Ciao Alltagssorgen, hallo Südtirol! Stress hat im Miramonti Boutique Hotel im Etschtal keine Chance. Das durfte Chefredakteurin Jenny während ihres Aufenthalts dort selbst erleben. Zwischen Berg und Tal, zwischen Frühstück und Sterne-Dinner, zwischen Wellness und Wandern. Irgendwo da liegt auf jeden Fall das Glück.
Bewusst statt beliebig
Loslassen. Das schreiben wir Reisejournalistenfuzzis immer so leicht dahin. Wir werfen den Begriff in Texte, als wäre es ein Kinderspiel, Belastungen einfach hinter sich zu lassen. Einfach zu sein. Nichts zu wollen. Es klingt beinahe abgegriffen. Und ja, im Urlaub will das jeder. Und doch braucht es Orte, die dabei wirklich helfen.
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Du legst uns als Quelle fest. Und wir dich in unserem Herzen. ♥Das kommt nicht überraschend, es bleibt trotzdem wahr: Das Miramonti ist so ein Ort. Hoch oben auf 1.230 Metern, dort, wo der Blick weit wird und das Tal klein erscheint, liegt dieses Haus wie ein bewusst gesetzter Gegenentwurf zur Dauerbeschallung des Alltags. »Hard to find. Hard to forget.« Selten passte ein Slogan so präzise.
Schon bei der Ankunft stellt sich dieses Gefühl ein, angekommen zu sein, ohne etwas leisten zu müssen. Die Lobby wirkt offen und ruhig zugleich. Bodentiefe Fenster holen das Etschtal ins Haus, Holz, Bücher und Designobjekte setzen warme Akzente. Und es ist einfach schön. Unaufgeregt stilvoll, in jeder Ecke. Hier hat sich jemand Gedanken gemacht. Möbel wurden nicht ausgesucht, sondern gefunden. Bücher nicht dekorativ platziert, sondern bewusst gewählt. Alles wirkt selbstverständlich und doch bis ins Detail durchdacht. Unwillkürlich stelle ich mir vor, wie viel Freude es gemacht haben muss, dieses Haus so zusammenzusetzen. Ich hätte sie gehabt.
Ein Kaffee zum Dahinschmelzen
Ich lasse mich in einem bequemen Sessel nieder, eine Tasse Kaffee in der Hand. Und was soll ich sagen: Dieser Kaffee verdient seinen Namen. Später erfahre ich, dass er im Haus selbst geröstet wird. Mit Wissen, Leidenschaft und einem sehr feinen Gespür für Qualität. Es ist einer dieser Kaffees, die im Gedächtnis bleiben. Und genau hier beginnt das Miramonti, sich dauerhaft festzusetzen.
Einfach nur dasitzen. Das konnte ich schon lange nicht mehr. Dabei gibt es so viel zu beobachten. Junge Paare, Freundinnen mit Kindern, ältere Damen mit ihren Hunden, internationale Gäste, die mühelos zwischen Sprachen wechseln. Alle scheinen hierhergekommen zu sein, um langsamer zu werden. Um sich Zeit zu nehmen. Für Gespräche, für Landschaft, für Geschmack. Niemand wirkt gehetzt, niemand wie auf der Durchreise. Dieses Haus zieht Reisende an, die Schönheit nicht laut einfordern, sondern leise suchen.
Und dann dieses Zimmer. Ich muss davon schwärmen. Von den liebevollen Details wie dem Oldschool-Telefon oder der kleinen Lesenische auf dem Balkon. Hier einziehen fühlt sich ab dem ersten Moment richtig an. Viel Holz, klare Linien, weiche Stoffe. Dazu diese Stille, die nur ein Bergwald kennt. Das Fenster rahmt das Panorama wie ein Gemälde. Kein unnötiger Schnickschnack, der um Aufmerksamkeit buhlt. Stattdessen Raum. Zum Denken, zum Nichtstun, zum Schlafen. Und dieser Schlaf ist tief. So tief, dass der Morgen überraschend sanft beginnt.
Wellness pur im Miramonti Boutique Hotel
Das Frühstück wird schnell zu einem Ritual. Hausgemachtes Brot, regionale Spezialitäten, frische Säfte, die sich selbst pressen lassen. Und wieder dieser Kaffee. Dazu frisch gebackene Waffeln und Südtiroler Speck. Ein Frühstück, das nicht satt machen will, sondern zufrieden. Ich sitze lange, schaue hinaus, lasse den Tag langsam beginnen.
Später zieht es mich in den Wellnessbereich. Der Infinitypool scheint über Meran zu schweben und ist deutlich leerer als erwartet. Überhaupt verteilt sich alles auf dem weitläufigen, verwinkelten Gelände so angenehm, dass niemand dem anderen auf die Füße tritt. Der Spa-Garten zieht sich über mehrere Ebenen im Außenbereich, verbunden durch Treppen, Felsen und kleine Wege. Das schafft eine besondere Atmosphäre. Wer Rückzug sucht, findet ihn zwischen Wald und Stein. Wer Nähe möchte, ebenfalls. Platz ist genug.
Mein persönlicher Tipp: der Onsen-Pool unter dem Sternenhimmel. Zugegeben, das funktioniert nicht im Hochsommer. Aber im Frühjahr oder im frühen Herbst ist es ein Erlebnis. Während über mir das Firmament glitzert, liege ich im warmen Wasser und lasse Gedanken treiben. Neben mir zwei Frauen, eine aus den Niederlanden, eine aus den USA. Sie haben sich erst an diesem Abend kennengelernt und stellen nach zwanzig Minuten fest, dass es sich anfühlt, als würden sie sich seit Jahren kennen. Zum Abschied umarmen sie sich.
Zwischen Wandern und Waldbaden
Das könnte überall passieren. Könnte. Aber hier, im Miramonti, mit dem leichten Dampf über dem Wasser, dem Duft des Walds, der kühlen Luft auf den Schultern, entsteht eine ganz eigene Stimmung. Die Ruhe wirkt ansteckend. Niemand spricht laut, niemand stört. Alles folgt einem Rhythmus, der sich fast unmerklich einstellt.
Zwischen Spa, Waldwegen und Rückzugsorten vergeht die Zeit unbemerkt. Ich lese, ich wandere, ich liege einfach nur da. Genau diese Mischung aus Aktivsein und Nichtstun macht den Reiz aus. Wer möchte, schließt sich geführten Touren an, entdeckt Trails oder probiert Waldbaden. Wer nicht, bleibt sitzen und lässt los.
Essen mit Niveau im Miramonti
Abends zeigt sich das Miramonti von seiner kulinarischen Seite. Drei Restaurants, drei Stimmungen. In der Osteria Montana stehen regionale Produkte und mediterrane Leichtigkeit im Mittelpunkt. Die Gerichte sind präzise, klar, mutig, ohne laut zu sein. In der Stube wird es alpiner. Speckknödel, Raclette, Südtirol pur. Wenige Tische, viel Atmosphäre. Ein Ort, an dem Gespräche länger werden. Das Panorama-Restaurant verbindet hochwertige Produkte mit einer reduzierten, sehr feinen Handschrift. Essen wird hier Teil des Gesamterlebnisses.
Ein fester Termin in der Woche ist die Weinverkostung mit Gastgeber Klaus Alber. Geschichten über regionale Weingüter, sorgfältig ausgewählte Flaschen, dazu der Blick in die Berge. Kein Vortrag, keine Inszenierung, kein Kaufdruck. Einfach geteilte Leidenschaft. Genau das macht den Unterschied.
Als ich abreise, nehme ich erstaunlich wenig Konkretes mit. Keine To-do-Liste, keine Sehenswürdigkeiten, die abgearbeitet wurden. Stattdessen bleibt ein Gefühl. Von Ruhe, von Geschmack, von einem Ort, der nicht laut
wirbt, sondern leise wirkt. »Hard to find. Hard to forget.« Stimmt. Und genau deshalb wirkt das Miramonti lange nach. Wobei, ganz ohne Souvenir bin ich nicht gefahren. Ein Sack Kaffee musste mit in den Koffer. So begleitet mich dieses Haus jeden Morgen. Und wenn der leer ist? Dann fahre ich einfach wieder hin.
Hotel Miramonti
St. Kathreinstraße/Via S. Caterina 14
39010 Hafling/Avelengo, Meran, Südtirol
www.hotel-miramonti.com
Wer es wider Erwarten doch aus dem Hotel schafft, liest vorher unsere Tipps für Meran.






