Belgien

Essen in Brüssel: Die besten Pommes, Restaurants, Waffeln und Pralinen

Brüssel isst besser, als ihr Ruf als Beamtenstadt vermuten lässt. An der Place Jourdan stehen Diplomaten für Pommes an, am Grand Sablon wetteifern die Chocolatiers, und in einer alten Brauerei reift Lambic wie vor 100 Jahren. reisen EXCLUSIV hat die besten Adressen gesammelt, von der Pommesbude bis zum Sternerestaurant, dazu zwei persönliche Lieblinge der Chefredakteurin.

Foto: Jenny Latuperisa-Andresen

Eine kulinarische Tour durch Brüssel führt von der Altstadt rund um den Grand Place bis ins Europaviertel und nach Saint-Gilles. Sie beginnt dort, wo die Brüsseler selbst Schlange stehen: an der Pommesbude.

Pommes: Die besten Fritten der Stadt

Die bekannteste Pommesbude Brüssels steht an der Place Jourdan im Europaviertel. Antoine Desmet und seine Frau eröffneten die Maison Antoine 1948, heute steht die dritte Generation an den Fritteusen. Die Bintje-Kartoffeln werden zweimal in Rinderfett frittiert und kommen in der klassischen Papiertüte über den Tresen. Selbst Angela Merkel holte sich hier während eines EU-Gipfels 2016 eine Tüte, mit Sauce Andalouse. Der eigentliche Trick: Die Bars rund um den Platz erlauben es, die Pommes von Antoine mit hineinzunehmen und dazu ein Bier zu bestellen.

Unter Kennern gilt Frit Flagey als ernsthafter Konkurrent. Seit rund 30 Jahren betreibt Thierry De Geyt den Holzkiosk an der Place Flagey, 2024 schaffte er es als einziger Brüsseler Betrieb unter die besten 15 im Ranking des Fachportals les-friteries.com. Wer nachts Hunger bekommt, geht hinter die Börse: Fritland in der Rue Henri Maus 49 hat bis tief in die Nacht geöffnet und ist für seine Mitraillette berühmt, ein Baguette mit Fleisch, Pommes und Sauce. Die Friterie Tabora gleich um die Ecke verkauft sogar bis sechs Uhr morgens.

Belgische Pommes frites in einer Papiertüte in Brüssel

Dinozzzaver/Shutterstock.com

Muscheln und belgische Küche

Von Ende Juni bis April ist Muschelsaison. Die Muscheln kommen meist aus dem niederländischen Zeeland, rund zwei Drittel der Ernte gehen nach Belgien. Die bekannteste Adresse ist Chez Léon in der Rue des Bouchers. 1893 eröffnete Léon Vanlancker hier ein Lokal mit fünf Tischen, heute verteilen sich über 400 Plätze auf neun Häuser, und täglich geht fast eine Tonne Muscheln durch die Küche. Die Rue des Bouchers selbst hat den Ruf, Touristen Mittelmaß zu überhöhten Preisen zu servieren. Mit Chez Léon und dem Aux Armes de Bruxelles gegenüber, das seit 2018 derselben Familie gehört, liegen hier aber auch zwei Institutionen.

Muscheln und Pommes sind zusammen eine belgische Spezialität.

Foto: Cathrine Skovly

Fisch ohne Tischdecke gibt es bei Noordzee in der Rue Sainte-Catherine 45. An der Stehtheke bestellen Gäste Fischsuppe, Austern oder gegrillte Langustinen, geöffnet ist dienstags bis sonntags. Wer die belgische Küche jenseits von Muscheln kennenlernen möchte, achtet auf der Karte auf Carbonnade flamande, in Bier geschmortes Rindfleisch, auf Stoemp, einen Kartoffelstampf mit Gemüse, und auf Chicons au gratin, überbackenen Chicorée mit Schinken. Waterzooi stammt eigentlich aus Gent und die Boulets à la liégeoise aus Lüttich, in Brüssel stehen beide trotzdem fast überall auf der Karte.

Restaurants: Vom Gewölbekeller bis zum Sternehaus

Direkt am Grand Place liegt das ’t Kelderke in einem Gewölbekeller in der Hausnummer 15. Hier gibt es Kaninchen in Gueuze, Carbonnades und Waterzooi, ohne Touristenaufschlag beim Geschmack. Eine gute Adresse mit belgisch-französischer Küche ist das JB in der Rue du Grand Cerf, das der Guide Michelin mit einem Bib Gourmand für sein Preis-Leistungs-Verhältnis auszeichnet.

Für einen großen Abend steht das Comme chez Soi, das 2026 seinen 100. Geburtstag feiert. Von 1979 bis 2006 trug es drei Michelin-Sterne, heute kocht Lionel Rigolet dort mit einem Stern. Zum Jubiläum serviert das Haus ein Prestige-Menü für 750 Euro. Christophe Hardiquest schloss 2022 sein Bon Bon und eröffnete 2023 am selben Ort das Menssa, ebenfalls mit einem Stern. Einen Abend mit Aussicht verspricht das Restaurant in der obersten Kugel des Atomiums, 95 Meter über dem Boden. Ein Ticket für das Atomium brauchen die Gäste dafür nicht, für das Dinner aber eine Reservierung.

Restaurants in einer Brüsseler Altstadtgasse am Abend

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Tipp der Chefredakteurin: Under The Stairs im Corinthia

Den Abend beendet Jenny Latuperisa-Andresen, Herausgeberin von reisen EXCLUSIV, am liebsten im Under The Stairs. Die Speakeasy-Bar im Corinthia Grand Hotel Astoria an der Rue Royale verbindet Art-déco-Eleganz mit dem Glamour der Disko-Ära. Ihr eigentliches Ereignis ist Hannah Van Ongevalle: Die Mixologin wurde mit The Pharmacy in Knokke bekannt und leitet heute die Bar des Corinthia.

Türkisfarbener Cocktail in der Bar Under The Stairs im Corinthia Grand Hotel Astoria in Brüssel

Foto: Jenny Latuperisa-Andresen

Für Jenny Latuperisa-Andresen ist sie der beste Grund, nach Brüssel zu fahren. Die Signature-Drinks tragen Namen von Disko-Hits, etwa »C’est Chic« mit Cognac, Ananas und Thymian oder »I Feel Love« mit Wodka und weißer Schokolade. Geöffnet ist täglich ab 17 Uhr. Wer vorher essen möchte, bleibt gleich im Haus: In der Brasserie Le Petit bon bon serviert Sternekoch Christophe Hardiquest belgische Klassiker.

Restaurant mit grünen Lederbänken, Kronleuchtern und Stuck im Corinthia Grand Hotel Astoria in Brüssel

Wie schön kann ein Hotel sein? Corinthia Brussels: Ja! I Foto: Jenny Latuperisa-Andresen

Waffeln und Spekulatius bei Dandoy

1829 eröffnete Jean-Baptiste Dandoy seine Bäckerei in der Rue du Marché aux Herbes. Heute liegt das Stammhaus in der Rue au Beurre, und noch immer macht Spekulatius die Hälfte der Produktion aus. Waffeln serviert Dandoy im Teesalon in der Rue Charles Buls, auf Wunsch in beiden belgischen Varianten.

Pralinen: Brüssels Chocolatiers

In der Galerie de la Reine eröffnete die Familie Neuhaus 1857 eine Apotheke, aus der eine der bekanntesten Chocolaterien der Welt wurde. Das Geschäft gibt es dort bis heute. Ähnlich traditionsreich ist Mary in der Rue Royale, gegründet 1919 und seit 1942 belgischer Hoflieferant. Am Grand Sablon liegen zwei große Namen fast nebeneinander: Wittamer, seit 1910 in der Nummer 12, und Pierre Marcolini in der Nummer 39, der einst selbst bei Wittamer gearbeitet hat. Die Ursprünge von Godiva reichen ebenfalls nach Brüssel, wo Pierre Draps 1926 begann, Pralinen herzustellen.

Schokoladen-Pralinen mit Berberitzen, Nüssen und Früchten in der Theke von Chocolatier Laurent Gerbaud in Brüssel

Foto: Jenny Latuperisa-Andresen

Der persönliche Lieblings-Chocolatier der reisen-EXCLUSIV-Chefredakteurin ist Laurent Gerbaud. Seit 2009 betreibt er sein Café mit Werkstatt in der Rue Ravenstein, sein Prinzip lautet: weniger Zucker, kein Alkohol, mehr Kakao. Im Atelier nebenan bietet er Workshops an, in denen Besucher eigene Pralinen herstellen. Wer tiefer in die Geschichte der Schokolade eintauchen möchte, besucht das Museum Choco-Story in der Rue de l’Étuve nahe dem Manneken Pis, wo ein Maître Chocolatier sein Handwerk vorführt.

Bier: Von Lambic bis Jugendstilcafé

Seit 1928 heißt das Café in der Rue Montagne-aux-Herbes Potagères À la Mort Subite, benannt nach einem Würfelspiel der Stammgäste. Inzwischen führt die vierte Generation der Familie Vossen das denkmalgeschützte Haus. Ganz anders geht es im Delirium Café zu, das 2004 mit 2.004 Biersorten einen Guinness-Rekord aufstellte und heute noch deutlich mehr anbietet.

Wer verstehen will, was Brüsseler Bier ausmacht, besucht die Brasserie Cantillon. Seit 1900 braut die Familie hier Lambic, als einzige traditionelle Lambic-Brauerei im Stadtgebiet. Die Brauerei ist zugleich das Brüsseler Gueuze-Museum, gebraut wird von Oktober bis April. Mittwochs und sonntags bleibt sie geschlossen. Moderner zeigt sich die Belgian Beer World, die im September 2023 in der alten Börse eröffnet hat. Auf 12.000 Quadratmetern erzählt sie die Geschichte des belgischen Biers, der Eintritt von rund 22 Euro schließt ein Glas in der Rooftop-Bar ein. Zum Weitertrinken empfehlen sich das Moeder Lambic in Saint-Gilles und an der Place Fontainas sowie der Taproom des Brussels Beer Project in der Rue Antoine Dansaert.

Glas belgisches Bier in einer Brüsseler Kneipe

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Märkte: Einkaufen wie die Brüsseler

Mittwochs zwischen 14 und 19 Uhr trifft sich das Viertel Châtelain auf dem Markt an der Place du Châtelain, mit Käse, Obst und einem Glas Wein im Stehen. Ursprünglicher geht es auf dem Markt in den alten Schlachthöfen von Anderlecht zu, freitags bis sonntags von 7 bis 14 Uhr. Sonntags lohnt der große Marché du Midi am Südbahnhof, am Wochenende der Markt an der Place Flagey mit seinen Austernständen.

Was Brüssel abseits der Küche zu bieten hat, steht in unserem Beitrag zu den Sehenswürdigkeiten in Brüssel.

Häufige Fragen

Was kosten Pommes in Brüssel?
Eine kleine Portion kostet in Belgien derzeit zwischen 2,25 und 3,50 Euro, eine große zwischen 3 und 4,50 Euro. Die Preise sind zuletzt gestiegen.
Gibt es ein Pommes-Museum in Brüssel?
Ja, das Frietmuseum in der Rue de l'Étuve 26 erzählt auf 900 Quadratmetern interaktiv die Geschichte der Fritten. Es gibt ein Kombiticket mit dem Schokoladenmuseum Choco-Story. Das ältere Frietmuseum steht in Brügge.
Was ist der Unterschied zwischen Brüsseler und Lütticher Waffeln?
Die Brüsseler Waffel ist rechteckig, leicht und luftig und wird aus Hefeteig gebacken. Die Lütticher Waffel ist rund und dichter, im Teig stecken Perlzuckerstücke, die beim Backen karamellisieren.
Wer hat die Praline erfunden?
Jean Neuhaus Jr. füllte 1912 in Brüssel als Erster Schokoladenhüllen mit Creme und schuf so die Praline. 1915 folgte die Pralinenschachtel, der Ballotin.
Ist belgisches Bier Weltkulturerbe?
Ja, die belgische Bierkultur steht seit November 2016 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit.
Was sind Cuberdons?
Cuberdons sind kegelförmige Süßigkeiten mit harter Hülle und flüssiger Himbeerfüllung, in Flandern »Neuzekes« genannt. Sie stammen aus Gent und sind nur in Belgien erhältlich, weil ihr Sirup nach wenigen Wochen kristallisiert.