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Spanien

Rioja: Die schönsten Spots zwischen Weinbergen und Stararchitektur

Rioja heißt für die meisten erst mal: Rotwein. Stimmt auch. Doch wer hinfährt, findet zwischen Ebro und Bergen noch viel mehr: mittelalterliche Dörfer über alten Weinkellern, Bodegas von Stararchitekten und Tapas-Gassen, in denen niemand vor Mitternacht ans Heimgehen denkt.

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Wer an Rioja denkt, denkt meist zuerst an Wein, und das zu Recht: Die Region im Norden Spaniens gehört zu den renommiertesten Anbaugebieten der Welt. Rund 600 Bodegas keltern hier ihren Wein, gut 200 davon empfangen Besucher zu Führungen und Verkostungen. Zwischen dem Kantabrischen Gebirge und dem Ebro ist aber längst ein Reiseziel entstanden, das weit über Kellerführung und Weinprobe hinausgeht.

Besucher nehmen an einer Weinverkostung im Garten des Weinguts Finca Emperatriz in der Rioja teil.

Foto: Ben Etridge/Rioja Wine

Die Regionen der Rioja: drei Gebiete, drei Charaktere

Rund 100 Kilometer zieht sich die Rioja am Ebro entlang und teilt sich in drei Anbaugebiete. In der Rioja Alta entstehen elegante Rotweine, die gut lagern können. In der Rioja Alavesa, die schon zum Baskenland gehört, wachsen die Reben auf Kalkböden unter der Felswand der Sierra de Cantabria. Und im wärmeren Osten, der Rioja Oriental, kommen inzwischen auch aromatische Weiß- und Roséweine aus dem Keller.

Am schönsten ist die Region im Herbst. Nach der Lese färben sich die Weinberge gold, orange und rot, und die Temperaturen sind ideal für Wanderungen, Radtouren oder eine gemütliche Fahrt von Winzerdorf zu Winzerdorf.

Weingüter von Stararchitekten

Was Bilbao das Guggenheim ist, ist der Rioja das Marqués de Riscal in Elciego. Frank Gehry hat dem Hotel und Weingut ein Dach aus wogenden Titanbahnen in Rosa, Gold und Silber verpasst, die Farben von Wein, Flaschenkapsel und Drahtnetz. Mitten zwischen den Reben sieht das bis heute aus, als wäre ein Raumschiff gelandet.

Das von Frank Gehry entworfene Hotel Marqués de Riscal in Elciego erhebt sich zwischen Weinbergen in der Rioja.

Foto: Rioja Wine/Hotel Marqués de Riscal

Kaum weniger spektakulär ist die Bodega Ysios bei Laguardia: Santiago Calatrava hat ihr ein Wellendach gebaut, das die Linie der Berge dahinter nachzeichnet. Das Gegenprogramm liefert die Bodega Baigorri. Von außen sieht man nur einen Glaskubus, der eigentliche Betrieb liegt tief unter der Erde.

Und dann ist da noch Haro, wo Tradition auf Avantgarde trifft. Die Bodega López de Heredia gehört zu den ältesten der Rioja und arbeitet bis heute fast wie im 19. Jahrhundert. Ihr Verkostungspavillon aber stammt von Zaha Hadid: eine geschwungene Hülle in Form einer Karaffe, in der ein alter Holzpavillon der Bodega steckt.

Diese Orte gehören auf jede Rioja-Reise

Laguardia ist der Ort, an den man sich nach der Reise am liebsten erinnert. Das mittelalterliche Städtchen ist fast autofrei, und unter den engen Gassen zieht sich ein Netz alter Weinkeller hindurch. Von der Stadtmauer reicht der Blick weit über die Reben.

Panoramablick auf die mittelalterliche Stadt Laguardia in der Rioja vor der Sierra de Cantabria.

Foto: tokar/Shutterstock.com

Haro gilt als Weinhauptstadt der Rioja. Im Barrio de la Estación, dem Bahnhofsviertel, liegen große Namen wie CVNE, Muga und López de Heredia nur ein paar Schritte voneinander entfernt, wer will, schafft drei Bodegas an einem Nachmittag. Am 29. Juni steigt vor den Toren der Stadt die Batalla del Vino: Bei der Weinschlacht an den Riscos de Bilbao bespritzen sich Tausende mit Rotwein, bis alle Beteiligten violett sind.

Logroño, die Hauptstadt, zeigt sich am Abend von ihrer besten Seite. In der Calle del Laurel reiht sich eine Tapas-Bar an die nächste, und viele haben nur ein oder zwei Spezialitäten auf der Karte. Man zieht also von Tresen zu Tresen, isst hier ein Häppchen mit Champignons, dort eines mit Schweineohr, und trinkt überall ein Glas Rioja dazu.

Zwei Frauen genießen ein Glas Rioja-Wein in einer historischen Altstadt der spanischen Weinregion Rioja.

Foto: JPEG Estudio/Rioja Wine

Weinmuseum und die Wiege der spanischen Sprache

In Briones steht mit dem Vivanco-Museum eines der bedeutendsten Weinmuseen Europas. Neben historischen Pressen und archäologischen Funden hängen hier Werke von Picasso, Sorolla und Chillida, alle rund um das Thema Wein.

Rund 45 Kilometer südwestlich von Logroño liegen die Klöster Suso und Yuso von San Millán de la Cogolla, gemeinsam Unesco-Welterbe. Hier entstanden die Glosas Emilianenses, Randnotizen eines Mönchs in einer lateinischen Handschrift. Sie gelten als die ältesten bekannten Schriftzeugnisse auf Spanisch, weshalb die Klöster als Wiege der Sprache verehrt werden.

Genuss weit über den Wein hinaus

Die Küche der Rioja ist bodenständig und richtig gut. Typisch sind »chuletillas al sarmiento«, Lammkoteletts, die über Rebholz gegrillt werden, dazu Paprika aus den Gärten am Ebro, Wildpilze und Wurst. Im Frühjahr kommen Spargel und Artischocken auf den Tisch, im Herbst Pilze und Wild. Und an kalten Tagen wärmen »patatas a la riojana«, Kartoffeln mit Chorizo.

Mehrere Restaurants der Region tragen Michelin-Sterne. Trotzdem lebt die Rioja eher vom unkomplizierten Genuss: kein Menü über fünf Gänge, sondern ein paar Pinchos und ein Glas Wein am Tresen.

Patatas a la Riojana mit Chorizo in einer Schüssel, ein traditionelles Gericht aus der spanischen Region Rioja.

Foto: Studioimagen73/Shutterstock.com

Rundreise durch die Rioja in vier Tagen

Die Wege in der Rioja sind kurz, die meisten Orte liegen weniger als eine Autostunde auseinander. Für eine erste Rundreise reichen deshalb drei bis vier Tage.

Tag 1, Logroño: Ankommen, durch die Altstadt bummeln und abends in die Calle del Laurel.

Tag 2, Rioja Alavesa: Morgens nach Laguardia, mittags die Bodega Ysios, nachmittags weiter nach Elciego zum Marqués de Riscal.

Tag 3, Haro und Briones: Vormittags durch die Bodegas im Bahnhofsviertel von Haro, nachmittags ins Vivanco-Museum nach Briones.

Tag 4, San Millán de la Cogolla: Die beiden Klöster besichtigen und auf dem Rückweg in einem der Dörfer der Rioja Alta zu Mittag essen.

Wer die Reise mit der Küste verbinden will, hängt noch zwei Tage Bilbao an. Von Haro ist es gut eine Autostunde bis dorthin.

Drei Personen stoßen mit je einem Glas Weiß-, Rot- und Rosewein an

Foto: DOCa Rioja

Besondere Erlebnisse in der Rioja

Weinfest in Logroño: Im September feiert die Stadt die Fiestas de San Mateo, eines der wichtigsten Weinfeste Spaniens. Trauben werden mit den Füßen gestampft, der erste Most wird gesegnet, dazu gibt es Umzüge, Konzerte und Folklore.

Wein und Schokolade: Im November lädt die Bodega Izadi zum Genussmonat »eNoviembre« ein und kombiniert ihre Weine mit Schokolade, Käse oder Foie gras.

Wein unter Sternen: Bei der Bodega Valdelana trifft Weinprobe auf Astronomie. Beim preisgekrönten »Star Pairing« gibt es zu jedem Wein ein Sternbild, mitten in den Weinbergen.

Traubenstampfen für Kinder: Bei den Bodegas Lecea dürfen auch die Kleinen barfuß in den Bottich und erleben, wie Wein früher gemacht wurde.

Mehr über die Weine der Region findest du auf der Website des Kontrollrats D.O.Ca Rioja.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Reisezeit für die Rioja?
Am schönsten sind Frühling und Herbst. Im September und Oktober läuft die Weinlese, viele Bodegas feiern Feste, und die Temperaturen eignen sich gut zum Wandern und Radfahren.
Wie kommt man in die Rioja?
Am einfachsten über den Flughafen Bilbao, von dort sind es gut eineinhalb Stunden mit dem Auto nach Logroño. Logroño hat zwar einen eigenen Flughafen, aber kaum internationale Verbindungen.
Braucht man in der Rioja einen Mietwagen?
Für eine Rundreise ja, weil viele Weingüter und Dörfer abseits der Städte liegen. Wer nur in Logroño und Haro unterwegs ist, kommt auch mit Bus und Bahn zurecht.
Muss man Weingüter in der Rioja vorab buchen?
Für Führungen und Verkostungen meistens ja. Besonders an Wochenenden und während der Weinlese sind die Termine schnell weg, die meisten Bodegas lassen sich online buchen.
Welche Rebsorten sind typisch für die Rioja?
Die wichtigste Rebsorte ist Tempranillo, oft verschnitten mit Garnacha, Graciano oder Mazuelo. Bei Weißwein dominiert Viura.
Was bedeuten Crianza, Reserva und Gran Reserva?
Die Begriffe stehen für die Reifezeit. Ein roter Crianza reift mindestens zwei Jahre, davon eines im Fass, ein Reserva drei Jahre und ein Gran Reserva fünf Jahre, davon mindestens zwei im Fass.
Frank Störbrauck
Brasilien ist sein Ding. Hier feiert Frank gerne ausgelassene Strandpartys bis tief in die warme Nacht. Klar, die Copacabana ist dafür in aller Munde, ihn zieht es allerdings viel lieber nach Salvador, wo die Strände nicht weniger traumhaft sind. Pluspunkt dort: Die Partys sind kleiner und mit den Locals kommt man schneller ins Gespräch.