Stand: 26. Okt. 2026, 13 Uhr
Was passiert ist: Am Sonntag, 25. Oktober, legte die »Mein Schiff 3« kurz nach 17 Uhr an der Columbuskaje in Bremerhaven ab. Vor ihr lag eine 20-tägige Reise zu den Inseln der Kanaren. Zu diesem Zeitpunkt hatte Sturmtief Manja Norddeutschland fest im Griff: Der Deutsche Wetterdienst hatte für Bremerhaven eine amtliche Warnung vor Windböen ausgegeben, auf Norderney lief eine Sturmflut auf.
Das Schiff wurde beim Auslaufen von Schleppern begleitet. Nach Angaben der Polizei erfasste dennoch eine kräftige Böe den Rumpf. Die »Mein Schiff 3« trieb daraufhin seitlich mit der Steuerbordseite auf zwei Containerschiffe zu, die an der Stromkaje festgemacht hatten. Augenzeugenvideos zeigen, wie sich das Kreuzfahrtschiff dem Frachter langsam, aber unaufhaltsam nähert, bis es zum Kontakt kommt.

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An Bord waren 3.350 Menschen: 2.428 Gäste und 922 Crewmitglieder. Verletzt wurde niemand. Manche Passagiere berichteten von einem lauten Krachen und spürbarem Ruckeln, andere bemerkten den Zusammenstoß zunächst gar nicht, wie die Stuttgarter Zeitung auf ihrer Website berichtete.
Der Schaden ist trotzdem erheblich. Am Kreuzfahrtschiff wurden die Bordwand im Bereich der Brücke und mehrere Rettungsboote beschädigt. Am größeren der beiden Containerschiffe, laut Medienberichten die »MSC Victorine«, riss die Bordwand nach Angaben des Bremer Häfenressorts auf rund zehn Metern Länge auf. Wasser drang bei keinem der Schiffe ein.
Wie es jetzt weitergeht nach dem Zusammenstoß des Kreuzfahrtschiffes
Nach der Kollision kehrte die »Mein Schiff 3« zur Columbuskaje zurück, dem Kreuzfahrtterminal von Bremerhaven. Die Gäste verbrachten die Nacht an Bord, am Montagmorgen lag das Schiff weiter in Bremerhaven. TUI Cruises hat die Kanaren-Reise inzwischen abgesagt. Die Reederei kündigte an, weitere Informationen zu veröffentlichen, sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen.
Derzeit begutachten Fachleute die Schäden an allen drei Schiffen. Ein wichtiger Punkt sind die Rettungsboote: Nach den internationalen Sicherheitsregeln (SOLAS) muss ein Passagierschiff für alle Menschen an Bord einsatzfähige Rettungsmittel mitführen. Solange beschädigte Boote nicht repariert oder ersetzt und von der Klassifikationsgesellschaft abgenommen sind, kann das Schiff nicht regulär auslaufen.

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Parallel ermittelt die Wasserschutzpolizei zum genauen Unfallhergang. Bei Seeunfällen dieser Art in deutschen Gewässern untersucht zudem üblicherweise die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) die Ursachen. Ihr Ziel ist nicht die Schuldfrage, sondern Lehren für künftige Fahrten. Bis ein Abschlussbericht vorliegt, vergehen erfahrungsgemäß Monate.
Für betroffene Gäste gilt: Wer eine abgesagte Pauschalreise gebucht hat, hat Anspruch auf Erstattung des Reisepreises. Ob TUI Cruises darüber hinaus Gutscheine oder Ersatzreisen anbietet, ist noch offen.
Wie konnte der Zusammenstoß von Kreuzfahrtschiff und Containerschiff passieren?
Die genaue Ursache klären die Ermittler. Die Polizei nennt bislang eine Windböe als Auslöser. Warum eine Böe ein Schiff dieser Größe überhaupt versetzen kann, erklären vor allem vier Faktoren.
Ein Kreuzfahrtschiff ist ein riesiges Segel. Die »Mein Schiff 3« ragt mit ihren Decks weit über die Wasserlinie hinaus, unter Wasser liegt dagegen nur ein vergleichsweise flacher Rumpf mit gut acht Metern Tiefgang. Die seitliche Fläche, auf die der Wind drückt, ist damit ein Vielfaches größer als bei einem Frachter gleicher Länge. Trifft eine starke Böe quer auf diese Wand, wirken enorme Kräfte – und der Rumpf hat im Wasser wenig, das dagegenhält.
Bei langsamer Fahrt fehlt die Steuerwirkung. Im Hafen bewegen sich Schiffe nur mit wenigen Knoten. Das Ruder greift dann kaum, gesteuert wird vor allem mit Querstrahlrudern und Antrieben. Diese Systeme stoßen bei starkem Seitenwind an ihre Grenzen, gerade wenn ein Schiff noch nicht genug Fahrt aufgenommen hat.
Auch Schlepper haben Grenzen. Schlepper ziehen oder drücken mit einer festen Maximalkraft. Ist die Windlast auf das Schiff größer als die gemeinsame Zugkraft von Schleppern und eigenem Antrieb, lässt sich das Abtreiben nicht mehr verhindern. Eine einzelne, plötzliche Böe lässt zudem kaum Zeit zur Reaktion.
Der Ort lässt wenig Spielraum. Die Columbuskaje liegt direkt an der Weser, die Stromkaje mit ihren Containerterminals schließt sich an. Dort liegen die Frachtriesen dicht am Fahrwasser. Treibt ein auslaufendes Schiff auch nur einige Dutzend Meter seitlich ab, gibt es kaum Raum zum Ausweichen.
Offen bleibt die zentrale Frage: War das Auslaufen bei dieser Wetterlage vertretbar? Die Entscheidung trifft der Kapitän gemeinsam mit dem Lotsen, auf Grundlage von Wetterdaten, Windgrenzen des Schiffes und Vorgaben des Hafens. Ob die Böe stärker war als vorhergesagt oder ob die Grenzwerte zu knapp bemessen waren, werden die Untersuchungen zeigen.

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Wie sicher sind Kreuzfahrtschiffe?
Für Passagiere ist die wichtigste Nachricht: Das Sicherheitssystem hat funktioniert. Kein Wassereinbruch, keine Verletzten, das Schiff kehrte sicher an die Pier zurück. Kollisionen im Hafen sind selten, kommen aber vor. So rammte 2019 die »MSC Opera« in Venedig nach einem Maschinenproblem ein Ausflugsschiff, im selben Jahr stieß in Cozumel die »Carnival Glory« bei Wind gegen die »Carnival Legend«.
Der Bremerhavener Fall rückt dennoch ein Thema in den Fokus, das mit dem Klimawandel und immer größeren Schiffen wichtiger wird: Wind beim Manövrieren. Häfen und Reedereien dürften nun prüfen, ob ihre Windgrenzen für das An- und Ablegen ausreichen. Denkbar sind strengere Vorgaben bei Sturmwarnungen, zusätzliche oder stärkere Schlepper und mehr Flexibilität bei Abfahrtszeiten, auch wenn das Verspätungen für Gäste bedeutet.
Auch die Technik entwickelt sich weiter. Präzisere Windprognosen direkt für den Hafen, Simulationen für schwierige Manöver und Assistenzsysteme auf der Brücke sollen Kapitänen und Lotsen helfen, Risiken früher zu erkennen. Am Ende bleibt es aber eine menschliche Abwägung zwischen Fahrplan und Sicherheit. Der Unfall der »Mein Schiff 3« zeigt, wie knapp diese Abwägung bei Sturm ausfallen kann.


