▶ Living Cover
Foto: biletskiyevgeniy.com / Shutterstock.com
Norwegen

Zwischen Mitternachtssonne und Polarnacht: Wann die Lofoten am schönsten sind

Mitternachtssonne im Sommer oder Nordlichter im Winter? Die Lofoten zeigen zu jeder Jahreszeit ein komplett anderes Gesicht. Alle sind schön, keine Frage, aber wer hier zwischen den Hauptreisezeiten Urlaub macht, bekommt die ruhigsten Ecken der Inseln gratis mit dazu. 

Diesen Artikel vorlesen
5:06

In der Nebensaison ist auf der einzigen Durchgangsstraße der Inselkette kaum Verkehr, an den Stränden ist es angenehm ruhig. Im Sommer sieht das ganz anders aus, dann übernehmen hier Wohnmobile und jeder Aussichtspunkt hat seine eigene Warteschlange, auch im Winter ist der Andrang groß. Allerdings warten in diesen beiden Jahreszeiten die Mitternachtssonne beziehungsweise Nordlichter auf Besucher!

Wir verraten dir in diesem Artikel mehr über die besten Reisezeiten für die Lofoten – die spektakuläre Inselgruppe vor der Nordwestküste Norwegens.

Sommer: Bühne der Mitternachtssonne

Zwischen Ende Mai bis Ende Juli geht die Sonne über den Lofoten kaum unter, was den eigenen Schlafrhythmus zuverlässig durcheinanderbringt. Grüne Hänge und weiße Sandstrände zeigen sich in bestem Licht, dazu die typischen roten Fischerhäuser am Wasser, bei Temperaturen um 10 bis 18 Grad. Das ist Coolcation in norwegisch-pittoresk und ziemlich wahrscheinlich auch der Hauptgrund für die Besucherzahlen.

Outdooraktivitäten oder einen Roadtrip lassen sich hier nämlich dann rund um die Uhr planen. Diese Freiheit hat allerdings ihren Preis, denn Hotels und Campingplätze sind früh ausgebucht. Und am Reinebringen oder dem Haukland Beach wird geparkt, wo eigentlich kein Platz mehr ist. Dabei liegen ruhigere Alternativen oft nur eine Fähre entfernt. Die Insel Gimsøya bietet mit ihren Stränden und dem winzigen Gimsøy-Kirchlein Reitausflüge zur Mitternachtssonne an. Und der kleine Ort Skrova wirkt wie ein kleines Lofoten-Kondensat mit spürbar mehr Dorfleben als Kulisse.

Weiße Holzkirche auf einer Wiese an der Küste der Lofoten, umgeben von Bergen unter blauem Himmel.

Foto: Nick Fox/Shutterstock.com

Übrigens: Wer den Reinebringen bereits kennt (und die Warteschlange davor), findet am Festvågtind über Henningsvær einen ähnlich spektakulären Ausblick, nur ohne die Menschentraube am Gipfel.

Winter: Stille und Nordlichter

Zwischen Anfang Dezember und Anfang Januar bleibt die Sonne in der Polarnacht komplett unter dem Horizont. Dafür tanzen Nordlichter über einem Himmel, der plötzlich sehr viel Programm bietet. Dank Golfstrom liegen die Temperaturen meist zwischen minus 2 und plus 4 Grad, was relativ gut auszuhalten ist. Was für die Reiseplanung aber bedacht werden sollte: Das Wetter ist wechselhaft genug, um jeden Zeitplan zu ignorieren. Als beste Zeit für Aurora-Beobachtungen gelten Februar und März, wenn noch Schnee liegt und die Tage schon wieder länger werden.

Foto: Denis Belitsky/Shutterstock.com · Foto: imageBROKER.com/Shutterstock.com

Von Januar bis März kommt außerdem der Skrei, also der Kabeljau zur Laichzeit, an die Küste. Dann trocknen tausende Fische an Holzgestellen. Die Einheimischen geben hier gerne einen Einblick in die alte Stockfisch-Tradition, ganz ohne Museumsvitrine. Dazu kommen geführte Skitouren auf die Inselberge und ruhige Tage in einer Rorbu, also in einer traditionellen Fischerhütte.

Trockenfisch hängt auf Holzgestellen an einem Steg in einem Fischerdorf der Lofoten, im Hintergrund rote Häuser und Berge.

Foto: xamnesiac84/Shutterstock.com

Nebensaison auf den Lofoten – das sind die Vorteile!

Zwischen den beiden Extremen liegt der eigentliche Geheimtipp. Und zwar die Übergangszeit, die kaum jemand bucht, obwohl sie eigentlich die klügste Wahl ist. Im Mai sind die Tage schon lang und auf den Gipfeln liegt oft noch Schnee. An den Stränden ist dagegen Platz. Und zwar reichlich. Im September färben sich die Birken golden und in der Nacht zeigen sich schon die ersten Nordlichter der Saison. Viele Unterkünfte haben noch geöffnet, zu Preisen, die nicht mehr nach Hauptsaison klingen.

Kleiner Tipp: Der Oktober liefert dazu dramatisches Licht für Fotografinnen und Fotografen.

Herbstliche Abendstimmung an einem Fjord in den Lofoten mit einem Dorf am Ufer, einer Holzkirche mit Turm und bewaldeten Hügeln in goldenem Licht.

Foto: Pawel Uchorczak/Shutterstock.com

Reisetipps für weniger Andrang

Viele Einheimische sagen es offen: Der Sommer rettet wirtschaftlich das Jahr, kostet aber Kraft. Die Nebensaison lieben sie gerade deshalb, weil die Inseln dann wieder ihnen gehören und nicht dem nächsten Reisebus. Wer außerhalb der Hauptsaison reist, länger als drei Nächte bleibt, lokale Anbieter bucht, offizielle Parkplätze nutzt und auf den Wegen bleibt, hilft dabei, dieses fragile Gleichgewicht zu erhalten.

Die Lofoten geben auf die Frage nach der besten Reisezeit mehrere sehr unterschiedliche Antworten. Es kommt nur darauf an, ob Mitternachtssonne oder Nordlichter auf dem Wunschzettel stehen. Wer beides nicht braucht, findet seine beste Zeit ohnehin genau dazwischen.

Häufige Fragen

Wie viele Tage sollten für eine Reise auf die Lofoten eingeplant werden?
Mindestens vier bis sieben Tage sind empfehlenswert, um die Inselkette ohne permanenten Zeitdruck zu erleben. So bleibt Raum für Wetterwechsel, Wanderungen, Strände und kleinere Orte wie Henningsvær oder Reine sowie Abstecher auf weniger besuchte Inseln wie Gimsøya oder Skrova.
Ist auf den Lofoten ein Mietwagen notwendig?
Für eine flexible Reise ist ein Mietwagen empfehlenswert, denn viele Ziele wie abgelegene Strände oder kleinere Orte liegen abseits der größeren Busverbindungen. Wer im Sommer fährt, sollte Unterkunft und Mietwagen frühzeitig reservieren und für beliebte Aussichtspunkte ausreichend Zeit einplanen.
Was sind Rorbuer und lohnt sich eine Übernachtung dort?
Rorbuer sind ehemalige Fischerhütten, die häufig direkt am Wasser stehen und heute als Ferienunterkünfte genutzt werden. Sie verbinden eine authentische Lage mit Selbstversorgung und eignen sich für Reisende, die das Inselleben über einen längeren Zeitraum erleben möchten.
Welche Kleidung gehört zu jeder Jahreszeit ins Gepäck?
Entscheidend ist das Zwiebelprinzip: mehrere wärmende Schichten unter einer wind- und wasserdichten Außenschicht sowie feste, wasserdichte Schuhe. Selbst im Sommer können Wind und plötzliche Wetterwechsel einen Strandtag oder eine Wanderung deutlich kühler machen als erwartet.
Jasmin Faust
Jasmins Herz muss viel aushalten, denn sie verliebt sich in (fast) jedes Land auf der Welt und würde am liebsten für immer dort bleiben. Die Schönheit des Reisens findet sie überall. Ob in den Bergen und Seen der Alpen, in den Städten Mexikos oder der Wüste Jordaniens. Hauptsache Natur, Kultur und ein bisschen Abenteuer.