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Frankreich

Sommer in der Bretagne: Diese 6 Häfen erzählen besondere Geschichten

Die Gezeiten geben in der Bretagne den Takt vor, in der Fischerei ebenso wie im Segelsport. An der Küste der westfranzösischen Halbinsel liegen kleine Yachthäfen neben Frankreichs größtem Frischfischhafen, historische Fischerorte neben alten Festungsbauten. Sechs Häfen erzählen von dieser engen Verbindung zum Meer.

Ein Sommer an der bretonischen Küste beginnt am besten dort, wo die Boote anlegen. Seefahrt prägt den Alltag der Region seit Generationen, und in jedem Hafen zeigt sich das anders: hier klingende Segelmasten im Wind wie ein loses Glockenspiel, dort der geschäftige Betrieb einer Fischauktion. Wer im Sommer entlang der Häfen reist, bekommt daher nicht nur maritime Postkartenmotive zu sehen, sondern auch einen Einblick in Handwerk und Geschichte, getaktet vom Rhythmus der Gezeiten, der die Region bis heute bestimmt. Den Auftakt macht Frankreichs größter Hafen für Frischfisch.

Le Guilvinec: Frankreichs größter Frischfischhafen

Im Südwesten der Bretagne liegt mit Le Guilvinec Frankreichs größter Hafen für Frischfisch. Das Fischerei-Entdeckungszentrum Haliotika bringt Besuchern die Arbeit auf See näher. An Bord der nachgebauten Bara Breizh erkunden sie Kojen und Fischladeräume. Auf der Kommandobrücke erleben sie virtuell einen Tag auf hoher See. Am Nachmittag ab 16 Uhr kehren die Kutter der Küstenfischer zurück und bringen ihren Fang in die Fischhalle, ebenfalls sehr sehenswert. Zusätzlich bietet Haliotika im Sommer donnerstags deutschsprachige Führungen an, außerhalb der Saison auf Anfrage.

Foto: Alexandre Lamoureux

Doch die Fischer in Le Guilvinec holen nicht nur Fisch aus dem Meer: Auch das Grün darin hat hier seine Fangemeinde. Scarlette Le Corre, Frankreichs erste Fischereikapitänin, begleitet Gäste bei Wattwanderungen zu essbaren Algen, die anschließend gemeinsam zubereitet werden. Auch der Deutsche Martin Loss, früher in internationalen Tech-Konzernen tätig, führt bei seinen Algentouren von April bis Oktober vor, wie wohlschmeckend das Grünzeug aus dem Meer ist. Dabei erklärt er, wie essbare Algen wachsen, und zeigt, wie sich die Pflanzen erkennen und nachhaltig ernten lassen.

Foto: Alexandre Lamoureux

Arzon: Port Crouesty und Port Navalo

Foto: Alexandre Lamoureux

Der Leuchtturm mit dem grünen Dach an der Spitze der Halbinsel Rhuys gehört zu den beliebtesten Fotomotiven der Südbretagne. Er markiert Port Navalo, der sich gemeinsam mit dem jüngeren Port Crouesty die Landzunge zwischen dem Golf von Morbihan und dem Atlantik teilt. Während Port Crouesty erst 1974 entstand und heute zum größten Yachthafen der Bretagne zählt, wurde Port Navalo bereits im 19. Jahrhundert als Fischereihafen gegründet.

Zwischen Arzon und dem gegenüberliegenden Locmariaquer verengt sich die Durchfahrt zum Golf auf nur 900 Meter. Weil sich der gesamte Atlantik im Takt von Ebbe und Flut durch dieses Nadelöhr zwängt, sind die Gezeitenströmungen hier besonders kräftig. Das Wasser zeigt dabei unzählige Blautöne, die sekündlich ineinander übergehen und die Farbe der Meeresoberfläche ständig verändern. Ein weiteres Phänomen: Mit mehr als 2.000 Sonnenstunden im Jahr steht die Region der Küste Südfrankreichs kaum nach.

 

Bénodet: an der Mündung von Frankreichs schönstem Fluss

Von der Fähre zwischen Bénodet und dem gegenüberliegenden Sainte-Marine öffnet sich der Blick auf den Odet, der als schönster Fluss Frankreichs gilt. Er schlängelt sich vorbei an Herrenhäusern und unberührten Buchten zum Atlantik. Genau an dieser Mündung liegt Bénodet, dessen Name sich vom bretonischen »ben odet« ableitet, zu Deutsch Mündung des Odet.

Der Ort verfügt dabei über zwei Häfen: den alten Hafen, von dem aus schon im Mittelalter Handelsschiffe in Richtung La Rochelle ablegten, und einen Yachthafen für mehrere hundert Boote. Doch nicht nur auf dem Wasser ist Bénodet sehenswert. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte es sich zum beliebten Seebad der französischen Bourgeoisie. Davon zeugen bis heute die stilvollen Villen und die weitläufige Strandpromenade.

Strandpromenade von Bénodet mit Spaziergängern, Pinien und Strand im Sommer

Foto: Alexandre.ROSA / Shutterstock.com

Foto: Alexandre Lamoureux · Foto: Jérémy Jéhanin

Camaret-sur-Mer: Festungsbaukunst im Unesco-Welterbe

 

Bevor Camaret-sur-Mer für seine Festung bekannt wurde, lebte der Ort vom Fisch, zunächst als Sardinen-, später als Langustenhafen. Passend dazu geht sein Name auf das bretonische Wort für »geschwungener Hafen« zurück. Heute prägt jedoch vor allem ein sechseckiger Turm das Bild. Dieser erhebt sich zwischen den zwei Yachthäfen der Stadt auf einer kleinen, über einen Damm erreichbaren Insel. Errichtet wurde er im 17. Jahrhundert vom Festungsbaumeister Sébastien Vauban, weshalb er seit 2008 gemeinsam mit elf weiteren Vauban-Anlagen in Frankreich zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Seiner kupfergoldenen Farbe im Sonnenlicht verdankt er zudem den Beinamen »goldener Turm«.

Clohars-Carnoët: Postkartenmotiv mit Künstlergeschichte

Foto: Thibault Poriel

Der Hafen von Doëlan bei Clohars-Carnoët liegt zwischen einem roten und einem grünen Leuchtturm in einer Ria, einer vom Meer überfluteten Flussmündung. Weiße Häuser mit blauen Fensterläden säumen die Ufer, dazwischen wiegen sich Segelboote im Wasser. Diese Landschaft inspirierte einst Paul Gauguin, der viel Zeit in Le Pouldu verbrachte, einem weiteren Küstenort von Clohars-Carnoët. An diese Zeit erinnert dort heute ein neues Museum, das die Besucher in Gauguins Bildwelt hineinzieht und sein Werk sowie das seiner Künstlerkollegen nachzeichnet. Bekannt ist der Ort außerdem für die Fischerei. Im 19. Jahrhundert erlebte er seine Blütezeit als Fischerei- und Handelszentrum, und noch heute füllen sich am Nachmittag die Stände der Fischhalle mit dem Fang des Tages.

Saint-Quay-Portrieux: Hauptstadt der Jakobsmuschel

Port d’Armor

Wenn die Fischer in gelber Ölkleidung ihre Kisten an Land tragen, dreht sich in Saint-Quay- Portrieux alles um die Jakobsmuschel. Der Hafenort in der Bucht von Saint-Brieuc im Norden der Bretagne gilt als ihr Zentrum. Von November bis April, während der Fangsaison, lässt sich hier eine traditionelle Muschelauktion erleben. Schauplatz ist der moderne Port d’Armor, der zugleich als Yacht- und Fischereihafen dient. Deutlich ruhiger geht es dagegen im historischen Hafen von Portrieux zu. Reederhäuser und Strandvillen säumen das Ufer, kleine Boote schaukeln bei Flut und liegen bei Ebbe auf dem freigelegten Meeresboden. Im 17. Jahrhundert starteten von hier Expeditionen nach Neufundland. Heute ist der Hafen ein beliebtes Fotomotiv. Damit reiht er sich ein in eine Küste, an der jeder Hafen seine eigene Geschichte vom Leben mit dem Meer erzählt.

Weitere Reiseinformationen zur Region bietet das offizielle Tourismusportal Urlaub Bretagne. Neben Inspirationen für Sehenswürdigkeiten wie die Rosa Granitküste oder Saint-Malo führt es auch eine Übersicht aller Tourist-Informationen in der Bretagne.


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Häufige Fragen

Was macht die Häfen der Bretagne im Sommer besonders?
Anders als reine Badeorte leben die bretonischen Häfen von ihrer Mischung aus Arbeit und Freizeit. Zwischen Fischkuttern und Segelbooten lässt sich echtes maritimes Alltagsleben beobachten, während Museen wie Haliotika in Le Guilvinec oder das Museum bei Clohars-Carnoët die Geschichte der Region erlebbar machen.
Wann ist die beste Reisezeit für einen Hafenurlaub in der Bretagne?
Für sommerliches Hafenleben eignen sich die Monate von Frühling bis Herbst am besten, wenn Führungen, Bootsausflüge und Auktionen in vollem Gange sind. Die Fangsaison der Jakobsmuschel in Saint-Quay-Portrieux liegt dagegen zwischen November und April.
Welche Häfen passen zu welchen Interessen?
Familien finden in Le Guilvinec und Bénodet Fischerei und Strandleben. Wer sich für Geschichte interessiert, kommt in Camaret-sur-Mer mit seiner Vauban-Festung und in Clohars-Carnoët auf den Spuren von Paul Gauguin auf seine Kosten. Segel- und Yachtsport haben ihr Zentrum in Port Crouesty und Port Navalo bei Arzon.
Wie lässt sich eine Sommerroute entlang der Häfen planen?
Die sechs Häfen liegen über die bretonische Küste verteilt: Le Guilvinec, Bénodet und Clohars-Carnoët im Südwesten, Camaret-sur-Mer an der Westspitze, Arzon im Süden (Morbihan) und Saint-Quay-Portrieux im Norden. Eine mögliche Route führt grob von der Nordküste über die Westspitze in den Südwesten und weiter in den Süden, oder in umgekehrter Richtung, je nach An- und Abreise.
Welche kulinarischen Spezialitäten bietet die bretonische Küste?
Neben fangfrischem Fisch und den essbaren Algen rund um Le Guilvinec gehört die Jakobsmuschel aus der Bucht von Saint-Brieuc zu den Höhepunkten. Dazu kommen bretonische Klassiker wie Austern und herzhafte Galettes, oft begleitet von einem Glas Cidre.
Ulrike Herder
Ulrike probiert gerne alles aus und liebt den guten Mix. Ob exotisches Essen, heilende Rituale, treibende Megastädte oder einsame Landschaften. So möchte sie ein Land gerne auf die Weise der Einheimischen erleben. Am liebsten stillt sie ihre Neugier in Asien, in Flip-Flops. Tragen die Einheimischen ja schließlich auch.