sehenswert. Zusätzlich bietet Haliotika im Sommer donnerstags deutschsprachige Führungen an, außerhalb der Saison auf Anfrage.
Foto: Alexandre Lamoureux
Doch die Fischer in Le Guilvinec holen nicht nur Fisch aus dem Meer: Auch das Grün darin hat hier seine Fangemeinde. Scarlette Le Corre, Frankreichs erste Fischereikapitänin, begleitet Gäste bei Wattwanderungen zu essbaren Algen, die anschließend gemeinsam zubereitet werden. Auch der Deutsche Martin Loss, früher in internationalen Tech-Konzernen tätig, führt bei seinen Algentouren von April bis Oktober vor, wie wohlschmeckend das Grünzeug aus dem Meer ist. Dabei erklärt er, wie essbare Algen wachsen, und zeigt, wie sich die Pflanzen erkennen und nachhaltig ernten lassen.
Foto: Alexandre Lamoureux
Arzon: Port Crouesty und Port Navalo
Foto: Alexandre Lamoureux
Der Leuchtturm mit dem grünen Dach an der Spitze der Halbinsel Rhuys gehört zu den beliebtesten Fotomotiven der Südbretagne. Er markiert Port Navalo, der sich gemeinsam mit dem jüngeren Port Crouesty die Landzunge zwischen dem Golf von Morbihan und dem Atlantik teilt. Während Port Crouesty erst 1974 entstand und heute zum größten Yachthafen der Bretagne zählt, wurde Port Navalo bereits im 19. Jahrhundert als Fischereihafen gegründet.
Zwischen Arzon und dem gegenüberliegenden Locmariaquer verengt sich die Durchfahrt zum Golf auf nur 900 Meter. Weil sich der gesamte Atlantik im Takt von Ebbe und Flut durch dieses Nadelöhr zwängt, sind die Gezeitenströmungen hier besonders kräftig. Das Wasser zeigt dabei unzählige Blautöne, die sekündlich ineinander übergehen und die Farbe der Meeresoberfläche ständig verändern. Ein weiteres Phänomen: Mit mehr als 2.000 Sonnenstunden im Jahr steht die Region der Küste Südfrankreichs kaum nach.
Bénodet: an der Mündung von Frankreichs schönstem Fluss
Von der Fähre zwischen Bénodet und dem gegenüberliegenden Sainte-Marine öffnet sich der Blick auf den Odet, der als schönster Fluss Frankreichs gilt. Er schlängelt sich vorbei an Herrenhäusern und unberührten Buchten zum Atlantik. Genau an dieser Mündung liegt Bénodet, dessen Name sich vom bretonischen »ben odet« ableitet, zu Deutsch Mündung des Odet.
Der Ort verfügt dabei über zwei Häfen: den alten Hafen, von dem aus schon im Mittelalter Handelsschiffe in Richtung La Rochelle ablegten, und einen Yachthafen für mehrere hundert Boote. Doch nicht nur auf dem Wasser ist Bénodet sehenswert. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte es sich zum beliebten Seebad der französischen Bourgeoisie. Davon zeugen bis heute die stilvollen Villen und die weitläufige Strandpromenade.

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