Check-in-Zeit und Stornobedingungen stehen in jeder Buchungsbestätigung. Die spannenderen Regeln finden sich in der Hausordnung. Manche gehen auf einen Mord zurück, andere auf einen Jagdausflug mit zu viel Whiskey. Mit den meisten rechnet kein Gast, bis er ohne Krawatte vor dem Teetisch steht. Sieben Beispiele von Memphis bis Japan.
Regel 1: Ente gut, alles gut

Foto: The Peabody Memphis
Seit seiner Wiedereröffnung 1981 serviert das Peabody in Memphis, Tennessee, keine Ente mehr. Das französische Restaurant Chez Philippe ist damit womöglich das einzige seiner Art ohne Ente auf der Karte. Der Grund kommt täglich um 11 Uhr mit dem Aufzug: Fünf Stockenten watscheln über einen roten Teppich zum Marmorbrunnen der Lobby. Um 17 Uhr geht es zurück aufs Dach in den »Royal Duck Palace«.
Angefangen hat alles in den 1930er-Jahren. Hotelmanager Frank Schutt kam mit einem Freund von der Entenjagd in Arkansas zurück, nach reichlich Whiskey setzten die beiden ihre lebenden Lockenten in den Brunnen. Die Gäste waren begeistert. 1940 brachte Hotelpage Edward Pembroke, früher Tiertrainer im Zirkus, den Enten den Marsch bei und wurde der erste Duckmaster. Nach drei Monaten Dienst geht jedes Ententeam zurück auf die Farm.
Regel 2: Alles nur Peanuts

Foto: Raffles Singapore
Wer in der Long Bar des Raffles in Singapur Platz nimmt, findet auf dem Tisch ein Jutesäckchen mit Erdnüssen, kostenlos zum Drink. Die Schalen landen auf dem Boden, mit dem Segen des Hauses. Und das in einem Land, in dem weggeworfener Müll sonst ein Bußgeld kostet. Das Hotel nennt die Bar den womöglich einzigen Ort der Stadt, an dem Vermüllen erwünscht ist.
Der Brauch stammt von Kautschukpflanzern, die Anfang des 20. Jahrhunderts am Wochenende von der Malaiischen Halbinsel herüberkamen und die Schalen lässig vom Tresen wischten. Auch der Singapore Sling entstand laut Hotel 1915 in dieser Bar. Barkeeper Ngiam Tong Boon mixte ihn für Damen, denen die Etikette damals Alkohol in der Öffentlichkeit verbot, und färbte ihn bewusst rosa, damit er wie Fruchtsaft aussah.
Regel 3: Aller guten Dinge sind 14

Foto: The Savoy
Die 13 bringt Unglück, so sagt es der Aberglaube, am Esstisch ganz besonders. Speisen 13 Personen in einem der privaten Räume des Londoner Savoy, bekommt die Runde deshalb einen 14. Gast: Kaspar, eine schwarze Katze aus Platanenholz, mit eigenem Gedeck und Serviette.
Die Tradition geht auf ein Dinner von 1898 zurück. Diamantenmagnat Woolf Joel hatte 14 Gäste geladen, einer sagte ab. Ein abergläubischer Gast prophezeite dem Ersten, der die Tafel verlässt, den Tod. Joel ging als Erster und wurde wenige Wochen später in Johannesburg erschossen. Zunächst setzte das Hotel bei 13 Gästen einen Angestellten dazu. 1927 schnitzte der Architekt Basil Ionides dann die Katze. Winston Churchill mochte Kaspar so sehr, dass er ihn unabhängig von der Gästezahl an seinem Tisch haben wollte. Im Zweiten Weltkrieg entführten Offiziere einer RAF-Staffel die Katze, erst ein ranghoher Offizier sorgte für ihre Rückkehr.
Regel 4: Tatort Ballsaal

Foto: Jean-Philippe Baudey/Faydit Photography
Im Grand Ballroom des Burgh Island Hotel gilt beim Dinner Black Tie: Herren kommen im Smoking, Damen im Abendkleid. Die Gezeiteninsel vor der Küste von Devon in Südwestengland ist bei Flut nur per Seetraktor erreichbar. Gebaut wurde das Art-déco-Hotel 1929 für Archibald Nettlefold. Seine Familie war mit Holzschrauben reich geworden. Der Erbe machte als Filmproduzent Karriere und besaß eigene Studios bei London, Burgh Island diente ihm als Adresse für Wochenendpartys. Zu seinen Gästen zählte der Prince of Wales, der spätere Edward VIII., mit Wallis Simpson, für die er 1936 auf den Thron verzichtete. Auch Agatha Christie kam, die Insel diente ihr als Schauplatz für »Und dann gabs keines mehr« und »Das Böse unter der Sonne«. Die Frage nach dem Täter bleibt offen, die nach dem Dresscode ist geklärt.
Regel 5: Das stinkt zum Himmel

Foto: Jim Teo
Wer im Andaz Singapore eine Durian mit aufs Zimmer nimmt, zahlt 500 Singapur-Dollar Strafe. Die stachelige Frucht gilt in Südostasien als König der Früchte, an ihrem Geruch scheiden sich allerdings die Geister. Verantwortlich sind Schwefelverbindungen, die sich schnell in der Luft verteilen und in geschlossenen Räumen lange hängen bleiben. Verboten ist der Genuss in Singapur nicht, die Frucht gibt es dort an vielen Ecken zu kaufen. Nur eben nicht überall: In der U-Bahn ist sie tabu, und Singapore Airlines nimmt sie nur nach vorheriger Absprache mit an Bord.
Ähnliche Hausregeln gelten in vielen Hotels zwischen Hongkong und Vietnam und auch in anderen Häusern Singapurs, wie beispielsweise auf der Insel Sentosa. Dort brachte eine chinesische Urlauberin eine Durian in ihr Hotelzimmer und fand kurz darauf einen Warnbrief über 500 Singapur-Dollar vor. Weil es ihr erster Verstoß war, verzichtete das Hotel auf die Strafe.
Regel 6: Geht unter die Haut

Foto: Viklund Visuals
In vielen japanischen Ryokans bleibt das Gemeinschaftsbad für tätowierte Gäste tabu. Der Grund ist die alte Verbindung von Tattoos mit der Yakuza, der japanischen Mafia. In einer Umfrage der Japanischen Tourismusbehörde gaben 56 Prozent von 581 Hotels und Ryokans an, tätowierte Gäste nicht ins Bad zu lassen. Die Luxuskette Kai von Hoshino Resorts hat ihre Regeln gelockert, behält sich aber vor, den Zugang zu verweigern, wenn sich andere Gäste gestört fühlen könnten. Viele Häuser vermieten private Bäder stundenweise, manche Zimmer haben sogar ihr eigenes Freiluftbad. Für kleine Tattoos gibt es wasserfeste Abdeckpflaster in Hauttönen.
Regel 7: Mit Schlips und Grips

Foto: The Ritz London
Im Ritz London tragen Herren zum Afternoon Tea im Palm Court Jackett und Krawatte, ebenso zu Lunch und Dinner im Restaurant. Jeans und Sportkleidung bleiben dort draußen, bei Damen wie Herren. Beim Frühstück und in der Rivoli Bar genügt Smart Casual, in der Bar sind Sneaker und Shorts aber ebenfalls tabu.

Foto: Grand Hotel Mackinac Island
Auf Mackinac Island im US-Bundesstaat Michigan entscheidet die Uhrzeit: Im Grand Hotel gelten nach 18:30 Uhr in den Haupträumen Sakko und Krawatte, Jeans sind tabu. Das betrifft auch Kinder ab zwölf Jahren, nur in der Cupola Bar darf es legerer sein. Auf der Insel fahren keine Autos, und der Koffer braucht vom Fähranleger bis zu drei Stunden ins Hotel. Wer spät anreist, packt die Abendgarderobe laut Hotel besser ins Handgepäck. Denn Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Das gilt auch für das Kleingedruckte in der Hausordnung.


