Die gute Nachricht: Nordamerika hält mehr bereit als eine einzige Weltstadt. Vier englischsprachige Metropolen übersetzen jeweils einen Teil des New-York-Gefühls in ein eigenes Erlebnis. Wir gehen rein.
Boston: Die kompakte Ostküstenstadt für Geschichte, Harvard und Hafenflair
Boston spielt in einer eigenen Liga: klein, alt und zu Fuß erlebbar. Wer dieses Ostküstenflair sucht, ist in der Neuengland-Metropole goldrichtig.

Foto: Marcio Jose Bastos Silva/Shutterstock.com
Wo Boston an New York erinnert
In Boston erinnert vieles an den Big Apple, sobald man durch die Straßen geht. Da ist die typische Ostküstenlage am Wasser, die salzige Hafenluft und die roten Backsteinfassaden, die den Vierteln ihren warmen, altehrwürdigen Ton geben. Da ist die dichte, ambitionierte Restaurantszene. Und natürlich die glühende Sportbegeisterung, die an Spieltagen die ganze Stadt einfärbt. Boston lebt in echten urbanen Quartieren, vom eleganten Back Bay über das viktorianische Beacon Hill mit seinen Gaslaternen bis ins lebhafte, italienisch geprägte North End, dazu das moderne Seaport und die weite Waterfront. Auf den Teller kommt eine vertraute Großstadtvielfalt: frische Lobster Rolls und Seafood direkt aus dem Atlantik, Pasta und Cannoli im North End, dazu die junge, experimentierfreudige Küche in Cambridge und Seaport. Und dann ist da noch das VIP-Kapitel. Stars wie Matt Damon, Ben Affleck und Mark Wahlberg sind hier aufgewachsen und bekennen sich mit hörbarem Stolz, also ihrem Akzent, zu ihrer Stadt. Diese Mischung aus Bodenständigkeit und Leinwand-Glamour hat durchaus etwas von New York.

Foto: Jon Bilous/Shutterstock.com
Wo Boston eben Boston ist
Ihr eigenes Gesicht zeigt die Stadt in ihrer Geschichte. Statt Wolkenkratzer-Dramaturgie und Dauertempo bekommt man hier Kopfsteinpflaster, alte Kirchtürme und ein Tempo, bei dem der Tag noch atmet. Der rote Strich des Freedom Trail führt auf gut vier Kilometern zu 16 historischen Orten, vom weiten Boston Common bis zur Takelage der USS Constitution, und macht die Gründungsgeschichte der USA zu einem Spaziergang. Gleich über den Charles River liegt Cambridge, wo Harvard und MIT der Stadt ihr junges, akademisches Flair verleihen. Wo? In Buchläden, Cafés und auf den belebten Plätzen von Harvard Square und Kendall Square. Dazu das irische Erbe, das in den dunklen, holzvertäfelten Pubs bis heute den Ton angibt.
Philadelphia: Die Mutter aller Städte
Philadelphia inszeniert sich zurückhaltender als New York, liefert aber echtes Ostküsten-Großstadtgefühl. Center City durchquert man laut Tourismusbüro zu Fuß von Fluss zu Fluss.

Foto: f11photo/Shutterstock.com
Was in Philly an New York erinnert
An New York erinnert die komplette urbane Grundausstattung. Auch hier zählen die Ostküstenlage, eine lange, vielschichtige Einwanderungsgeschichte, dichte Viertel mit eigenem Charakter sowie eine vitale Kulturszene. Fishtown und Northern Liberties liefern kreative Energie. Unbedingt besuchen sollte man die Craft-Bars und sich ins Nachtleben stürzen, das hier erst spät in Fahrt kommt. Rund um den grünen Rittenhouse Square reihen sich elegante Restaurants, Boutiquen und Cafés, in denen das Flanieren wie selbstverständlich wirkt. Und dann ist da der Reading Terminal Market, eine überdachte Schlemmerhalle mit mehr als 80 unabhängigen Händlern und 30 Gastrobetrieben, in der Amish-Bäcker neben Dim-Sum-Ständen und dem berühmten Philly Cheesesteak stehen.

Foto: Eddie J. Rodriquez
Wo Philadelphia ganz eigen ist
Sein eigenes Gesicht zeigt Philadelphia dort, wo die USA begonnen haben. In der historischen Old City steht die Independence Hall, Unesco-Welterbe und Geburtsort von Unabhängigkeitserklärung und Verfassung. Und gleich um die Ecke hängt die gesprungene Liberty Bell. Der breite Benjamin Franklin Parkway zieht als grüne Kulturachse nach dem Vorbild der Champs-Élysées quer durch die Stadt und führt am Philadelphia Museum of Art, der Barnes Foundation und dem Franklin Institute vorbei. Vor dem Kunstmuseum liegen die berühmten Rocky Steps, die jeder Filmfan kennt, seit Sylvester Stallone sie mit erhobenen Fäusten in seinem legendären Boxerfilm erklommen hat. Dieser Underdog-Stolz passt zur Stadt: bodenständig, direkt, nachbarschaftlich, mit einem Selbstbewusstsein, das direkt aus den Vierteln kommt.
Nicht umsonst besingt der wohl berühmteste Sohn der Stadt, Will Smith, sein »West Philadelphia born and raised«.
Ach ja, und die Umgebung ist sehr reizvoll und auch noch ein echter Geheimtipp. Wer nach Philly fährt sollte sich unbedingt die Countryside ansehen.










