Foto: Jochen Müller/Ötztal Tourismus
Österreich

Gurgl im Ötztal : 5 Erlebnisse zwischen Gletscher und Gourmetküche

Gletscher vor der Haustür und Hauben in der Küche: Gurgl im hinteren Ötztal macht vieles leiser als seine Nachbarn. Fünf Erlebnisse zeigen aber, dass leise hier keineswegs langweilig heißt.

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Ganz hinten im Ötztal, dort, wo die Straße langsam ans Aufgeben denkt, liegt Gurgl. Der Tiroler Ort besteht aus Obergurgl, Untergurgl und Hochgurgl. Fun Fact fürs nächste Kneipenquiz: Obergurgl ist mit rund 1.900 Metern das höchstgelegene Kirchdorf Österreichs.

Sölden, der laute Nachbar weiter unten im Tal, hat die Partys und die Schlagzeilen. Gurgl überlässt ihm beides gern und pflegt lieber die Ruhe. Der Tourismusverband nennt den Ort »Diamond of the Alps«. Etwas dick aufgetragen vielleicht, ganz falsch liegt er damit aber nicht. Wir haben ein paar Gründe gesammelt, warum sich Gurgl nicht nur wegen des Ausblicks zu jeder Jahreszeit lohnt.

Waldbaden am Ochsenkopf: Meditation mit QR-Code

Der Ochsenkopf ist ein Gipfel mit bescheidenem Anspruch. Gemessen an den Dreitausendern ringsum überragt er Obergurgl mit seinen 1.960 Metern gerade mal ein um ein paar Dutzend Meter. Seit Sommer 2026 führt ein Waldbadeweg einmal hinauf. Zwölf Stationen laden unterwegs dazu ein, tief in den Wald einzutauchen.

Waldbaden stammt aus Japan und heißt dort »Shinrin-Yoku«. Gemeint ist langsames Gehen mit bewusster Atmung, ganz ohne Ziel und Stoppuhr. Am Ochsenkopf wartet an jeder Station ein QR-Code mit Atemübungen und Meditationen. Ausgerechnet das Smartphone hilft also beim Abschalten, per Web-App. Eventuell aufploppende Push-Benachrichtigungen lassen sich zwischen den Bäumen allerdings ziemlich leicht ignorieren.

Die Runde misst rund 4,5 Kilometer, dauert etwa anderthalb Stunden und lässt sich das ganze Jahr über gehen. Allergiker atmen gleich doppelt durch, denn in dieser Höhe fliegen kaum Pollen.

Das Baumhaus Ochsenkopf zwischen hohen Lärchen und Zirben am Hang über einem Gebirgsbach, im Hintergrund schneebedeckte Gipfel der Ötztaler Alpen.

Foto: Ötztal Tourismus

Gletschertouren: Mit Bergführern auf die Dreitausender

Rund um Gurgl stehen so viele Dreitausender, dass die Einheimischen sie vermutlich nur noch nebenbei bemerken. Touristen können sich an den kantigen Scharten und Spitzen dagegen kaum sattsehen. Für den Aufstieg lohnt sich ein Bergführer, erst recht, wenn die Trittsicherheit im alpinen Gelände noch fehlt. Gletscherspalten haben nämlich die unangenehme Eigenschaft, sich gut zu verstecken.

Im Winter und Frühjahr geht es auf Skitour. Felle unter den Skiern sorgen dafür, dass die Bretter bergauf nicht zurückrutschen. Ein Klassiker ist der Hangerer, ein Dreitausender mit 3.021 Metern direkt über Obergurgl. Im Sommer übernehmen dann Steigeisen und Seil die Sicherung auf dem Eis.

Eine Gruppe von Bergsteigern mit Helm klettert über einen felsigen Grat, unter ihnen breiten sich Gletscher und Wolkenfelder aus.

Foto: Anton Brey/Ötztal Tourismus

Die örtlichen Bergführer kennen die Routen und lesen das Wetter wie andere die Uhr. Ein verlässlicher Anbieter ist die Skischule Obergurgl (dieser Link führt zur Website), deren Bergführer schon seit 1922 Gäste auf die Gipfel begleiten. Ihre Wintertouren durchs hintere Ötztal eignen sich auch für Anfänger. Am Ende steht das stolze Gefühl, einen Dreitausender bestiegen zu haben.

Übernachten auf dem Gletscher

Das Ramolhaus thront auf gut 3.000 Metern über dem Gurgler Ferner. »Ferner« ist übrigens das Tiroler Wort für Gletscher. Im Sommer führt der Aufstieg von Obergurgl in rund vier Stunden über fast 1.100 Höhenmeter. Trittsicherheit ist hier Pflicht.

Oben liegt der Gletscher beinahe vor der Hüttentür. Und nicht nur der: Ganze 21 Dreitausender rahmen ein Panorama, das selbst Kalenderfotografen neidisch machen dürfte. Wer über Nacht bleibt, bekommt den Sonnenaufgang über den Ötztaler Alpen mit dem Frühstück serviert.

Das Ramolhaus aus Stein und Holz mit rot-weißen Fensterläden steht auf einem Felsvorsprung über einem Nebelmeer, während die Sonne hinter den Bergen aufgeht.

Foto: Jochen Müller/Ötztal Tourismus

Zurück nach Gurgl geht es über die Piccard-Runde. Ihr Name erinnert an Auguste Piccard. Der Schweizer Physiker landete 1931 mit seinem Stratosphärenballon auf dem Gurgler Ferner. Unterwegs quert der Weg das Tal auf einer 142 Meter langen Brücke in 100 Metern Höhe. Weniger Ehrgeizige steuern die Langtalereckhütte an. Sie liegt tiefer, der Weg ist sanfter, und der Gletscher bleibt trotzdem in Sichtweite.

Schneeschuhwanderungen im Rotmoostal

Schneeschuhe sind im Grunde Tennisschläger für die Füße. Sie verteilen das Gewicht und verhindern, dass jeder Schritt im Tiefschnee versinkt. Mit ihnen führt ein Weg von Obergurgl durch die verschneite Landschaft bis zum Eingang des Rotmoostals.

Vier Skifahrer ziehen hintereinander über einen Weg durch ein tief verschneites Hochtal bei der Schönwieshütte, im Hintergrund ragen schneebedeckte Gipfel in den bewölkten Himmel.

Foto: Roman Huber/Ötztal Tourismus

Dort steht die Schönwieshütte auf rund 2.270 Metern. Ihre Sonnenterrasse ist bei Wanderern und Skitourengehern gleichermaßen beliebt. Erstaunlich viele Gäste behaupten dort, »nur mal kurz« Pause zu machen. Im Sommer ist der Weg derselbe, nur deutlich leichtfüßiger, und die Hütte dient als Ausgangspunkt für Touren ins Rotmoostal.

Sterne und Hauben auf 1.930 Meter

In Österreich vergibt der Gault&Millau Hauben statt Sternen, maximal fünf Stück. Für ein Bergdorf dieser Größe hat Gurgl davon eine erstaunliche Sammlung angehäuft. Nach einem Tag auf dem Gletscher schmeckt zwar ohnehin jedes Menü besser, in Gurgl liegt das aber nicht nur an der Höhenluft.

Das Aushängeschild sind die Austria Stuben im Austria Gourmet & Wine Hotel (hier geht’s zur Website). Der Gault&Millau 2026 zeichnet sie mit vier Hauben aus, dazu kommt ein Michelin-Stern. Am Herd steht die gebürtige Kärntnerin Verena Stattmann. Sie begann 2019 als Souschefin und führt seit 2023 die Küche. Ihr Menü »Paradoxon« kombiniert bewusst, was vom Gefühl her erst mal nicht zusammenpassen will. Auf dem Teller harmoniert es dann erstaunlich gut. Die passenden Weine wählt Junior-Chef Maximilian Steiner aus, der 2023 als bester Sommelier Österreichs ausgezeichnet wurde.

Zwei Köche in schwarzer Kochjacke beugen sich in der Küche der Austria Stuben über zwei Teller und richten ein Gericht an.

Foto: Tobias Kaser

Aktuelle Öffnungszeiten, Tourenbeschreibungen und Veranstaltungen rund um Gurgl finden sich auf der Website von Ötztal Tourismus (hier geht es zur Website). Dort gibt es auch Informationen zu Anreise und Unterkünften.

 

Häufige Fragen

Ist das Ötztal auch ohne Auto erreichbar?
Ja. Der Zug fährt bis zum Bahnhof Ötztal am Taleingang, von dort bringen Linienbusse Reisende bis ins hintere Tal nach Gurgl.
Was hat das Ötztal mit Ötzi zu tun?
Die Gletschermumie wurde am 19. September 1991 am Tisenjoch in den Ötztaler Alpen entdeckt und ist über 5.300 Jahre alt. Wie Menschen zu Ötzis Zeit lebten, zeigt der archäologische Freilichtpark Ötzi-Dorf in Umhausen.
Welches Naturhighlight lohnt sich abseits der Gipfel?
Der Stuibenfall bei Umhausen stürzt über zwei Steilstufen insgesamt 159 Meter in die Tiefe, sein Name kommt vom stiebenden Wasserstaub. Zum Fuß des Falls sind es vom Parkplatz 30 bis 60 Minuten, weiter oben wartet eine 80 Meter lange Hängebrücke.
Jasmin Faust
Jasmins Herz muss viel aushalten, denn sie verliebt sich in (fast) jedes Land auf der Welt und würde am liebsten für immer dort bleiben. Die Schönheit des Reisens findet sie überall. Ob in den Bergen und Seen der Alpen, in den Städten Mexikos oder der Wüste Jordaniens. Hauptsache Natur, Kultur und ein bisschen Abenteuer.