Für viele ist Brüssel vor allem eins: Heimat des drögen EU-Apparats. Dazu »gesegnet« mit reichlich Regen. Dieses Image wird der belgischen Hauptstadt nicht wirklich gerecht. Denn hier kann man viel erleben – wir verraten, was man in Brüssel gesehen haben sollte.

Brüssel ist die gute Stube von EU und Nato, mehrsprachig, multikulturell und kosmopolitisch. Einflüsse aus aller Welt prägen Nachtleben, Küche und Architektur. Man taucht ein in eine Stadt zwischen Nostalgie und Zukunftsvisionen, besucht die großen Museen am Kunstberg und am Cinquantenaire, stöbert auf den Straßen und Plätzen Tim und Struppi nach oder lässt sich zum Naschen in den Schokoladenwerkstätten verführen. Und dann ist da natürlich noch das Atomium, das Wahrzeichen der Stadt. Ganz schön viel für ein Wochenende? Ach was!

Ins Herz der Stadt, zum Grote Markt

Was man in Brüssel gesehen haben sollte: Nichts wie hin zum Grote Markt! Am Morgen hält sich der Andrang auf Brüssels Touristenmagneten Nummer 1 noch in Grenzen – bevor Stunden später die Insassen der anrollenden Reisebusse den Platz in Beschlag nehmen. Der Platz und die ihn umgebenen prunkvollen Zunfthäuser aus dem 18. Jahrhundert haben sogar die Unesco dermaßen in Jubelarien versetzt, dass sich der Grote Markt seit 1998 mit dem Titel »Weltkulturerbe« schmücken darf. Tipp: Sobald es die Temperaturen erlauben, wird die Außengastronomie eröffnet und man sollte es sich nicht nehmen lassen, bei einer leckeren belgischen Waffel das bunte Treiben auf dem Platz zu beobachten.

Manneken Pis: Wer pinkelt denn da?

Weiter geht’s Richtung Manneken Pis. Diese winzige rotzfreche Bronzeskulptur, Anfang des 17. Jahrhunderts geschaffen, wagt es doch tatsächlich bis zum heutigen Tage, dem benachbarten Grote Markt gehörig Konkurrenz zu machen. Das liegt an der Chuzpe, die diese Figur an den Tag legt: Der Manneken Pis pinkelt nämlich unablässig in den Brunnen. Zur Erheiterung der Einheimischen und Touristen wird der Figur sonntags vom persönlichen Hofgarderobisten ein schickes Kostüm angelegt.

Was man in Brüssel gesehen haben sollte: Manneken Pis

Pabkov/Shutterstock.com

Atomium – das Wahrzeichen der Stadt

Das, was für Berlin das Brandenburger Tor ist, ist für Brüssel das Atomium: Wahrzeichen der Stadt, von dem man hoch oben einen ganz hervorragenden Ausblick hat. Seit 2006 erstrahlt das Atomium in einem neuen Glanz; zuvor wurde es kräftig aufpoliert. Aber nicht versuchen, die Kugeln als persönlichen Spiegel zu benutzen. Geht nicht. Wirklich nicht!

Auf den Spuren Europas: Haus der europäischen Geschichte

Das Museum nimmt die Besucher mit auf eine Reise durch die Geschichte Europas und fordert diese auf, über die gemeinsame Zukunft in Europa nachzudenken und sie mitzugestalten. Um den Besuchern die turbulenten Ereignisse des 20. Jahrhunderts verständlicher zu machen, liegt der Fokus der Daueraufstellung auf den Überzeugungen und Ansichten, die das 19. Jahrhundert – Europas »Eintritt in die Moderne«– prägten, bevor im weiteren Verlauf der Ausstellung Europas Abstieg in Krieg und Zerstörung gezeigt wird. Anschließend wird die Suche nach einem besseren Leben in einem zunehmend vereinten Europa beleuchtet.

Pralinen selbstgemacht – Die Schokoladenhauptstadt stellt sich vor

Eine Brüssel-Visite ohne Pralinennaschen ist wie ein Köln-Besuch ohne Kölsch zu süffeln! Geht gar nicht! Wenn nämlich vom braunen Gold Belgiens die Rede ist, wissen schokoladensüchtige Gourmets längst Bescheid: Die längsten, pardon, die leckersten Pralinen der Welt werden in Flandern produziert. Die Schokoladen- und Pralinensorten gibt es in scheinbar unendlich vielen Variationen und Geschmacksrichtungen – ob zum »ich-will-nur-mal-eben-probieren« oder als hübsches Mitbringsel für die Daheimgebliebenen: Ein Besuch bei einem der Chocolaterie ist immer eine Versuchung wert.

Warum gerade Belgien so bekannt für seine Schokolade ist und was genau die belgischen Schokokreationen so einzigartig macht, erfahren die Teilnehmer bei geführten Rundgängen in den einzelnen Schoko-Boutiquen. Hier werden natürlich verschiedene Kostproben gereicht. Ein Traum für jeden Süßwaren-Liebhaber ist auch der angeschlossene Besuch einer Schokoladenwerkstatt. In einem Schokoladen-Workshop können die Gäste unter fachkundiger Anleitung eines Chocolatiers eigene Pralinen kreieren.

Die belgische Braukultur – Auf ein Bier und mehr

Nicht nur für Waffeln und Schokolade wird Belgien geschätzt. Auch die diversen Biersorten begeistern Touristen und Einheimische gleichermaßen. Bei einer urigen Kneipentour kann man die berühmte Bierbrauer-Tradition des Landes kennenlernen. Kein anderes Land weist eine so vielfältige Brauerei-Tradition wie Belgien auf. Bei einem Spaziergang durch Saint Géry, den ältesten Stadtteil Brüssels, und entlang vieler weiterer Sehenswürdigkeiten geht es zu den schönsten Gasthäusern der Stadt, um die einzelnen Biere zu verkosten. Auch eine Brauereibesuch ist möglich.

Tim, Struppi & Co.: überall Comics

Tim und Struppi, die Schlümpfe und Lucky Luke besitzen eine biographische Gemeinsamkeit: Sie haben die Welt von Belgien aus erobert. In Brüssel kann man in die Welt des belgischen Comics eintauchen. Hier erfährt man alles über die Wiege des Comics und die Entwicklung Belgiens zur Comic-Nation Nr. 1! Im Jugendstilhaus des berühmten Architekten Victor Horta ist das große Comicmuseum untergebracht – unzählige Zeichnungen nationaler wie internationale Künstler findet man hier.

Der vom Brüsseler Fremdenverkehrsamt ins Leben gerufene »Comic Walk« führt einen an überdimensionalen Kunstwerken vorbei, die von Comiczeichnern auf Häuserwänden entlangführt. Er besteht aus einer circa sechs Kilometer langen Route, die an insgesamt 47 Comics auf Häuserwänden führt. Die Kunstform floriert übrigens weiterhin: In Belgien sind nicht weniger als 650 Comic-Zeichner aktiv, während das Verlagswesen zu 60 Prozent von Comics lebt.

Magisches Brüssel – Mythen und Legenden aufgedeckt

Warum wurde eigentlich der Grand Place von Brüssel genau in dieser Form errichtet und was hat die Zahl Sieben damit zu tun? Wer findet als erster das geheime Zodiac-Zeichen oder entlarvt die Geheimnisse der Freimaurer? Dieses und weitere Mysterien der belgischen Metropole kann man als Ausflügler bei einer mystischen Stadtführung kennenlernen. Entlang versteckter Plätze, Kirchen und Tempel geht es unter anderem auch zu einem Grab der Freimaurer in die Kathedrale von St. Michael und St. Gudula und zum royalen Palast – immer auf der Suche nach verborgenen Zeichen und magischen Momenten.

Eisenbahnmuseums Train World

Die erste Eisenbahnlinie auf dem europäischen Kontinent führte 1835 von Brüssel nach Mechelen.  Das Museum »Train World« befindet sich an der historischen Bahntrasse im Brüsseler Stadtteil Schaarbeek, wo die im flämischen Renaissancestil gehaltene Empfangshalle des örtlichen Bahnhofs an die Blütezeit der Eisenbahn erinnert. Hier lädt ein 8000 Quadratmeter großer Anbau zu einer Entdeckungsreise durch die Welt der Eisenbahn ein. Hauptattraktion ist die spektakuläre Sammlung historischer Lokomotiven und Waggons, darunter die stromlinienförmige Dampflok »Typ 12«. Das Haus aber versteht sich nicht bloß als Museum, denn auch die Gegenwart des Schienenverkehrs kommt angemessen zur Geltung. Nicht zuletzt möchten die Kuratoren Ideen für die Zukunft und Schienenutopien präsentieren.

Zu Besuch bei König Philipp

Wenn die Royals Urlaub machen, öffnen sie ihr Domizil für das Volk. Dieser Brauch hat in der konstitutionellen Monarchie Belgiens lange Tradition. Auch wenn die Chance nur gering ist, dass ihnen König Philipp oder Königin Mathilde persönlich über den Weg laufen, bekommen Besucher vom 25. Juli bis 5. September 2018 doch einiges zu sehen. So befindet sich in dem neobarocken Schloss das Dienstzimmer, das eine Vorstellung von der täglichen Arbeit des Staatsoberhaupts ermöglicht. Außerdem verfügt die aus dem 19. Jahrhundert stammende Residenz über zahlreiche Prunksalons, von denen die Aura großer Empfänge abstrahlt. Zum Inventar des Königspalastes zählt darüber hinaus eine interessante Sammlung belgischer Gegenwartskunst – unter anderem von Jan Fabre, Marthe Wéry (beide Malerei) und Dirk Braekman (Fotografie). Kinder kommen unterdessen im Wissenschaftspark auf ihre Kosten.

Palast aus Glas und Gusseisen: die Königlichen Gewächshäuser

Die Königlichen Gewächshäuser liegen im Stadtteil Laken, gleich neben dem Schloss von Laken. Wenn im Frühling die Kamelien und all die anderen Pflanzen der Sammlung blühen, gewährt die Königsfamilie dem Volk traditionell Zutritt zu den Jugendstilgebäuden und dem angrenzenden Park. Drei Wochen lang, vom 21. April bis zum 11. Mai 2018, haben Pflanzenfanatiker Gelegenheit, die vorwiegend exotischen Gewächse zu bewundern: Pomeranzen in den Orangerien, uralte Palmen unter einer Glaskuppel oder eine mit Azaleen überwucherte Galerie. Dies aber ist nur einer von vielen möglichen Blickwinkeln. So ist Architekturfreunden die Freude vorbehalten, die monumentalen Pavillons, die Glaskuppel oder die weitläufigen Galerien auf ihre baulichen Besonderheiten zu prüfen. So oder so ist der Besuch ein Erlebnis.

 

 

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