Foto: Houston First Corporation (Lance Childers)
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Sehenswürdigkeiten in Houston: Von Mission Control bis zur Fledermausbrücke

Houston hat keine Altstadt und kein Wahrzeichen, um das sich alles gruppiert. Die viertgrößte Stadt der USA verteilt ihre Sehenswürdigkeiten über eine enorme Fläche. Wer die Wege auf sich nimmt, findet den Kontrollraum der ersten Mondlandung, eine Kapelle mit 14 Rothko-Gemälden und eine Brücke, unter der Hunderttausende Fledermäuse schlafen.

Dass Houston so weitläufig ist, hat mit seiner Geschichte zu tun. Öl- und Energieindustrie, Hafen, Raumfahrt und das Texas Medical Center schufen über Jahrzehnte eigene Zentren, und die Stadt wuchs um alle gleichzeitig. Der Boom zog Menschen aus aller Welt an. Das erklärt die endlosen Freeways ebenso wie eine der vielfältigsten Restaurantszenen der USA. Für die Planung heißt das: pro Tag ein oder zwei Viertel, dazwischen das Auto.

Houston Sehenswürdigkeiten im Überblick

  • Space Center Houston mit Tram Tour zum historischen Mission Control
  • Museum District mit 19 Museen rund um Hermann Park
  • Menil Collection und Rothko Chapel in Montrose, beide ohne Eintritt
  • Project Row Houses im Third Ward, dem Viertel, in dem Beyoncé aufwuchs
  • Buffalo Bayou Park Cistern, ein unterirdischer Wasserspeicher von 1926
  • Fledermauskolonie an der Waugh Drive Bridge
  • POST Houston mit Dachgarten und Blick auf die Skyline
  • Hafenrundfahrt auf dem Houston Ship Channel
  • Tagesausflug nach Galveston an den Golf von Mexiko

Space Center Houston: Wo die Mondlandung gesteuert wurde

Seit den 1960er-Jahren begleitet das Johnson Space Center der NASA die bemannten Raumflüge der USA. Das Besucherzentrum Space Center Houston liegt rund 40 Kilometer südöstlich von Downtown und zeigt Raumkapseln, Raumanzüge und Trainingsmodule. Im Rocket Park liegt eine der drei erhaltenen Saturn-V-Raketen der Länge nach in einer eigenen Halle aufgebahrt.

Die NASA Tram Tours fahren auf das Gelände des aktiven Raumfahrtzentrums. Je nach Tour stehen die Trainingshallen der heutigen Astronauten auf dem Programm. Für Raumfahrtfans führt kein Weg am historischen Mission Control Center vorbei. Von hier aus steuerte die NASA die Gemini- und Apollo-Missionen und die erste Mondlandung im Jahr 1969. Ein Jahr später ertönte hier auch der berühmteste Funkspruch der Raumfahrt: der Notruf von Apollo 13 mit den Worten »Houston, wir haben ein Problem«.

Modell einer Saturn-V-Rakete in der Ausstellung des Space Center Houston

Foto: Wangkun Jia/Shutterstock.com

Die Mission-Control-Tour kostet zusätzlich zum Eintritt und ist an Wochenenden, Feiertagen und in den Schulferien oft Tage im Voraus ausverkauft. Einen halben Tag sollte der Besuch mindestens einplanen.

Museum District: 19 Museen rund um Hermann Park

Im Museum District geht Houston ausnahmsweise zu Fuß. Rund um Hermann Park liegen 19 Museen und Kultureinrichtungen, die Wege dazwischen sind kurz. Das Museum of Fine Arts Houston spannt seine Sammlung von der Antike bis zur Gegenwart. Zum Museum gehören außerdem die historischen Anwesen Bayou Bend und Rienzi. Gleich nebenan zeigt das Houston Museum of Natural Science Dinosaurierskelette, Mineralien und Edelsteine. Ein Planetarium und das Cockrell Butterfly Center ergänzen den Komplex.

Menil Collection und Rothko Chapel: Kunst zwischen Bungalows

Einige Kilometer nordwestlich, in Montrose, bauten die Sammler John und Dominique de Menil ihr Museum mitten in ein Wohnviertel. Das Hauptgebäude von Renzo Piano steht zwischen Holzbungalows, die im selben Grau gestrichen sind wie das Museum. Zum Campus von gut zwölf Hektar gehören das Menil Drawing Institute und eine eigene Galerie für Cy Twombly. Der Eintritt ist frei, geöffnet ist mittwochs bis sonntags von 11 bis 19 Uhr.

Menil Collection mit ihrem von Bäumen umgebenen Museumsgebäude in Houston

Menil Collection Foto: tokar/Shutterstock.com

Wenige Schritte entfernt steht die Rothko Chapel. Der achteckige Bau öffnete 1971 als Ort der Stille für Menschen aller Religionen. Im Inneren hängen 14 großformatige Gemälde von Mark Rothko, dunkle Flächen, die sich erst nach einigen Minuten öffnen. Vor der Kapelle steht Barnett Newmans Skulptur »Broken Obelisk«, die das Ehepaar de Menil Martin Luther King widmete.

Montrose: Houston zum Flanieren

Rund um die Menil zeigt Montrose eine Seite, die Houston selten zeigt. Zwischen älteren Wohnhäusern liegen Cafés, Galerien, Restaurants und kleine Läden, und abschnittsweise funktioniert hier etwas, das in dieser Stadt keine Selbstverständlichkeit ist: einfach loslaufen. Zusammen mit Menil Collection und Rothko Chapel ergibt das einen entspannten halben Tag.

Foto: Carl Hunley Jr. / Unsplash · Foto: Ruben Mavarez / Unsplash

Third Ward: Beyoncés Viertel und die Project Row Houses

Östlich des Museum District liegt Third Ward, seit Generationen ein Zentrum der afroamerikanischen Kultur Houstons. Hier wuchs Beyoncé auf. Ihre Produktionsfirma Parkwood Entertainment trägt den Namen der Straße, an der ihr Elternhaus stand.

Der Künstler Rick Lowe gründete 1993 in Third Ward die Project Row Houses. Eine Zeile schmaler Shotgun-Häuser, typisch für die Arbeiterviertel des amerikanischen Südens, dient seitdem als Ausstellungsfläche. Künstlerinnen und Künstler bespielen die Häuser mit wechselnden Installationen, der Eintritt ist frei.

Beleuchtete Säulen und Spiegelungen in der unterirdischen Buffalo Bayou Park Cistern in Houston

Foto: Teresa Otto/Shutterstock.com

Buffalo Bayou Park Cistern: Die Kathedrale unter dem Park

Eine der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten Houstons liegt unter der Erde. Die Stadt baute die Buffalo Bayou Park Cistern 1926 als Trinkwasserreservoir und nutzte sie über Jahrzehnte. Heute führen Stege in den stillgelegten Speicher. Hunderte Betonsäulen stehen in Reihen bis in die Dunkelheit, jedes Wort hallt lange nach. Die Buffalo Bayou Partnership zeigt dort Kunstinstallationen und bietet Führungen und Klangmeditationen an.

Buffalo Bayou: Houston vom Wasser aus

Über der Cistern schlängelt sich der Buffalo Bayou durch die Stadt. Spazier- und Radwege folgen dem Wasser, immer wieder rückt die Skyline ins Bild. Die Buffalo Bayou Partnership bietet Bootstouren an, auf denen Houston für eine Stunde seine Freeways vergisst. Der Bayou verbindet mehrere Sehenswürdigkeiten miteinander und führt am Abend zu einer der bekanntesten.

Fledermäuse fliegen in der Dämmerung über Zuschauern an der Waugh Drive Bridge in Houston

Foto: IrinaK/Shutterstock.com

Fledermäuse an der Waugh Drive Bridge

Unter der Waugh Drive Bridge lebt eine Kolonie Mexikanischer Bulldoggfledermäuse. Die Schätzungen liegen zwischen 250.000 und 300.000 Tieren im Sommer, rund 100.000 bleiben auch im Winter. Kurz nach Sonnenuntergang verlassen sie die Spalten der Brücke und ziehen in dunklen Bändern über den Bayou. Am meisten Betrieb herrscht im Juli und August. Bei Regen oder Temperaturen unter etwa zehn Grad bleibt die Kolonie oft in der Brücke.

Zuschauen kostet nichts, und der beste Platz liegt seitlich der Brücke. Vor dem Abflug erleichtern sich die Fledermäuse gern noch einmal. Wer direkt darunter steht, nimmt ein sehr spezielles Andenken aus Houston mit.

Downtown: Discovery Green und POST Houston

Downtown Houston ist vor allem Geschäfts- und Veranstaltungsviertel, Straßencafés und dichtes Stadtleben wie in New York oder Chicago fehlen. Ein Rundgang lohnt trotzdem. Er beginnt am besten in Discovery Green, einem knapp fünf Hektar großen Park zwischen Hochhäusern und Convention Center, mit kleinem See, Kunst, Restaurants und regelmäßigen Veranstaltungen.

Ein paar Blocks weiter hat sich das ehemalige Hauptpostamt der Stadt in POST Houston verwandelt, ein Komplex aus Food Hall, Konzertsaal und Kulturflächen. Auf dem Dach liegt der Skylawn, ein rund zwei Hektar großer Garten mit freiem Blick auf die Skyline. Zum Sonnenuntergang gehört er zu den schönsten Aussichtspunkten in Downtown.

Houston Heights

Houston Heights Foto: Alisa Matthews

The Heights: Holzhäuser und Heights Boulevard

Nördlich von Downtown prägen historische Holzhäuser, Veranden und alte Eichen Teile von Houston Heights. Den breiten Grünstreifen des Heights Boulevard nutzen Jogger, Spaziergänger und Hundebesitzer gleichermaßen. Zwischen Bäckereien, Cafés und neuen Restaurants findet sich hier der ruhigste Gegenpol zu NASA und Museumsmarathon.

Schiffskanal in Houston

Foto: Visit Houston

Houston Ship Channel: Die Stadt vom Hafen aus

Der Hafen hat Houston reich gemacht, Städtereisende lassen ihn trotzdem meist links liegen. Dabei fährt die M/V Sam Houston seit 1958 kostenlos durch den Ship Channel. Die Rundfahrt dauert rund 90 Minuten und führt an Frachtern und den Anlagen des Turning Basin Terminal vorbei. Die Plätze gibt der Hafen derzeit wochenweise frei, eine Reservierung ist Pflicht. Erwachsene brauchen einen amtlichen Lichtbildausweis. Schön im klassischen Sinn ist die Tour selten, aufschlussreich dafür umso mehr.

Essen in Houston: Tex-Mex, Viet-Cajun und Jollof Rice

In Houston verraten die Speisekarten mehr über die Stadt als jedes Museum. Große vietnamesische, nigerianische und lateinamerikanische Communities prägen die Küche. Texas Barbecue und Tex-Mex gehören selbstverständlich dazu: Brisket raucht über viele Stunden, Breakfast Tacos gehören zum Alltag.

Die Fajitas haben in Houston ihre eigene Geschichte. Ninfa Laurenzo eröffnete 1973 ein kleines Lokal am Navigation Boulevard im East End und machte dort Tacos al Carbon, die Vorläufer der heutigen Fajitas, populär. The Original Ninfa’s on Navigation serviert sie bis heute im Stammhaus, einer Institution der Houstoner Tex-Mex-Küche.

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Typisch für Houston ist Viet-Cajun. Vietnamesische Einwanderer verbanden die Seafood-Tradition der Golfküste mit Zitronengras, Fischsauce und Knoblauch. Crawfish landen in einer Soße aus Knoblauchbutter und Cajun-Gewürzen, gegessen wird mit den Händen. Eine der bekanntesten Adressen ist Crawfish & Noodles in Asiatown. Küchenchef Trong Nguyen gilt als Pionier der Viet-Cajun-Küche und stand mehrfach auf den Nominierungslisten der James Beard Foundation. Dass viele der besten Restaurants Houstons in unscheinbaren Einkaufszentren liegen, gehört zur Stadt dazu.

Westafrikanisch kocht ChòpnBlọk, das Jollof Rice, Kochbananen und Suya-Gewürze in ein modernes Konzept übersetzt. Daneben spiegeln chinesische, indische, mexikanische und kreolische Restaurants die Herkunft der Stadtbevölkerung.

Tagesausflug nach Galveston

Rund 80 Kilometer südöstlich von Houston liegt Galveston am Golf von Mexiko. Die Inselstadt verbindet einen Strandtag mit amerikanischer Geschichte. Im Jahr 1900 traf ein Hurrikan die Stadt und tötete Tausende Menschen, bis heute die tödlichste Naturkatastrophe der USA. Danach baute Galveston den Seawall, eine kilometerlange Schutzmauer, und hob ganze Stadtteile auf ein höheres Niveau. Im Strand Historic District stehen die viktorianischen Geschäftshäuser aus der Blütezeit der Hafenstadt. Für Hin- und Rückfahrt und einen Bummel braucht es einen ganzen Tag.

Häufige Fragen

Welches Viertel eignet sich als Basis für Houston?
Für eine Kulturreise liegt der Museum District am günstigsten, mit Museen, Hermann Park und direktem Anschluss an die METRORail. Montrose passt zu Reisenden, die abends Restaurants und Nachbarschaftsleben vor der Tür möchten.
Braucht man in Houston einen Mietwagen?
Für die meisten Sehenswürdigkeiten ja, denn die Wege sind weit. Downtown, Museum District und Texas Medical Center verbindet aber die Red Line der METRORail, eine Fahrt kostet derzeit 1,25 US-Dollar.
Kann man Houston zu Fuß erkunden?
Innerhalb von Downtown, Museum District und Montrose gut, zwischen den Vierteln kaum. Sinnvoll ist es, pro Tag ein oder zwei benachbarte Stadtteile zu kombinieren.
Welche Sehenswürdigkeiten in Houston kosten keinen Eintritt?
Menil Collection, Rothko Chapel, Project Row Houses, die Hafenrundfahrt und die Fledermäuse an der Waugh Drive Bridge sind kostenlos. Eintritt kostet vor allem das Space Center Houston.
Wann ist die beste Reisezeit für Houston?
März und April sowie Oktober und November, dann bleibt die Hitze erträglich. Von Juni bis September ist es sehr heiß und schwül, zudem läuft bis Ende November die Hurrikansaison.
Wie viele Tage sollte man für Houston einplanen?
Drei volle Tage für einen ersten Eindruck: einer für das Space Center, einer für Museum District und Montrose, einer für Downtown und den Buffalo Bayou. Ein vierter Tag reicht für einen Ausflug nach Galveston.
Frank Störbrauck
Brasilien ist sein Ding. Hier feiert Frank gerne ausgelassene Strandpartys bis tief in die warme Nacht. Klar, die Copacabana ist dafür in aller Munde, ihn zieht es allerdings viel lieber nach Salvador, wo die Strände nicht weniger traumhaft sind. Pluspunkt dort: Die Partys sind kleiner und mit den Locals kommt man schneller ins Gespräch.