Es gibt eine Sache, die mir das Reisen manchmal verleidet: Touristenabzocken. Und die gibt es auch in Thailand, ja, wobei sich bei einer ärgerlichen Situation immer ein genauer Blick darauf lohnt, was eigentlich genau dazu geführt hat. Denn nicht immer ist es eine dreiste Abzocke. Manchmal stehen einem reibungslosen Ablauf einfach komplizierte Höflichkeitsregeln im Wege. Und genau solch ein Fall hat zu meinem Reisefail geführt.
Vor einigen Jahren, auf einer sechswöchigen Tour durch Thailand und seine Nachbarländer, befand ich mich auf dem Weg zu den südthailändischen Inseln mit einem Stopover in Bangkok. Weil mein Flug am nächsten Tag ziemlich früh ging, buchte ich ein Zimmer ganz in der Nähe des Inlandsflughafens. Tagsüber vertrieb ich mir die Zeit, ließ mich ein wenig durch die Stadt treiben und bummelte über den Chatuchak Weekend Market auf der Suche nach einem kleinen Andenken.
Zeit, dem Trubel zu entfliehen
So schön ich Bangkok auch finde, so ermüdend ist es für mich auch. Die Hitze, der Trubel, all das kann ich irgendwann nur noch schwer mit goldenen Sehenswürdigkeiten kompensieren. Ich nahm mir vor, mich im Hotel auszuruhen und winkte mir ein Taxi heran. Es wäre einfacher gewesen, mich zum Flughafen fahren zu lassen, denn das Hotel war direkt daneben. Aber ich erinnerte mich, dass Taxifahrer in Bangkok öfter mal einen unverschämten Aufschlag verlangen, wenn es zum Flughafen geht. Das wollte ich vermeiden, also zeigte ich dem Taxifahrer die Adresse des Hotels. Er nickte und ich stieg ein. Soweit, so normal.
Wir fuhren direkt auf eine sechsspurige Straße und ich bemerkte, dass der Taxifahrer leicht ratlos auf seinem Handy herumdrückte, während sich der Verkehr wie üblich staute. Mich beschlich ganz leise das Gefühl, dass er nicht so recht wusste, wohin mit mir. Er googelte irgendwas und fragte er mich dann, ob er noch einmal die Adresse sehen könnte. Ich zeigte sie ihm und fragte, ob er wisse, wo das sei. Er nickte sehr überschwänglich und tippte wieder auf seinem Handy herum. Aber immer noch mit ratlosem Blick. Ich hakte nach, ob er sicher wirklich sei? Egal wie hartnäckig er nickte, mein Vertrauen schwand mit jeder seiner Kopfbewegungen.
Kurze Zeit später fragte er mich, ob er mal mit meinem Handy telefonieren könne. Irritiert schaute ich auf sein Hand in seiner Hand und wollte wissen, warum. Er sagte mir, er müsse nur etwas wegen des Weges in Erfahrung bringen. Das erschloss sich mir nun so gar nicht und ich bat ihn, mich einfach an der nächstbesten Stelle abzusetzen, wenn er nicht wisse, wo es hingeht.
Wenn alle das Gesicht wahren wollen
Dazu muss man wissen: Wenn Thais etwas nicht wissen, zeigen sie das in der Regel nicht, weil das für sie mit einem Gesichtsverlust einhergeht (hier geht’s zu unserer Thailand-Knigge). Und natürlich ging es hier auch um Geld. Mir war klar, der Taxifahrer würde niemals zugeben, dass er nicht weiß, wo er hin muss. Und ich war langsam ziemlich genervt, weil ich gegen diese Wand aus absoluter Ahnungslosigkeit, versteckt hinter einem höflichen Lächeln, einfach nicht ankam. Na ja, und weil ich mitten auf der mehrspurigen Straße nicht einfach aussteigen konnte.
Irgendwann fuhr er eine Tankstelle an. Ich war innerlich schon sehr kurz davor, nun die Contenance zu verlieren und bereitete mich darauf vor, mit ihm um einen unverschämten Fantasiepreis zu verhandeln. Aber ich sah auch die Möglichkeit, nun endlich aus dieser Irrfahrt zu entkommen und dann eine neue Möglichkeit zu finden, um ins Hotel zu kommen. Er stoppte, schaltete den Motor aus und ich holte tief Luft und legte mir meine Worte zurecht, als er ohne ein Wort ausstieg, davonlief – und mich einfach im Wagen einschloss.
Fassungslos versuchte ich, die Türen zu öffnen, doch sie blieben verschlossen. Und der Fahrer verschwunden. Tatsächlich empfand ich in diesem Moment eher Ärger als Angst. Schimpfend versuchte ich (sinnloserweise) die Türen zu öffnen, als der Fahrer auf einmal wieder einstieg, mich anlächelte und sagte, er führe mich nun zum Hotel. Offenbar hatte ihm jemand an dieser Tankstelle den Weg verraten.
Ich war aber immer noch verärgert. Aber auch ich kenne die asiatischen Benimmregeln. Ebenfalls bemüht um die thailändische Höflichkeit, versuchte ich, einigermaßen ruhig zu bleiben, und erklärte, dass ich nun aussteigen werde, aber sehr verärgert darüber sei, dass er mich einfach im Auto eingeschlossen habe. Ja, das war so ziemlich genau mein Wortlaut. Kontrollierte Wut kann ich offenbar.
Manchmal ist der Umweg das Ziel
Rückblickend muss ich immer noch ein wenig darüber lachen, wie ich – innerlich bebend – versuchte, hier ebenfalls nicht das Gesicht zu verlieren. Denn lautes Beschweren bringt in Thailand gar nichts. Obwohl ich allen Grund dafür gehabt hätte.
Ich drückte ihm einen für mich angemessenen Preis in die Hand und er beschwerte sich tatsächlich noch, dass ich kein Trinkgeld gab. Zum Hotel kam ich schließlich mit Bus und Bahn. Mit mehr Zeitaufwand und weniger komfortabel, aber auf dem direkten Weg.




