Den Ton setzt ein Einheimischer: Matteo Thun, 1952 in Bozen geboren, führt sein Büro in Mailand und hat in der Heimat gleich zwei Häuser geprägt. Seine Entwürfe verschmelzen mit der Landschaft und arbeiten mit Holz, Stein und Lehm aus der Region. Andere Gastgeber holen sich große Namen des italienischen Möbeldesigns ins Haus. Inzwischen gibt es zwischen Vinschgau und Dolomiten zahlreiche Designhotels. Drei davon zeigen besonders schön, wie Alpentradition und Moderne zusammenfinden.

Vigilius Mountain Resort by Florian Andergassen
Vigilius Mountain Resort in Lana: Designhotel nur per Seilbahn
Matteo Thuns bekanntestes Hotel in Südtirol liegt auf rund 1.500 Metern am Vigiljoch über Lana. Eine Straße führt nicht hinauf, Gäste schweben mit der Seilbahn in wenigen Minuten nach oben. Seilbahnen verkehren an dieser Stelle schon seit 1912. Der lang gestreckte Bau duckt sich in den Hang, sein begrüntes Dach geht beinahe nahtlos in die Almwiese über. Die schnurgeraden Außenlinien folgen den Silhouetten der Südtiroler Berggipfel.
Bauherr Ulrich Ladurner und Thun folgten dem Leitsatz »Eco, not ego«. Die 41 Zimmer und Suiten setzen auf Lärchenholz, Lehm und Naturstein. Eine Steinwand trennt Schlafbereich und Bad und gibt zugleich Wärme an den Raum ab. Aus den Leitungen fließt Quellwasser vom Vigiljoch, geheizt wird mit Biomasse. Im Restaurant 1500 kommen vor allem biologische und regionale Produkte auf den Teller.

Foto: Tobias Kaser
Wer hier oben ankommt, lässt das Handy erstaunlich schnell liegen. Ein Verbot gibt es nicht, das Licht zwischen den Lärchen ist einfach spannender als jeder Bildschirm. Im 1.200 Quadratmeter großen Aquiléia Spa stehen Massagen mit Zirbenholzstäben und das Heubad auf der Karte. Draußen führt der Kräuterkenner Werner Gurschler zu den Wildpflanzen des Vigiljochs, und Direktorin Vera Dejori gibt selbst Unterricht im Bogenschießen. Auf der Terrasse wartet die restaurierte Bocciabahn des früheren Berghotels. Für sein Nachhaltigkeitskonzept erhielt das Resort 2024 einen grünen Michelin-Schlüssel und 2025 den EarthCheck Gold Award.
Hotel Therme Meran: Thun-Design in der Kurstadt
Auch als Interiordesigner hat Matteo Thun in Südtirol Maßstäbe gesetzt. 2005 eröffneten in Meran die neuen Thermen am Kurpark, deren Innenräume Thun gestaltete. Ein Jahr später folgte gleich daneben das Hotel Therme Meran, ebenfalls nach seinen Entwürfen eingerichtet. Mit 115 Doppelzimmern und 24 Suiten ist es das einzige Thermalhotel der Region. Durch den sogenannten Bademanteltunnel erreichen Gäste in einer Minute die Therme mit ihren 26 Becken, der Eintritt ist für sie inklusive. Das Thermalwasser stammt übrigens vom Vigiljoch, also vom selben Berg wie das Vigilius.

Hotel Therme Meran
In der Atrium-Bar laden wuchtige Polstersessel zum Versinken ein, ein fast raumhohes Sissi-Bild erinnert an die prominenteste Kurgästin der Stadt. Leuchter aus Hirschgeweih und Teppiche aus Kuhleder holen die Alpen ins Haus. Rote und goldene Lichtreflexe spielen mit dem Gegensatz von Tradition und Moderne, von Innen und Außen.

Foto: Günther Standl
Ganz oben liegt der Sky Spa, er steht Gästen ab 14 Jahren offen. Aus dem beheizten Sole-Infinitypool schweift der Blick über die Dächer der Altstadt bis zur Texelgruppe. Dazu kommen eine finnische Panoramasauna und eine Bio-Sauna mit Heuduft. Familien entspannen ein paar Etagen tiefer im Garden Spa am Palmengarten. Abends stellen sich Gäste im Restaurant Olivi bei Küchenchef Karlheinz Falk ihr Menü aus Südtiroler und mediterranen Gerichten selbst zusammen. Laubengasse, Kurhaus und Passerpromenade liegen nur wenige Gehminuten entfernt.
Muchele in Burgstall: Boutiquehotel im Moroso-Look
Wie verspielt zeitgemäßes Hoteldesign in Südtirol aussehen kann, zeigt das Boutiquehotel Muchele in Burgstall, rund fünf Kilometer südlich von Meran. Die Familie Ganthaler empfängt hier seit 1952 Gäste, heute führen die Schwestern Anna, Martina und Priska das Haus in dritter Generation. Das alte Haupthaus ließen sie abreißen und gemeinsam mit einem Architekten neu bauen. Aus ihrer Freundschaft mit dem italienischen Möbellabel Moroso wurde ein Hotel, das wie ein bewohnbarer Showroom funktioniert.

Hotel Muchele
Die spanische Designerin Patricia Urquiola entwarf einen Teil der Suiten und das farbenfrohe Speisezimmer. Unter dem Dach liegen die Moroso-Penthouses mit eigener Dachterrasse und Whirlpool. Loungesessel in Knallfarben setzen fröhliche Akzente, auf ausladenden Sofas wird gekuschelt: die Südtiroler Version des Dolce far niente. Wer sich in einen Sessel verliebt, kann ihn zu Vorzugskonditionen mit nach Hause nehmen. Zum Abkühlen wartet im Anna Spa ein 21 Meter langer Pool, der von innen nach außen reicht.

Foto: Hotel Muchele
Weitere Häuser in der Region, vom Designhotel bis zum Wellnessresort, finden sich in unseren »Hoteltipps Südtirol«.


