Auch wenn das Sonnenalp Resort mit seiner hellen Holzfassade einen urigen und bodenständigen Eindruck vermitteln möchte, auf mich wirkt es auf den ersten Blick durch das Taxifenster durchaus pompös, wie dieser makellose Riesenbau sich vor dem Bergpanorama auftut und dabei an ein exklusives Kreuzfahrtschiff erinnert, fest verankert vor einer imposanten Skyline in einem Meer aus saftig grünem Gras.
Auf der Suche nach Orientierung
Ich werde während meines Aufenthalts herausfinden: Die Sonnenalp kann beides. Gemütlichkeit und Luxus gehen in dem Fünf-Sterne-Hotel in Ofterschwang im Oberallgäu Hand in Hand. Denn seinen Ursprung hat das Hotel, das auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblickt, in einem bescheidenen Bauernhof. Gleichzeitig finden Gäste vor Ort alle Annehmlichkeiten, die man sich im Urlaub nur wünschen kann. Hier muss niemand »von Bord«, nicht mal zum Shoppen.

Foto: Sonnenalp Resort
Aber von vorne. Ich brauche nach meiner langen Anreise eine Stärkung und mache mich auf den Weg zum Frühstück, das in den acht Restaurantstuben serviert wird. Da ich über keinerlei Orientierungssinn verfüge, und das ist in diesem großen Hotel mit 218 Zimmern und Suiten wirklich ein Problem, schlage ich zunächst zuverlässig den falschen Weg ein.
Statt eines üppigen Buffets breitet sich eine hellblaue Poollandschaft vor mir aus. Durch eine Glaswand schaue ich auf das große Schwimmbecken im Inneren, eine weitere Fensterfront dahinter gibt den Blick auf den Außenbereich mit weiteren Pools frei. Insgesamt sind es 13, plus natürlich angelegtem Bergsee und Naturbadeteich! Ich habe ja bereits versucht, klarzumachen, dass es ein riesiges Haus ist.

Foto: Günter Standl/Sonnenalp Resort
Ein Frühstück mit Kaviar – und Aussicht!
Nach meinem kurzen Irrweg endlich am Buffet angekommen, sind der kleine Teller in meiner Hand und ich überfordert. Zur Auswahl stehen frische Brote, Brötchen, Laugengebäck, geräucherter Fisch, Müslis, Käseplatten, frisch zubereitete Eierspeisen, Croissants zum Selbstfüllen, Smoothies, Honigwaben und so weiter und so fort. Am Ende meines Rundgangs liegen Laugengebäck, eine Avocado, gesalzene Butter, etwas Räucherfisch und ein voller Löffel Kaviar auf meinem Teller.
Hotel-der-Woche-Podcast: Hier geht’s zur Folge über das Sonnenalp Resort!
Ich bin mehr als zufrieden und genieße beim Essen in der gemütlichen Stube den Blick auf den Naturteich und die Bergwelt, während um mich herum Familien speisen, die gleich mit mehreren Generationen angereist sind. Dass kleine Kinder mit Eltern und Großeltern am Tisch sitzen, ist hier keine Seltenheit. Und nach Angaben von Anna-Maria Fäßler, die das Hotel zusammen mit ihrem Mann Michael führt, kommen viele davon Jahr für Jahr wieder in die Sonnenalp. Der Anteil der Stammgäste liegt Fäßler zufolge bei 80 Prozent!
Die neuen Naturlodges im Sonnenalp Resort
Mit vollem Bauch mache ich mich auf den Weg zu meinem Zimmer, na ja, das trifft es nicht ganz, zu meinem kleinen Häuschen auf einem Hügel nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt. Naturlodges heißen die fünf runden Tiny Houses, die das Hotel neu angeschafft hat, um damit eine neue Zielgruppe zu erschließen. »Die Hipster aus der Stadt.« So definiert es Anna-Maria Fäßler.
Und ja, die Naturlodges unterscheiden sich deutlich vom Rest des Hotels. Hell und modern sind sie, statt in warmen Farben gehalten und urig. Instagrammable, keine Frage. Auch ich zücke immer wieder meine Kamera, um meine Unterkunft mit der 180-Grad-Panoramaverglasung und den Bergen im Hintergrund festzuhalten. Die Häuschen sind einfach hübsch.

Foto: Günter Standl/Sonnenalp Resort
Bleibt nur die Frage, ob die anvisierten Hipster auch bereit sind, den Preis für die 28 bis 43 Quadratmeter großen Häuschen zu zahlen. Bei 1.150 Euro geht’s los. Champagner zur Begrüßung, Frühstück und Abendessen inklusive. Und es gibt ein Spa mit Sauna und kleinem Pool im Freien, zu dem nur die Gäste der Naturlodges Zugang haben! Also schlüpfe ich schnell in meinen Badeanzug, um mich im warmen Wasser von meinem deftigen Mahl zu erholen.
So groß ist die Auswahl an Aktivitäten
Von meinem erhabenen Plätzchen auf dem Hügel blicke ich direkt auf das Hofgut, wo auch Reitferien angeboten werden. Ich höre das Wiehern der Pferde, eine Kutsche fährt die Auffahrt entlang. Ein Paar ist ihrer Ausstattung nach auf dem Weg zu einem der drei hoteleigenen Golfplätze. Die weißen Gipfel der umliegenden Berge, die sich perfekt zum Wandern oder für Wintersport eignen, geben der Szenerie einen hübschen Rahmen.

Foto: Günter Standl/Sonnenalp Resort
Dieses kleine Becken ist für kurze Zeit ein Ort der Glückseligkeit. Aber da war ja noch was, im Sonnenalp Resort kann man auch shoppen, hörte ich. Also ziehe ich mir etwas Trockenes über, schlüpfe in meine Ausgeh-Loafer und laufe zurück zum Haupthaus. Mittlerweile ist mir die Umgebung schon vertrauter, und so gehe ich zielstrebig meinen Weg, bis ich in der Shoppingpassage stehe. Die Idee dazu hatte die Mutter des Inhabers. Vor 40 Jahren fasste sie den Entschluss, dass Einkaufen zum Urlaub einfach dazugehört und sie ihren Gästen die Möglichkeit bieten möchte, das direkt im Hotel tun zu können. So gibt es heute zwölf Shops, die bis auf das Juweliergeschäft von Mitarbeitenden des Hotels geführt werden. Im Angebot: Kinder- und Damenmode zum Beispiel. Einrichtungsgegenstände. Und eben Schmuck.
Ich spaziere in aller Ruhe durch die Läden und als ich mich nach der kleinen Tour auf den Weg zum hoteleigenen Sternerestaurant »Silberdistel« mache, geht mir wieder der Vergleich mit dem Schiff durch den Kopf – könnte es denn schwimmen, dieses Hotel wäre definitiv ein beliebter Luxuskreuzer.

Foto: Sonnenalp Resort
Weitere Infos zum Hotel
Sonnenalp Resort, Sonnenalp 1, Ofterschwang/Allgäu, 224 Zimmer und Suiten, 5 Naturlodges und 4 Alpenchalets, ab 630 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer. Die Naturlodges starten bei 1.150 Euro.


