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Frankreich

Frühherbst in der Bretagne: Diese 6 Orte an der Küste sind ein Traum

Wenn die Strände leerer werden und das Licht über dem Atlantik weicher wird, zeigt sich die Bretagne von einer besonders schönen Seite. Wir stellen sechs Küstenorte vor, die im Frühherbst einen Besuch lohnen.

1. Audierne: Zwischen Hafen, Ateliers und dem Ende der Welt

Im äußersten Westen der Bretagne scheint das Land allmählich im Atlantik zu verschwinden. Audierne liegt an der Mündung des Goyen und ist ein guter Ausgangspunkt, um diese raue Ecke des Finistère zu entdecken. Im Hafen schaukeln Fischerboote neben Segelyachten, dahinter ziehen sich kleine Straßen mit Cafés, Geschäften und Ateliers den Hang hinauf.

Besonders im September lohnt es sich, den Strand für einige Stunden gegen den Ortskern einzutauschen. Audierne besitzt eine kleine, aber lebendige Kunsthandwerksszene. Im Atelier TER entstehen Keramiken aus Steinzeug und Porzellan.

Keramikerin bei der Arbeit im Atelier TER in Audierne in der Bretagne

Foto: Jeremy Jehanin

Jocelyne Rocher-Jublanc verarbeitet im Atelier de la nacre unter anderem die schillernden Schalen von Seeohren und Austern zu Schmuck. Stickkunst gibt es bei Jean-Christophe Lagarde im Atelier du 5 sowie bei Nathalie Dentzer in der Libellule Singulière zu entdecken.

Wer danach wieder ans Meer möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Direkt bei Audierne verläuft der berühmte Küstenwanderweg GR34. Richtung Süden folgen kilometerlange Strände, während nordwestlich die dramatische Küste des Cap Sizun beginnt. Audierne ist außerdem das Tor zu einem der abgeschiedensten Orte der Bretagne. Vom Hafen fahren Schiffe zur Île de Sein. Die kleine, nahezu autofreie Insel liegt draußen im Atlantik vor der Pointe du Raz und lässt sich gut zu Fuß erkunden. Schon die Überfahrt entlang der Felsküste ist ein wunderschönes Erlebnis.

2. Sables-d’Or-les-Pins: Ein Badeort aus den wilden Zwanzigern

Schon der Name verspricht Ferien: Sables-d’Or-les-Pins, goldener Sand unter Pinien. Der kleine Badeort gehört zur Gemeinde Fréhel an der bretonischen Nordküste und entstand erst in den 1920er-Jahren. Noch heute erinnern Villen im anglo-normannischen Stil und Art-déco-Gebäude an diese Zeit.

Die eigentliche Attraktion liegt jedoch direkt davor. Ein breiter Sandstrand zieht sich entlang der Küste und bietet bei Ebbe noch mehr Platz. Im Sommer wird gebadet, im Frühherbst übernehmen zunehmend Spaziergänger und Wassersportler. Die große, offene Fläche eignet sich besonders gut zum Strandsegeln. Auch Windsurfer und Kitesurfer nutzen die Bucht.

Spaziergänger am Strand von Sables-d’Or-les-Pins bei Fréhel in der Bretagne

Foto: Jeremy Jehanin

Noch eindrucksvoller wird die Landschaft einige Kilometer weiter am Cap Fréhel. Bis zu rund 70 Meter hohe Klippen aus Schiefer und Sandstein ragen dort über dem Meer auf. Über den GR34 lässt sich die Küste zu Fuß erkunden. Heideflächen, kleine Buchten und immer wieder der Blick auf den Ärmelkanal begleiten den Weg. Wer weiterläuft, erreicht schließlich die auf einem Felsen über dem Meer thronende Festung Fort La Latte.

3. Locquirec: Wo die Bretagne surfen geht

Auf der Karte wirkt Locquirec beinahe wie eine Hand, die weit ins Meer greift. Die Lage auf einer Halbinsel beschert dem kleinen Seebad eine ungewöhnlich lange Küstenlinie und zahlreiche Buchten und Strände. Das macht Locquirec zu einem beliebten Surfziel. Je nach Wind und Wellengang findet sich rund um die Halbinsel häufig ein geeigneter Spot. Anfänger können sich ebenfalls aufs Brett wagen. Surfing Locquirec an der Plage du Moulin de la Rive bietet beispielsweise Kurse und Stand-up-Paddling an und ist 2026 von März bis Dezember geöffnet.

Doch Locquirec funktioniert auch ganz ohne Neoprenanzug. Weiße Villen, kleine Strände und der Hafen verleihen dem Ort den Charakter eines klassischen bretonischen Seebads. Besonders reizvoll ist ein Spaziergang rund um die Pointe de Locquirec. Von dort öffnet sich der Blick weit über die Bucht von Morlaix, deren Küste von Inselchen, felsigen Landzungen und kleinen Buchten geprägt wird.

Blick von der Landspitze von Locquirec auf die bretonische Küste

Foto: Jeremy Jehanin

Wenn die meisten Sommergäste abgereist sind, passt der ruhigere Rhythmus des Septembers besonders gut zu diesem Ort.

4. Pénestin: Eine goldene Wand über dem Atlantik

An der südlichen Küste der Bretagne wartet eine Landschaft, die beinahe unbretonisch wirkt. An der Plage de la Mine d’Or bei Pénestin erhebt sich hinter dem Strand eine mächtige Felswand in Ocker-, Orange- und Goldtönen. Je tiefer die Sonne steht, desto intensiver leuchten die Klippen. Der rund zwei Kilometer lange Strand gehört deshalb zu den ungewöhnlichsten Küstenabschnitten der Region. Sein Name erinnert tatsächlich an die Suche nach Gold, die hier einst betrieben wurde.

Plage de la Mine d'Or bei Pénestin.

Foto: Kamila Koziol/Shutterstock.com

Im Frühherbst lässt sich der Strand gut mit einer typisch bretonischen Tradition verbinden: der pêche à pied. Sobald sich das Meer bei Ebbe zurückzieht, beginnt die Suche nach Muscheln, Krebsen und anderen Meeresbewohnern. Besonders groß werden die freigelegten Flächen bei Springtiden. Dabei ist allerdings Zurückhaltung gefragt. Fangmengen, Mindestgrößen und geschützte Bereiche sind geregelt. Auch die Gezeiten sollten genau im Blick bleiben, denn an der Atlantikküste kann das Wasser überraschend schnell zurückkehren.

Und selbst ohne Eimer und Kescher lohnt sich Pénestin: Wenn die Sonne am späten Nachmittag auf die goldenen Klippen fällt, genügt ein langer Spaziergang am Wasser.

5. Trébeurden: Wilde Pferde zwischen Moor und Meer

Nur ein schmaler Dünenstreifen trennt das Marais du Quellen bei Trébeurden vom Meer. Dahinter beginnt eine Landschaft aus Schilf, Feuchtwiesen, Wasserflächen und Granit. Das geschützte Gebiet umfasst lediglich 22 Hektar und wirkt dennoch wie eine kleine Welt für sich.

Mehr als 300 Pflanzenarten wachsen hier. Dass die offene Moorlandschaft erhalten bleibt, ist auch einigen ungewöhnlichen Landschaftspflegern zu verdanken: Camargue-Pferden. Die robusten Kleinpferde grasen im Schutzgebiet und verhindern, dass besonders dominante Pflanzenarten andere verdrängen.

Camargue-Pferde im Marais du Quellen bei Trébeurden in der Bretagne

Foto: Jeremy Jehanin

Ein markierter Rundweg führt durch das Marais. Besonders im September entfaltet die Landschaft ihren Reiz. Das Grün des Sommers bekommt erste Braun- und Goldtöne, über den Feuchtwiesen liegt morgens mitunter Nebel und auf dem Weg wird es deutlich stiller.

Trébeurden liegt zudem an einer der schönsten Küstenregionen der Nordbretagne. Wenige Kilometer weiter beginnt die Côte de Granit Rose mit ihren bizarr geformten rosafarbenen Granitfelsen. So lässt sich die kleine Moorwanderung gut mit einem längeren Ausflug entlang der Küste verbinden.

6. Fouesnant: Wenn im Herbst die Zugvögel kommen

Im Süden der Bretagne zeigt sich der Herbst zunächst weniger an bunten Wäldern als am Himmel. Rund um Fouesnant beginnen im September zahlreiche Zugvögel ihre Reise in den Süden. Die Feuchtgebiete an der Küste werden dann zu wichtigen Rastplätzen.

Besonders gut lässt sich das in den Sümpfen von Mousterlin beobachten. Zwei Beobachtungsstationen ermöglichen den Blick auf die Vogelwelt, ohne die Tiere zu stören. Ein Fernglas und etwas Geduld reichen für ein paar ruhige Stunden in der Natur.

Luftaufnahme der Küste und Feuchtgebiete bei Fouesnant in der Bretagne

Foto: Alexandra Lamoureux

Nur wenige Kilometer entfernt wartet eine weitere ungewöhnliche Landschaft: die Mer Blanche. Das »Weiße Meer« ist eine flache Lagune hinter einer schmalen Nehrung. Ebbe und Flut verändern permanent das Bild aus Wasser, Sandbänken und Salzwiesen. Bei geeigneten Bedingungen lässt sich die Gegend auch vom Kajak oder Stand-up-Paddle-Board aus entdecken. Im September zeigt sich dabei einer der Vorzüge der Nachsaison besonders deutlich: Auf dem Wasser wird es ebenso ruhig wie an den Stränden.

Und genau darin liegt der Reiz einer Bretagne-Reise zu dieser Jahreszeit. Der Sommer ist noch nicht ganz verschwunden, doch die Küste gehört langsam wieder dem Wind, dem Meer und den Menschen, die hier das ganze Jahr über leben.

Häufige Fragen

In welchem Ort sollte man am besten übernachten, wenn man sich die sechs Orte ansehen will?
Wer alle sechs Küstenorte besuchen möchte, sollte nicht an einem Standort übernachten. Audierne, Fréhel, Locquirec, Pénestin, Trébeurden und Fouesnant liegen über die Bretagne verteilt, sodass eine kleine Rundreise wesentlich sinnvoller ist. Empfehlenswert sind zwei bis drei Standorte, beispielsweise im Raum Quimper/Audierne für den Westen und Süden sowie an der Côte de Granit Rose für Trébeurden und Locquirec. Für Fréhel bietet sich anschließend eine Übernachtung an der nördlichen Küste an. Wer auch Pénestin besuchen möchte, sollte dafür einen zusätzlichen Stopp im Süden der Bretagne einplanen.
Welche Unterkünfte empfehlen sich besonders?
Im Frühherbst lohnt sich die Suche nach kleinen Hotels, Chambres d’hôtes und Ferienhäusern in Küstennähe. Gerade außerhalb der französischen Sommerferien ist die Auswahl häufig größer als im Juli und August. In Audierne liegt beispielsweise die Maison Le Goyen unmittelbar am Hafen und eignet sich gut als Ausgangspunkt für Ausflüge zum Cap Sizun und zur Pointe du Raz. Das offizielle Tourismusportal der Bretagne listet zudem mehrere Tausend Hotels, Ferienwohnungen, Gästehäuser und Campingplätze in der gesamten Region.
Wie viel kostet ein Urlaub im Herbst in der Bretagne?
Der Frühherbst kann preislich attraktiver sein als die Hauptsaison, allerdings unterscheiden sich die Kosten je nach Ort und Unterkunft erheblich. Einfache Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen sind meist günstiger als Häuser direkt am Meer oder gehobene Küstenhotels. Für ein Doppelzimmer sollte grob mit 80 bis 150 Euro pro Nacht gerechnet werden, komfortablere Häuser können deutlich teurer sein. Hinzu kommen Anreise, Mietwagen, Benzin und Verpflegung.
Kommt man gut mit dem Zug in die Bretagne?
Ja. Die Bretagne ist hervorragend an das französische Bahnnetz angebunden. TGV-Züge fahren von Paris-Montparnasse in rund 1,5 Stunden nach Rennes, Brest und Quimper sind in ungefähr drei bis vier Stunden erreichbar. Auch aus Lille, Lyon und Straßburg bestehen direkte Verbindungen nach Rennes. Innerhalb der Bretagne verkehren täglich mehr als 300 Regionalzüge. Für diese sechs Küstenorte sieht es dagegen weniger gut aus. Viele liegen abseits der großen Bahnstrecken, da muss man schon mal den Bus nehmen. Wer alle sechs auf einer Reise miteinander verbinden möchte, ist deshalb mit eigenem Auto oder Mietwagen wesentlich flexibler. Für einzelne Regionen funktioniert eine Reise ohne Auto dagegen durchaus gut, da Regionalzüge und BreizhGo-Busse aufeinander abgestimmt sind.
Frank Störbrauck
Brasilien ist sein Ding. Hier feiert Frank gerne ausgelassene Strandpartys bis tief in die warme Nacht. Klar, die Copacabana ist dafür in aller Munde, ihn zieht es allerdings viel lieber nach Salvador, wo die Strände nicht weniger traumhaft sind. Pluspunkt dort: Die Partys sind kleiner und mit den Locals kommt man schneller ins Gespräch.