Frankreich

Vulkane und Mittelalter-Charme: Die 9 schönsten Dörfer in der Auvergne

Kleine Zeitreise gefällig? Dann ab in die Auvergne. Die idyllische Region mitten in einem schlummernden Vulkannetzwerk wirkt auf Besucher wie im Mittelalter stehengeblieben. Allerdings im besten Sinne. Wer Ruhe und Charme sucht, wird in den schönsten Dörfern der Auvergne fündig.

Foto: mehdi33300/Shutterstock.com

Charroux: Ein mittelalterliches Dorf, das heute für seinen Senf bekannt ist

Charroux war eine Festungsstadt und ein wichtiger Kreuzungspunkt für den Handel im Mittelalter. Das Dorf hat sich aus dieser Zeit die gemeißelten Steinfassaden, ein sehr gut erhaltenes Fachwerkhaus mit Erkern und eine bemerkenswerte Anzahl von Brunnen bewahrt. In diesem kleinen Dorf, das seinen heutigen Ruf aus der Senfproduktion eines lokalen Herstellers zieht, herrscht eine besondere Atmosphäre. Sehenswert ist das Museum von Charroux, die Senffabrik und die Kirche Saint-Jean-Baptiste mit ihrem Turm samt gekappter Spitze.

Das mittelalterliche Stadttor des Orts Charroux in der Auvergne in Frankreich

Foto: Mark Wolters/Shutterstock.com

Montpeyroux: Vom romanischen Turm 30 Meter über die Dächer blicken

Von seinem Felsvorsprung, der dem Dorf auch seinen Namen gab, dominiert Montpeyroux das Tal des Allier. Dieses kleine befestigte Dorf wurde aus dem lokalen Arkosesandstein gebaut, der ihm eine erstaunliche kupferfarbige Leuchtkraft verleiht. Oben auf dem romanischen Turm, ein Zeugnis der Militärarchitektur der Auvergne während des 12. und 13. Jahrhunderts, stehen Besucher mehr als 30 Meter über den Dächern des Dorfes und können dabei einen einzigartigen Ausblick genießen.

Das mittelalterliche Dorf Montpeyroux in Frankreich, auf einem Hügel; in der Mitte ein mächtiger Bergfried

Foto: PHB.cz (Richard Semik)/Shutterstock.com

Usson: Hier hielt man Königin Margot 19 Jahre lang gefangen

Aus Lavasteinen auf einem Vulkanhügel gebaut, überragt Usson die Ebene von Varennes. Hier wurde die mächtigste Festung der Auvergne errichtet. Das kleine Dorf lag früher im Schatten einer Burg, in der die französische Königin Margot 19 Jahre gefangen gehalten wurde. Die Winzerhöfe erinnern daran, dass der Weinbau lange Zeit die Hauptaktivität von Usson war. Um zur kleinen romanischen Kirche zu gelangen, geht es durch die schmalen Gassen, gesäumt von Häusern aus schwarzem Stein und dann entlang eines kleinen Pfads, der zu den »Basaltorgeln« des Dorfes führt. So nennen die Bewohner die eigenartigen Gesteinsformen. Sehenswert ist vor allem die Kirche Saint-Maurice.

Die aus rotem Vulkanstein gebaute, mittelalterliche Kirche St. Maurice in Usson, Auvergne, Frankreich

Foto: Joaquin Ossorio Castillo/ Shutterstock.com

Salers: Schwarze Basaltdächer und ein Brunnen, aus dem einst Wein floss

Im Schatten der Berge des Cantal schmiegen sich die Steindächer von Salers an die ehemaligen Festungsmauern, die von den ruhmvollen Zeiten träumen, als die schwarze Perle des Basaltplateaus Planèze noch Sitz der Vogtei der »Hautes Montagnes d’Auvergne« war. Bevor sich die Dorfplätze und Gassen wie in den Zeiten der mittelalterlichen Wochenmärkte mit Sommerurlaubern füllen, überrascht Salers mit einer ganz besonderen Stimmung, genauso wechselhaft wie der Himmel über dem Cantal. In der klaren Frühlingsluft scheint jeder Sonnenstrahl ein anderes malerisches Detail des Städtchens hervorzuheben: hier ein Wappen, dort ein Gitter, ein Schilderhäuschen, ein Spitzbogentor.

Ein Straßenzug im mittelalterlichen Dorf Salers in der Auvergne

Foto: mehdi33300/Shutterstock.com

Manche flanieren jedoch lieber durch die ehemalige Vogtei der »Hautes Montagnes d’Auvergne«, wenn sie sich in ihr gespenstisches schwarz-graues Gewand hüllt und die Schieferdächer in den tief hängenden Wolken verschwinden – schließlich erreicht das Planèze-Plateau hier fast 1.000 Meter Höhe!

Geschichte erleben auf dem Platz Tyssandier-d’Escous in Salers

Wie dem auch sei, Salers hat nie ganz den Glanz seines goldenen Zeitalters verloren, der ihm im 15. und 16. Jahrhundert unter der Schirmherrschaft der Rechtssprecher zuteil wurde. Besonders auffällig ist dies auf dem Platz Tyssandier-d’Escous, wo die Vogtei, das Rathaus, das Haus der Flojade und das der Ronade stehen. Die Renaissance-Fassaden, geprägt von der strengen Mode der Hoch-Auvergne, umringen einen großen Brunnen, aus dem man zum Fest Mariä Geburt Wein fließen ließ! Nachdem dieser Brauch aufgegeben war, kamen immer weniger Pilger in die Kirche Saint-Matthieu mit dem romanischen Portal. Auch sie erinnert mit ihren Aubusson-Wandteppichen und der Grablegungsskulptur aus buntem Stein aus dem 15. Jahrhundert an die ruhmreiche Vergangenheit.

Luftaufnahme des Dorfs Salers in Frankreich, inmitten grüner Wiesen und Wälder

Foto: JibiBrown/Shutterstock.com

Salers verbarg seine Schätze hinter den Festungsmauern, die den Engländern und den Plünderern standhielten, und von denen heute noch die beiden Türen des Bergfrieds erhalten sind. Die Revolution jedoch ließ die Stadt in Vergessenheit geraten. Sie widmete sich nun also der Rinderzucht – und das mit Erfolg! – und erwachte nur noch anlässlich der Bauernfeste. Doch auch diese Zeiten liegen lange zurück, denn dank des Fremdenverkehrs hat Salers sein Ansehen wiedererlangt.

Tournemire: Ein Schloss aus dem 15. Jahrhundert über dem grünen Doire-Tal

Tournemire ist ein pittoreskes Dorf im Herzen der Monts du Cantal. Das Dorf überragt das grüne Doire-Tal. Das herrliche Schloss, das Mitte des 15. Jahrhunderts von Louis II. d’Anjony errichtet wurde, gehört nicht nur zu den Perlen der mittelalterlichen Architektur der Auvergne, sondern ist auch sehr gut erhalten. Die größte Attraktion des kleinen Dorfes mit seinen Schiefer- und Kalkschieferdächern ist allerdings die romanische Kirche aus vielfarbigem Vulkantuff.

Luftaufnahme des Dorfs Tournemire mit prominentem, mittelalterlichem Schloss

Foto: JibiBrown/Shutterstock.com

Arlempdes: Eine Basaltburg hoch über den Schluchten der Loire

Arlempdes gewährt seinen Besuchern bei näherem Hinsehen den Blick auf ein echtes Spektakel. Hoch auf einem Felsenvorsprung dominiert das Dorf die Schluchten der Loire, die vom Fluss durch die Lavamassen gegraben wurden und so eine wirklich verwunderliche Landschaft bilden. Dieses sehr schöne Dorf war eine der wichtigsten Befestigungsanlagen an der Loire und wird von einer Burg überragt, die zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert aus Basalt errichtet wurde und ein phantastisches Panorama bereithält.

Das mittelalterliche Dorf Arlempdes in Frankreich, dominiert von einer Burgruine auf einem Felsvorsprung

Foto: Leonid Andronov/Shutterstock.com

Blesle: Fachwerkhäuser rund um ein Kloster aus dem 9. Jahrhundert

Das Mitte des 9. Jahrhunderts gegründete Benediktinerinnenkloster ermöglichte die Existenz und die Entwicklung des Dorfes Blesle. Die Barone von Mercoeur erbauten im 11. Jahrhundert eine Festung, von der heute nur der Wachturm übriggeblieben ist. Im 12. Jahrhundert vergrößerte sich der Ort und schützte sich mit einer Wehrmauer. Bei einem Spaziergang durch die Straßen können Besucher die Fachwerkhäuser mit ihren wunderbar geschnitzten Türen bewundern.

Eingangspforte der mittelalterlichen Abtei in Blesle, Frankreich

Foto: RossHelen/Shutterstock.com

Sehenswert sind die romanische Kirche Saint-Pierre, der Wachturm der Barone von Mercoeur aus dem 11. Jahrhundert (ehemaliges Schloss), die Kapelle Notre-Dame de la Chaigne, der Kirchturm der ehemaligen Kirche St-Martin, ein einziges Überbleibsel der 1793 zerstörten Kirche, das alte Stadtviertel mit seinen Fachwerkhäusern und das Musée de la Coiffe.

Lavaudieu: Das »Tal Gottes« mit dem einzigen romanischen Kreuzgang der Auvergne

Lavaudieu ist eine Oase der Ruhe für alle Liebhaber romansicher Kunst. In seiner intakten Natur ist das »Tal Gottes«, La Vallée de Dieu (Lavaudieu), ein wunderbares kleines mittelalterliches Dorf. Das Leben spielt sich rund um das Benediktinerkloster aus dem 11. Jahrhundert ab. Es wird vom klaren Wasser der Sénouire umspült, über die eine alte Steinbrücke führt. Der Kreuzgang des Ortes, der einzige im romanischen Stil, der in der Auvergne überlebt hat, besticht mit schlanken Säulen, die romanische Arkaden, geschmückte Kapitelle und eine Galerie aus Eichenholz tragen. Die Abteikirche St. André verfügt über ein Schiff aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Und auch die Fresken aus dem 14. Jahrhundert sind unbedingt sehenswert.

Lavaudieu in der Auvergne, mittig der achteckige Kirchturm ohne Spitze

Foto: J. Damase/Auvergne-Rhône-Alpes Tourisme

Sehenswert sind die Kirche Saint-André, deren achteckige Turmspitze während der Revolution gekappt wurde, der romanischer Kreuzgang, das Museum für Volkskunde und der Carrefour du Vitrail (Kunstglasermeister).

Pradelles: Auf 1.150 Metern mit Blick über gleich vier Landschaften

Pradelles, eine Stadt des Vivarois, ist das Tor des Velays zum Süden. Das Dorf, das im 11. Jahrhundert als Festung angelegt wurde, verfügt heute noch über eine Altstadt mit bemerkenswertem Kulturerbe: die Portale von Saint-Clément und La Verdette, der Brunnen Sainte-Reine, das Maison forte du Mazouric und die romanische Kapelle Notre-Dame.

Pradelles in der Auvergne

Foto: J. Damase/Auvergne-Rhône-Alpes Tourisme

In einer Höhe von 1.150 Metern bietet der Ort wunderbare Panoramen auf die Margeride, den Allier, den Stausee von Naussac und den Mézenc. Sehenswert ist das Museum des Zugpferds und die Fahrraddraisine des Pays de Pradelles.


Lust, weitere schöne Dörfer in Frankreich zu entdecken?

Das sind die schönsten Dörfer in der Provence-Alpes-Côte d’Azur und in Nouvelle-Aquitaine.


Mehr Informationen zur Region gibt es auf der Tourismuswebsite der Auvergne.

Häufige Fragen

1. Wann ist die beste Reisezeit für die Auvergne?
Die beste Reisezeit für die Auvergne sind der Spätsommer und der Herbst, wenn angenehme Temperaturen herrschen und die Landschaft ihre volle Pracht zeigt. Für Wanderer und Aktivurlauber sind die Monate Mai bis September ideal, während der Winter sich für Skifahrer in den Bergmassiven des Sancy und Cantal lohnt.
2. Was sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Auvergne?
Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen der Vulkanpark Parc régional des Volcans d'Auvergne mit der Puy de Dôme, das Museum L'Aventure Michelin in Clermont-Ferrand, die romanischen Kathedralen Notre-Dame-de-l'Assomption und die historischen Thermen von Mont-Dore. Die schönsten Dörfer wie Charroux, Salers und Usson bieten einen Einblick in die mittelalterliche Geschichte der Region.
3. Wo kann man in der Auvergne übernachten?
In der Auvergne gibt es eine große Auswahl an Unterkünften, von Ferienwohnungen und Gästezimmern über Campingplätze bis hin zu Chalets und Hotels. Besonders beliebt sind Übernachtungen in Clermont-Ferrand, Vichy oder in den schönen Dörfern der Region. Historische Unterkünfte wie La Tour Grégoire im Zentrum von Clermont-Ferrand bieten eine authentische Atmosphäre.
Frank Störbrauck
Brasilien ist sein Ding. Hier feiert Frank gerne ausgelassene Strandpartys bis tief in die warme Nacht. Klar, die Copacabana ist dafür in aller Munde, ihn zieht es allerdings viel lieber nach Salvador, wo die Strände nicht weniger traumhaft sind. Pluspunkt dort: Die Partys sind kleiner und mit den Locals kommt man schneller ins Gespräch.