Die Küste in Dalmatien ist die ideale Region für alle, die sich im Urlaub in Kroatien nicht zwischen Bergen und Meer entscheiden können. Und dass zwischen das Naturidyll auch noch wunderbare, kleine Städte passen, hat Reporterin Kirsten mit ihrer Reisegruppe vor Ort herausgefunden.
Text: Kirsten Bungart
Auf dem Sveti Jure, dem höchsten Gipfel des Naturparks Biokovo, ist der Himmel zum Greifen nah. 1.762 Meter über dem glitzernden Meeresspiegel stehen wir an der Felskante des direkt ins Meer abfallenden Bergmassivs und können uns nicht losreißen. Von diesem überwältigenden Ausblick auf die Adriaküste, auf das tiefblaue Wasser, die unzähligen grünen Inseln und Inselchen und auf den endlosen Horizont.
In unserem Rücken steigt die Morgensonne über den Berg und taucht die Szene in magisches Licht: Das Blau von Wasser und Himmel ist kräftig, die Luft klar, die Landschaft gestochen scharf. Ein Panorama ohne Filter, eine überwältigende Symbiose aus schroffem Hochgebirge und sanfter Küstenlandschaft, so einzigartig wie wohl an keinem anderen Ort an der Küste Dalmatiens. Schon der Weg zum gigantischen Ausblick gleicht einer dramatischen Inszenierung.
Auf den Bergen Dalmatiens
Von der Stadt Makarska führen waghalsig schmale Serpentinen bergauf, mit jedem Höhenmeter Richtung Gipfel erscheint die Küste länger, das Blau intensiver, das Bild kompletter. So als würde vor unseren Augen ein Vorhang Stück für Stück zur Seite gezogen
Wir fahren nicht direkt zum Gipfel durch, sondern stoppen kurz vorher bei Ravna Vlaška, am Skywalk. Die neue Attraktion des Parks ragt als kühnes Konstrukt aus Glasböden und Stahlträgern rund zwölf Meter über den Berg Richtung Meer hinaus, im Halbkreis über den Abgrund. Für schwache Nerven ist der Spaziergang definitiv nicht geeignet, doch auch den Mutigen unter uns stockt beim Schritt auf das Glas der Atem. Allerdings nicht aus Angst vorm freien Fall, sondern wegen der Magie dieses Orts zwischen Himmel und Meer.
Warum die Berge in Dalmatien so wunderschön sind
»Dieser Ort berührt dein Herz, egal wie oft du schon hier oben gestanden hast«, schwärmt Tonči Lalić und das Lächeln in seinem hageren Gesicht sagt alles, wofür ihm die Worte fehlen. Tonči ist Bergführer und Bergretter, seit Jahrzehnten, im Biokovo-Gebirge ist er zu Hause. Er kennt jeden Wanderweg, jede hochalpine Strecke. Und auch die Gefahren, die heute bei blauem Himmel und Sonnenschein kaum vorstellbar und deshalb so unberechenbar sind.
Mit uns ist er heute aber ohne Ausrüstung und Notfallplan unterwegs, nur zum Spaß. In Jeans, rotem Polohemd und Turnschuhen springt er leichtfüßig über die Steine und Felsen am Wegesrand, die Sonnenbrille entspannt auf den kahl rasierten Kopf geschoben.
Tonči liebt Berge, genauso wohl fühlt er sich aber auf der Uferpromenade am Meer seiner Heimatstadt Makarska, die zu Füßen des Biokovo liegt. Nach dem Ausflug ins Gebirge sind wir zurück in dem beschaulichen Zentrum der Riviera. Die Stadt ist beschaulich, nur knapp 14.000 Menschen leben hier, hauptsächlich vom Tourismus. Tonči ist hier aufgewachsen, will hier niemals weg: »Makarska ist ein wundervoller Ort, sehr ursprünglich«, schwärmt er. »Die Menschen sind herzlich und lebensfroh.«
Zu Gast in Makarska
Einer seiner Lieblingsorte ist die von Palmen gesäumte Riva, die Flaniermeile direkt am Hafen. Sie ist das Wohnzimmer Makarskas, ein wuseliger Umschlagplatz, an dem sich Einheimische ebenso treffen wie Badegäste auf dem Weg zum beliebten Strand Donja Luka. Schicke Yachten liegen hier direkt neben den kleinen Booten der lokalen Fischer.
Wir bummeln vom Hafen am Wasser entlang, das Meeresrauschen immer im Ohr, zuerst über den langen Kiesstrand, dann durch einen kleinen Pinienwald, in Richtung der Landzunge Sveti Petar, zum alten Leuchtturm. Auf dem Rückweg in die Stadt wandert die Sonne schon langsam Richtung Meer, an der Riva wandelt sich das lebhafte, ungezwungene Treiben ins Elegante.
Espresso und die typisch kroatische Kräuterlimonade »Cockta« werden durch Pošip und Grappa ersetzt, die Restaurants servieren Spezialitäten wie Tintenfisch, gegrilltes Lamm oder das berühmte schwarze Risotto »Crni Rizot«. Tončis Empfehlung für ein lokales Gericht ist »Pašticada«, ein Klassiker der dalmatischen Küche.
Zurück ins Mittelalter
Am nächsten Tag ist unser Ziel der Mittelalterort Šibenik. Am Hafen einer der ältesten Städte Kroatiens, die vom mächtigen Dinarischen Gebirge und der Adria eingerahmt wird, wartet Andreas Dujmović, der nach vielen Jahren in Deutschland in seine Heimat zurückgekehrt ist und jetzt die Liebe zu seiner Stadt mit Besuchern teilt. Schwarze Hose, weißes Shirt, weiße Sneaker, cooler jugendlicher Typ, nicht das, was man erwartet, wenn es durch historische Gassen und zu Unesco-Weltkulturerbestätten gehen soll.
Doch Andreas begeistert sich für jede Zahl und jedes Detail der bewegten Geschichte seiner Heimat ebenso wie für den Zeitgeist, der durch die Läden und Restaurants der Altstadt weht und beweist, dass sich in Šibenik Coolness und Kultur nicht ausschließen. Gemeinsam treiben wir durch die Stadt, spazieren ziellos durch das Labyrinth aus Gassen und Plätzen, Andreas voran, wir hinterher.
Es geht ständig rauf und runter, über jahrhundertealten Kalkstein, steile Treppen und durch versteckte Torbögen. Mitten durch das Leben der Bewohner, die ihre Wäscheleinen zwischen Fensterläden gespannt haben und deren klappernde Kaffeetassen und Stimmen als leises Echo zwischen den Mauern widerhallen. Hinter jeder Ecke öffnet sich ein neuer Blick: mal ein Stück Meer zwischen den Mauern, mal ein Kirchenportal, Läden mit Kunsthandwerk und Schmuck, kleine Gärten mit Gemüse und Blumen, schicke Restaurants und gemütliche Vinotheken.
Wir lassen den Dom in Šibenik
Wir steuern die Kathedrale des Heiligen Jakob an. Ein absolutes Muss, betont Andreas. An ihr führt eh kein Weg vorbei. Der Dom ist Šibeniks großer Auftritt aus Stein, außen dominiert die helle Fassade mit Portal und Rosetten, einmal ums Bauwerk halten 71 realistisch gearbeitete Köpfe die Besucher im Blick. Ein beeindruckendes Meisterwerk, das erhaben über dem Meer thront.
Andreas liefert die harten Fakten: Gebaut wurde die Kathedrale von 1431 bis ins 16. Jahrhundert, die Verbindung aus Gotik und Renaissance sowie die spektakuläre Konstruktion komplett aus Stein ohne klassisches Holztragwerk ist einer der Gründe, warum sie auf der Liste der Unesco steht. Den besten Ausblick auf Stadt und Meer aber genießen wir nach einem kleinen Aufstieg von der Festung Sankt Michael aus.
In der Altstadt klingt der Tag langsam aus, die Straßen leeren sich, auf den Plätzen und in den Cafés haben die Bewohner ihre Stadt zurückerobert. Die tief stehende Sonne färbt den Stein goldfarben, Schatten breitet sich aus und legt sich wie ein Dämpfer über die Geräuschkulisse. Wenn diese Ruhe einkehrt, ist für Andreas die Stadt am schönsten, entfaltet sie ungestört ihren ganzen Reiz. Deshalb empfiehlt er für einen Besuch in Šibenik den Spätherbst, wenn es in den Gassen still wird und in den Bars und Restaurants wieder hauptsächlich Kroatisch zu hören ist.
Noch mehr Lust auf Mittelalter? Kirsten hat auch ihre Eindrücke aus Split mitgebracht.
So herrlich ist die Natur in Dalmatien
Für uns heißt es, zurück in die Natur, am nächsten Morgen wenden wir der Küste den Rücken zu und machen uns auf den Weg ins Hinterland. Unser Ziel ist der Nationalpark Krka, nur 15 Minuten von Šibenik entfernt. Flussaufwärts gleiten wir von Skradin aus mitten in den Park, der insgesamt 109 Quadratkilometer Natur sowie Bauwerke aus der Zeit der Römer schützt. Kilometerweit fährt das Boot über das ruhige Wasser, das eher wie ein See wirkt, immer tiefer in das satte Grün. Vom Bootsanleger im Park brauchen wir nur ein paar Schritte bis zu den berühmten Skradinski-Buk-Wasserfällen, an denen sich die Krka auf 800 Metern und in 17 Stufen über die hellen Travertinfelsen stürzt. Ein Bühnenbild aus glitzerndem Wasser, grünen Bäumen und in der Sonne glänzendem Sprühnebel.
Wir wollen komplett in die unberührte Landschaft eintauchen und entscheiden uns für den Rundweg »Staza Skradinski Buk«, der einmal um die weitläufigen Wasserfälle führt und die Vielfalt des Parks offenbart. Etwa eine Stunde lang wandern wir entlang des Flusses, über alte Steinbrücken, an historischen Mühlen vorbei und durch die dicht bewachsene Landschaft. Einen großen Teil führt der Weg über Holzstege, manchmal neben, manchmal über dem Wasser. In den Seitenarmen wuchert Schilf, Steine glitzern in der Sonne. Ein wahres Paradies für Fischreiher, Otter, Eidechsen, Schildkröten und Nattern.
Ein Stück weiter tauchen wir in dichten Auwald aus Eschen, Erlen und Weiden ein, über dem Falken und Adler ihre Kreise ziehen und auf die Beute am Boden lauern. An der höchsten Stelle des Wanderwegs halten wir an, vor unseren Augen breitet sich das spektakuläre Panorama der Flusslandschaft aus. Wir verharren an der Kante des Aussichtspunkts und können uns kaum von diesem Ausblick losreißen: auf die Wasserfälle, die grünen Wälder und den blauen, endlosen Himmel – zum Greifen nah.
Unsere Dalmatien-Tipps im Überblick
- Im Herzen des Biokovo-Naturparks bietet die Mountain Lodge Planinarski dom Vošac nicht nur ausgezeichnete authentische dalmatische Küche, sondern auch stilvolle Übernachtungsmöglichkeiten in luxuriösen Doppelzimmern. Für Erholung sorgen Spa und Wellnessangebote. Übernachtung im Doppelzimmer ab 170 Euro. https://pd-vosac.hr
- Auf dem Weg in oder aus dem Nationalpark Krk lohnt ein Stopp im Restaurant Cantinetta in Skradin. Hier sitzt man im idyllischen Innenhof und genießt typisch dalmatische, von Gault&Millau ausgezeichnete Küche. Highlights der Karte sind die hausgemachte Pasta mit frischen Scampi und das Tintenfischrisotto »Crni rižoto od sipe«.
- Wer sich für Muscheln interessiert, für den ist das Muschelmuseum Malakološki muzej Makarska das Paradies. Über 3.000 Muscheln und Meeresschnecken sind dort ausgestellt, nicht nur aus der Adria, sondern auch aus den tropischen und subtropischen Meeren. Untergebracht ist das Museum im alten Franziskanerkloster. www.malakoloski-muzej-makarska.eu/de
Doch nicht das Richtige? Wir haben noch mehr Geheimtipps für Kroatien.








