Waldseen zwei Autostunden von Istanbul, Bergseen im Lake District um Isparta, Kraterseen auf über 2.000 Metern Höhe. Ganz im Osten liegt ein See, den die Einheimischen schlicht Meer nennen. Acht davon lohnen die Reise besonders. Wir stellen sie genauer vor.
1. Sapanca-See: Istanbuls grünes Wochenende
Östlich von Istanbul liegt der Sapanca-See zwischen İzmit und Adapazarı, das klassische Wochenendziel der Großstädter. Am Ufer verlaufen Spazier- und Radwege, auf dem Wasser paddeln Kajakfahrer. Hotels, Pensionen, Cafés und Restaurants säumen große Teile des Ufers. Ruhiger geht es an den weniger erschlossenen Abschnitten zu.

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Unmittelbar südlich des Sees steigen die bewaldeten Hänge des Kartepe an. Rund um das Dorf Maşukiye beginnen Wanderwege zu Aussichtspunkten über dem See. Im Winter verwandelt sich der Kartepe in ein Skigebiet.
2. Bolu: Abant-See und die Sieben Seen von Yedigöller
Weiter östlich, in der Provinz Bolu, liegen zwei der schönsten Herbstziele der Türkei nah beieinander. Der Abant-See ruht auf rund 1.300 Metern Höhe in dichtem Wald, ein Rundweg führt einmal um das Wasser. Im Oktober leuchten die Laubwälder am Ufer gelb, orange und rot.

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Noch dichter wird der Wald im Yedigöller-Nationalpark. Der Name bedeutet »Sieben Seen«, entstanden sind sie durch Erdrutsche, die Täler aufstauten. Wanderwege verbinden die Gewässer, vorbei an kleinen Wasserfällen, Buchen, Eichen und Ahorn. An schönen Herbstwochenenden kommen viele Tagesausflügler, frühmorgens unter der Woche gehört der Park fast den Wanderern allein.

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Von Istanbul dauert die Fahrt mehrere Stunden, eine Übernachtung in der Region lohnt sich. Mit einem Tag mehr passen die Städtchen Mudurnu und Göynük dazu, beide bekannt für ihre historischen Ortskerne mit osmanischen Holzhäusern.
3. Salda-See: Das Mars-Labor der NASA
Kaum ein türkischer See sieht auf Fotos so unwirklich aus wie der Salda Gölü in der Provinz Burdur. Helles Ufer, intensiv türkisfarbenes Wasser und die umliegenden Berge haben ihm gelegentlich den Spitznamen »türkische Malediven« eingebracht. Viel interessanter ist seine Geologie.

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NASA-Wissenschaftler untersuchten den Salda-See als Vergleichsgebiet für den Jezero-Krater auf dem Mars, in dem vor Milliarden Jahren ebenfalls ein See existierte. Salda besitzt Carbonatminerale und Ablagerungsformen, die denen im Jezero-Krater ähneln. Besonders interessant sind sogenannte Mikrobialithe, Gesteinsstrukturen, an deren Entstehung Mikroorganismen beteiligt waren. Die Untersuchungen halfen Forschern bei der Vorbereitung der Marsmission Perseverance. Wer mehr über die Erkenntnisse erfahren möchte, kann diese auf der Website der NASA nachlesen.
Ein Aufenthalt lässt sich gut mit Burdur und der antiken Stadt Sagalassos verbinden. Die Ruinen liegen spektakulär am Hang des Taurusgebirges. Besonders eindrucksvoll ist das restaurierte Antoninische Nymphäum, durch das heute wieder Wasser fließt.
4. Eğirdir-See: Das Herz des türkischen Lake District
Der Eğirdir Gölü in der Provinz Isparta gehört zu den größten Süßwasserseen der Türkei. Berge rahmen ihn ein, am Abend spiegeln sie sich im Wasser. Der Ort Eğirdir zieht sich bis auf eine schmale Halbinsel in den See hinaus. Kleine Pensionen, Fischrestaurants und Uferwege machen ihn zur guten Basis für die Seenregion.

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Durch die Region führt der St. Paul Trail, einer der bekanntesten Fernwanderwege der Türkei. Südlich von Eğirdir liegt der kleinere Kovada-See, ein lohnender Ausflug für einen halben Tag.
5. Tuz Gölü: Wo der See zur Salzwüste wird
Zwischen Ankara, Konya und Aksaray liegt der Tuz Gölü, der Salzsee. In den trockenen Monaten verdunstet ein großer Teil des flachen Wassers, übrig bleibt eine weiße Kruste bis zum Horizont. Unter bestimmten Bedingungen färben Mikroorganismen und Algen das Wasser rosa bis rötlich.
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Foto: GoTürkiyeDas Schutzgebiet zählt zu den wichtigsten Brutplätzen für Flamingos in der Türkei, dazu kommen zahlreiche weitere Vogelarten. Seit 2013 steht es auf der Tentativliste der UNESCO. Wann und wo die Flamingos auftauchen, hängt von Wasserstand und Brutverlauf ab und wechselt von Jahr zu Jahr.
Für Rundreisende liegt der Tuz Gölü ausgesprochen praktisch: Von hier ist es nicht mehr weit nach Kappadokien. So lässt sich die Salzlandschaft mit den Tuffformationen, Höhlenkirchen und unterirdischen Städten der Region verbinden.
6. Vansee: Das Meer von Van
Am Ufer des Vansees verschwindet das andere Ende im Dunst, und die Einheimischen sprechen vom »Meer von Van«. Der größte See der Türkei ist zugleich der größte Sodasee der Erde. In seinem stark alkalischen Wasser überlebt nur eine Fischart, die endemische Perlmulle (İnci kefalı).
Auf der Insel Akdamar steht die armenische Kirche zum Heiligen Kreuz aus dem 10. Jahrhundert. Ihre Außenwände zeigen Reliefs mit biblischen Szenen, dahinter reicht der Blick über blaues Wasser bis zu den Bergen.

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Die Stadt Van ist berühmt für ihr Frühstück mit Käse, Honig, Kräutern, Eiern, frischem Brot und zahllosen kleinen Schalen. Hungrig verlässt niemand den Tisch. Über der Stadt thront die Festung von Van, deren Geschichte bis ins urartäische Reich zurückreicht.
7. Nemrut-Kratersee: Baden im Vulkan
Westlich des Vansees ragt bei Tatvan der Nemrut Dağı auf, ein Vulkan mit gewaltiger Caldera. Auf dem Kraterboden liegen mehrere Seen, der größte ist der Nemrut Gölü. Warme Quellen und Fumarolen zeigen, dass der Vulkan noch nicht ganz schläft.

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Achtung, Namensvetter: Dieser Nemrut Dağı ist nicht der berühmte Berg mit den steinernen Götterköpfen bei Adıyaman. Zwischen beiden liegen mehrere Hundert Kilometer. Am falschen Nemrut wartet man auf den Sonnenaufgang zwischen den Statuen ziemlich lange.
Wegen der Höhenlage ist die Caldera nur im Sommerhalbjahr gut erreichbar. Schnee sperrt die Zufahrt oft bis ins späte Frühjahr.
8. Otlukbeli-See: Der ungewöhnliche Rote
Der kleine Otlukbeli Gölü in der Provinz Erzincan steht auf keiner klassischen Türkei-Route. Mineralreiches Quellwasser hat hier über lange Zeit Travertin abgelagert, eisenhaltige Mineralien färben das Ufer rötlich und rostfarben. See und Umgebung stehen als Naturdenkmal unter Schutz. Den Namen kennen Historiker aus einem anderen Grund: Bei Otlukbeli besiegte Sultan Mehmed II. im Jahr 1473 das Heer des turkmenischen Herrschers Uzun Hasan. Auf einer Route durch Ostanatolien passt der See gut zu einem Abstecher an den Girlevik-Wasserfall bei Erzincan

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Beste Reisezeit für die Seen der Türkei
Für die Waldseen um Sapanca, Abant und Yedigöller ist der Oktober die schönste Zeit, dann färbt sich das Laub. Die weiße Salzkruste am Tuz Gölü bildet sich im Hochsommer. Salda und Eğirdir zeigen sich von Mai bis Oktober von ihrer besten Seite. Van, Nemrut und Otlukbeli liegen hoch, dort passen Juni bis September am besten.


