Maske auf, Schnorchel in den Mund und ab ins Wasser: Wer Istrien nur von seinen Stränden und Küstenorten kennt, verpasst einen Teil der Halbinsel. Direkt unter der Wasseroberfläche beginnt eine zweite Landschaft. Felsbögen und Höhlen, Seegraswiesen und Schwämme, Fischschwärme und Spuren einer Geschichte, die weit in die Antike zurückreicht.
Genau diese Welt macht das Projekt »Istra Snorkeling« sichtbar. Statt auf klassische Wanderkarten blickt man auf detailreiche Zeichnungen des Meeresbodens. Sie zeigen, wo Felsen abfallen, Höhlen beginnen, besondere Meeresbewohner leben oder historische Überreste zu entdecken sind. Ein Tauchschein ist dafür nicht nötig. Maske und Schnorchel reichen aus, um sich auf die Suche zu machen.

Foto: Anton Unković / Tourismusverband Istrien
Hinter dem Projekt stehen Barbara und Anton Unković aus Pula. Sie erkundet und kartiert den Meeresboden, ihr Mann hält die Unterwasserlandschaften mit der Kamera fest. Gemeinsam mit dem Tourismusverband der Gespanschaft Istrien und lokalen Tourismusorganisationen entstand daraus Istra Snorkeling. Zum Start des Projekts wurden die Küsten von 17 istrischen Destinationen untersucht. Inzwischen hat Barbara Unković rund 30 Schnorchelplätze kartiert.
Jede Karte entsteht unter Wasser
Die Zeichnungen sehen auf den ersten Blick aus wie Illustrationen aus einem Abenteuerbuch. Doch die Felsen, Schluchten und Höhlen darauf sind keine Fantasie. Barbara Unković zeichnet den Meeresboden zunächst während zahlreicher Tauchgänge auf speziellen Schreibtafeln. Aus mehreren Skizzen entsteht später eine detaillierte Karte.
Die Idee dazu ist älter als »Istra Snorkeling«. Schon vor rund 25 Jahren begann Unković, Unterwasserkarten anzufertigen. Damals arbeitete sie während ihres Studiums in Tauchzentren rund um Rovinj. Vor einem Tauchgang wollte sie ihren Gruppen möglichst genau zeigen, welche Landschaft sie unter Wasser erwartet. Einige dieser Karten werden nach ihren Angaben noch heute für Briefings und Tauchausflüge genutzt.

Foto: Anton Unković / Tourismusverband Istrien
Während der Corona-Pandemie entstand schließlich die Idee, dieses Wissen auch Menschen zugänglich zu machen, die nicht mit Sauerstoffflasche in die Tiefe tauchen. Gemeinsam mit ihrem Mann Anton begann sie, besonders interessante Flachwasserbereiche entlang der istrischen Küste zu dokumentieren. Sie zeichnete Karten und recherchierte die Geschichten der Orte, er fotografierte die Unterwasserwelt.
Bei der Auswahl der Schnorchelplätze geht es deshalb um mehr als schönes Wasser. Berücksichtigt werden die Form des Meeresbodens, die Artenvielfalt und historische Besonderheiten. Auch lokale Museen, wissenschaftliche Einrichtungen, Fischer, Taucher und andere Kenner der Küste lieferten Informationen über einzelne Orte.
Antike Spuren vor Poreč
Wie viel Geschichte sich wenige Meter vom Strand entfernt verbergen kann, zeigt Pical bei Poreč. Dort liegt unter Wasser eine auffällige Steinstruktur, deren Form an den Grundriss der Altstadt von Poreč erinnert. In der Umgebung wurden Fragmente antiker Amphoren und Überreste eines römischen Hafendamms dokumentiert.
Andere Schnorchelplätze erzählen völlig andere Geschichten. Bei Velika Kolombarica am Kap Kamenjak führen Felsformationen, Durchgänge und Höhlen durch eine bizarre Unterwasserlandschaft. Am Kap Mašnjak an der Ostküste fällt der Fels auf der Außenseite bis in große Tiefen ab, während die geschütztere Seite als besonders attraktives Schnorchelrevier gilt. Die ausgewählten Plätze reichen von den flacheren, stärker gegliederten Küstenabschnitten Westistriens bis zu den Klippen und steileren Unterwasserlandschaften an der Ostküste.

Foto: Anton Unković / Tourismusverband Istrien
Schnorcheln in Istrien: Klares Wasser statt tropischer Farben
Mit den Korallenriffen tropischer Meere will Istrien nicht konkurrieren. Der Reiz der nördlichen Adria liegt woanders. Das vergleichsweise klare Wasser erlaubt häufig gute Sicht auf Felsen, Seegraswiesen, Schwämme und die Bewohner der Flachwasserzonen.
Wer langsam schwimmt und genau hinsieht, entdeckt kleine Fische zwischen den Felsen, Krebse, Schnecken und mit etwas Glück sogar ein Seepferdchen. Unterwasserbögen, halb offene Höhlen und steinerne Labyrinthe machen manche Plätze zu natürlichen Abenteuerlandschaften.

Foto: Anton Unković / Tourismusverband Istrien
Gleichzeitig sollen die Karten für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Meer sensibilisieren. Das Projekt versteht Schnorcheln als Möglichkeit, Naturerlebnis, Bewegung und Umweltbildung miteinander zu verbinden. Wer weiß, was unter der Oberfläche lebt und welche Spuren vergangener Jahrhunderte dort erhalten geblieben sind, soll diese Welt auch bewusster schützen.
Vom Spitzensport zurück ins Meer
Barbara Unković bringt dafür ungewöhnlich viel Erfahrung mit. Seit mehr als drei Jahrzehnten taucht sie in der Adria, arbeitete in Tauchzentren und nahm als Leistungssportlerin an Wettkämpfen im Unterwasser-Orientierungslauf, Langstreckenschwimmen und Freitauchen teil. Zwei Mal startete sie bei Weltmeisterschaften im Apnoetauchen.
Beruflich führte ihr Weg zunächst in eine andere Richtung. Nach dem Studium arbeitete sie 18 Jahre lang unter anderem in Personalentwicklung, Wissenschaftsmanagement und Beratung. Während der Corona-Pandemie entschied sie sich, beruflich zum Meer zurückzukehren und gründete Underwater Affair.
Für sie liegt der besondere Reiz des Schnorchelns in der Ruhe. Unter Wasser verschwinden Stimmen und Alltagsgeräusche, Bewegungen werden langsamer, der Blick konzentriert sich auf Details. Wer sich nicht allein auf die Suche machen möchte, kann auch an geführten Touren teilnehmen. Dabei vermittelt Unković zunächst Grundlagen zum Schnorcheln, Abtauchen und Druckausgleich und erzählt anschließend von Natur, Geschichte und Legenden des jeweiligen Ortes. Reguläre geführte Touren dauern etwa 60 Minuten, daneben werden individuell zugeschnittene private Ausflüge angeboten.
Weitere Informationen über Istra Snorkeling gibt es auf der Webseite des Tourismusverbands Istrien.
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