Willkommen beim Hiljaa Fest, Finnlands Antwort auf Coachella, nur eben ohne Bühne und ohne Handyempfang. Am 10. Oktober eröffnet im Nationalpark Valkmusa in Pyhtää das weltweit erste Festival des Naturhörens. Wer sich fragt, wer da spielt: kein bekannter Name, dafür aber alles, was schon immer da war.
Ein Moor als Festivalgelände
Der Nationalpark liegt in der Region Kymenlaakso, etwa 90 Autominuten östlich von Helsinki. Valkmusa gehört zu den letzten großen Mooren Südfinnlands und beherbergt rund 40 verschiedene Moorlebensräume. Klingt wild, ist aber durchaus gut begehbar. Bohlenwege und Beobachtungstürme machen das Gelände zugänglich, sogar für alle, die noch nie freiwillig in einem Sumpf standen.
Die Gemeinde Pyhtää zählt gerade einmal 5.000 Einwohner. Genug, um ein Festival auszurichten, zu wenig, um es lautstark anzukündigen. Und genau das ist der Punkt.
Die Bühne gehört dem Wind
Kein Soundcheck, keine Setliste. Die Akustik braucht hier keine Vorbereitung, sie ist einfach schon da. Am Eröffnungstag führt Simo Peri, Wildnisführer und kreativer Kopf hinter dem Hiljaa Fest, die Besucher persönlich durch den Park. Ein Mikrofon bleibt trotzdem überflüssig. Verstärker gibt es keine. Die Lautsprecher sind Moos und Wind, und die klingen erstaunlich gut.
»Valkmusas Schönheit liegt in den kleinen Details: wie der Wind flüstert, wie das Moos leise raschelt, wie die Vögel singen«,
sagt Simo. Und das klingt nicht nur wunderschön, das ist es auch. Statt Pyrotechnik gibt es Moorgas, statt Support-Act den Wind.
13 Auftritte, verteilt auf vier natürliche Bühnen, stehen auf dem Programm. Das Birkhuhn zählt zu den festen Größen, ebenso der Wind und das Moor selbst. Ob sie tatsächlich erscheinen, verrät niemand vorab, denn Vögel und Wetter halten sich bekanntlich nicht an Verträge. Peri selbst räumt ein, dass sich manche Auftritte einfach nicht garantieren lassen, denn sie richten sich schlicht nach der Laune der Natur. Dafür können andere spontan dazukommen: Überraschungsgäste, die selbst die Veranstalter nicht eingeplant hatten.
Terhi Lindholm, Gemeindedirektorin von Pyhtää, nennt das Festival liebevoll »unser kleines Quietchella«. Ein Name, der Erwartungen weckt, die hier bewusst enttäuscht werden: keine Sandalen mit Blumenkranz, dafür aber Gummistiefel und Thermoskanne.
Ein Festival ohne Enddatum
Nach dem 10. Oktober endet das Festival nicht einfach, es wandelt sich. Den gesamten Herbst über bleibt Valkmusa dann als unbegleitete Festivalerfahrung geöffnet. Besucher erkunden Wege und Klanglandschaften auf eigene Faust, kostenlos und ohne festen Zeitplan. Verwaltet wird das Gelände von Metsähallitus, der finnischen Forst- und Parkverwaltung.
Vielleicht ist dieses Festival genau das, was wir in unseren ohnehin schon immer schneller, hektischer und unübersehbaren Welt brauchen: Ein Ort ohne Eintrittskarte und ohne festen Zeitplan, solange das Laub in seinen Herbstfarben leuchtet. Weil, die einzige Währung, die hier zählt, ist die Aufmerksamkeit.





