Anfang Juni 2026 erschütterte ein Erdbeben das italienische Kalabrien. Zwar kam es zu keinen nennenswerten Schäden. Doch könnten Reisende sich fragen, wie sicher ein Urlaub und wie wahrscheinlich weitere Erdbeben in Kalabrien sind. Wir haben die Antworten.
Was ist passiert?
In der Nacht zum 2. Juni 2026 wurde vor Italiens Südküste, im Tyrrhenischen Meer, ein Erdbeben mit einer Stärke von 6,1 bis 6,2 gemessen. Das Epizentrum lag dabei einige Dutzend Kilometer vor der Küste Kalabriens und in einer Tiefe von 250 Kilometern. Die Auswirkungen an Land waren daher sehr eingeschränkt.
Dennoch wurden zahlreiche Menschen von den Erschütterungen aus dem Schlaf gerissen. Auch der Bahnverkehr wurde vorsorglich eingeschränkt, wenn auch nur zeitweise. Tatsächliche schwere Schäden entstanden laut den örtlichen Behörden keine, obwohl das Erdbeben bis weit ins Landesinnere und bis nach Sizilien spürbar gewesen sei.
Warum kommt es in Italien zu Erdbeben?
Im Süden Italiens, sozusagen unter der Stiefelsohle, treffen die eurasische und die afrikanische Kontinentalplatte aufeinander. Nicht nur hebt sich so der Apennin immer weiter in die Höhe. Die Bewegung der Platten führt auch dazu, dass sich im Untergrund Spannungen aufbauen und in regelmäßigen Abständen schlagartig entladen – in Form von Erdbeben.
Dadurch rangiert Italien unter den europäischen Ländern mit seismischer Aktivität recht weit oben, vergleichbar mit Griechenland oder der Türkei, die ebenfalls nahe der Plattengrenze liegen. In Italien tritt im Schnitt alle vier Jahre ein Erdbeben bis zu einer Stärke von 5,5 auf, alle sechs Jahre rechnen Seismologen mit einem Beben einer Stärke ab 6,0 auf der Richterskala. Wenn dieses in einer dicht bebauten Region auftritt, kann dies schwere Schäden verursachen.
Welche Regionen sind besonders betroffen?
Als Faustregel gilt: Je weiter Richtung Süden es geht, also näher an die Grenze der eurasischen und der afrikanischen Platte, umso wahrscheinlicher sind seismische Aktivitäten. Das heißt aber nicht, dass im Norden gar keine Beben auftreten. Zuletzt erschütterte 2012 eine Reihe von Erdbeben mit Stärken bis zu 6,1 die Region Emilia-Romagna, was auch einige Todesfälle forderte. Auch die Regionen Abruzzen und Latium in Mittelitalien erfahren regelmäßig kleinere und mittelstarke Beben.
Dennoch: Die stärksten Erschütterungen treten in der Regel im Süden Italiens auf, eben in Kalabrien und Sizilien oder im Tyrrhenischen Meer zwischen dem Festland, Sizilien und Sardinien. In Kalabrien bebt die Erde nahezu täglich, allerdings meist unter der Wahrnehmungsschwelle des Menschen.
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Wie wahrscheinlich ist ein Erdbeben in Kalabrien im Urlaub?
Nun aber zu den wesentlichen Fragen: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, während eines Urlaubs in Kalabrien unsanft von einem Erdbeben geweckt zu werden – oder sogar in Gefahr zu geraten?
Erdbeben mit leichter oder mäßiger Stärke können, insbesondere in Kalabrien, mehrmals im Jahr auftreten. Diese können zwar durchaus spürbar sein, führen in der Regel aber zu keinen nennenswerten Schäden.
Anders sieht es mit den Beben ab einer Stärke von 6,0 aus, die durchaus gefährlich werden können. Gleichzeitig sind sie wesentlich seltener. Für nennenswerte Schäden und Beeinträchtigungen müsste das Epizentrum zusätzlich an Land und nicht im Meer liegen. Während eines Kurztrips von ein bis zwei Wochen ist es also höchst unwahrscheinlich, dass Urlauber von einem solchen Beben betroffen sind. Und selbst dann sorgt der Aufenthalt in einem modernen, erdbebengesicherten Gebäude für zusätzlichen Schutz.
Unmöglich ist es allerdings nicht, das gehört auch zur Wahrheit. Und präzise voraussagen lassen sich Erdbeben trotz aller technischer Fortschritte bis heute nicht, was sie eben so tückisch macht.
Wie sicher sind Urlauber in Hotels und Ferienunterkünften?
Im Lauf der letzten Jahrzehnte wurden mehrere Regionen in Italien von schweren Erdbeben erschüttert, teils mit Hunderten Todesopfern und Schäden in Millionenhöhe. Über die letzten Jahre wurden daher zunehmend entsprechende Bauvorschriften eingeführt und in die Erdbebensicherheit investiert.
Insbesondere neuere Gebäude, vor allem größere Hotels, müssen nun wesentlich strengere Standards in Sachen seismischer Sicherheit einhalten, als etwa historische Gebäude in den Altstädten und Ortskernen. Doch auch in diesen älteren Häusern begegnen Betreiber dem Erdbebenrisiko mit entsprechenden Sanierungen, Verstärkung der Bausubstanz und Notfallplänen für den Ernstfall. Wer auf Nummer sicher gehen will, bucht sich also in ein zeitgemäßes Hotel oder Resort ein.
Verhalten während eines Erdbebens
Sollten Urlauber sich wider Erwarten doch in einem Erdbeben wiederfinden, helfen ein ruhiger Kopf und gute Vorbereitung. In Gebäuden gilt es, im Innenraum zu bleiben und Abstand zu Fenstern, Glasfassaden und schweren Möbeln zu halten. Wer kann, sucht unter einem Tisch oder neben einer tragenden Innenwand Schutz. Die Arme schützen dabei den Kopf und den Nacken, im Idealfall ist auch noch ein Kissen griffbereit. Treppen, Aufzüge und Außenwände sollten gemieden werden. Wenn die Erschütterungen abgeklungen sind, sollten Urlauber außerdem darauf achten, ob Gas- oder Wasserleitungen beschädigt sind und umgehend dem Personal oder den Behörden Bescheid geben.
Im Außenbereich können auch Fassaden, Mauern, Laternen, Bäume oder Stromleitungen gefährlich werden. Wer draußen unterwegs ist, sollte stattdessen nach Möglichkeit eine Freifläche aufsuchen.
Anweisungen des Hotelpersonals oder der Behörden sind grundsätzlich Folge zu leisten. Diese sind im Bilde über Notfallpläne und die allgemeine Lage.
Weitere Informationen für Reisende in Kalabrien
Häufige Fragen
Welche Institutionen geben deutschen Reisenden eine Übersicht zu Erdbeben und Gefährdungslage in Italien?
Vor allem das Auswärtige Amt, die deutschen Vertretungen in Italien und der italienische Zivilschutz bieten dafür die wichtigsten Infos. www.protezionecivile.gov.it/en
Welche Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts liegen zu Italien vor, insbesondere zum Thema Erdbeben?
Das Auswärtige Amt verweist auf die aktuelle Sicherheitslage und die regionale Gefährdung in Italien. In erdbebengefährdeten Gebieten sollten Reisende Warnungen der örtlichen Behörden beachten und betroffene Zonen meiden. www.auswaertiges-amt.de
Wo können Reisende sich vor Abreise zu seismischen Aktivitäten in der Region informieren?
Am besten vor der Reise über die Hinweise des Auswärtigen Amts, die Webseiten der deutschen Vertretungen und die Informationen des italienischen Zivilschutzes. Dort finden sich auch aktuelle Hinweise zu seismischer Aktivität.



