Mit dem Zug nach London reisen – lohnt sich das? Falls du dir diese Frage gerade stellst, bist du hier genau richtig. Wir wissen, von wo du abfahren kannst, welche Sicherheitsvorkehrungen im Eurostar gelten und wie viel der Spaß kostet. Und vor allem, ob die Reise nach London mit dem Zug besser ist als mit dem Flugzeug. Tickets, please!
Seit 1994 sind Großbritannien und Frankreich durch den gut 50 Kilometer langen Eurotunnel verbunden. Seitdem können Menschen mit dem Auto oder mit der Bahn trockenen Fußes zwischen den beiden Ländern verkehren. Und dieses Angebot wird auch heute noch fleißig in Anspruch genommen: Seit seiner Inbetriebnahme sind 400 Millionen Passagiere mit der Bahn durch den Tunnel gefahren, 2025 war mit 20 Millionen Bahnreisenden das bisherige Rekordjahr. Irgendetwas muss also dran sein.
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Der Betreiber Eurostar ist in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Deutschland tätig. Doch »nur« zwei Verbindungen führen ohne Umstiege bis in die britische Hauptstadt: von Paris und von Brüssel aus, sie dauern je rund zwei Stunden. Wer aus Deutschland reisen möchte, fährt entweder selbstständig in einen der beiden Orte und steigt dort um, oder bucht direkt über den Anbieter eine Verbindung mit Umstieg in Brüssel. Die von Eurostar in Deutschland betriebene Strecke führt von Dortmund über Essen, Duisburg, Düsseldorf, Köln und Aachen nach Belgien, zum Bahnhof Brüssel Midi.
Im Dezember 2025 gaben Eurostar und die Deutsche Bahn bekannt, dass sie an einer Direktverbindung aus Deutschland nach London arbeiten. Die soll aber frühestens in den frühen 2030er-Jahren anlaufen. Bis dahin heißt es: Umsteigen.
Wie viel kostet der Zug nach London?
Jetzt geht’s ans Eingemachte. Was kostet die Reise? Die ernüchternde Wahrheit zuerst: So pauschal lässt sich das nicht sagen. Das Preisangebot des Betreibers Eurostar ist dynamisch. Für die Reise Köln–Brüssel werden im Tarif »Standard« Preise ab 19 Euro aufgerufen, für Brüssel–London werden dann noch einmal mindestens 80 Euro fällig. Wenn wir beim Beispiel Köln bleiben, geht unter 99 Euro ganz offiziell also nichts. In den Tarifen »Plus« und »Premier« wird es noch einmal teurer.
Das sind aber erst einmal nur die Preise auf dem Papier. Denn wie so oft beim Reisen lohnt sich das frühe Buchen. Der Betreiber Eurostar wendet, wie Fluggesellschaften auch, »Dynamic Pricing« an. Je näher der Reisetermin an der Buchung liegt, und je stärker die Verbindung bereits gebucht wurde, umso höher fällt der Preis aus. Wer hingegen früh bucht, kann durchaus für unter 100 Euro nach London kommen. Oft sogar ein gutes Stück unter den oben angepeilten 99 Euro. Dafür büßen Frühbucher allerdings die Flexibilität ein.
Immerhin können die Tickets im Tarif »Standard« und »Plus« bis zu sieben Tage vor Abreisedatum gegen eine Gebühr von 25 Euro pro Person und Reiseabschnitt umgetauscht werden. Im Tarif »Premier« erfolgt der Umtausch der Tickets bei Nichtantritt der Reise sogar bis zu 48 Stunden nach der ursprünglichen Abfahrt, ohne zusätzliche Gebühr.
Wichtig außerdem: Die Tickets für den Eurostar sind in der Regel bis zu sechs Monate im Voraus buchbar. Wer die Freigabe neuer Tickets – und damit die Chance auf günstige Preise – nicht verpassen will, abonniert am besten den Newsletter des Anbieters. Über den gibt es eine Mitteilung, wann neue Tickets zum Verkauf stehen.
Welche Tarife gibt es im Eurostar?
Wie bereits angeklungen, bietet der Eurostar die Reise nach London in drei Tarifen an: »Standard«, »Plus« und »Premier«. Die unterscheiden sich vor allem durch die Breite der Sitze (in der Tat sind die »Standard«-Sitze etwas schmaler als beispielsweise in der 2. Klasse eines ICE), die Möglichkeit zur Ticketerstattung sowie ein Menü am Platz auf der Reise nach London in den Tarifen »Plus« und »Premier«. Im Tarif »Premier« dürfen Reisende zudem drei statt der üblichen zwei großen Gepäckstücke mit sich führen, haben Priorität an den Ticketschleusen Richtung London, und in London, Paris und Brüssel Zugang zu einer eigenen Lounge.
Wie viel Gepäck darf mit in den Eurostar?
Beim Thema Gepäck spielt die Zugverbindung ihre große Stärke aus. Denn während beim Flug Richtung Wochenendtrip im Idealfall alles ins genauestens abgemessene Handgepäck passen sollte, können Reisende im Eurostar zwei große Gepäckstücke (85 cm x 85 cm x 36 cm, max. 30 kg) und ein Handgepäckstück mit sich führen. Größere Koffer werden auf der Fahrt eigenständig in den Gepäckfächern am Einstieg verstaut, kleinere Koffer, Rucksäcke oder Reisetaschen passen in die Fächer über den Sitzen.
- Foto: John Adrian / Eurostar
- Foto: Koray Firat / Eurostar
Was darf ins Gepäck im Eurostar?
Auch die Sicherheitsvorkehrungen für das mitgeführte Gepäck sind entspannter als beim Fliegen. So gelten keinerlei Flüssigkeitsbeschränkungen, Kosmetik- und Hygieneartikel müssen nicht in einem verschließbaren Plastikbeutel gesammelt werden. Und auch die Lieblingslimo und das Butterbrot dürfen mit auf große Fahrt. Einzige Einschränkung: Alkohol darf an Bord nur in festgelegten Mengen konsumiert werden. Das sind entweder vier Flaschen oder Dosen Bier à 440 Milliliter oder eine Flasche Wein à 750 Milliliter pro Reisendem.
Ansonsten gelten Verbote vor allem für Waffen, Sprengstoff, scharfe und anderweitig gefährliche Gegenstände sowie illegale Drogen. Sportwaffen, Kochmesser und ähnliche Gegenstände müssen vorab registriert werden. Für Über- und Sperrgepäck, Sportgeräte oder empfindliche Gegenstände, wie etwa Musikinstrumente, sollte ebenfalls vorab der Betreiber kontaktiert werden. Eine komplette Übersicht gibt es hier auf der Website von Eurostar.
Welche Dokumente sind bei der Einreise nach Großbritannien nötig?
Seit dem 25. Februar 2026 können EU-Bürger nur noch mit einer vorab beantragten ETA (electronic travel authorisation) sowie einem gültigen Reisepass nach Großbritannien einreisen. Ein Personalausweis ist nicht ausreichend. Die ETA ist allerdings in wenigen Minuten online beantragt und kostet umgerechnet etwa 20 Euro. Abgefragt werden persönliche Daten und der Grund der Reise, außerdem muss der Reisepass hochgeladen und zusätzlich ein Foto zum Abgleich gemacht werden. Ab Bestätigung ist die ETA für zwei Jahre gültig, innerhalb derer sich der Inhaber für bis zu sechs Monate in Großbritannien aufhalten kann. Ein gesondertes Dokument muss nicht mitgeführt werden, stattdessen wird der Reisepass bei der Einreisekontrolle digital abgeglichen. Hier geht es zum Antrag auf der offiziellen Website der britischen Einreisebehörde.
Wie laufen Einreise- und Sicherheitskontrolle ab?
Für Reisende aus Deutschland erfolgt die Einreisekontrolle am Bahnhof Brüssel Midi. Die beiden Gleise Richtung London sind mit dem Schild »Channel Terminal« gekennzeichnet. Nach Aufruf der Reise (in der Regel eine halbe bis ganze Stunde vor Abfahrt, genauere Angaben liefert das digitale Ticket) geht es zunächst durch eine Sicherheitsschleuse. Hier kommen das gesamte Gepäck sowie am Körper geführte Gegenstände aufs Band, inklusive Gürtel, Armbanduhren und anderweitiger Schmuck. Die anschließende Passkontrolle erfolgt an der automatisierten Schleuse mit einer etwaigen persönlichen Kontrolle. Dann halten sich die Reisenden im Eurostar-Terminal auf, bevor der jeweilige Zug tatsächlich aufgerufen wird. In London selbst kann es dann nochmals zu vereinzelten Gepäckkontrollen kommen, die meisten Reisenden werden jedoch durchgewunken. Auf der Rückfahrt wiederum erfolgt die Einreise in die EU bereits in London.
Was ist Eurostar Snap?
Wer besonders spontan unterwegs ist, sollte ein Auge auf das Angebot »Snap« werfen. Noch freie Sitze der nächsten 14 Tage werden zu besonders günstigen Konditionen angeboten. Der Fahrgast bucht für einen Tag das vergünstigte Ticket, erfährt dann aber erst 48 Stunden vor Abreise, um wie viel Uhr genau der Zug abfährt. Ein gewisses Maß an zeitlicher Flexibilität ist also erforderlich.
Jeden Tag werden die Snap-Tickets für den Reisetag in jeweils 14 Tagen freigegeben. Sollte ein Zug dann aber ohnehin schon ausgebucht sein – etwa in der Hauptsaison – dann gibt es eben auch keine Snap-Tickets. Außerdem können nur Direktverbindungen gebucht werden, beispielsweise von Köln nach Paris oder von Brüssel nach London. Für eine Reise mit notwendigem Umstieg ist das Angebot also eher riskant, für einen spontanen Städtetrip nach Paris oder Brüssel hingegen wunderbar geeignet.
Wie lange dauert die Fahrt mit dem Zug von Eurostar nach London?
Wer die Reise über Eurostar direkt bucht, hat von Deutschland aus in der Regel mindestens 90 Minuten Aufenthalt in Brüssel, manchmal sogar zwei volle Stunden. Gemeinsam mit der Fahrtzeit von je zwei Stunden von Köln nach Brüssel und dann noch einmal nach London macht das auf der Strecke Köln–London eine Reisezeit von fünf bis sechs Stunden. Die Ankunft in London erfolgt am Bahnhof St Pancras, also wirklich mitten in der Stadt, mit direkter Anbindung an die Tube. Die Rückreise kann in einigen Verbindungen dann auch mit Transfer in Brüssel in nur gut 20 Minuten gebucht werden. Achtung, mit großem Gepäck kann das schon sportlich sein, aber mit etwas Tempo machbar. Wer den Anschluss verpasst, guckt allerdings in die Röhre. Eine Ersatzverbindung gibt es nur, wenn der Anschluss aufgrund von Verspätung verpasst und die gesamte Reise als eine Verbindung gebucht wurde.
Zum Vergleich: Ein Flug vom Flughafen Köln/Bonn nach London-Stansted dauert 80 Minuten, dazu kommen aber bis zu zwei Stunden Aufenthalt am Flughafen plus die Fahrt vom Flughafen ins Londoner Zentrum, also noch einmal eine gute Stunde zusätzlich (von Heathrow dauert es »nur« 45 Minuten mit der Bahn). Macht in Summe gut vier bis fünf Stunden Reise. Damit wirkt die Zeitersparnis dann schon nicht mehr so groß.
Lieber mit dem Zug oder dem Flugzeug nach London?
Am Ende ist das also, wie so oft, eine Frage der persönlichen Präferenz. Die Reise mit dem Zug nach London ist einerseits etwas unflexibler und, je nach Buchung, potenziell auch teurer als der Flug. Andererseits ist die Zugfahrt komfortabler und in Sachen Gepäck und Sicherheit auch unkomplizierter als der Flug nach London. Hinzu kommt der weitaus geringere CO2-Ausstoß, den die Zugfahrt erzeugt. Und am Ende ist es vielleicht auch einfach mal aufregend, durch den längsten Unterwassertunnel der Welt zu düsen. Der Weg ist schließlich das Ziel.
- Alle Informationen zum Eurostar gibt es hier auf der Website des Anbieters.
- Welche Städte in Europa aus Deutschland mit unterschiedlichen Nachtzügen zu erreichen sind, haben wir hier aufgeschrieben.
- Und hier verraten wir, welche Orte und Sehenswürdigkeiten bei einem London-Trip auf jeden Fall ins Programm gehören.










