1. Audierne: Zwischen Hafen, Ateliers und dem Ende der Welt
Im äußersten Westen der Bretagne scheint das Land allmählich im Atlantik zu verschwinden. Audierne liegt an der Mündung des Goyen und ist ein guter Ausgangspunkt, um diese raue Ecke des Finistère zu entdecken. Im Hafen schaukeln Fischerboote neben Segelyachten, dahinter ziehen sich kleine Straßen mit Cafés, Geschäften und Ateliers den Hang hinauf.
Besonders im September lohnt es sich, den Strand für einige Stunden gegen den Ortskern einzutauschen. Audierne besitzt eine kleine, aber lebendige Kunsthandwerksszene. Im Atelier TER entstehen Keramiken aus Steinzeug und Porzellan.

Foto: Jeremy Jehanin
Jocelyne Rocher-Jublanc verarbeitet im Atelier de la nacre unter anderem die schillernden Schalen von Seeohren und Austern zu Schmuck. Stickkunst gibt es bei Jean-Christophe Lagarde im Atelier du 5 sowie bei Nathalie Dentzer in der Libellule Singulière zu entdecken.
Wer danach wieder ans Meer möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Direkt bei Audierne verläuft der berühmte Küstenwanderweg GR34. Richtung Süden folgen kilometerlange Strände, während nordwestlich die dramatische Küste des Cap Sizun beginnt. Audierne ist außerdem das Tor zu einem der abgeschiedensten Orte der Bretagne. Vom Hafen fahren Schiffe zur Île de Sein. Die kleine, nahezu autofreie Insel liegt draußen im Atlantik vor der Pointe du Raz und lässt sich gut zu Fuß erkunden. Schon die Überfahrt entlang der Felsküste ist ein wunderschönes Erlebnis.
2. Sables-d’Or-les-Pins: Ein Badeort aus den wilden Zwanzigern
Schon der Name verspricht Ferien: Sables-d’Or-les-Pins, goldener Sand unter Pinien. Der kleine Badeort gehört zur Gemeinde Fréhel an der bretonischen Nordküste und entstand erst in den 1920er-Jahren. Noch heute erinnern Villen im anglo-normannischen Stil und Art-déco-Gebäude an diese Zeit.
Die eigentliche Attraktion liegt jedoch direkt davor. Ein breiter Sandstrand zieht sich entlang der Küste und bietet bei Ebbe noch mehr Platz. Im Sommer wird gebadet, im Frühherbst übernehmen zunehmend Spaziergänger und Wassersportler. Die große, offene Fläche eignet sich besonders gut zum Strandsegeln. Auch Windsurfer und Kitesurfer nutzen die Bucht.

Foto: Jeremy Jehanin
Noch eindrucksvoller wird die Landschaft einige Kilometer weiter am Cap Fréhel. Bis zu rund 70 Meter hohe Klippen aus Schiefer und Sandstein ragen dort über dem Meer auf. Über den GR34 lässt sich die Küste zu Fuß erkunden. Heideflächen, kleine Buchten und immer wieder der Blick auf den Ärmelkanal begleiten den Weg. Wer weiterläuft, erreicht schließlich die auf einem Felsen über dem Meer thronende Festung Fort La Latte.
3. Locquirec: Wo die Bretagne surfen geht
Auf der Karte wirkt Locquirec beinahe wie eine Hand, die weit ins Meer greift. Die Lage auf einer Halbinsel beschert dem kleinen Seebad eine ungewöhnlich lange Küstenlinie und zahlreiche Buchten und Strände. Das macht Locquirec zu einem beliebten Surfziel. Je nach Wind und Wellengang findet sich rund um die Halbinsel häufig ein geeigneter Spot. Anfänger können sich ebenfalls aufs Brett wagen. Surfing Locquirec an der Plage du Moulin de la Rive bietet beispielsweise Kurse und Stand-up-Paddling an und ist 2026 von März bis Dezember geöffnet.
Doch Locquirec funktioniert auch ganz ohne Neoprenanzug. Weiße Villen, kleine Strände und der Hafen verleihen dem Ort den Charakter eines klassischen bretonischen Seebads. Besonders reizvoll ist ein Spaziergang rund um die Pointe de Locquirec. Von dort öffnet sich der Blick weit über die Bucht von Morlaix, deren Küste von Inselchen, felsigen Landzungen und kleinen Buchten geprägt wird.

Foto: Jeremy Jehanin
Wenn die meisten Sommergäste abgereist sind, passt der ruhigere Rhythmus des Septembers besonders gut zu diesem Ort.
4. Pénestin: Eine goldene Wand über dem Atlantik
An der südlichen Küste der Bretagne wartet eine Landschaft, die beinahe unbretonisch wirkt. An der Plage de la Mine d’Or bei Pénestin erhebt sich hinter dem Strand eine mächtige Felswand in Ocker-, Orange- und Goldtönen. Je tiefer die Sonne steht, desto intensiver leuchten die Klippen. Der rund zwei Kilometer lange Strand gehört deshalb zu den ungewöhnlichsten Küstenabschnitten der Region. Sein Name erinnert tatsächlich an die Suche nach Gold, die hier einst betrieben wurde.

Foto: Kamila Koziol/Shutterstock.com
Im Frühherbst lässt sich der Strand gut mit einer typisch bretonischen Tradition verbinden: der pêche à pied. Sobald sich das Meer bei Ebbe zurückzieht, beginnt die Suche nach Muscheln, Krebsen und anderen Meeresbewohnern. Besonders groß werden die freigelegten Flächen bei Springtiden. Dabei ist allerdings Zurückhaltung gefragt. Fangmengen, Mindestgrößen und geschützte Bereiche sind geregelt. Auch die Gezeiten sollten genau im Blick bleiben, denn an der Atlantikküste kann das Wasser überraschend schnell zurückkehren.
Und selbst ohne Eimer und Kescher lohnt sich Pénestin: Wenn die Sonne am späten Nachmittag auf die goldenen Klippen fällt, genügt ein langer Spaziergang am Wasser.
5. Trébeurden: Wilde Pferde zwischen Moor und Meer
Nur ein schmaler Dünenstreifen trennt das Marais du Quellen bei Trébeurden vom Meer. Dahinter beginnt eine Landschaft aus Schilf, Feuchtwiesen, Wasserflächen und Granit. Das geschützte Gebiet umfasst lediglich 22 Hektar und wirkt dennoch wie eine kleine Welt für sich.
Mehr als 300 Pflanzenarten wachsen hier. Dass die offene Moorlandschaft erhalten bleibt, ist auch einigen ungewöhnlichen Landschaftspflegern zu verdanken: Camargue-Pferden. Die robusten Kleinpferde grasen im Schutzgebiet und verhindern, dass besonders dominante Pflanzenarten andere verdrängen.

Foto: Jeremy Jehanin
Ein markierter Rundweg führt durch das Marais. Besonders im September entfaltet die Landschaft ihren Reiz. Das Grün des Sommers bekommt erste Braun- und Goldtöne, über den Feuchtwiesen liegt morgens mitunter Nebel und auf dem Weg wird es deutlich stiller.
Trébeurden liegt zudem an einer der schönsten Küstenregionen der Nordbretagne. Wenige Kilometer weiter beginnt die Côte de Granit Rose mit ihren bizarr geformten rosafarbenen Granitfelsen. So lässt sich die kleine Moorwanderung gut mit einem längeren Ausflug entlang der Küste verbinden.
6. Fouesnant: Wenn im Herbst die Zugvögel kommen
Im Süden der Bretagne zeigt sich der Herbst zunächst weniger an bunten Wäldern als am Himmel. Rund um Fouesnant beginnen im September zahlreiche Zugvögel ihre Reise in den Süden. Die Feuchtgebiete an der Küste werden dann zu wichtigen Rastplätzen.
Besonders gut lässt sich das in den Sümpfen von Mousterlin beobachten. Zwei Beobachtungsstationen ermöglichen den Blick auf die Vogelwelt, ohne die Tiere zu stören. Ein Fernglas und etwas Geduld reichen für ein paar ruhige Stunden in der Natur.

Foto: Alexandra Lamoureux
Nur wenige Kilometer entfernt wartet eine weitere ungewöhnliche Landschaft: die Mer Blanche. Das »Weiße Meer« ist eine flache Lagune hinter einer schmalen Nehrung. Ebbe und Flut verändern permanent das Bild aus Wasser, Sandbänken und Salzwiesen. Bei geeigneten Bedingungen lässt sich die Gegend auch vom Kajak oder Stand-up-Paddle-Board aus entdecken. Im September zeigt sich dabei einer der Vorzüge der Nachsaison besonders deutlich: Auf dem Wasser wird es ebenso ruhig wie an den Stränden.
Und genau darin liegt der Reiz einer Bretagne-Reise zu dieser Jahreszeit. Der Sommer ist noch nicht ganz verschwunden, doch die Küste gehört langsam wieder dem Wind, dem Meer und den Menschen, die hier das ganze Jahr über leben.


