Foto: Norrøna / MIR
Norwegen

Mitten in Norwegens Arktis: Diese ungewöhnliche Lodge eröffnet im Sommer 2027

Eine einsame Insel im Norden Norwegens, Berge, die direkt aus dem Meer ragen, und gerade einmal 30 Gäste: 2027 eröffnet auf Andørja eine außergewöhnliche neue Lodge. Hinter dem Projekt steckt eine Marke, die bisher vor allem Outdoor-Fans kennen dürften.

Wo liegt’s? Die Norrøna Lodge entsteht auf Andørja im Norden Norwegens. Die U-förmige Insel gilt als bergigste Insel Nordeuropas. 20 Gipfel zwischen 1.000 und 1.300 Metern Höhe erheben sich direkt aus dem Meer, einige davon lassen sich nur vom Wasser aus erreichen.

Abgeschiedenheit gehört hier ausdrücklich zum Konzept. Gäste werden am Flughafen Harstad/Narvik (Evenes) abgeholt und sollen anschließend per Boot zur Lodge gelangen. Dafür lässt Norrøna ein 37 Fuß langes Aluminiumboot bauen, das Geschwindigkeiten von bis zu 50 Knoten erreichen kann und auch mit anspruchsvollen Bedingungen auf See zurechtkommen soll.

Norrøna Lodge at Andørja an der Küste in Nordnorwegen

Foto: Norrøna / MIR

Hinter dem Projekt steht übrigens Norrøna, eine der bekanntesten norwegischen Outdoor-Marken. Das 1929 gegründete Unternehmen ist vor allem für hochwertige Kleidung und Ausrüstung für Bergsport, Skifahren und Outdoor-Abenteuer bekannt. Mit der Norrøna Lodge at Andørja überträgt die Marke ihre Outdoor-Welt nun auf ein eigenes Hotelkonzept.

Wie viele Zimmer? Gerade einmal 15 freistehende Gästehütten sind vorgesehen, sodass maximal 30 Gäste gleichzeitig in der Lodge wohnen. Die rund 30 Quadratmeter großen Unterkünfte werden vorgefertigt, per Schiff nach Andørja gebracht und auf Holzpfähle gesetzt. Hinzu kommen unter anderem Restaurant, Lounge und Bar sowie zwei Saunen.

Vom Forschungszentrum zur Lodge

Ungewöhnlich ist auch die Geschichte des Standorts. Das Hauptgebäude war ursprünglich ein von der Universität Tromsø betriebenes Forschungszentrum für Riesenhaie. Nachdem die Finanzierung ausgelaufen war und sich die Universität zurückgezogen hatte, übernahm Norrøna das Gelände. Statt alles abzureißen und neu zu bauen, integrierte die Marke den Bestand in das gemeinsam mit Dark Arkitekter entwickelte Konzept.

Was verspricht das Interieur? Norrøna versteht die Lodge weniger als klassisches Luxushotel denn als komfortables Basislager für Tage draußen. Das zeigt sich besonders deutlich in den Gästehütten. Rund 20 der etwa 30 Quadratmeter bestehen aus Fensterfläche. Einen Fernseher gibt es bewusst nicht. Die Hauptrolle soll der Blick auf Fjord und Berge spielen.

Bungalow der Norrøna Lodge at Andørja mit Panoramafenstern, Meerblick, Kamin und freistehender Badewanne

Foto: Norrøna / MIR

Interessant ist die Aufteilung der Zimmer: Jede Unterkunft bekommt zwei Eingänge. Einer führt in den eigentlichen Wohnbereich mit Bett und Minibar. Der zweite ist für die Rückkehr von einer Tour gedacht und führt über einen geschlossenen Ausrüstungs- und Trockenraum ins Badezimmer. Nasse oder schmutzige Outdoor-Ausrüstung kann dort gereinigt und getrocknet werden. Die Badewanne wiederum steht so, dass sich durch bodentiefe Fenster die Landschaft betrachten lässt.

Auch beim Bau spielt die Umgebung eine große Rolle. Die neuen Gebäude stehen auf Pfählen, Holzstege verbergen Versorgungsleitungen und sollen den Boden schützen. Eine Zufahrtsstraße zu den Hütten ist nicht vorgesehen. Während der Bauarbeiten verzichtete man laut Norrøna auf Sprengungen und beschränkte den Einsatz von Beton weitgehend auf die Fundamente. Selbst die Beleuchtung soll auf ein Minimum reduziert werden, damit die nächtliche Landschaft möglichst dunkel bleibt.

Arktis auf dem Teller

Wo essen und trinken? Das gastronomische Zentrum wird ein rund 300 Quadratmeter großes Restaurant, ergänzt durch eine Lounge mit Bar. Das Konzept orientiert sich stark an der Umgebung. Auf die Teller sollen vor allem frische Zutaten aus der arktischen Region kommen. Genannt werden Königskrabben, Seeigel sowie wild gesammelte Beeren und Kräuter. Die Mahlzeiten sollen damit die Landschaft aufgreifen, in der die Gäste zuvor unterwegs waren.

Anders als in einem klassischen Hotel werden Restaurantbesuche hier zudem Teil eines All-inclusive-Konzepts. Die Aufenthalte umfassen Verpflegung, geführte Aktivitäten, Erholung und die Transfers. Damit positioniert Norrøna das Haus eher als vollständig organisiertes Outdoor-Erlebnis denn als Lodge, in der einzelne Leistungen hinzugebucht werden.

Ein Basislager für vier Jahreszeiten

Was kann man in der Umgebung unternehmen? Wenig überraschend: Hier dreht sich alles um die Natur. Im Winter stehen Skitouren auf dem Programm. In den wärmeren Monaten folgen Wandern, Bergsteigen und Trailrunning unter der Mitternachtssonne. Während der arktischen Nächte sollen Touren zu den Nordlichtern und Schneeschuhwanderungen angeboten werden. Auch Angeln direkt vor der Lodge gehört zum Programm.

Norrøna Lodge at Andørja unter Nordlichtern in Nordnorwegen

Foto: Norrøna / MIR

Wer es ruhiger angehen möchte, kann mit lokalen Guides die Fischereitraditionen und die Gemeinden Andørjas kennenlernen, Tiere beobachten oder das besondere Licht der Arktis fotografieren. Für viele Touren kommt erneut das Boot zum Einsatz. Einige Berge auf Andørja sind vom Land aus kaum zugänglich, sodass Gäste direkt vom Wasser aus zu ihren Ausgangspunkten gebracht werden können.

Nach der Rückkehr warten zwei holzbeheizte Saunen, zwei ebenfalls holzbeheizte Außenwhirlpools aus Edelstahl und die Möglichkeit zum Kaltwasserbad. Eine der Saunen ist klassisch angelegt und bietet Platz für bis zu zwölf Personen. Die zweite bekommt eine Liegefläche, von der aus sich der Himmel beobachten lässt.

Highlight des Hotels? Die Lage selbst. Andørja liefert genau jene dramatische Landschaft, für die viele weit in den Norden Norwegens reisen: Fjorde, Berge, Mitternachtssonne und im Winter arktische Dunkelheit.

Wandergruppe in der Berglandschaft auf Andørja in Nordnorwegen

Foto: Chris Holter / Norrøna

Dass einige der umliegenden Gipfel nur per Boot erreichbar sind und die Lodge höchstens 30 Gäste beherbergt, verstärkt den Expeditionscharakter. Gleichzeitig bleiben Sauna, Whirlpool, Restaurant und die Hütten als komfortables Basislager erhalten.

Was kostet der Spaß? Günstig wird die Reise in die arktische Einsamkeit nicht. Die Preise sollen bei 990 Euro pro Person und Nacht beginnen. Dafür sind Verpflegung, Guides, Aktivitäten, Erholung und Transfers Bestandteil des All-inclusive-Aufenthalts. Buchungen für eine Unterkunft sollen ab Ende Oktober 2026 auf der Website der Norrøna Lodge Andørja möglich sein. Die Eröffnung ist für Juni 2027 geplant.

Frank Störbrauck
Brasilien ist sein Ding. Hier feiert Frank gerne ausgelassene Strandpartys bis tief in die warme Nacht. Klar, die Copacabana ist dafür in aller Munde, ihn zieht es allerdings viel lieber nach Salvador, wo die Strände nicht weniger traumhaft sind. Pluspunkt dort: Die Partys sind kleiner und mit den Locals kommt man schneller ins Gespräch.