Nox verspricht eine neue Art, nachts zu reisen: mit eigenem Rückzugsort für jeden Gast und einem Service, den das Unternehmen am Boutique-Hotel ausrichtet. Damit tritt das Start-up gegen einen etablierten Anbieter an, denn auch die ÖBB schicken ihren Nightjet zwischen Hamburg und München über Nacht. Ganz eingelöst ist das Nox-Versprechen zum Start allerdings noch nicht. Die Zimmer mit Bett, mit denen das Start-up seit 2025 wirbt, kommen erst 2029. Bis dahin reisen die Gäste in sogenannten Suites.
Abends los, morgens mitten in der Stadt
Zum Start fährt der Zug dreimal pro Woche in jede Richtung. Alle Halte liegen an den Hauptbahnhöfen, also mitten in den Städten.
- Richtung Süden: Hamburg ab 21:22 Uhr, Bremen 22:30 Uhr, Augsburg 7:35 Uhr, München an 8:14 Uhr
- Richtung Norden: München ab 21:20 Uhr, Augsburg 21:51 Uhr, Bremen 7:20 Uhr, Hamburg an 8:27 Uhr
Elf Stunden ist der Zug unterwegs, deutlich länger als der ICE am Tag. Für einen Nachtzug ist das ein angenehmes Maß: Die Abfahrt liegt nach dem Abendessen, die Ankunft nach einer vollen Nacht. Wer in München um kurz nach acht aussteigt, steht eine Viertelstunde später auf dem Marienplatz, während die Stadt gerade aufwacht. Flughafentransfer und Sicherheitskontrolle entfallen, eine Hotelnacht ebenfalls. Für ein verlängertes Wochenende bleibt so ein voller Tag mehr in der Stadt.

Foto: Richard Lohs
Auch Bremen und Augsburg rücken damit näher. Beide Städte fehlen bislang auf vielen Fernverbindungen, mit Nox erreichen Hamburger und Münchner sie jetzt bequem über Nacht.
Die Nox Suite: ein eigenes Reich hinter der Schiebewand
Wer im klassischen Nachtzug gereist ist, kennt das Liegewagenabteil mit vier oder sechs Fremden. Nox geht einen anderen Weg. Jeder Gast bekommt eine eigene »Nox Suite«, abgeschirmt durch seitliche Trennwände und eine Schiebewand, die sich zum Gang hin schließen lässt. Der Sitz umschließt den Reisenden wie in der Business Class eines Langstreckenfliegers. Am ausklappbaren Tisch lässt es sich abends noch lesen, essen oder schreiben, Steckdosen liegen in Reichweite, und auch großes Gepäck findet Platz.

Foto: Max Kissler
Zur Nacht verwandelt sich der Sitz in eine zwei Meter lange Liegefläche entlang des Fensters. Topper, Kissen und Decke liegen nach aktuellem Stand bereit. Draußen ziehen die Lichter der Lüneburger Heide und später die dunklen Hügel Frankens vorbei, bis der Zug am Morgen durch Schwaben rollt.
Einen Speisewagen gibt es nicht. Das Frühstück kommt direkt an die Suite, und auch abends serviert das Bordteam Speisen und Getränke am Platz. Wer morgens nicht vom Bremsen geweckt werden will, bucht einen Weckservice dazu.
Was an Bord fehlt
Ihre Herkunft können die Waggons nicht ganz verleugnen. Nox hat ausgemusterte Intercity-Wagen der Deutschen Bahn umgebaut, und deren Grundriss bleibt. Pro Waggon gibt es zwei Toiletten, Waschräume oder Duschen gibt es keine. Nox will deshalb künftig Duschen am Zielort über die eigene Plattform vermitteln, ebenso Hotelzimmer zum Frischmachen. Wer nach der Ankunft direkt ins Museum oder zum Brunch will, plant für die Morgentoilette besser einen Zwischenstopp ein.
Paare reisen zum Start in zwei getrennten Suites. Ein gemeinsamer Raum gehört erst zur nächsten Generation der Nox-Züge.
Die Zimmer kommen 2029
Im Juni 2025 kündigte Nox für 2027 noch Nachtzüge mit vollständig privaten Räumen an, mit langen Betten, separaten Sitzen und Platz zum Aufstehen. Auf Nachfrage von reisen EXCLUSIV erklärt das Unternehmen, warum es länger dauert. Die Zimmer sollten ursprünglich ebenfalls in umgebauten Waggons entstehen. Inzwischen setzt Nox auf fabrikneue Wagen, um bei der Qualität keine Kompromisse einzugehen. Das verschiebt den Start der »Nox Rooms« auf 2029.

Foto: Nox
Die Entwürfe klingen vielversprechend. Im »Single Loft« für eine Person liegt das Bett wie eine kleine Empore über dem Gang, die Nacht kostet ab 79 Euro. Für zwei Personen plant Nox den »Doppel-Loft« und den »Doppel-Vista«, in dem die Betten übereinander liegen, jeweils ab 149 Euro. Erste Prototypen sind nachtzugtypisch kompakt, bieten im Sitzen und Liegen aber genug Raum. Für Paare dürfte das die eigentlich interessante Variante werden, und der Aufpreis gegenüber zwei Suites fällt moderat aus.
Nox oder Nightjet?
Wer heute nachts zwischen Hamburg und München reisen will, steigt in den Nightjet der ÖBB. Laut dem Portal nachtzug.net startet er in Hamburg um 19:55 Uhr und erreicht München um 6:13 Uhr, nach gut zehn Stunden Fahrt. Wer lieber nach dem Abendessen losfährt und nicht im Morgengrauen auf dem Bahnsteig stehen will, ist mit den späteren Zeiten von Nox besser bedient.

Foto: Max Kissler
Beim Komfort hat der Nightjet derzeit die Nase vorn. Auf der Strecke fährt die neue Nightjet-Generation mit mehreren Komfortstufen. Die oberste Kategorie ist ein geräumiges Schlafabteil für eine oder zwei Personen mit eigener Nasszelle samt WC und Dusche. Genau das bietet Nox frühestens 2029. Auch Hundebesitzer finden beim Nightjet eine Lösung: Hunde reisen dort mit, sofern ihre Halter ein ganzes Abteil buchen.
Die Stärke von Nox liegt im Preis und in der Privatsphäre für Alleinreisende. Für 65 Euro gibt es einen abgeschirmten Platz mit Liegefläche und Frühstück, ohne Abteilnachbarn. Wer allein reist und auf die Dusche verzichten kann, findet bei Nox ein attraktives Angebot. Wer zu zweit reist oder morgens frisch aus der eigenen Kabine steigen will, bucht bis auf Weiteres beim Nightjet.
Unsere Einordnung
Nox wagt sich an ein schwieriges Geschäft. Nachtzüge kosten im Betrieb mehr als Tageszüge, und Billigflüge setzen die Preise unter Druck. Das Start-up finanziert sich bislang über eine erste Runde von zwei Millionen Euro, für eine Bahngesellschaft ein überschaubares Budget. Der Start mit umgebauten Waggons ist deshalb nachvollziehbar. Ob die Zimmer 2029 tatsächlich rollen, hängt nach unserer Einschätzung von der nächsten Finanzierung ab.
Hinter Nox stehen drei Gründer mit Bahnerfahrung und Unternehmergeist. Thibault Constant kennen viele Bahnfans als »Simply Railway« von YouTube und Instagram, er hat nach eigenen Angaben über 400 Nachtzugfahrten hinter sich. Janek Smalla hat FlixTrain mit aufgebaut, Artur Hasselbach gründete das Fintech orderbird mit. Gefahren wird der Zug von einem erfahrenen Bahnunternehmen, das Bordpersonal stellt Nox selbst.

Foto: Max Kissler
Wer bisher zwischen Hamburg und München geflogen ist oder den Tag im ICE verbracht hat, bekommt mit der Suite eine reizvolle Alternative: mehr Privatsphäre als im Liegewagen, Frühstück am Platz und ein gewonnener Tag am Ziel. Wer Wert auf ein richtiges Bett und eine Dusche legt, wartet auf die Rooms.
Zum Start noch eingeschränkt ist das Angebot für Reisende mit eingeschränkter Mobilität: Vollständig barrierefreie Waggons gibt es vorerst nicht, einzelne Suites bieten aber einen erleichterten Zugang. Haustiere reisen voraussichtlich anfangs noch nicht mit. Tickets gibt es auf noxmobility.com.


