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Jamaika

Die Rastafari-Bewegung aus Jamaika kurz erklärt

Dreadlocks, Reggae, rot-gelb-grüne Mützen und eine Wolke Ganja – so stellen sich viele die Rastafari vor. Spätestens seit Bob Marley ist die Bewegung aus Jamaika weltweit bekannt, doch kaum jemand weiß, woran Rastas eigentlich glauben. Wer ist der Kaiser, den sie als Messias verehren? Warum schneiden sie sich die Haare nicht? Und rauchen wirklich alle Marihuana? reisen EXCLUSIV erklärt, was hinter der Rastafari-Bewegung aus Jamaika steckt.

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Eines möchten wir direkt klarstellen: Rastafari sind keine bloßen Musikfans oder Dauerkiffer, sie sind Gläubige. Die Rastafari-Bewegung entstand in den 1930er-Jahren im kolonialen Jamaika und verbindet Lehren der Bibel, vor allem des Alten Testaments, mit panafrikanischem Gedankengut. Sie hat christliche Wurzeln, versteht sich aber als eigenständige Glaubensrichtung ohne zentrale Kirche und mit mehreren Strömungen. Bei der Volkszählung 2011 bekannten sich 29.026 Menschen zu Rastafari – rund ein Prozent der damals knapp 2,7 Millionen Einwohner in Jamaika. Fachleute gehen von deutlich mehr Anhängern aus, weil viele Rastas staatlichen Erhebungen misstrauen.

Was ist Rastafari? Glaube statt Klischee

Im Mittelpunkt des Glaubens steht Ras Tafari Makonnen, der 1930 als Haile Selassie I. zum Kaiser von Äthiopien gekrönt wurde und dem die Bewegung ihren Namen verdankt. Viele Rastafari verehren ihn als Wiederkunft Christi und als Verkörperung Gottes, den sie »Jah« nennen. Manche Gruppen sehen in ihm die dritte Erscheinung Gottes auf Erden – nach Melchisedek, dem biblischen König von Salem, und Jesus. Vom Messias erhofften sich die Gläubigen, dass er die Nachfahren versklavter Afrikanerinnen und Afrikaner aus der Karibik nach Afrika zurückführt, körperlich oder zumindest spirituell. Als gelobtes Land gilt Äthiopien, das biblische »Zion«. Haile Selassie selbst war äthiopisch-orthodoxer Christ und hielt sich überlieferten Aussagen zufolge nicht für göttlich. Er starb 1975.

Rastafari-Flagge in Rot, Gelb und Grün mit einem Löwen

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Rastafari im Alltag: Löwe, Ital-Küche und heiliges Kraut

Die äthiopische Kaiserflagge war grün, gelb und rot gestreift und zeigte den Löwen von Juda – bis heute die Farben und das Symbol der Rastafari. Viele Rastas leben naturverbunden und lehnen den westlich geprägten Kapitalismus ab, den sie als »Babylon« bezeichnen. Ihre Ernährung folgt oft dem Prinzip »Ital«: möglichst natürlich und unverarbeitet, häufig vegetarisch oder vegan. Schweinefleisch ist tabu, viele verzichten auch auf Salz und Alkohol. Pflanzliche Heilmittel spielen ebenfalls eine große Rolle, begründet wird all das mit Bibelstellen.

Marihuana, auf Jamaika »Ganja« genannt, gilt als heiliges Kraut und wird zur Meditation und bei Ritualen geraucht. Als Beleg dienen Bibelverse wie Psalm 104,14, in dem von Kraut »zum Nutzen der Menschen« die Rede ist. Eine Pflicht ist der Konsum aber nicht: Nicht alle Rastafari rauchen Ganja. Dreadlocks und lange Bärte gehen auf das Nasiräer-Gelübde aus dem Alten Testament zurück, nach dem das Haar nicht geschnitten werden soll (4. Mose 6,5). Zugleich erinnern sie an die Mähne des Löwen.

Marihuana gilt in der Rastafari-Bewegung als heiliges Kraut zur Meditation

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Bob Marley, Rastafari und der Reggae

Bob Marley wandte sich Ende der 1960er-Jahre dem Rastafari-Glauben zu und schloss sich später der Strömung »Twelve Tribes of Israel« an. 1977 wurde bei ihm ein bösartiges Melanom unter einem Zehennagel entdeckt. Die von Ärzten empfohlene Amputation des Zehs lehnte er ab – auch aus religiösen Gründen, denn viele Rastas betrachten den Körper als unantastbar. Der Krebs breitete sich aus. Zuletzt ließ sich Marley unter anderem in einer Klinik in Rottach-Egern am Tegernsee behandeln. Er starb am 11. Mai 1981 mit nur 36 Jahren in Miami.

Gemeinsam mit »The Wailers« prägte Marley den Reggae, der Ende der 1960er-Jahre aus Ska und Rocksteady hervorging, und verhalf ihm zu weltweiter Berühmtheit. Doch nicht alle Reggae-Künstler sind Rastafari – und umgekehrt. Manche Rastas stehen kommerzieller Reggae-Musik kritisch gegenüber und pflegen stattdessen die traditionelle Nyabinghi-Trommelmusik.

Rastafari-Musiker mit Gitarre

Foto: Jonathan Borba

Kritik an der Rastafari-Szene: Homophobie und Sexismus

Leider gerät die Szene immer wieder in negative Schlagzeilen, vor allem wegen offen ausgelebter Feindseligkeit gegenüber Homosexuellen. In Jamaika ist Sex zwischen Männern nach einem Gesetz aus der britischen Kolonialzeit bis heute strafbar, es drohen bis zu zehn Jahre Haft. 2023 wies der Oberste Gerichtshof eine Klage gegen das Gesetz ab. Homophobe Einstellungen sind in der jamaikanischen Gesellschaft weit verbreitet – auch unter vielen Rastafari, die sich dabei auf Bibelzitate berufen. Besonders in der Kritik stehen Reggae- und Dancehall-Songs, die zu Gewalt gegen homosexuelle Männer aufrufen. Einige ihrer bekanntesten Interpreten bekennen sich zu Rastafari. Internationale Kampagnen wie »Stop Murder Music« sorgten ab den 2000er-Jahren für zahlreiche Konzertabsagen.

Auch das Frauenbild in der stark männlich geprägten Bewegung steht in der Kritik. In traditionellen Strömungen sollen sich Frauen dem Mann unterordnen, teils gelten strenge Regeln für Kleidung oder während der Menstruation. Seit einigen Jahrzehnten fordern Rastafari-Frauen jedoch zunehmend mehr Gleichberechtigung ein.

Foto von Bob Marley aus der Rastafari-Bewegung

Foto: Bill Fairs

Weitere Infos zu Jamaika

Wer mehr über die Heimat der Rastafari und des Reggae erfahren möchte, findet alles Wichtige in unseren Reise-Tipps zu Jamaika.

Die jamaikanische Küche ist spicy. Mehr dazu lest ihr in unserem Artikel über karibische Spezialitäten aus Jamaika.

Zu Besuch auf der Insel: Unsere Jamaika-Reisereportage nimmt euch mit.

Kennt ihr die Blue Mountains, in denen einer der besten Kaffees der Welt wächst? Mehr erfahrt ihr in unserem Beitrag über die Blue Mountains in Jamaika.

alter Bus vor Palmen und Meer in Jamaika in der Karibik

Foto: Rock Staar

Häufige Fragen

Was bedeutet der Name Rastafari?
»Ras« ist ein äthiopischer Adelstitel, vergleichbar mit Fürst oder Herzog. »Tafari« war der Geburtsname von Haile Selassie und bedeutet etwa »der Respektierte«.
Wer hat die Rastafari-Bewegung gegründet?
Als einer der ersten Prediger gilt Leonard Howell, der ab 1932 in Jamaika Haile Selassie als Messias verkündete und 1940 mit Pinnacle die erste Rasta-Siedlung gründete. Als wichtiger Vordenker gilt der jamaikanische Panafrikanist Marcus Garvey, der selbst jedoch nie Rastafari war.
Was ist der Grounation Day?
Am 21. April 1966 besuchte Haile Selassie Jamaika. Tausende Rastafari empfingen ihn am Flughafen von Kingston. Der Tag wird bis heute als Grounation Day gefeiert und gilt als einer der wichtigsten Feiertage der Bewegung.
Was ist Shashamane?
Shashamane ist eine Stadt rund 250 Kilometer südlich von Addis Abeba in Äthiopien. Haile Selassie stellte dort Ende der 1940er-Jahre Land für Rückkehrwillige aus der afrikanischen Diaspora bereit. Bis heute lebt dort eine Rastafari-Gemeinde.
Ist Cannabis für Rastafari in Jamaika legal?
Seit 2015 ist der Besitz von bis zu zwei Unzen (etwa 56 Gramm) Cannabis in Jamaika nur noch eine Ordnungswidrigkeit. Rastafari dürfen Ganja zudem offiziell zu religiösen Zwecken verwenden.
Welche Strömungen gibt es bei den Rastafari?
Die drei bekanntesten Gruppen, »Mansions« genannt, sind die Nyabinghi als älteste Strömung, die streng lebenden Bobo Ashanti mit ihren typischen Turbanen und die 1968 gegründeten Twelve Tribes of Israel, deren Mitglieder sich nach ihrem Geburtsmonat einem der zwölf Stämme Israels zuordnen.
Was bedeutet »I and I«?
Mit »I and I« sprechen Rastafari von sich selbst oder einer Gruppe. Der Ausdruck betont die Einheit der Menschen untereinander und mit Gott. In der Rasta-Sprache werden viele Wörter mit »I« umgeformt, ein bekanntes Beispiel ist »Irie« für »gut« oder »alles in Ordnung«.
Marie Tysiak
Ihren ersten Gipfel erklomm Marie im Himalaya in Nepal, weitestgehend ungeplant. Seither sind einige Berge hinzugekommen, besonders Vulkane haben es ihr angetan. Je abenteuerlicher der Aufstieg, je mehr Adrenalin involviert, je zerklüfteter der Weg erscheint, desto besser! Hoch über den Wolken, aus eigener Kraft hinaufgeschleppt, das ist für Marie Urlaub.