Foto: Historic Southtyrol/Alex Filz
Designhotels

Kleine Hotels in Südtirol: fünf familiengeführte Häuser mit Charakter

Kein Animationsprogramm, kein Buffet für 300 Gäste, dafür Gastgeber, die ihr Haus selbst führen und ihre Gäste beim Namen kennen. Diese fünf kleinen Hotels in Südtirol haben kaum mehr als ein Dutzend Zimmer, eine lange Geschichte und eine klare Haltung.

Ein kleines Hotel lebt von den Menschen, die es führen. Alle fünf Häuser dieser Auswahl sind familiengeführt, manche seit Generationen. Das zeigt sich am Frühstück, das am Tisch serviert wird, an den Weinen aus dem eigenen Keller und an Zimmern, die nicht aus dem Katalog stammen.

Leuchtenburg am Kalterer See: zwölf Zimmer und ein eigener Seezugang

In Klughammer, dem ruhigen Ortsteil am Südufer des Kalterer Sees, steht die Pension Leuchtenburg. Das Haus diente einst als Versorgungshaus der Burg, die bis heute auf dem Hügel darüber thront. Gastgeberin Katharina Sparer, genannt Kat, ist hier aufgewachsen und hat das Haus von ihren Eltern übernommen. Gemeinsam mit ihrem Partner Jan Waldner hat sie es nach einem aufwendigen Umbau im April 2023 neu eröffnet. Die Meraner Architektin Christina Biasi von Berg hat die alte Bausubstanz mit klarem, modernem Design verbunden. Ein Hotel wollen die beiden ausdrücklich nicht sein, sie bleiben beim Wort Pension.

Die zwölf Zimmer blicken alle auf den See und tragen die Namen von Weinlagen rund um Kaltern. 99 Schritte vom Haus entfernt liegt eine private Seewiese mit 400 Quadratmetern, die rund um die Uhr zugänglich ist, jeder Gast bekommt beim Check-in einen eigenen Seeschlüssel. Am Ufer steht eine Biosauna, im Haus gehört eine finnische Sauna zum Weinwohnzimmer. Kat hat die Ausbildung zur Sommelière gemacht und schenkt abends selbst ein, in der Küche steht inzwischen Chefkoch Luca.

Die Gastgeber Katharina Sparer und Jan Waldner von der Pension Leuchtenburg am Kalterer See.
Pension Leuchtenburg/Patrick Schwienbacher
Ein Zimmer der Pension Leuchtenburg in Klughammer am Kalterer See.
Pension Leuchtenburg/Patrick Schwienbacher

Hotel Briol bei Barbian: Bauhaus auf 1.310 Metern, ohne Zufahrtsstraße

Zum Hotel Briol führt keine Straße. Wer hinauf will, parkt in Barbian und wandert rund eine Stunde durch den Wald nach Dreikirchen, das Gepäck bringt auf Wunsch ein Geländewagen. Oben steht auf 1.310 Metern ein Haus mit ungewöhnlicher Geschichte: Seine heutige Form bekam Briol 1928, als der Maler Hubert Lanzinger den alten Gasthof nach Bauhaus-Vorbild umgestaltete, mit Holzsäulen und großen Fenstern zur Sonne. Gegründet hat das Haus Johanna Settari, heute führen es Victoria und Valentin von Klebelsberg.

Zum Charakter des Haupthauses gehört bis heute, dass sich die Gäste Duschen und Toiletten auf der Etage teilen. Wer ein eigenes Bad möchte, bucht das Einäugl: Der Neubau von 2022/23 steht gleich neben dem Briol und ist als einzige Unterkunft ganzjährig geöffnet. Daneben gibt es das Baumhaus Isidor, benannt nach dem früheren Bürgermeister Isidor Puntair. Gebadet wird im fast 100 Jahre alten Natursteinbecken, das Bergquellen speisen, gleich daneben steht die Waldsauna. Das Haupthaus öffnet von Ende April bis Ende Oktober, die Halbpension mit Kuchen am Nachmittag ist im Preis enthalten.

Eingang des Hotels Briol in Dreikirchen oberhalb von Barbian in Südtirol.
Historic Southtyrol
Im Hotel Briol wird Besteck sortiert.
Historic Southtyrol

Ottmanngut in Meran: elf Zimmer in einem Ansitz von 1290

Rund 500 Meter von der Meraner Altstadt entfernt liegt das Ottmanngut in einem mediterranen Garten mit Palmen und eigenem Weinberg. Urkundlich erwähnt wird der Hof erstmals 1290. 1850 kaufte Alois Kirchlechner das Anwesen, 1914 gestaltete Baumeister Johann Pittoni es herrschaftlich um. Heute führt Martin Kirchlechner, der Ururenkel von Alois, das Haus. Ein Hotel im klassischen Sinn ist das Ottmanngut nicht, eher ein Landsitz mit elf Zimmern.

Kein Zimmer gleicht dem anderen, Möbel aus dem Katalog gibt es nicht. Josephinisches Mobiliar steht neben Biedermeier und Jugendstil, in einem Zimmer zieht sich ein Jugendstil-Fries über die Wand, darunter knarzen alte Holzdielen. In der Mansarde vor dem Turmzimmer lädt eine kleine Bibliothek zum Lesen ein, im Garten steht die historische Orangerie. Das Frühstück kommt nicht vom Buffet, sondern als mehrgängiges Menü an den Tisch, im Sommer im Garten. Der Bahnhof Meran liegt knapp einen Kilometer entfernt, das Auto kann also zu Hause bleiben.

Innenhof des Ottmanngut in Meran.
Historic Southtyrol
Ein individuell eingerichtetes Zimmer mit antiken Möbeln im Ottmanngut in Meran.
Historic Southtyrol

Ansitz Zum Steinbock in Villanders: zwölf Suiten und ein MICHELIN-Schlüssel

Hoch über dem Eisacktal steht im Dorfkern von Villanders der Ansitz Zum Steinbock, ein schlossähnlicher Adelssitz, den Gastgeberin Elisabeth Rabensteiner führt. In den alten Mauern liegen zwölf Suiten in sanften Grau- und Erdtönen, jede davon ein Unikat. Der Guide MICHELIN zeichnet das Haus mit einem MICHELIN-Schlüssel aus.

Gegessen wird hier auf drei Arten. Seit Oktober 2024 leitet René Tschager die Küche. Im Fine-Dining-Restaurant La Lumosa stehen nur vier Tische, serviert werden Menüs mit fünf oder sieben Gängen. Das Restaurant Stain kocht à la carte, für Hausgäste gibt es abends Steinbock Klassik, ein alpines Menü mit fünf Gängen. Im gotischen Weinkeller lagern über 800 Weine. Draußen wartet ein Panoramapool mit Blick auf die Dolomiten.

Fassade des Ansitz Zum Steinbock in Villanders im Eisacktal.
Historic Southtyrol/Andergassen
Ein Gericht aus der Küche des Ansitz Zum Steinbock in Villanders.
Historic Southtyrol/Andergassen

Schloss Plars in Algund: Weingut mit 16 Zimmern und Suiten

Oberhalb von Algund bei Meran liegt Schloss Plars wine & suites mitten in den eigenen Reben. Der Ansitz wurde 1357 erstmals als Torgglerhof erwähnt und 1880 im neoromantischen Stil zum Schlösschen umgebaut. Seit 1911 gehört er Familie Theiner. Heute führen Irene und Andreas Theiner das Haus und das Weingut, das die Familie in dritter Generation bewirtschaftet.

Romantik steht hier im Mittelpunkt. Zur Wahl stehen acht Zimmer, von der Mansarde bis Deluxe, und acht Suiten, darunter drei Premier-Cru-Suiten und eine Grand-Cru-Suite. Der beheizte Infinitypool liegt zwischen den Reben und blickt über Algund und Meran ins Meraner Land, dazu gehört eine Sauna. Ein Restaurant gibt es nicht. Frühstück gibt es im Salon oder auf der Terrasse, mit hausgemachten Kuchen. Für Gäste gibt es Verkostungen und Weinworkshops, zweimal pro Woche geht es auf eine Weinwanderung durch die eigenen Lagen.

Fassade und Eingang von Schloss Plars in Algund bei Meran.
Vinum Hotel
Beheizter Infinitypool von Schloss Plars zwischen den Weinbergen von Algund.
Vinum Hotel

Häufige Fragen

Ab wie vielen Zimmern gilt ein Hotel als klein?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Meist spricht man bei weniger als 20 bis 30 Zimmern von einem kleinen Hotel, die Häuser dieser Auswahl haben zwischen elf und 16 Zimmern und Suiten.
Welche der kleinen Hotels nehmen Kinder auf?
Das Ottmanngut in Meran heißt Kinder ausdrücklich willkommen. Für die Pension Leuchtenburg und Schloss Plars lohnt eine Nachfrage, beide richten sich vor allem an Paare.
Sind Hunde in den Hotels erlaubt?
Im Ottmanngut und auf Schloss Plars sind Hunde gegen Aufpreis erlaubt, im Ansitz Zum Steinbock auf Anfrage. Ins Restaurant und in den Frühstücksraum dürfen sie in der Regel nicht.
Welche Hotels bieten Halbpension?
Halbpension gibt es im Hotel Briol, in der Pension Leuchtenburg und im Ansitz Zum Steinbock. Das Ottmanngut und Schloss Plars servieren nur Frühstück.
Kann man im Hotel Briol auch im Winter übernachten?
Das Haupthaus hat nur von Ende April bis Ende Oktober geöffnet. Ganzjährig buchbar ist das Einäugl, ein Neubau gleich neben dem Briol mit eigenem Bad.
Welches kleine Hotel in Südtirol erreicht man gut ohne Auto?
Das Ottmanngut liegt knapp einen Kilometer vom Bahnhof Meran entfernt. Zum Hotel Briol fährt man mit dem Zug bis Klausen oder Waidbruck und weiter mit dem Taxi nach Barbian.
Was kostet eine Nacht in einem kleinen Hotel in Südtirol?
Bei dieser Auswahl liegen Doppelzimmer je nach Haus und Saison zwischen rund 250 und 370 Euro pro Nacht, oft inklusive Halbpension.
Jennifer Latuperisa-Andresen
Je kälter, karger und einsamer es um sie herum wird, desto höher schlägt Jennys Herz. Wer braucht schon Palmen im Urlaub, wenn man auch Eisberge haben kann? Deshalb verbringt die Chefredakteurin aus dem Ruhrpott ihre Sommer auch gerne mal in der Arktis bei den Eisbären. Sie sagt: Das ewige Eis kann zur Sucht werden.