Kappadokien ist berühmt für seine bizarren Felslandschaften, unterirdischen Städte und Heißluftballons, die bei Sonnenaufgang über den Tälern schweben. Besonders eindrucksvoll sind die sogenannten Feenkamine, teils meterhohe Felssäulen, deren ungewöhnliche Formen an Pilze oder Türme erinnern. Millionen Jahre hat die Natur an dieser Landschaft gearbeitet. Doch die Felsen verändern sich bis heute. Am Donnerstag, 29. Oktober 2026, hatte das tragischerweise tödliche Folgen.
Drei Tote und fünf Verletzte bei Felssturz in Kappadokien
Gegen 15.15 Uhr lösten sich in der Ortschaft Göreme größere Gesteinsbrocken von einer Felsformation. Das Unglück ereignete sich in unmittelbarer Nähe des Eingangs zum Freilichtmuseum Göreme, einem der wichtigsten Ausflugsziele Kappadokiens. Die Felsstücke stürzten auf einen Bereich nahe dem Parkplatz, in dem sich mehrere Menschen aufhielten. Nach Angaben des türkischen Gouverneurs Hüseyin Kök kamen drei Menschen ums Leben. Unter den Todesopfern befinden sich ein türkisches Ehepaar und eine 37-jährige Touristin aus Frankreich. Fünf weitere Menschen wurden verletzt, darunter ebenfalls Urlauber aus Frankreich. Rettungskräfte der Katastrophenschutzbehörde AFAD, Polizei und medizinische Einsatzkräfte suchten zwischen den herabgestürzten Felsbrocken nach Verschütteten. Die Bergungsarbeiten wurden inzwischen abgeschlossen. Vier Verletzte konnten das Krankenhaus bereits am Donnerstag wieder verlassen. Eine weitere Person wurde wegen eines Hüftbruchs behandelt.
Starke Regenfälle sollen den Felssturz ausgelöst haben
Als wahrscheinliche Ursache des Unglücks gelten heftige Regenfälle, die zuvor in der Region niedergegangen waren. Nach ersten Erkenntnissen hatten sie einen Erdrutsch ausgelöst, durch den sich größere Gesteinsmassen lösten. Die Staatsanwaltschaft Nevşehir hat Ermittlungen aufgenommen. Dabei geht es auch um die Frage, wie es zu dem Einsturz kommen konnte. Am Freitag, 30. Oktober, begannen Fachleute damit, die unmittelbare Umgebung der Unglücksstelle zu untersuchen und weitere instabile Felsstücke kontrolliert zu beseitigen. Türkische Medien berichten, dass dabei zusätzliche gefährdete Gesteinsbereiche festgestellt wurden.
Das Unglück hat zugleich eine Diskussion über den Schutz der historischen Landschaft und die Sicherheit der Besucher ausgelöst. Vertreter einer regionalen Umweltinitiative und Fachleute warnen vor möglichen Risiken durch Straßenbau, Verkehr und unzureichende Schutzmaßnahmen. Ob solche Faktoren beim aktuellen Unglück eine Rolle gespielt haben, ist bislang ungeklärt.
Was sind die Feenkamine von Kappadokien?
Die Felsformationen gehören zu den außergewöhnlichsten Naturwundern der Türkei. Auf Türkisch heißen sie Peri Bacaları, was übersetzt Feenkamine bedeutet. Manche stehen einzeln in der Landschaft, andere bilden ganze Gruppen aus spitzen Kegeln, schlanken Türmen oder pilzförmigen Säulen. Ihre Entstehung reicht Millionen Jahre zurück. Vulkanausbrüche bedeckten große Teile Zentralanatoliens mit Asche und anderem vulkanischen Material. Daraus bildete sich unter anderem relativ weicher Tuffstein. Wind, Regen und wechselnde Temperaturen trugen im Laufe der Zeit große Mengen dieses Gesteins ab.

Foto: Robert Way/Shutterstock.com
Wo härtere Gesteinsschichten den darunterliegenden Tuff vor der Erosion schützten, blieben die charakteristischen Felssäulen stehen. Einige tragen bis heute eine Art steinerne Kappe auf ihrer Spitze. Dieser Prozess ist keineswegs abgeschlossen. Regen, Frost und Wind verändern die Landschaft weiterhin. Einzelne Felsstücke können abbrechen, ganze Formationen instabil werden und schließlich einstürzen. Gleichzeitig entstehen durch die fortschreitende Erosion neue Formen. Seit 1985 gehören der Nationalpark Göreme und weitere Felslandschaften Kappadokiens zum Unesco-Welterbe.
Freilichtmuseum Göreme: Kirchen mitten im Fels
Besonders bekannt ist das Freilichtmuseum Göreme. Die Anlage liegt nur wenige Kilometer außerhalb des gleichnamigen Ortes und zählt zu den wichtigsten kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten der Region. Schon beim Betreten der Anlage fällt auf, wie eng Natur und menschliche Geschichte hier miteinander verbunden sind. Zwischen bizarren Felskegeln befinden sich Eingänge zu Höhlen, schmale Wege führen an steilen Felswänden entlang. Hinter unscheinbaren Öffnungen verbergen sich Kirchen, Kapellen und ehemalige Wohnräume.
Vom 4. bis zum 13. Jahrhundert entwickelte sich die Gegend zu einem bedeutenden Zentrum christlichen Klosterlebens. Mönche und andere Bewohner schlugen Räume direkt in den vergleichsweise weichen Tuffstein. So entstanden ganze Klosteranlagen mit Gebetsräumen, Speisesälen und Wohnbereichen. Besonders sehenswert sind die Felsenkirchen mit ihren teilweise erstaunlich gut erhaltenen Wandmalereien. Dazu zählen die Elmalı-Kirche, die Barbara-Kirche und die Dunkle Kirche, auf Türkisch Karanlık Kilise. Deren Fresken haben sich besonders gut erhalten, weil nur wenig Tageslicht in das Innere gelangt. Die Malereien zeigen Szenen aus dem Leben Jesu, Heilige und biblische Geschichten. Sie gehören zu den bedeutenden Zeugnissen byzantinischer Kunst in der Türkei.

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Wo lassen sich Kappadokiens schönste Feenkamine entdecken?
Die berühmten Felsformationen beschränken sich keineswegs auf das Freilichtmuseum Göreme. In der gesamten Region verteilen sich wundervolle Täler und Aussichtspunkte. Besonders bekannt ist das Paşabağ-Tal, auch Mönchstal genannt. Hier stehen einige der markantesten Feenkamine Kappadokiens. Viele besitzen mehrere steinerne Kappen und wirken wie überdimensionale Pilze.
Im Devrent-Tal, das auch Fantasietal heißt, erinnern zahlreiche Felsen an Tiere und andere Figuren. Eine besonders bekannte Formation ähnelt einem Kamel.
Wanderfreunde zieht es ins Rosental und ins Rote Tal. Dort schimmern die Felswände je nach Tageszeit in Rosa-, Orange- und Rottönen. Zwischen den bizarren Gesteinsformen verlaufen Wanderwege, die immer wieder weite Ausblicke auf die Landschaft eröffnen.
Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel ist das Liebestal bei Göreme. Hier ragen besonders hohe, schmale Felssäulen aus dem Boden. Die ungewöhnlichen Formen machen das Tal zu einem der bekanntesten Fotomotive der Region.
Auch eine Fahrt im Heißluftballon eröffnet einen eindrucksvollen Blick auf die Landschaft. Besonders am frühen Morgen, wenn die Sonne langsam über den Felsen aufgeht, entfaltet Kappadokien seinen besonderen Reiz.

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