Foto: Vidar Nordli Mathisen
Norwegen

Übernachten im Leuchtturm: 10 traumhafte Adressen an Norwegens Küste

Schon alle Hotels gesehen oder auf der Suche nach einer besonderen Unterkunft? Dann ist eine Nacht in einem historischen Leuchtturm an Norwegens schroffer Küste vielleicht genau das Richtige. Die Auswahl ist erstaunlich groß.

Eine Nacht in einem Leuchtturm in Norwegen mit Blick aufs Meer: Davon träumen viele. Rund 60 Leuchttürme im Land bieten inzwischen Übernachtungen an, verteilt über die gesamte Küste. Abenteuer, Kultur und Geschichte gibt es gratis dazu.

Seit die letzten Leuchtturmwärter ausgezogen sind, arbeiten die Leuchtfeuer automatisch. Viele der verlassenen Stationen sind seitdem beliebte Reiseziele. Kein Wunder: Wer möchte nicht einschlafen, während draußen die Wellen gegen die Klippen schlagen? Dazu sind viele der Leuchttürme ein wunderschönes Fotomotiv.

Leuchtturm Stabben in Norwegen, mitten im Meer; hinter dem Leuchtturm geht die Sonne unter

Foto: Visit Fjordkysten

Die Preise hängen vom Leuchtturm und vom Komfort ab. Gäste schlafen meist in den Häusern, in denen früher die Leuchtturmwärter lebten. Ein Bett im Turm selbst ist die Ausnahme.

Die meisten Leuchttürme gehören dem Staat. Die Küstenverwaltung Kystverket arbeitet mit Gemeinden, Wandervereinen und lokalen Organisationen zusammen, die die Anlagen für Besuche, Führungen und Übernachtungen offenhalten. Einige Stationen gehören inzwischen Gemeinden oder privaten Betreibern.

Kvassheim: Von 1912 bis 1990 in Betrieb, heute Freiluftzentrum mit Gästehaus

Am südlichen Ende der Jæren-Strände (Region Stavanger) steht der Leuchtturm Kvassheim. Er war von 1912 bis 1990 in Betrieb, dann übernahm ein automatisches Leuchtfeuer am Hafen. Heute beherbergt die Station ein Informations- und Freiluftzentrum mit Ausstellungen und Café. Zum Komplex gehören das Haus des Leuchtturmwärters, ein zwölf Meter hoher Turm, ein Maschinenhaus und ein Nebelsignal. Übernachten können Gäste in der renovierten Assistentenwohnung.

Der weiße Leuchtturm Kvassheim mit rotem Dach steht auf einer grünen Wiese im Jæren in Norwegen, davor ein niedriger angebauter Pavillon mit Rundfenstern.

Foto: MarekLuthardt / Shutterstock.com

Obrestad: Wohnen in den renovierten Häusern der einstigen Leuchtturmwärter

Der Leuchtturm Obrestad ging 1873 in Betrieb. Er steht an der Küste von Jæren, die für ihre Steinstrände bekannt ist, und ist der westlichste Leuchtturm auf dem norwegischen Festland. Ein Museum erzählt vom Alltag auf der Station und in der Region. Die Häuser der einstigen Leuchtturmwärter und ihrer Familien mieten Gäste das ganze Jahr über. Alle drei Einheiten blicken aufs Meer. Innen sind sie renoviert und geschmackvoll modern eingerichtet, von außen sehen sie aus wie bei der Automatisierung 1991.

Obrestad-Leuchtturm vor norwegischer Küste; um das Leuchtturmgebäude stehen mehrere kleine Häuser, alles wird von der Sonne gelb angestrahlt

Foto: Voyagerix/Shutterstock.com

Utsira: Norwegens höchstgelegener Leuchtturm ist ein Zwilling

Am 15. August 1844 leuchtete Utsira zum ersten Mal. Es ist Norwegens einziger erhaltener Zwillingsleuchtturm, nur einer der beiden Türme ist noch in Betrieb. Die Türme selbst messen 13,3 Meter. Ihr Leuchtfeuer liegt aber 78 Meter über dem Meer, höher als jedes andere in Norwegen. Die Station bietet fünf Wohneinheiten für jeweils bis zu fünf Personen. Auf Utsira gibt es außerdem ein Café, eine Galerie und einen Secondhand-Laden. Die Insel eignet sich hervorragend zum Vogelbeobachten, Angeln und Wandern.

Der dunkelrote Leuchtturm auf Utsira in Norwegen von unten fotografiert, mit Laterne und umlaufendem Balkon, auf einem Felsen stehend unter bewölktem Himmel.

Foto: Atene88 / Shutterstock.com

Ryvarden: Von hier segelte einst ein Wikinger nach Island

Ryvarden blickt auf mehr als 1.100 Jahre Geschichte zurück. Um 869 errichtete der Wikinger Floki Vilgerdsson hier einen Steinhaufen als Seezeichen. Danach segelte er nach Island und gab der Insel ihren Namen. Das isländische »Landnámabók«, die Chronik der Besiedlung Islands, erzählt seine Geschichte. Den ersten Leuchtturm baute die Leuchtfeuerverwaltung 1849, danach wuchs die Station über Jahrzehnte. Seit 1984 arbeitet das Leuchtfeuer automatisch. Heute ist Ryvarden ein Kulturleuchtturm mit Galerie und Café. Im Haus des Leuchtturmwärters finden bis zu zehn Gäste in fünf Schlafzimmern Platz.

Die weiße Leuchtturmstation Ryvarden auf einer felsigen Landzunge an der norwegischen Küste, davor fährt ein kleines Arbeitsboot vorbei, im Hintergrund Berge unter bewölktem Himmel.

Foto: BPfoto / Shutterstock.com

Kvanhovden: 40 Meter über dem Meer, erreichbar nur per Boot

Eine halbe Stunde dauert die Bootsfahrt von Florø zum Leuchtturm Kvanhovden. Seit 1895 trotzt er Wind und Wetter. Er steht auf einer Klippe der Insel Hovden, 40 Meter über dem Meer, und gehört zu den höchstgelegenen Leuchttürmen Norwegens. Der Blick reicht weit nach Süden und Norden entlang der Küste und über den Ozean. Das Haus des Leuchtturmwärters bietet heute bis zu zehn Personen Platz, verteilt auf drei Schlafzimmer.

Pärchen auf dem Leuchtturm von Kvanhovden

Foto: Terje Rakke/Nordic Life/www.fjordnorway.com

Kråkenes: Schlafen im Leuchtturm, an einem der stürmischsten Orte Norwegens

Der Leuchtturm Kråkenes leuchtete erstmals 1906. Im Zweiten Weltkrieg brannte das Gebäude nach einem Luftangriff ab, der heutige Bau stammt von 1950. Er thront rund 45 Meter über dem Meer an einem der wetterexponiertesten Punkte der norwegischen Küste und hält mehrere Windrekorde. Wer Sturm mag, ist hier richtig: Gäste schlafen im Leuchtturmgebäude selbst. Die Sturmsuite belegt die komplette dritte Etage, mit Schlafzimmer, Wohnzimmer mit Schlafsofa, Esszimmer, kleiner Küche und Bad. Bis zu vier Personen finden darin Platz. Weitere elf Betten stehen im Sturmhaus, rund 50 Meter entfernt. Seit 2019 betreibt der norwegische Wanderverband DNT die Station.

Der Leuchtturm Kråkenes auf einer Klippe bei Vågsøy in Norwegen, im Vordergrund schroffe Felsen und ruhige See, am Horizont geht die Sonne unter.

Foto: Kedardome / Shutterstock.com

Runde: Übernachten auf einer Vogelinsel mit Platz für 24 Personen

Der Leuchtturm steht an der Nordwestspitze der Vogelinsel Runde. Schon 1767 brannte hier ein Leuchtfeuer, damals das erste nördlich der Halbinsel Stad. Der heutige Turm stammt von 1935. Seit 2002 lebt kein Leuchtturmwärter mehr auf der Station. Das jüngste Wärterhaus dient heute als Selbstversorgerhütte des Wanderverbands DNT mit 24 Betten. Bettwäsche oder einen Hüttenschlafsack bringen Gäste selbst mit.

Leuchtturm auf der Vogelinsel Runde in Norwegen

Foto: Arild Lilleboe/Shutterstock.com

Molja: Der Leuchtturm mitten in Ålesund ist ein Hotelzimmer

Der Leuchtturm Molja ist das Wahrzeichen am Hafeneingang von Ålesund. Seit mehr als 150 Jahren weist er Schiffen den Weg, sein rotes und grünes Licht leuchtet bis heute. Zugleich ist er Zimmer 47 des Hotel Brosundet, das fünf Gehminuten entfernt liegt. Den Innenraum hat das Architekturbüro Snøhetta gestaltet. Im ersten Stock liegt ein elegantes Bad, darüber das Schlafzimmer mit Blick auf die Insel Godøya und den Atlantik. Morgens bringt das Hotel ein reichhaltiges Frühstück an die Tür.

Molja-Leuchtturm in Norwegen; ein roter, einsamer Leuchtturm steht am Ende eines steinernen Stegs im Meer

Foto: Santi Rodriguez/ Shutterstock.com

Ona: Der Leuchtturm auf einer Insel mit rund 30 Einwohnern

Das Fischerdorf Ona liegt auf einer kleinen Insel westlich von Molde. Rund 30 Menschen leben hier, viele von Keramik und Fischerei. Der rote gusseiserne Leuchtturm von 1867 steht auf dem höchsten Punkt der Insel. Rundherum gibt es Keramikwerkstätten, eine Kapelle und einen langen weißen Strand. Im Leuchtturm selbst übernachtet niemand. Das nahe Ona Havstuer, ein alter Handelsplatz der Gruppe Classic Norway Hotels, vermietet Apartments und Hotelzimmer. Sein Restaurant öffnet im Sommer.

Blick auf Häuser auf der Insel Ona in Norwegen

Foto: Vidar Moløkken/Visit Norway

Tranøy: Weit im Norden, mit Blick auf die Lofotwand

Der Abstecher lohnt sich, auch wenn er weit nach Norden führt. Tranøy liegt in der Gemeinde Hamarøy in Nordland, rund tausend Kilometer nördlich der übrigen Adressen. Über eine 250 Meter lange Fußgängerbrücke erreichen Gäste den Leuchtturm. Er steht seit 1864 am Vestfjord und arbeitet heute automatisch. Seinen roten Gusseisenturm brachte die Leuchtfeuerverwaltung 1936 aus Moholmen bei Kabelvåg hierher. Gegenüber erhebt sich die Lofotwand aus dem Meer. Im Sommer scheint hier die Mitternachtssonne, im Winter tanzen Nordlichter über dem Fjord. Die Station bietet bis zu 40 Betten in 16 Zimmern unterschiedlicher Größe. Das Restaurant kocht mit Zutaten aus der Region, auf Wunsch führt das Team durch den Turm.

Übernachten im Leuchtturm in Norwegen

Foto: Vidar Nordli Mathisen

Noch mehr Informationen zum Übernachten in Leuchttürmen in Norwegen gibt es auf visitnorway.de.

Häufige Fragen

Gibt es in Norwegen noch Leuchtturmwärter?
Nein. 2006 zog der letzte Leuchtturmwärter aus der Station Bøkfjord in Sør-Varanger aus. Seitdem arbeiten alle aktiven Leuchttürme Norwegens automatisch und ohne Personal.
Frank Störbrauck
Brasilien ist sein Ding. Hier feiert Frank gerne ausgelassene Strandpartys bis tief in die warme Nacht. Klar, die Copacabana ist dafür in aller Munde, ihn zieht es allerdings viel lieber nach Salvador, wo die Strände nicht weniger traumhaft sind. Pluspunkt dort: Die Partys sind kleiner und mit den Locals kommt man schneller ins Gespräch.