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Kreuzfahrt

Traum von der ewigen Kreuzfahrt geplatzt: Villa Vie Odyssey droht Versteigerung

Es sollte eine Weltreise ohne Ende werden. Doch für rund 200 Menschen ist der Traum vom dauerhaften Leben auf einem Kreuzfahrtschiff abrupt geplatzt. Die Villa Vie Odyssey sitzt in Kambodscha fest, die Passagiere mussten von Bord. Inzwischen hat ein Gläubiger die Kontrolle über das Schiff übernommen. Nun droht sogar eine Versteigerung. Für die Bewohner steht viel Geld auf dem Spiel.

Was als außergewöhnliches Kreuzfahrtprojekt begann, entwickelt sich immer mehr zu einem finanziellen Desaster. Das amerikanische Unternehmen Villa Vie Residences hatte seinen Kunden ein Leben auf See versprochen, mit Besuchen auf allen Kontinenten und einer Weltumrundung alle dreieinhalb Jahre. Viele Bewohner investierten dafür hohe Summen, manche verkauften sogar ihre Häuser. Doch nach gut zwei Jahren ist die Reise vorerst zu Ende. Vielleicht sogar für immer.

Passagiere müssen Kreuzfahrtschiff innerhalb weniger Stunden verlassen

Am 27. Oktober 2026 erreicht die Krise ihren vorläufigen Höhepunkt. Die Villa Vie Odyssey liegt im Hafen von Sihanoukville in Kambodscha, als die Bewohner eine Nachricht der Reederei erhalten: Der Kreuzfahrtbetrieb wird eingestellt, alle müssen das Schiff verlassen. Nach Angaben mehrerer Passagiere bleiben ihnen dafür gerade einmal acht Stunden. An Bord befinden sich zu diesem Zeitpunkt nach Angaben der kambodschanischen Behörden 203 Passagiere und 156 Besatzungsmitglieder.

Für die Bewohner beginnt eine hektische Suche nach Unterkünften und Weiterreisemöglichkeiten. Besonders schwierig ist die Situation für jene, die ihre bisherige Wohnung aufgegeben haben, um dauerhaft auf dem Schiff zu leben. Das Unternehmen erklärt, gemeinsam mit den Betroffenen nach vorübergehenden Unterkünften zu suchen. Eine Zusage, wann oder ob sie wieder an Bord zurückkehren dürfen, gibt es allerdings nicht.

Villa Vie Odyssey könnte in Singapur versteigert werden

Inzwischen hat sich die Situation weiter zugespitzt. Wie der amerikanische Fernsehsender CBS News am 1. November auf seiner Website berichtet, hat ein Kreditgeber die Kontrolle über das Kreuzfahrtschiff übernommen. Das geht aus einer Mitteilung an die Bewohner hervor, die dem Sender vorliegt. Demnach soll die Villa Vie Odyssey von Kambodscha nach Singapur gebracht werden.

Hafenanlagen am HarbourFront in Singapur mit Seilbahn und Skyline im Hintergrund.

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Dort könnte das Schiff versteigert werden. Eine entsprechende Entscheidung steht allerdings noch aus. Den Bewohnern wurde mitgeteilt, dass sie ihre persönlichen Gegenstände bis zum Wochenende von Bord holen müssen. Anschließend soll ihnen der Zugang zum Schiff verwehrt bleiben.

Villa-Vie-Mitgründer Mikael Petterson hofft indes weiterhin auf eine Rettung. Gegenüber CBS News erklärt er, dass das Unternehmen zwischen 30 und 90 Tagen Zeit habe, um eine finanzielle Neuordnung zu erreichen. Voraussetzung dafür sei allerdings ein neuer Partner, der den Betrieb übernimmt oder finanziell unterstützt.

Steigende Treibstoffkosten bringen Reederei in Schwierigkeiten

Als Hauptgrund für die Einstellung des Kreuzfahrtbetriebs nennt Villa Vie Residences die massiv gestiegenen Treibstoffkosten infolge des Kriegs mit dem Iran. Nach Angaben des Unternehmens lagen die monatlichen Treibstoffkosten, umgerechnet auf eine Kabine, früher bei durchschnittlich rund 1.800 US-Dollar. Zuletzt seien sie in Teilen Asiens auf 6.000 bis 8.000 Dollar gestiegen. Das entspricht einer Steigerung um bis zu 344 Prozent. Villa Vie habe bereits versucht, den Verbrauch zu reduzieren. Das Schiff fuhr langsamer, verbrachte mehr Zeit in den Häfen und änderte seine Route. Trotzdem wuchsen die finanziellen Probleme.

Petterson schilderte CBS News die wirtschaftliche Dimension. Vor Beginn des Kriegs habe die Reederei rund 700 Dollar für eine Tonne Treibstoff bezahlt. Später seien es teilweise 2.000 bis 3.000 Dollar gewesen. Die monatlichen Betriebsausgaben seien dadurch von rund 400.000 auf zwei Millionen Dollar gestiegen. Anders als große Kreuzfahrtkonzerne konnte sich das kleine Unternehmen gegen solche Preisschwankungen kaum absichern. Schließlich fehlte das Geld, um den Betrieb fortzusetzen.

Finanzielle Probleme offenbar schon länger bekannt

Allerdings dürfte der enorme Anstieg der Treibstoffkosten allein kaum erklären, warum das ambitionierte Kreuzfahrtprojekt gescheitert ist. Eine am 1. November veröffentlichte Recherche von Business Insider zeichnet das Bild eines Unternehmens, das bereits seit Monaten mit erheblichen Schwierigkeiten kämpfte. Demnach lief die Villa Vie Odyssey zwischen Oktober 2024 und Oktober 2026 nur 198 Häfen an. Ursprünglich waren für diesen Zeitraum 275 vorgesehen. Damit fiel mehr als jeder vierte geplante Hafenbesuch aus. Teilweise blieb das Schiff länger als vorgesehen in einzelnen Häfen, um Treibstoff zu sparen.

Nahaufnahme des Bugs der Villa Vie Residences

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Auch das Leben an Bord verlief offenbar längst nicht mehr so komfortabel wie ursprünglich versprochen. Bewohner berichten von Einschränkungen bei der Verpflegung, Problemen mit dem Internet und zeitweise unzuverlässiger Klimaanlage. Hinzu kamen Berichte über verspätete Gehaltszahlungen an die Besatzung. Besonders bemerkenswert: Bereits im April hatte Villa Vie seine Bewohner um finanzielle Unterstützung gebeten. Das Unternehmen bot ihnen nach Recherchen von Business Insider Zinssätze zwischen zwölf und 24 Prozent an, wenn sie der Reederei Geld liehen. Später wurden weitere Beiträge zur Finanzierung des Treibstoffs erbeten. Einige Passagiere sammelten sogar rund 12.000 Dollar, um Besatzungsmitglieder zu unterstützen, deren Gehälter verspätet ausgezahlt worden waren.

Bewohner haben Hunderttausende Dollar investiert

Für zahlreiche Passagiere ist der Zusammenbruch der Kreuzfahrtgesellschaft besonders bitter. Sie hatten auf der Villa Vie Odyssey eine Kabine erworben, um dort über Jahre oder sogar dauerhaft zu leben. Die Preise für langfristige Wohnrechte begannen bei rund 120.000 US-Dollar. Größere Kabinen kosteten mehrere Hunderttausend Dollar. Zusätzlich fielen je nach Vertrag monatliche Gebühren für Verpflegung, Betrieb und weitere Leistungen an.

Wie weit die persönlichen Folgen reichen, zeigt das Beispiel des amerikanischen Ehepaars Lynn und Paul Montoya. Die beiden verkauften ihr Haus und ihre Autos, um ihren Ruhestand auf See zu verbringen. Für ihre Kabine zahlten sie nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters 179.000 Dollar, hinzu kamen monatlich rund 6.000 Dollar. Nach 17 Monaten an Bord mussten sie die Odyssey in Kambodscha verlassen. Nun wollen sie vorübergehend in Malaysia leben. Mit einer Rückzahlung ihres investierten Geldes rechnen sie kaum noch.

Auch andere Bewohner stehen vor einer ungewissen Zukunft. Einige haben ihren festen Wohnsitz aufgegeben, andere einen erheblichen Teil ihrer Altersvorsorge in das Projekt gesteckt. Für sie geht es längst um mehr als einen abgebrochenen Urlaub.

Droht Villa Vie Residences die Insolvenz?

Unternehmensmitgründer Mikael Petterson hat gegenüber CBS News erklärt, dass Villa Vie Residences ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechts anstrebt. Ein solches Verfahren ermöglicht es Unternehmen grundsätzlich, ihre Schulden unter gerichtlicher Aufsicht neu zu ordnen und den Betrieb gegebenenfalls fortzuführen. Ob Villa Vie diesen Weg tatsächlich einschlägt, ist bislang offen. Eine abgeschlossene Sanierungsvereinbarung oder die gesicherte Finanzierung einer Wiederaufnahme der Kreuzfahrt gibt es nach den bisher veröffentlichten Informationen nicht. Für die Kabinenbesitzer bleibt damit auch unklar, welche Ansprüche sie im Falle einer Insolvenz geltend machen können und ob sie einen Teil ihrer Investitionen zurückerhalten.

Gibt es noch Hoffnung für die Villa Vie Odyssey?

Ganz aufgegeben haben einige Bewohner ihren Traum vom Leben auf See offenbar noch nicht. Laut Business Insider diskutiert eine Gruppe von Passagieren sogar darüber, das Schiff selbst zu kaufen. Auch Petterson setzt auf einen neuen Investor oder Betreiber. Allerdings sind die Hürden ziemlich hoch. Neben den gestiegenen Treibstoffkosten müsste ein möglicher Käufer schließlich auch die laufenden Betriebskosten, offene finanzielle Verpflichtungen und die langfristige Finanzierung des Kreuzfahrtprojekts bewältigen.

Für die bisherigen Bewohner ist die Lage besonders schwierig. Selbst wenn die Villa Vie Odyssey eines Tages wieder auslaufen sollte, wäre damit noch lange nicht geklärt, unter welchen Bedingungen sie an Bord zurückkehren könnten. Fest steht bislang nur: Die als nahezu endlos beworbene Weltreise hat nach gut zwei Jahren ein abruptes Ende gefunden. Ob das Schiff jemals wieder mit seinen bisherigen Bewohnern die Weltmeere bereist, steht in den Sternen.

Häufige Fragen

Betreibt Villa Vie Residences noch weitere Schiffe?
Nein. Die Villa Vie Odyssey ist bislang das einzige Kreuzfahrtschiff, das Villa Vie Residences tatsächlich betrieben hat. Im Juli 2026 kündigte das Unternehmen mit der Villa Vie Legacy ein zweites Wohnkreuzfahrtschiff an, das Anfang 2029 in Dienst gestellt werden sollte. Angesichts der finanziellen Schwierigkeiten und der Einstellung des Kreuzfahrtbetriebs ist allerdings zweifelhaft, ob dieses Projekt noch verwirklicht wird.
Gibt es Reedereien, die ähnliche Weltreisen anbieten?
Ja, allerdings sind Angebote für ein dauerhaftes Leben auf See selten. Das bekannteste Beispiel ist das Luxus-Wohnkreuzfahrtschiff The World. Es ist bereits seit 2002 unterwegs und verfügt über 165 private Residenzen, die ihren Eigentümern als schwimmendes Zuhause dienen. Anders als bei der Villa Vie Odyssey gehört das Schiff gemeinschaftlich seinen Bewohnern, die auch über die Reiserouten mitentscheiden.
Frank Störbrauck
Brasilien ist sein Ding. Hier feiert Frank gerne ausgelassene Strandpartys bis tief in die warme Nacht. Klar, die Copacabana ist dafür in aller Munde, ihn zieht es allerdings viel lieber nach Salvador, wo die Strände nicht weniger traumhaft sind. Pluspunkt dort: Die Partys sind kleiner und mit den Locals kommt man schneller ins Gespräch.