Foto: Julia Kivela/Visit Kotka-Hamina
Finnland

»Quietchella«: Finnland lädt im Oktober zum Festival der Stille ein

Kein Line-up, keine Ohrstöpsel nötig: In Finnland startet im Oktober ein Festival, bei dem einzig und allein der Wind Vorband und Hauptakt zu gleich ist. Was dich beim Hiljaa Fest, dem sogenannten Quietchella erwartet.

Willkommen beim Hiljaa Fest, Finnlands Antwort auf Coachella, nur eben ohne Bühne und ohne Handyempfang. Am 10. Oktober eröffnet im Nationalpark Valkmusa in Pyhtää das weltweit erste Festival des Naturhörens. Wer sich fragt, wer da spielt: kein bekannter Name, dafür aber alles, was schon immer da war.

Ein Moor als Festivalgelände

Der Nationalpark liegt in der Region Kymenlaakso, etwa 90 Autominuten östlich von Helsinki. Valkmusa gehört zu den letzten großen Mooren Südfinnlands und beherbergt rund 40 verschiedene Moorlebensräume. Klingt wild, ist aber durchaus gut begehbar. Bohlenwege und Beobachtungstürme machen das Gelände zugänglich, sogar für alle, die noch nie freiwillig in einem Sumpf standen.

Ein Bohlenweg führt durch die herbstliche Moorlandschaft von Valkmusa, gesäumt von niedrigen Kiefern.

Foto: kristaylinen

Die Gemeinde Pyhtää zählt gerade einmal 5.000 Einwohner. Genug, um ein Festival auszurichten, zu wenig, um es lautstark anzukündigen. Und genau das ist der Punkt.

Die Bühne gehört dem Wind

Kein Soundcheck, keine Setliste. Die Akustik braucht hier keine Vorbereitung, sie ist einfach schon da. Am Eröffnungstag führt Simo Peri, Wildnisführer und kreativer Kopf hinter dem Hiljaa Fest, die Besucher persönlich durch den Park. Ein Mikrofon bleibt trotzdem überflüssig. Verstärker gibt es keine. Die Lautsprecher sind Moos und Wind, und die klingen erstaunlich gut.

»Valkmusas Schönheit liegt in den kleinen Details: wie der Wind flüstert, wie das Moos leise raschelt, wie die Vögel singen«,

sagt Simo. Und das klingt nicht nur wunderschön, das ist es auch. Statt Pyrotechnik gibt es Moorgas, statt Support-Act den Wind.

Eine Person steht bei Sonnenaufgang im Nebel zwischen knorrigen Kiefern auf dem Moor.

Foto: Julia Kivela/Visit Kotka-Hamina

13 Auftritte, verteilt auf vier natürliche Bühnen, stehen auf dem Programm. Das Birkhuhn zählt zu den festen Größen, ebenso der Wind und das Moor selbst. Ob sie tatsächlich erscheinen, verrät niemand vorab, denn Vögel und Wetter halten sich bekanntlich nicht an Verträge. Peri selbst räumt ein, dass sich manche Auftritte einfach nicht garantieren lassen, denn sie richten sich schlicht nach der Laune der Natur. Dafür können andere spontan dazukommen: Überraschungsgäste, die selbst die Veranstalter nicht eingeplant hatten.

Terhi Lindholm, Gemeindedirektorin von Pyhtää, nennt das Festival liebevoll »unser kleines Quietchella«. Ein Name, der Erwartungen weckt, die hier bewusst enttäuscht werden: keine Sandalen mit Blumenkranz, dafür aber Gummistiefel und Thermoskanne.

Ein Festival ohne Enddatum

Nach dem 10. Oktober endet das Festival nicht einfach, es wandelt sich. Den gesamten Herbst über bleibt Valkmusa dann als unbegleitete Festivalerfahrung geöffnet. Besucher erkunden Wege und Klanglandschaften auf eigene Faust, kostenlos und ohne festen Zeitplan. Verwaltet wird das Gelände von Metsähallitus, der finnischen Forst- und Parkverwaltung.

Blühende Heide im Abendlicht, im Hintergrund Kiefernstämme und ein Gewässer in Valkmusa.

Foto: Visit Kotka-Hamina

Vielleicht ist dieses Festival genau das, was wir in unseren ohnehin schon immer schneller, hektischer und unübersehbaren Welt brauchen: Ein Ort ohne Eintrittskarte und ohne festen Zeitplan, solange das Laub in seinen Herbstfarben leuchtet. Weil, die einzige Währung, die hier zählt, ist die Aufmerksamkeit.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Reisezeit für Valkmusa und das Hiljaa Fest?
September und Oktober sorgen für leuchtendes Laub und klare Luft, allerdings mit wechselhaftem Wetter, wasserfeste Kleidung und festes Schuhwerk lohnen sich also. Wer mildere Temperaturen und längere Tage bevorzugt, reist zwischen Juni und August.
Wie lässt sich die Region Pyhtää ohne eigenes Auto von Helsinki aus erreichen?
Von Helsinki aus erreicht die Region Zug oder Fernbus bis Kotka, die letzten Kilometer nach Pyhtää lassen sich meist per Taxi oder Mietwagen zurücklegen. Verbindungen und Rückfahrmöglichkeiten lohnt es sich vorab zu prüfen.
Was gehört für eine Moortour in Finnland ins Gepäck?
Wasserdichtes Schuhwerk und windfeste Kleidung nach dem Zwiebelprinzip gehören ins Gepäck, dazu ausreichend Trinkwasser und ein aufgeladenes Handy mit Offline-Karte. Mückenschutz lohnt sich vor allem an wärmeren Tagen.
Welche Regeln gelten in finnischen Nationalparks?
In Finnland gilt grundsätzlich das Jedermannsrecht: Naturflächen lassen sich respektvoll zu Fuß erkunden, wilde Beeren und Pilze dürfen für den Eigenbedarf gesammelt werden. In Nationalparks gelten oft zusätzliche Schutzvorschriften, etwa für Wege oder Feuerstellen, weshalb Beschilderungen vor Ort immer Beachtung verdienen.
Jasmin Faust
Jasmins Herz muss viel aushalten, denn sie verliebt sich in (fast) jedes Land auf der Welt und würde am liebsten für immer dort bleiben. Die Schönheit des Reisens findet sie überall. Ob in den Bergen und Seen der Alpen, in den Städten Mexikos oder der Wüste Jordaniens. Hauptsache Natur, Kultur und ein bisschen Abenteuer.