Es waren nur wenige Kilometer bis zur nächsten Straße. Doch bei Temperaturen von fast 47 Grad kann selbst eine solche Entfernung zur Falle werden: Am 17. August 2026 waren zwei französische Touristen auf der West Side Road im Death Valley National Park unterwegs. Ihr Fahrzeug blieb nahe der Queen of Sheba Mine Road im Schlamm stecken. Andere Autos waren nicht in Sicht. Deshalb entschieden sich die beiden Männer, ihr Fahrzeug zu verlassen und über die Salzflächen in Richtung Badwater Road zu laufen, um dort Hilfe zu holen.

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Einer der beiden, der 68-jährige Pierre Michel Formosa, schaffte rund 2,1 Kilometer. Dann konnte er nicht mehr weitergehen. Sein Begleiter setzte den Weg allein fort, erreichte schließlich die Straße und traf dort auf einen Autofahrer. Kurz nach 14 Uhr wurde der Notfall im Furnace Creek Visitor Center gemeldet.
Ranger des National Park Service und ein Mitarbeiter des Inyo County begannen mit der Suche. Ein Hubschrauber der California Highway Patrol entdeckte Formosa später etwa 2,4 Kilometer von der Badwater Road entfernt. Er war bereits tot, berichtet u.a. Spiegel online. Die genaue Todesursache muss nach Angaben des National Park Service noch vom zuständigen Gerichtsmediziner festgestellt werden. An diesem Tag wurden im Death Valley 116 Grad Fahrenheit gemessen, knapp 47 Grad Celsius.
Warum das Auto in der Wüste zur Rettung werden kann
Der Fall zeigt eine Gefahr, die Reisende leicht unterschätzen können. Bleibt ein Auto nämlich in einer abgelegenen Wüstenregion liegen und funktioniert das Mobiltelefon nicht, erscheint es ja zunächst logisch, zu Fuß Hilfe zu suchen.
Der National Park Service rät im Death Valley jedoch zum Gegenteil: Bei einer »normalen« Panne ist es meist sicherer, beim Fahrzeug zu bleiben. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein Auto bietet zumindest Schatten und Schutz vor der direkten Sonneneinstrahlung. Vorräte und Wasser befinden sich normalerweise ebenfalls dort. Vor allem ist ein Fahrzeug für Rettungskräfte aus der Luft und vom Boden wesentlich leichter zu entdecken als ein einzelner Mensch.
Auf abgelegenen Pisten empfiehlt die Parkverwaltung zusätzlich, die Motorhaube zu öffnen oder ein großes, aus der Luft sichtbares X auf dem Boden anzulegen. Wer das Fahrzeug dennoch verlässt, sollte eine datierte Nachricht hinterlassen, aus der hervorgeht, wohin er oder sie gegangen ist.
Das Death Valley ist dabei ein extremes Beispiel. Im Sommer können die Temperaturen nach Angaben der Parkverwaltung bis auf etwa 54 Grad Celsius steigen. Gleichzeitig gibt es in weiten Teilen des Nationalparks keinen Mobilfunkempfang. Bis Hilfe eintrifft, können Stunden vergehen.
Zwei Kilometer können bei extremer Hitze zu weit sein
Entfernungen werden unter solchen Bedingungen schnell falsch eingeschätzt. Zwei oder drei Kilometer erscheinen auf einer Karte überschaubar. Bei extremer Hitze, direkter Sonneneinstrahlung und kaum vorhandenem Schatten gelten jedoch völlig andere Bedingungen.

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Der Körper versucht, seine Temperatur vor allem durch Schwitzen zu regulieren. Dabei verliert er Flüssigkeit und Salze. Je länger die Belastung dauert, desto größer wird das Risiko einer Hitzeerkrankung. Der National Park Service nennt Schwindel, Übelkeit und starke Kopfschmerzen als Warnzeichen. Wer solche Beschwerden bemerkt, soll körperliche Anstrengung sofort beenden, aus der Sonne gehen, trinken und den Körper kühlen.
Hinzu kommt im Death Valley ein Problem, das selbst Rettungseinsätze erschweren kann. Sehr heiße Luft verringert den Auftrieb von Hubschraubern. Bei einem Notfall im Jahr 2024 konnte ein Rettungshubschrauber wegen Temperaturen von etwa 46 Grad Celsius nicht unmittelbar am Einsatzort landen. Die Ranger mussten eine bewusstlose Frau zunächst in höher gelegenes und damit kühleres Gelände transportieren.
Wie viel Wasser gehört ins Auto?
Wer im Sommer durch Wüstenregionen fährt, sollte die Wassermenge deshalb nicht danach bemessen, wie lange die geplante Autofahrt dauert. Entscheidend ist, wie lange die Insassen im Falle einer Panne ohne Hilfe auskommen müssten.
Für das Death Valley empfiehlt der National Park Service mindestens eine Gallone Wasser pro Person und Tag. Das entspricht rund 3,8 Litern. Zusätzlich soll Wasser für einen Fahrzeugnotfall mitgeführt werden. Für Fahrten auf abgelegenen Straßen nennt die Parkverwaltung einen Kanister mit fünf Gallonen, knapp 19 Litern, als übliche Notreserve.
Bei körperlicher Aktivität steigt der Bedarf weiter. Neben Wasser können Elektrolytgetränke oder salzhaltige Lebensmittel helfen, die durch starkes Schwitzen verlorenen Salze zu ersetzen.
Kein Handyempfang in der Wüste
Eine weitere Gefahr ist die vermeintliche Sicherheit moderner Technik. Navigation per Smartphone funktioniert im Mietwagen bequem, solange GPS und zuvor geladene Karten verfügbar sind. Einen Notruf ermöglicht das jedoch nicht automatisch.

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Im Death Valley ist der Mobilfunkempfang in großen Gebieten eingeschränkt oder überhaupt nicht vorhanden. Die Parkverwaltung weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass Reisende nicht davon ausgehen sollten, im Notfall einfach Hilfe rufen zu können.
Für Fahrten in besonders abgelegene Regionen empfiehlt der National Park Service deshalb einen Satellitenkommunikator oder einen Notfallsender. Außerdem sollte vor der Abfahrt eine andere Person über die geplante Route und die voraussichtliche Rückkehrzeit informiert werden. Bleibt eine vereinbarte Rückmeldung aus, kann diese Person einen Notruf veranlassen.
Auch das richtige Fahrzeug entscheidet
Nicht jede Straße, die auf einer Karte eingezeichnet ist, eignet sich für jeden Mietwagen. Im Death Valley gibt es neben mehr als 480 Kilometern asphaltierter Straßen etwa ebenso viele Kilometer befestigter Dirt Roads sowie mehrere hundert Kilometer kaum unterhaltener 4×4-Pisten. Der Zustand kann sich nach Unwettern kurzfristig verändern.
Auf vielen Backcountry Roads sind Fahrzeuge mit großer Bodenfreiheit oder Allradantrieb erforderlich. Wer mit einem normalen Mietwagen eine solche Strecke befährt, riskiert nicht nur eine Panne. Je nach Mietvertrag können Fahrten auf unbefestigten Straßen zudem ausgeschlossen oder eingeschränkt sein.
Vor der Fahrt sollte deshalb geprüft werden, ob die geplante Route für das jeweilige Fahrzeug geeignet und aktuell geöffnet ist. Auch ein vollwertiges Ersatzrad, Wagenheber und geeignetes Werkzeug können in abgelegenen Regionen entscheidend sein.
Im Auto bleiben: Die Regel gilt nicht nur im Death Valley
Die Empfehlung, bei einer Panne beim Auto zu bleiben, beschränkt sich keineswegs auf das Death Valley. Auch der Joshua Tree National Park warnt Reisende davor, bei einer Fahrzeugpanne einfach loszulaufen. In abgelegenen Teilen des Parks könne es lange dauern, bis Hilfe eintreffe. Zusätzliches Wasser sollte deshalb immer im Auto liegen. Wird das Fahrzeug fahruntüchtig, sollen die Insassen dort auf Hilfe warten.

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Für abgelegene Backcountry-Strecken geht die Parkverwaltung noch weiter. Neben Wasser und einem vollen Tank empfiehlt sie unter anderem Ersatzreifen, Wagenheber, Schaufel, Abschleppgurt, Hilfsmittel zur Verbesserung der Traktion, Werkzeug, Papierkarten und ein Satellitenkommunikationsgerät. Eine Rettung könne dort viele Stunden, unter Umständen sogar Tage dauern.
Die Grundregeln lassen sich auch auf andere dünn besiedelte Wüstenregionen übertragen: ausreichend Wasser und Notvorräte mitführen, den Straßenzustand prüfen, die Route einer anderen Person mitteilen und sich nicht allein darauf verlassen, jederzeit Mobilfunkempfang zu haben.
Wann das Auto trotzdem verlassen werden muss
Beim Fahrzeug zu bleiben ist allerdings keine stets gültige Regel. Besteht im Auto eine unmittelbare Gefahr, etwa durch einen Fahrzeugbrand, auslaufenden Kraftstoff oder eine Sturzflut, müssen sich Insassen natürlich in Sicherheit bringen.
Auch der National Park Service lässt unter bestimmten Bedingungen die Möglichkeit offen, zu Fuß Hilfe zu suchen. Im Death Valley lautet die Empfehlung für diesen Ausnahmefall: auf der Straße bleiben, keine Abkürzung quer durch das Gelände nehmen, ausreichend Wasser mitführen und bei großer Hitze bis nach Sonnenuntergang warten. Außerdem sollte am Auto eine Nachricht mit Ziel, Route und Zeitpunkt des Aufbruchs hinterlassen werden.
Besonders das Verlassen der Straße kann eine Suche erheblich erschweren. Schon Geländeformationen, Bäume und hohe Sträucher und Gräser können einen Menschen aus der Entfernung nahezu unsichtbar machen.
Dass diese Gefahr real ist, zeigt ein früherer Todesfall im Death Valley. 2022 wurde ein Mann tot aufgefunden, dessen Auto offenbar wegen Kraftstoffmangels stehen geblieben war. Sein Körper lag rund vier Kilometer vom Fahrzeug entfernt und lediglich etwa neun Meter von einer großen Straße. Trotzdem war er durch Gelände und Vegetation kaum zu erkennen.


