Ein Video aus der Ortschaft Misurina in den Dolomiten sorgt gerade für Diskussionen in Italien. Hunderte Meter lange Schlangen bilden sich an der Bushaltestelle zur Auronzohütte. Touristen warten teils stundenlang auf einen Platz im Shuttle, um zum Startpunkt der Drei-Zinnen-Wanderung zu gelangen.

Foto: Sid0601/Shutterstock.com
In der Hochsaison strömen täglich bis zu 14.000 Menschen (!) zu den bekannten Felsmassiven, das berichtet das Online-Portal »dolomiti.it«. Allerdings dürfen seit diesem Jahr nur noch 800 Fahrzeuge täglich über die mautpflichtige Straße zur Auronzohütte fahren. Wer einen Parkplatz will, muss ihn vorab reservieren und rund 40 Euro zahlen. Die Folge: Alle, die kein Auto-Ticket ergattern, drängen sich in die Busse ab dem Antornosee – und genau dort entstehen die Bilder, die jetzt durchs Netz gehen.
Die Gemeinde Auronzo di Cadore diskutiert bereits über weitere Zugangsbeschränkungen, der Alpenverein CAI in Belluno spricht offen davon, dass viele Besucher heute vor allem wegen des perfekten Instagram-Fotos anreisen. Nicht wegen der Berge selbst. Verständlich, dass sich viele fragen: Müssen es wirklich die Drei Zinnen sein? Die gute Nachricht: Das schroffe, zackige Kalkfelsen-Panorama, für das die Dolomiten berühmt sind, gibt es auch anderswo in den Alpen. Oft nur eine Autostunde entfernt, geologisch verwandt, aber touristisch komplett entspannt. Hier sind drei Bergziele außerhalb der Dolomiten, die optisch mithalten können, ohne die Blechlawine und die Massen.
1. Kalkkögel: Die »Nordtiroler Dolomiten« vor den Toren Innsbrucks
Wer von Innsbruck aus Richtung Süden blickt, wird kurz stutzig. Diese wilden, zerklüfteten Felszacken sehen aus, als hätte man ein Stück Dolomiten mitten in die Stubaier Alpen verpflanzt. Das ist kein Zufall, denn die Kalkkögel bestehen tatsächlich aus ähnlichem Dolomitgestein wie ihr berühmtes Vorbild in Südtirol und werden deshalb völlig zu Recht »Nordtiroler Dolomiten« genannt.

Foto: Ondrej Bucek/Shutterstock.com
Geografisch liegen sie aber klar in Tirol, mitten im Ruhegebiet zwischen Stubai- und Sellraintal. Ausgangspunkt ist meist die Kemater Alm im Senderstal, von dort führt der Weg zur Adolf-Pichler-Hütte und weiter zum Seejöchl mit Blick auf die Schlicker Seen und die schroffen Türme der Bergkette. Für ambitionierte Bergsteiger lockt der Gipfel der Schlicker Seespitze auf 2.804 Metern. Bei klarer Sicht reicht der Blick von dort bis zu den Hohen Tauern und sogar zu den echten Dolomiten am Horizont. Weil es hier keine Erschließung durch Bahnen gibt und das Gebiet als Ruhezone geschützt ist, bleibt es auch im Hochsommer angenehm leer.
2. Wilder Kaiser: Senkrechte Wände, sanfte Almen
Im Tiroler Unterland, zwischen Kufstein und Kitzbühel, erhebt sich der Wilde Kaiser mit seinen mächtigen, fast senkrechten Felswänden. Klar, auch der Wilde Kaiser ist beliebt, aber aktuell nicht so überlaufen wie die Drei Zinnen. Und sein Anblick steht der Dramatik des Gebirgsstocks in nichts nach. Die schroffen Gipfel wie Ellmauer Halt, Regalmspitze und Ackerlspitze bilden eine Kulisse, die sich besonders eindrucksvoll von den umliegenden Almwiesen aus zeigt.

Foto: Martin Erdniss/Shutterstock.com
Der Panorama-Höhenweg führt unterhalb der Felswände entlang, mit Weitblick bis zu den Hohen Tauern und dem Großvenediger. Wer lieber gemütlich unterwegs ist, wandert zur Gruttenhütte oder zur Gaudeamushütte und lässt sich dort mit einem Tiroler Almfrühstück verwöhnen. Ambitionierte Wanderer umrunden das Massiv auf einer mehrtägigen Hüttentour über Stripsenjochhaus und Kaindlhütte. Der Vorteil gegenüber den Drei Zinnen: keine Zufahrtsbeschränkung, keine Ticketpflicht – nur ein gut ausgebautes Netz an Wander- und Almwegen, auf dem sich die Besucher weiträumig verteilen.
3. Churfirsten: Die Sieben-Zacken-Kette am Walensee
Wer die typische Zackensilhouette der Drei Zinnen liebt, findet ihr Schweizer Pendant an der Grenze zwischen Toggenburg und Walensee: Die Churfirsten sind eine Kette aus sieben markanten Gipfeln, die auf der einen Seite sanft und grün ins Toggenburg abfallen, auf der anderen Seite aber steil und felsig zum Walensee hin abbrechen. Ein Anblick, der der Drei-Zinnen-Silhouette erstaunlich nahekommt, nur eben komplett auf Schweizer Boden.

Foto: Yamagiwa/Shutterstock.com
Die berühmte »Kaiserroute« führt sportliche Wanderer an einem Tag über alle sieben Gipfel, von Selun bis Chäserrugg, dem höchsten Punkt auf 2.306 Metern mit seinem markanten Gipfelrestaurant von Herzog & de Meuron. Wer es gemütlicher mag, fährt bequem mit der Gondel von Alt St. Johann hinauf und wandert von dort aus in die karstige Gluristal-Landschaft, vorbei an weidenden Kühen und im Frühsommer blühenden Alpenblumen. Der Blick reicht bei guter Sicht über sechs Länder und mehr als 500 Gipfel – und das alles ganz ohne Ticketkontingent oder Shuttlebus-Warteschlange.


