Foto: Wenig Boese/Shutterstock.com
Deutschland

Nordsee vor der Linse: Die schönsten Fotospots auf den Ostfriesischen Inseln

Mal Schiffswrack, mal Leuchtturm, mal einfach nur gutes Licht: Die Ostfriesischen Inseln haben einige starke Fotomotive auf Lager. Im Herbst sorgen tief stehende Sonne, Nebel und kräftige Farben zusätzlich für besondere Aufnahmen. Zeit für eine Runde Inselhopping mit der Kamera.

Text: Rosalie Nkwetchou

Die Ostfriesischen Inseln sind ein Paradies für Fotofans. Wenn sie denn die richtigen Orte kennen. Davon gibt es zwischen Borkum und Wangerooge zum Glück ziemlich viele. Die wichtigste Regel vorab: Immer Rücksicht auf die Natur nehmen.

Auf einer hölzernen Plattform inmitten einiger Dünen stehen drei hohe, schmale Strandkörbe.

Thalasso-Plattform auf Norderney | Foto: Janis Meyer

Zwischen Dünen und Schiffswrack auf Norderney

Auf Norderney beginnt die Motivsuche am besten etwas erhöht. Von der Thalasso-Plattform Dünensender und der Plattform am Alten Postweg reicht der Blick weit über die Insel. Für das nächste Motiv geht es dann weiter Richtung Ostheller und Ostende, wo Salzwiesen, Strand und Nordsee aufeinandertreffen. Dazu liegt dort mit dem Wrack des 1967 gestrandeten Muschelsaugers »Pionier« eines der bekanntesten Fotomotive der Insel.

Vogelfans kommen hier auch auf ihre Kosten. Besonders während der Zugvogeltage vom 10. bis zum 18. Oktober 2026 lassen sich vom Südstrandpolder und vom Sielteich zahlreiche gefiederte Gäste beobachten und fotografieren.

Die Juister Kutschpferde galoppieren morgens über den Weg von der Weide Richtung Dorf, im Hintergrund folgen zwei Reiter. Der Himmel ist orange gefärbt.

Foto: Lars Wehrmann

Juist kann auch Nebel

Auf Juist darf das Wetter ruhig ein bisschen mitspielen: Nebelschwaden im Wäldchen, Gewitter über dem Strand und Wolken über dem Wattenmeer machen sich vor der Kamera ziemlich gut. Wenn sich die Wolken wieder verziehen, kommen Sonnenuntergänge an der Strandpromenade und der Hafen am frühen Morgen vor die Linse. Auch der Hammersee im Inselinneren und das Billriff im Westen der Insel sind beliebte Fotomotive.

Und manchmal lohnt sich der Blick nach unten. Muscheln, Spuren im Sand, Tautropfen in Spinnennetzen oder vom Wind bewegte Strandhalme sind vielleicht weniger spektakulär als der nächste Sonnenuntergang, dafür aber mindestens genauso fotogen.

Die angestrahlte Skulptur Utkieker auf Spiekeroog steht vor dem Nachthimmel, hinter ihr zieht sich das Band der Milchstraße. Am unteren Bildrand leuchten Ortslichter.

Foto: Kai Kröger Fotografie

Spiekeroog: Sterne statt Sonnenuntergang

Auf Spiekeroog führt die Kamera früher oder später zum Oststrand. Vom Damenpad reicht der Blick über Strand und Dünen bis ins Wattenmeer. Ein Stück weiter östlich öffnet sich am Strandaufgang beim Haus Wolfgang der Blick über den weiten Oststrand. Zu den bekanntesten Fotospots der Insel gehört außerdem der Utkieker mit seiner Bronzefigur von Hannes Helmke.

Nach Sonnenuntergang muss die Kamera hier übrigens noch nicht eingepackt werden. Spiekeroog ist als Sterneninsel für seinen dunklen Nachthimmel bekannt. Die erhöhte Lage des Utkiekers macht ihn zu einem idealen Spot für Nachtaufnahmen. Das Stativ gehört dafür allerdings mit ins Gepäck.

Ein großer Schwarm Austernfischer fliegt über eine überflutete Salzwiese mit blühendem Strandflieder auf Borkum, weitere Vögel stehen im flachen Wasser.

Foto: Torsten Dachwitz

Schaurig schön auf Borkum

Unter den Ostfriesischen Inseln ist Borkum für eher ungewöhnliche Fotomotive zuständig. Rund um den Alten Leuchtturm erinnert der historische Walfängerfriedhof an die Vergangenheit der Insel. Zwischen den Grabsteinen finden sich sogar Totenköpfe und große Walknochen. Danach wird es grüner: In der Greune Stee führt eine Holzbrücke durch die Salzwiesen und eröffnet unterwegs immer wieder neue Perspektiven. Wer lieber Vögel vor die Linse bekommt, findet mit der Kiekhütte am Rededamm einen weiteren Fotospot.

Langeoog im Panorama

Der historische Wasserturm ist auf Langeoog kaum zu übersehen und entsprechend oft vor der Kamera zu finden. Für mehr Weitblick geht es hinauf auf die Melkhörndüne, den höchsten Punkt der Insel. Dünen und Nordsee breiten sich von hier bis zum Horizont aus. Eine ganz andere Kulisse wartet am Flinthörn, wo schmale Wege durch die Salzwiesen führen.

Blick von einer bewachsenen Düne im Osten von Wangerooge auf den breiten Strand. Im Vordergrund steht ein verwitterter Holzpfahl, über dem Meer steht die Sonne tief.

Foto: Kees van Surksum

Wangerooge am frühen Morgen

Früh aufstehen lohnt sich auf Wangerooge. Von der Jever-Aussichtsplattform im Osten fällt der Blick zum Sonnenaufgang über Watt und Nordsee. Ein Motiv der etwas anderen Art liefert die Inselbahn, wenn sie auf ihrem Weg durch die geschützten Salzwiesen tuckert. Und mit etwas Zoom kommen sogar die großen Containerschiffe vor der Küste ziemlich nah vor die Linse.

Windgebeugtes Strandhafergras auf einer Düne auf Baltrum, links schlägt die Brandung an den Strand. Am Horizont stehen rote Backsteinhäuser hinter einer Buhne.

Foto: Sabine Hinrichs

Baltrums beste Aussichten

Meer, Buhnen und jede Menge Horizont bestimmen das Bild an der Westkopfspitze von Baltrum. Für den Blick von oben ist Willis Utkiek zuständig, eine Aussichtsplattform mit Sicht über Strand und Nordsee. Zum Abschluss lohnt sich noch ein Abstecher zum Hafen, wo das Molenfeuer einen roten Farbtupfer ins Bild setzt.

Fotografieren mit Rücksicht

Bei all den Fotospots bleibt ein Tipp besonders hängen: Oft machen erst Licht und Wetter aus einem unscheinbaren Ort ein starkes Motiv. Gerade deshalb lohnt es sich auf den Ostfriesischen Inseln, die Kamera auch dann griffbereit zu haben, wenn die Sonne gerade nicht scheint.

Bei der Motivsuche im Wattenmeer gehört allerdings Rücksicht dazu. Brutgebiete und Seehundbänke sollten nur aus ausreichend großer Entfernung fotografiert werden, auch kranke oder hilflose Tiere brauchen ihre Ruhe. Drohnen sind über Nationalparks und Naturschutzgebieten ohnehin nicht erlaubt. Die gute Nachricht: Zwischen Dünen, Strand, Watt und Nordsee bleiben noch reichlich andere Motive.

Mehr Informationen findest du hier.

Häufige Fragen

Wie gelingen gute Fotos auf den Nordseeinseln?
Fotograf Lars Wehrmann rät, weniger nach dem spektakulären Fotospot zu suchen und mehr auf den richtigen Moment zu achten. Also Zeit nehmen, das Licht beobachten und ohne fertiges Bild im Kopf losgehen.
Welche Tageszeit eignet sich am besten?
Das warme Morgenlicht und die Ruhe der frühen Stunden machen aus einem alltäglichen Ort ein Motiv. Derselbe Platz wirkt am Nachmittag oft unscheinbar.
Lohnt sich Fotografieren im Herbst?
Ja. Tief stehendes Licht, Nebel und Wolken sorgen für Stimmung. Auch vermeintlich schlechtes Wetter kann eine ganz alltägliche Szene besonders machen.
Welche Regeln gelten für Tieraufnahmen im Nationalpark Wattenmeer?
Brutgebiete bleiben tabu, ebenso Fotosafaris auf die Seehundbank. Auch Nahaufnahmen von kranken oder hilflosen Tieren untersagt der Nationalpark.
Sind Drohnenaufnahmen auf dem Wattenmeer erlaubt?
Nein, über Nationalparks und anderen Naturschutzgebieten ist der Einsatz verboten. Die besten Aufnahmen entstehen ohnehin, wenn die Tiere sich ungestört fühlen.