Sechs der sieben Ziele erreichen Besucher von Manhattan aus in etwa einer Stunde, einige sogar mit dem Zug. Nur bis Albany ist es mit rund drei Stunden deutlich weiter.
1. Albany
Nicht New York City, sondern Albany ist die Hauptstadt des Bundesstaates. Und älter ist sie auch: Die ersten Niederländer siedelten hier schon 1614, und Albany besitzt die älteste noch gültige Stadtcharter der USA von 1686. Ziemlich große Schuhe für eine Stadt mit rund 100.000 Einwohnern. Warum man sie trotzdem besuchen sollte? Allein schon wegen der futuristischen Governor Nelson A. Rockefeller Empire State Plaza, einem beeindruckenden Stück Architekturgeschichte, das zwischen 1965 und 1976 für bescheidene rund zwei Milliarden US-Dollar entstand. Besonders auffällig ist The Egg, ein Gebäude, das man sowohl als Atommeiler als auch als schiefgelaufene Betonbastelarbeit lesen könnte. Schön ist anders, aber imposant ist das 1978 eröffnete Kulturzentrum, das muss man zugeben.

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Der Name Rockefeller wird übrigens in diesem Text noch einmal auftauchen. Die Rockefellers gehören zu den Protagonisten des sogenannten Gilded Age, in dem die amerikanische Wirtschaft boomte und zahlreiche Neureiche sich im Umland von New York City architektonische Denkmäler setzten. Nicht immer geschmackssicher, aber immer gewaltig groß und teuer. In Albany lohnt außerdem eine Radtour auf dem Mohawk-Hudson Bike-Hike Trail am Fluss, der zum Empire State Trail gehört, sowie ein Spaziergang zu den Kunstinstallationen, die in den vergangenen Jahren im Stadtgebiet entstanden sind.
Albany liegt rund 240 Kilometer nördlich von New York City.
Hier geht es zur Website von »The Egg«.
2. Old Westbury Gardens
Was machen »normale« Menschen mit viel Freizeit und einem grünen Daumen? Sie legen sich vielleicht einen Gemüsegarten an und freuen sich, wenn sie in der Kleingartenkolonie am Ende der Saison den Preis für die dickste Aubergine einheimsen. Fair enough. Was aber macht der Erbe eines Stahlvermögens um die vorletzte Jahrhundertwende? John Shaffer Phipps, dessen Vater Henry Phipps größter Anteilseigner der Carnegie Steel Company war, ließ sich 1906 ein recht unbescheidenes Herrenhaus im Stil der Zeit Karls II. bauen. Und das brauchte natürlich etwas Grün drumherum.

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Klar, so ein Mann erschafft gleich ein »Flora-und-Fauna-Best-of«: rund 80 Hektar Landschaftsgarten, See und Wald, mit einem Lotusteich als Kirsche auf dem grünen Kuchen. Man kann das getrost größenwahnsinnig nennen, aber hey. Während des Gilded Age war Phipps nur einer von vielen besonders Reichen, aber zum Glück ein besonders kreativer. Wem die Old Westbury Gardens bekannt vorkommen, hat ein gutes Gedächtnis für Filmbilder. Hitchcock drehte hier für »North by Northwest«, später kamen »Love Story«, »Sex and the City«, »Succession« und natürlich die Serie »The Gilded Age«.
Die Old Westbury Gardens auf Long Island liegen rund 40 Kilometer von Manhattan entfernt und sind von Ende April bis Ende Oktober geöffnet.
Hier geht es zur Website der »Old Westbury Gardens«.
3. Oheka Castle
Wer glaubt, Olli Kahn sei der einzige Kahn, dessen Ruhm bis in die USA reichte, irrt. Auf Long Island hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts der in Mannheim geborene Bankier Otto Hermann Kahn ein Denkmal gesetzt: Oheka Castle. Warum es so heißt? Eine Hilfestellung: Der Bauherr war kein zurückhaltender Mann, und der Name setzt sich aus den ersten Buchstaben seines eigenen zusammen: Otto HErmann KAhn.
Zwischen 1914 und 1919 entstand das Schloss mit ursprünglich 127 Zimmern, in denen sich der Hausherr vermutlich hin und wieder selbst verirrte. Allzu oft war er ohnehin nicht da, denn Kahn nutzte Oheka Castle nur als Sommerhaus. Es gilt als zweitgrößtes Privathaus, das je in den USA gebaut wurde.

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Seit 1984 wurde das prächtige Trumm aufwendig restauriert, heute ist es ein Hotel mit 32 Zimmern und Suiten. Besichtigen lässt es sich auch ohne Übernachtung, bei einer Führung oder bei einem Drink in der hauseigenen Bar. Hollywood kennt das Haus schon lange: Ein Foto von Oheka diente als Xanadu in »Citizen Kane«, später entstanden hier Szenen für »Succession« und Taylor Swifts Musikvideo zu »Blank Space«. Und natürlich ist der steingewordene Traum von King Kahn einer der glamourösesten Orte für Hochzeiten auf Long Island. Wer hier heiraten will, sollte allerdings eine ganze Weile gespart haben.
Oheka Castle liegt rund 60 Kilometer von Manhattan entfernt.
Hier geht es zur Website von »Oheka Castle«.
4. Suffolk County Vanderbilt Museum
Vanderbilt? Auch so ein Name, der einem aus der amerikanischen Geschichte bekannt vorkommt. Begründet hat das Vermögen der Eisenbahn- und Reedereimogul Cornelius Vanderbilt. In der Serie »The Gilded Age« taucht die Familie zwar nicht unter eigenem Namen auf, doch die ehrgeizige Bertha Russell ist an Alva Vanderbilt angelehnt.
Für die Mischung aus Herrenhaus, Museum, Planetarium und Park in Centerport war William K. Vanderbilt II verantwortlich, der offenbar ein Faible für exquisite Architektur und Gartenbau hatte. Ab 1910 ließ er sich hier sein Sommerhaus Eagle’s Nest bauen und vermachte es später dem Suffolk County. Heute ist das Suffolk County Vanderbilt Museum ein beliebter Ort für Hochzeitsfeiern der oberen Zehntausend. Oder sagen wir besser Tausend.

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Das Museum in Centerport liegt rund 70 Kilometer von Manhattan entfernt. Die Öffnungszeiten wechseln mit der Saison, ein Blick auf die Website vor dem Besuch lohnt sich.
Hier geht es zur Website des Vanderbilt Museums.
5. Untermyer Park and Gardens
Ehrgeiz war noch nie Samuel Untermyers Problem. Der Rechtsanwalt, Politiker und Kunstsammler beauftragte 1916 den Gartenarchitekten William Welles Bosworth, der zuvor die Gärten der Rockefellers in Kykuit gestaltet hatte. Der Auftrag lautete schlicht, er möge doch bitte »the finest garden in the world« anlegen. Ob ihm das gelungen ist, mögen andere beurteilen.

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Bei meinem zweistündigen Besuch habe ich nicht einmal annähernd die Hälfte des Geländes gesehen. In seiner Blütezeit umfasste das Anwesen rund 60 Hektar, mit 60 Gewächshäusern und ebenso vielen Vollzeitgärtnern. Nach Untermyers Tod 1940 übernahm die Stadt Yonkers einen Teil davon, heute sind es noch gut 17 Hektar. Der Eintritt ist frei. Und weil es mit Blick auf den Hudson ständig auf und ab geht, ist der Park auch bei Joggern beliebt.
Die Untermyer Gardens liegen nur rund 30 Kilometer von Manhattan entfernt.
Hier geht es zur Website der Untermyer Gardens.
6. Lyndhurst
Ein Konzert der Sisters of Mercy oder wenigstens von The Cure könnte man sich an diesem Ort gut vorstellen. Das neugotische Landhaus Lyndhurst, 1838 vom Architekten Alexander Jackson Davis entworfen und auch als Jay Gould Estate bekannt, liegt in einem großen Park direkt am Hudson River in Tarrytown. Schon von Weitem wirkt es leicht zugeknöpft, wenn nicht sogar schaurig. Wer einen Drehort für einen Gruselfilm sucht, wäre hier jedenfalls an der richtigen Adresse.

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Bei meinem Besuch untersagte die Führerin jegliches Fotografieren und eigenes Herumstrolchen im Haus. Von innen wirkt das Landhaus übrigens gar nicht mehr so schaurig wie von außen. Trotzdem wurde es mehrfach als Filmkulisse gebucht, und zwar für Werke, die wohl zu Recht in Vergessenheit geraten sind: »House of Dark Shadows«, »Night of Dark Shadows« und »The Halloween That Almost Wasn’t«. Das Haus lässt sich bei Führungen besichtigen; Tickets gibt es nur online.
Zwischen Lyndhurst und Manhattan liegen rund 45 Kilometer.
Hier geht es zur Website von »Lyndhurst«.
7. Kykuit
Ich hatte noch einen Rockefeller versprochen, also kommt er auch. Kykuit wurde 1913 für den Ölmagnaten John D. Rockefeller in Pocantico Hills fertiggestellt, einem Ortsteil von Mount Pleasant. Dafür, dass der Standard-Oil-Gründer als reichster Mann der Welt galt, wirkt sein Anwesen von außen fast bescheiden. Innen sieht das anders aus.
Wertvolle Gemälde aus verschiedenen Epochen, prächtiges Mobiliar und in der Remise eine Sammlung von Kutschen und Oldtimern, mit denen die vier Generationen der Familie, die in Kykuit lebten, nach New York fuhren. Dazu die Gärten mit Blick auf den Hudson, in denen über 70 moderne Skulpturen aus der Sammlung von Nelson Rockefeller stehen, darunter Werke von Picasso, Calder und Henry Moore. Geschmack hatte sie, die Familie Rockefeller. Den konnte sie sich allerdings auch leisten.

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Wichtig: In der Saison 2026 finden in Kykuit keine Führungen statt. Ab 2027 übernimmt das Pocantico Center des Rockefeller Brothers Fund die Besichtigungen mit einem neuen Programm. Kykuit liegt rund 50 Kilometer von Manhattan entfernt.
Ausflüge von New York: Anreise mit dem Zug
Für die Ziele im Hudson Valley braucht es nicht unbedingt ein Auto. Die Metro-North Hudson Line fährt ab Grand Central nach Tarrytown, von dort sind es rund 1,5 Kilometer zu Fuß nach Lyndhurst. Zu den Untermyer Gardens steigen Besucher am besten an der Station Greystone aus, von dort ist es nur ein kurzer Fußweg. Für die Ziele auf Long Island und für Albany ist ein Mietwagen die bequemere Wahl.


