Wer nur nach Helsinki fliegt, sieht bloß die halbe Wahrheit. Finnland schickt seine Gäste im Sommer lieber in vier Richtungen: Hanko im Süden, Sodankylä im Norden, Savonlinna im Osten, Rauma im Westen. Das Beste daran? Jede Stadt liefert etwas komplett anderes, als das erwartete Bild aus dem Reiseprospekt.
Hanko: Strand, so weit das Auge reicht
Hanko sitzt an der südlichsten Spitze Finnlands und hat sich früh auf eine Art Gäste spezialisiert: Strandliebhaber. 30 Kilometer Küste und 30 Kilometer Sand gibt es hier. Dazu ein Wasserturm mitten in der Stadt, von dem aus die ganze Pracht auf einen Blick zu haben ist.
Wer genug vom Liegen auf dem Handtuch hat, steigt aufs Boot, Richtung Leuchtturm Bengtskär oder zu den Robben, die hier ebenfalls Sommerurlaub machen. Und weil Strand allein niemanden bei Laune hält, gibt es die Hanko Regatta und die Seahorse Week. Dazu ein Kino aus den 1920ern, das nach einem Brand 1946 originalgetreu wieder aufgebaut wurde, inklusive der Atmosphäre von damals.
Sodankylä: Wo die Sonne nie schlafen geht
120 Kilometer nördlich des Polarkreises, mitten in Finnisch-Lappland, hat die Nacht im Sommer Pause: In Sodankylä ist die Sonne stets präsent und zwar rund um die Uhr. Und mit ihr das Publikum des Midnight Sun Film Festivals. Vier Spielorte und Filme non-stop. Die Stimmung erinnert eher an einen WG-Filmabend, als an einen roten Teppich.
Zwischen den Nationalparks Urho Kekkonen und Pyhä-Luosto lässt sich die Mitternachtssonne auch beim Wandern genießen. Und wer in Sompio ein bisschen im Fluss wühlt, darf jedes gefundene Goldkorn behalten, ganz offiziell. Die ernsthafte Version davon gibt es übrigens jeden Sommer in Tankavaara, und zwar die finnischen Goldwasch-Meisterschaften.
Savonlinna: Oper zwischen Burgmauern und Seeluft
Musikalisch geht im August in Savonlinna im Osten Finnlands einiges: kleine Konzerte in Restaurants, große Festivals direkt am Ufer des Saimaa-Sees. Zusätzlich zu den Opernfestspielen bringt die Reihe »Olavinlinna Live« internationale Acts in die Burg, in diesem Sommer spielten an einem einzigen Wochenende gleich drei Bands nacheinander. Wer nach der Oper noch Lust auf mehr hat, muss also nicht die Stadt wechseln, nur die Bühne.
Rauma: Holzstadt mit eigenem Dialekt
Die Stadt Rauma liegt im Westen Finnlands und wurde 1442 gegründet – damit ist sie die drittälteste Stadt Finnlands. Und das ist der Altstadt bis heute anzusehen! Alt-Rauma steht auf der Unesco-Liste: 600 Holzhäuser auf 70 Hektar mit bunten Fassaden und Kopfsteinpflaster. Wer hindurchläuft, braucht kein Zeitreise-Ticket. Drumherum liegen Design-Läden, Boutiquen, Cafés und Restaurants, alle fußläufig erreichbar.
Einmal im Jahr wird es dann besonders eigen: Bei der Rauma Lace Week trifft traditionelles Klöppeln neun Tage lang auf Festival-Stimmung. Funfact für alle, die denken, ganz Finnland spricht gleich: Rauma hat seinen eigenen Dialekt, den selbst andere Finnen nicht immer verstehen.
Weitere Informationen zu Finnland im Sommer gibt es auf der Webiste von Visit Finland.






