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Foto: Anton Unković / Tourismusverband Istrien
Kroatien

Schnorcheln in Istrien: Dieses Projekt bewirbt schönste Plätze vor der Halbinsel

Vor Istriens Küste beginnt eine Welt, die vielen Urlaubern verborgen bleibt. Ein besonderes Projekt macht ihre Natur, Geschichte und geheimnisvollen Orte sichtbar. Dafür braucht es kaum mehr als Maske und Schnorchel.

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8:42

Maske auf, Schnorchel in den Mund und ab ins Wasser: Wer Istrien nur von seinen Stränden und Küstenorten kennt, verpasst einen Teil der Halbinsel. Direkt unter der Wasseroberfläche beginnt eine zweite Landschaft. Felsbögen und Höhlen, Seegraswiesen und Schwämme, Fischschwärme und Spuren einer Geschichte, die weit in die Antike zurückreicht.

Genau diese Welt macht das Projekt »Istra Snorkeling« sichtbar. Statt auf klassische Wanderkarten blickt man auf detailreiche Zeichnungen des Meeresbodens. Sie zeigen, wo Felsen abfallen, Höhlen beginnen, besondere Meeresbewohner leben oder historische Überreste zu entdecken sind. Ein Tauchschein ist dafür nicht nötig. Maske und Schnorchel reichen aus, um sich auf die Suche zu machen.

Schnorchler mit Flossen sitzt an einem Leuchtturm vor Istrien, während unter der Wasseroberfläche der felsige Meeresgrund zu sehen ist

Foto: Anton Unković / Tourismusverband Istrien

Hinter dem Projekt stehen Barbara und Anton Unković aus Pula. Sie erkundet und kartiert den Meeresboden, ihr Mann hält die Unterwasserlandschaften mit der Kamera fest. Gemeinsam mit dem Tourismusverband der Gespanschaft Istrien und lokalen Tourismusorganisationen entstand daraus Istra Snorkeling. Zum Start des Projekts wurden die Küsten von 17 istrischen Destinationen untersucht. Inzwischen hat Barbara Unković rund 30 Schnorchelplätze kartiert.

Jede Karte entsteht unter Wasser

Die Zeichnungen sehen auf den ersten Blick aus wie Illustrationen aus einem Abenteuerbuch. Doch die Felsen, Schluchten und Höhlen darauf sind keine Fantasie. Barbara Unković zeichnet den Meeresboden zunächst während zahlreicher Tauchgänge auf speziellen Schreibtafeln. Aus mehreren Skizzen entsteht später eine detaillierte Karte.

Die Idee dazu ist älter als »Istra Snorkeling«. Schon vor rund 25 Jahren begann Unković, Unterwasserkarten anzufertigen. Damals arbeitete sie während ihres Studiums in Tauchzentren rund um Rovinj. Vor einem Tauchgang wollte sie ihren Gruppen möglichst genau zeigen, welche Landschaft sie unter Wasser erwartet. Einige dieser Karten werden nach ihren Angaben noch heute für Briefings und Tauchausflüge genutzt.

Schnorchler taucht durch eine dunkle Unterwasserhöhle vor Istrien, in die Sonnenstrahlen von der Wasseroberfläche fallen

Foto: Anton Unković / Tourismusverband Istrien

Während der Corona-Pandemie entstand schließlich die Idee, dieses Wissen auch Menschen zugänglich zu machen, die nicht mit Sauerstoffflasche in die Tiefe tauchen. Gemeinsam mit ihrem Mann Anton begann sie, besonders interessante Flachwasserbereiche entlang der istrischen Küste zu dokumentieren. Sie zeichnete Karten und recherchierte die Geschichten der Orte, er fotografierte die Unterwasserwelt.

Bei der Auswahl der Schnorchelplätze geht es deshalb um mehr als schönes Wasser. Berücksichtigt werden die Form des Meeresbodens, die Artenvielfalt und historische Besonderheiten. Auch lokale Museen, wissenschaftliche Einrichtungen, Fischer, Taucher und andere Kenner der Küste lieferten Informationen über einzelne Orte.

Antike Spuren vor Poreč

Wie viel Geschichte sich wenige Meter vom Strand entfernt verbergen kann, zeigt Pical bei Poreč. Dort liegt unter Wasser eine auffällige Steinstruktur, deren Form an den Grundriss der Altstadt von Poreč erinnert. In der Umgebung wurden Fragmente antiker Amphoren und Überreste eines römischen Hafendamms dokumentiert.

Andere Schnorchelplätze erzählen völlig andere Geschichten. Bei Velika Kolombarica am Kap Kamenjak führen Felsformationen, Durchgänge und Höhlen durch eine bizarre Unterwasserlandschaft. Am Kap Mašnjak an der Ostküste fällt der Fels auf der Außenseite bis in große Tiefen ab, während die geschütztere Seite als besonders attraktives Schnorchelrevier gilt. Die ausgewählten Plätze reichen von den flacheren, stärker gegliederten Küstenabschnitten Westistriens bis zu den Klippen und steileren Unterwasserlandschaften an der Ostküste.

Schnorchlerin über dem hellen Meeresgrund vor Istrien mit einer herzförmigen Steinstruktur unter Wasser

Foto: Anton Unković / Tourismusverband Istrien

Schnorcheln in Istrien: Klares Wasser statt tropischer Farben

Mit den Korallenriffen tropischer Meere will Istrien nicht konkurrieren. Der Reiz der nördlichen Adria liegt woanders. Das vergleichsweise klare Wasser erlaubt häufig gute Sicht auf Felsen, Seegraswiesen, Schwämme und die Bewohner der Flachwasserzonen.

Wer langsam schwimmt und genau hinsieht, entdeckt kleine Fische zwischen den Felsen, Krebse, Schnecken und mit etwas Glück sogar ein Seepferdchen. Unterwasserbögen, halb offene Höhlen und steinerne Labyrinthe machen manche Plätze zu natürlichen Abenteuerlandschaften.

Farbenprächtiger Meeresbewohner zwischen Felsen und Schwämmen vor der Küste Istriens

Foto: Anton Unković / Tourismusverband Istrien

Gleichzeitig sollen die Karten für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Meer sensibilisieren. Das Projekt versteht Schnorcheln als Möglichkeit, Naturerlebnis, Bewegung und Umweltbildung miteinander zu verbinden. Wer weiß, was unter der Oberfläche lebt und welche Spuren vergangener Jahrhunderte dort erhalten geblieben sind, soll diese Welt auch bewusster schützen.

Vom Spitzensport zurück ins Meer

Barbara Unković bringt dafür ungewöhnlich viel Erfahrung mit. Seit mehr als drei Jahrzehnten taucht sie in der Adria, arbeitete in Tauchzentren und nahm als Leistungssportlerin an Wettkämpfen im Unterwasser-Orientierungslauf, Langstreckenschwimmen und Freitauchen teil. Zwei Mal startete sie bei Weltmeisterschaften im Apnoetauchen.

Beruflich führte ihr Weg zunächst in eine andere Richtung. Nach dem Studium arbeitete sie 18 Jahre lang unter anderem in Personalentwicklung, Wissenschaftsmanagement und Beratung. Während der Corona-Pandemie entschied sie sich, beruflich zum Meer zurückzukehren und gründete Underwater Affair.

Für sie liegt der besondere Reiz des Schnorchelns in der Ruhe. Unter Wasser verschwinden Stimmen und Alltagsgeräusche, Bewegungen werden langsamer, der Blick konzentriert sich auf Details. Wer sich nicht allein auf die Suche machen möchte, kann auch an geführten Touren teilnehmen. Dabei vermittelt Unković zunächst Grundlagen zum Schnorcheln, Abtauchen und Druckausgleich und erzählt anschließend von Natur, Geschichte und Legenden des jeweiligen Ortes. Reguläre geführte Touren dauern etwa 60 Minuten, daneben werden individuell zugeschnittene private Ausflüge angeboten.

Weitere Informationen über Istra Snorkeling gibt es auf der Webseite des Tourismusverbands Istrien.

Schnorcheln in Istrien: Das solltest du wissen


Häufige Fragen

Ist Schnorcheln in Istrien auch für Kinder geeignet?
Grundsätzlich ja, sofern Kinder sicher schwimmen können und immer von Erwachsenen begleitet werden. Besonders geeignet sind ruhige, geschützte Buchten ohne Bootsverkehr. Für ungeübte Schwimmer bieten geführte Schnorcheltouren einen guten Einstieg.
Wann ist die beste Jahreszeit zum Schnorcheln in Istrien?
Die besten Bedingungen herrschen von Juni bis September, wenn das Wasser angenehm warm ist. Wer ruhigere Buchten bevorzugt, reist besser im Juni oder September statt im Hochsommer. Im Mai und Oktober ist Schnorcheln möglich, das Wasser ist jedoch deutlich kühler.
Braucht man in Kroatien eine Genehmigung zum Schnorcheln?
Für gewöhnliches Schnorcheln ist keine Genehmigung erforderlich. In Nationalparks, Naturschutzgebieten und an archäologischen Fundstätten können jedoch Einschränkungen gelten, die vor Ort durch Hinweisschilder ausgewiesen sind.
Welche Gefahren gibt es beim Schnorcheln in der Adria?
Die größten Risiken gehen meist nicht von Tieren aus, sondern von Strömungen, Bootsverkehr und Selbstüberschätzung. Schnorchler sollten sich nicht zu weit von der Küste entfernen und auf Seeigel sowie stechende Meerestiere achten. Grundregel: Tiere beobachten, aber nicht anfassen.
Darf man Muscheln, Steine oder andere Fundstücke aus dem Meer mitnehmen?
Geschützte Tiere, Pflanzen und archäologische Funde wie Amphoren, Keramik oder Münzen dürfen nicht mitgenommen werden. Wer einen möglichen historischen Fund entdeckt, sollte ihn liegen lassen und den zuständigen Behörden melden. In Schutzgebieten gilt dies auch für Steine und natürliche Materialien.
Frank Störbrauck
Brasilien ist sein Ding. Hier feiert Frank gerne ausgelassene Strandpartys bis tief in die warme Nacht. Klar, die Copacabana ist dafür in aller Munde, ihn zieht es allerdings viel lieber nach Salvador, wo die Strände nicht weniger traumhaft sind. Pluspunkt dort: Die Partys sind kleiner und mit den Locals kommt man schneller ins Gespräch.