Nebel streicht über den Bostalsee, als wolle er ihn sanft einlullen, damit der Tag noch nicht hervorbrechen kann. Ich trete aus meinem Zimmer auf den Balkon und zögere kurz. Zum Glück. Sonst wäre ich geradewegs in die gespiegelte Version der morgendlichen Seelandschaft gelaufen. Verspiegelte Balkontrennwände verdoppeln die Wahrnehmung des Bostalsees.
Dieser Artikel wurde erstmals am 15. Oktober 2017 veröffentlicht. Im Text genannte Personen sind ggf. nicht mehr in den entsprechenden Positionen tätig.
Als wir gestern Abend ankamen, war die Wahrnehmung einseitig. Es regnete in Strömen und der Bostalsee lag irgendwo im Stockdunkeln. Ein blankes Spiegelbild. Keine tanzenden Lichter, die von Zivilisation zeugten. Gut zu erkennen war dagegen das imposant große Eingangstor, wie man es nur von Safari-Lodges in Afrika kennt, das wir passieren mussten, um zur Lodge zu gelangen. Das nächste Mal, wenn wir durch das Tor fahren werden, reisen wir ab. Aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht. Unser Vorhaben für das Wochenende: ausspannen und viel an der frischen Luft unternehmen – auch wenn die Wettervorhersage die ein oder andere Regenwolke prophezeite.

Foto: Günter Standl
Flusskiesel in der Dusche: Fußreflexzonenmassage inklusive
Morgens steht erst einmal Frühstück auf dem Programm. Das wird auch Zeit. Viel zu lange haben wir im Zimmer herumgetrödelt. Aber in einem Zimmer, das sich »Wohlfühlkoje« nennt, kann man nicht anders. Die 97 Zimmer der Seezeitlodge sind schlicht, luftig und warm gestaltet – in Sand-, Weiß- und Brauntönen, mit geöltem Parkett, Möbeln aus heimischem Holz wie Eiche, Gardinen und Kissen aus gewebten Baumwollstoffen, gestrickten und geflochtenen Lampen und einem Sofa aus Schilfrohr.
Doch vorher springe ich noch schnell unter die Dusche, werde aber von den kleinen Flusskieseln, die im Boden der Dusche einzementiert sind, abgelenkt. Während aus der Regendusche warmes Wasser auf mich prasselt, massieren die Kiesel meine Fußunterseiten. Eine unerwartete Fußreflexzonenmassage. Später erfahre ich, dass die Kieselsteine aus den Flüssen der Umgebung gefischt worden sind. Ebenso wie die Steine später beim Abendessen. Auf faustgroßen Steinen wird Kräuterbutter als Appetithappen vor dem Essen serviert werden.

Foto: Günter Standl
Die Schwiegereltern eines Küchenmitarbeiters haben die »Kräuterbutter«-Steine aus der Isar geangelt, wird uns die nette Servicekraft erzählen. 150 Stück! Die Liebe fürs Detail ist in der Seezeitlodge unübersehbar. Ebenso wie das Herzblut, das in diesem Projekt steckt.
Die Lodge am See: Warum sie bewusst nicht Hotel heißt
Die Seezeitlodge – ein gigantisches Hotelprojekt im Saarland, das im Juni 2017 die ersten Gäste gebettet hat. Eine Wellnessoase, die im Saarland ihresgleichen sucht. Hoch über dem Bostalsee thront die Lodge lang gezogen wie ein gefällter Baumstamm. Dass die Fassade aus Holzlamellen besteht, die im Laufe der Zeit eine silbrig-grau schimmernde Oberfläche bekommen sollen, verfestigt noch den naturbezogenen Eindruck. »Es war uns wichtig, dass die Lodge die Umgebung widerspiegelt«, erzählt mir die Hoteldirektorin Kathrin Sersch, die wir auf dem Weg zum Frühstück treffen.
»Wir haben uns auch bewusst für den Beinamen Lodge statt Hotel entschieden«, erzählt sie weiter. Mit »wir« meint sie ihren Mann Christian und sich. Beide stammen aus der Region. Ihr ausdrücklicher Wunsch: Die Seezeitlodge sollte eine Destination in der Destination sein.

Foto: Günter Standl
Nicht verwunderlich, da sie mitten im waldreichen Naturpark Saar-Hunsrück, dicht bei Luxemburg liegt und etwas ab vom Schuss ist. Es gibt den Bostalsee, viel Wald, ein paar Hügel – und sonst nicht viel. Muss es aber auch nicht. Uns ist die Seezeitlodge genug.
2.700 Quadratmeter Spa: Saunadorf nach keltischem Vorbild
So vergeht die Zeit. Am üppigen Frühstücksbüffet mit Bio-Jogurt und Eiern vom Bauern aus der Region und selbstgebackenem Brot. Im weitläufigen Spa-Bereich, dem Herzstück der Seezeitlodge, bei einer keltischen Massage mit heißen und kalten Steinen. In den Innen- und Außensaunen, von denen man teilweise schwitzend auf den See blickt. Und beim anschließenden Plantschen im beheiztem Indoor- und Outdoor-Pool.
Baden wie die Kelten? Der keltische Bezug, der sich wie ein roter Faden durch die Seezeitlodge zieht, ist auch im 2.700 Quadratmeter großen Spa-Bereich nicht zu übersehen. Birkenstämme, denen laut keltischem Baumkreis eine große Heilwirkung nachgesagt wird, stehen im Ruheraum Spalier. Der Sauna-Außenbereich ist einem keltischen Dorf nachempfunden mit Ritualplatz und Feuerstelle. Keltische Symbole zieren die Wände – nicht nur im Spa. Ein glänzendes Messingband auf dem Boden in der Lobby symbolisiert die Sonnenwendachse. Wer das keltische Erbe der Region vertiefen möchte, kann den Ringwall im nahe gelegenen Otzhausen besuchen, eine mächtige keltische Befestigungsanlage.





