Foto: Bayeux Museum; Illustration: Anastasiia Yurevych/Shutterstock.com
England

Konrads Kolumne: Der Teppich von Bayeux kommt nach London

Für die Weltmeisterschaft hat es nicht gereicht, aber dennoch kann das Vereinigte Königreich sich 2026 noch über ein historisches Ereignis freuen: Der Teppich von Bayeux wird ab Herbst im British Museum in London ausgestellt. Aber warum ist das eigentlich so ein Riesending? Das erklärt Redakteur Konrad in seiner Kolumne.

Nicht wenige britische Geschichtsnerds dürften sich das Jahr 2026 dick im Kalender eingekringelt haben. Dann nämlich wird zum ersten Mal seit dem Mittelalter der Teppich von Bayeux in England zu sehen sein, genauer gesagt im British Museum in London. Wer jetzt nur Bahnhof versteht, keine Sorge: Ich bin hier, um zu helfen.

Was ist der Teppich von Bayeux eigentlich?

Der Teppich von Bayeux ist nicht etwa ein muffiger Läufer, sondern ein beinahe 1.000 Jahre alter, handgewebter Wandbehang mit der beeindruckenden Länge von beinahe 70 Metern, bei einer Höhe von 50 Zentimetern. Dargestellt ist in aller Ausführlichkeit die Geschichte Wilhelms, seines Zeichens Herzog der Normandie, der 1066 mit einer Armee in England landete, in der Schlacht bei Hastings den englischen König Harald Godwinson besiegte und damit die englische Krone an sich riss. Und ganz nebenbei ist der Teppich auch noch eine der wichtigsten Bildquellen, die uns für das Hochmittelalter erhalten sind.


Unser Redaktionshistoriker Konrad sammelt auf Tour zwangsläufig allerhand Geschichten. Die lassen sich leider – Anweisung der Chefredaktion – nicht immer in einer Reportage unterbringen. Auf dieser hart erkämpften Seite darf er dafür seine liebsten historischen Anekdoten zum Besten geben. Dönekes halt.


Die Geschichte des Teppichs ist dabei ebenso spannend wie das, was er darstellt. Hergestellt wurde er vermutlich in England. Erstmals erwähnt wird der Teppich allerdings 1476 in einer Inventarliste der Kathedrale von Bayeux in der Normandie. Das Herzogtum war noch lange in der Hand der englischen Könige und so war der Teppich vermutlich über den Kanal gebracht worden. In Bayeux wurde er dann einmal jährlich in der Kathedrale ausgestellt.

Aufnahme des Teppichs von Bayeux in seiner Vitrine. Durch die Aufnahme wird sichtbar, wie lang der Teppich ist

Ganz schön langes Ding. | Foto: Bayeux Museum

Beinahe eine Kutschenplane: Wie der Teppich mehrfach fast verloren ging

Die nächste Erwähnung erfolgt erst im 18. Jahrhundert, als erstmals Wissenschaftler auf den Teppich aufmerksam wurden. In den Wirren der Französischen Revolution wurde der Teppich beinahe als Plane für Kutschen benutzt. Und im Zweiten Weltkrieg hätte Himmler das historische Unikat fast noch nach Berlin verschleppt, wäre ihm nicht die Befreiung Frankreichs durch die Alliierten in die Quere gekommen. Alles in allem also ein ziemliches Wunder, dass der Teppich von Bayeux heute noch erhalten ist, zumal in so guter Verfassung.

Nahaufnahme der Stickerei auf dem Teppich von Bayeux. Am oberen Rand der Darstellung ist ein stilisierter Komet zu sehen

Der Teppich zeigt eine der ersten bildlichen Darstellungen des Halleyschen Kometen.

1983 bekam er endlich einen festen Platz in einem eigenen Museum in Bayeux. Nur dass das von 2026 bis 2027 saniert werden muss und der Teppich erstmals seit seiner Entstehung in dieser Zeit in England zu sehen sein wird. Auf der Insel freut man sich, immerhin ist die normannische Eroberung ein zentraler Teil der Nationalgeschichte. Und zum Ausgleich werden der Schatz von Sutton Hoo und die Lewis-Schachfiguren in der Normandie ausgestellt. Aber das ist eine andere Geschichte.


Das Museum in Bayeux ist für den Umbau bereits seit September 2025 geschlossen. Im British Museum wird der Teppich von Bayeux vom 10. September 2026 bis zum 11. Juli 2027 ausgestellt. Mehr Information unter www.britishmuseum.org. Wer nicht warten kann, sieht ihn sich einfach in Gänze online an, unter www.bayeuxmuseum.com.

Konrad Bender
Konrad hat Geschichte studiert, das Mittelalter, um genau zu sein. Logisch, dass es ihm die geschichtsträchtigen Orte Europas besonders angetan haben. Egal ob in den historischen Städten Deutschlands, einsam im Norden Norwegens oder wandernd in den Vogesen – überall findet Konrad eine Story, die es zu erzählen lohnt. Hauptsache, nicht am Strand liegen – das ist so gar nicht Konrads Ding.