Foto: Aleksandar Milutinović
Serbien

Serbien: Dieses Land wird noch immer unterschätzt

Serbien gehört noch immer zu den Ländern Europas, die viele bei der Urlaubsplanung übersehen. Dabei liegen zwischen der lebhaften Hauptstadt Belgrad, den Weinbergen der Vojvodina und den Schluchten Zentralserbiens erstaunlich unterschiedliche Landschaften und Kulturräume. Eine Rundreise zeigt ein Land, das sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Gerade das macht seinen Reiz aus.

Start der Serbien Rundreise: Belgrad

Der beste Auftakt für eine Rundreise durch Serbien ist Belgrad. Serbiens Hauptstadt liegt am Zusammenfluss von Save und Donau und präsentiert sich als Mischung aus prächtigen Altbauten, sozialistischer Architektur, neuen Hochhäusern und viel Grün.

Einen guten Eindruck von der Stadt vermittelt ein Spaziergang durch das Zentrum. Die Knez Mihailova führt hinauf zum Kalemegdan und zur Belgrader Festung. Von dort öffnet sich der Blick über Save und Donau. Noch mehr Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Tipps für die serbische Hauptstadt finden sich in unserem ausführlichen Belgrad-Guide.

Jugendstilhotel Moskva in Belgrad

Foto: Chronis Yan

Einen ganz anderen Charakter hat Skadarlija. Kopfsteinpflaster, alte Häuser und traditionelle Kafanas prägen das historische Bohème-Viertel. Besonders am Abend wird deutlich, wie wichtig Essen, Musik und Geselligkeit in Belgrad sind.

Auf den Speisekarten stehen Klassiker wie Pljeskavica, Ćevapčići und Kajmak. Auf den Märkten kommen Ajvar, eingelegte Paprika, Obst, Käse und Slatko hinzu, eine sehr süße Spezialität aus eingekochten Früchten.

Aufgetischt in einer traditionellen Kafanas

Foto: Simone Sever

Am Abend verlagert sich das Leben an die Flüsse und in die Ausgehviertel. Gerade im Sommer kann Belgrad bis tief in die Nacht laut und lebendig sein. Wer anschließend Ruhe sucht, findet sie auf der nächsten Etappe der Rundreise.

Vojvodina: Weinberge, Klöster und weite Landschaft

Nördlich von Belgrad beginnt die Vojvodina. Die autonome Provinz gehört zur Pannonischen Tiefebene und bildet einen starken Kontrast zur Hauptstadt. Felder reichen bis zum Horizont, dazwischen liegen kleine Orte, Weinberge und alte Klöster.

Vojvodina ist die Kornkammer Serbiens

Foto: Mihajlo Stojkovic

Eines der schönsten Ziele ist die Fruška Gora. Der bewaldete Höhenzug südlich von Novi Sad ist Nationalpark und ein beliebtes Gebiet zum Wandern und Radfahren. Zwischen den Wäldern und Weinbergen liegen zahlreiche orthodoxe Klöster.

Zu den bekanntesten gehört Krušedol an den südöstlichen Hängen der Fruška Gora. Das Kloster wurde im frühen 16. Jahrhundert gegründet und später mehrfach verändert und wiederaufgebaut. Im Inneren sind unter anderem Teile älterer Fresken und eine reich verzierte Ikonostase erhalten.

Klosteranlage Krusedol in Serbien

Foto: Vladimir Mijailovic/Shutterstock.com

Auch kulinarisch lohnt sich die Region. Auf den Hängen der Fruška Gora wird seit Jahrhunderten Wein angebaut. Eine Besonderheit ist Bermet, ein aromatisierter Wein, der vor allem mit der Region um Sremski Karlovci verbunden ist.

Irdische Genüsse warten im Perkov Salaš, einem traditionellen serbischen Farmhaus in der Vojvodina. Der Senior des Hauses begrüßt seine Gäste in traditioneller Bauerntracht, mit Brot, Salz und einem Glas Rakija.

In Perkov Sales werden die Gäste mit traditionellen serbischen Spezialitäten begrüßt

Foto: Simone Sever

Im idyllischen Garten ist bereits der Tisch gedeckt. Hund und Katze spielen in der Sonne, die Äste der Birnbäume biegen sich unter den reifen Früchten. Dann wird aufgetischt: Tomatensuppe mit Zucchini-Valjušci, serbische Gnocchi mit säuerlich eingelegtem Futog-Kohl, dazu hausgemachte Würstchen und Tomatensalat. Zum Abschluss folgt Kuchen mit Johannisbrot, begleitet von Bermet, einer regionalen Weinspezialität.

Spätestens hier zeigt sich eine weitere Seite der Rundreise: Serbien beeindruckt nicht nur mit Städten, Klöstern und Landschaften. Das Land schmeckt auch verdammt gut.

Novi Sad: Barock, Donau und Petrovaradin

Novi Sad lohnt auf einer Serbien-Rundreise mehr als nur einen kurzen Zwischenstopp. Die zweitgrößte Stadt des Landes liegt rund 90 Kilometer nördlich von Belgrad an der Donau und wirkt deutlich entspannter als die Hauptstadt. Breite Plätze, Straßencafés und die Architektur der Habsburgerzeit prägen das Zentrum. 2022 trug Novi Sad als erste Stadt Serbiens den Titel Kulturhauptstadt Europas.

Mittelpunkt der Altstadt ist der Trg Slobode, der Platz der Freiheit. Hier stehen das neobarocke Rathaus und die katholische Kirche Mariä Namen mit ihrem hohen Turm. Von dort führt die Fußgängerzone Zmaj Jovina durch das historische Zentrum. Nur wenige Schritte entfernt liegt der Dunavski Park, eine kleine grüne Ruhezone auf dem Weg zur Donau.

Das Wahrzeichen der Stadt erhebt sich auf der anderen Flussseite: die Festung Petrovaradin. Ihre Geschichte reicht weit zurück, ihre heutige Gestalt erhielt die mächtige Anlage vor allem im 18. Jahrhundert unter habsburgischer Herrschaft. Besonders bekannt ist der Uhrturm, bei dem die Zeiger scheinbar vertauscht sind: Der große Zeiger zeigt die Stunden, der kleine die Minuten. So ließ sich die Uhrzeit einst auch aus größerer Entfernung gut erkennen.

Von der Festung öffnet sich einer der schönsten Blicke über Novi Sad. Zu Füßen fließt die Donau, dahinter breitet sich die Stadt aus. Besonders stimmungsvoll ist der Aussichtspunkt am Abend, wenn die Sonne hinter Novi Sad verschwindet und nach und nach die Lichter entlang des Flusses angehen.

Unterhalb der Festung liegt Petrovaradin mit engen Gassen, alten Fassaden und kleinen Ateliers. Einen starken Kontrast dazu bildet das moderne Novi Sad auf der anderen Seite der Donau. Gerade diese Mischung macht die Stadt zu einer der interessantesten Stationen im Norden Serbiens.

Welche Viertel, Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele sich außerdem lohnen, zeigt unser Beitrag über Novi Sad.

Zentralserbien: Durch die Ovčar-Kablar-Schlucht

Nach Belgrad und der Vojvodina verändert sich die Landschaft auf dem Weg nach Süden deutlich. Berge treten näher an die Straßen, Täler werden enger und das urbane Serbien rückt in den Hintergrund.

Besonders eindrucksvoll ist die Ovčar-Kablar-Schlucht westlich von Čačak. Die Westliche Morava windet sich hier zwischen den Bergen Ovčar und Kablar hindurch. An den Hängen liegen mehrere orthodoxe Klöster, weshalb die Gegend gelegentlich als serbischer Athos bezeichnet wird.

Boot auf dem Fluss Moraga in Serbien

Foto: Simone Sever

Zu ihnen gehört das Kloster Nikolje. Es wird erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt und gilt als eines der ältesten Klöster der Schlucht. Das kleine Gotteshaus unterscheidet sich auch architektonisch von vielen anderen serbisch-orthodoxen Klöstern: Es besitzt keine Kuppel.

Kloster Nikolje in Serbien

Foto: Simone Sever

Eine Bootsfahrt auf der Westlichen Morava eröffnet eine andere Perspektive auf die Schlucht. Bewaldete Hänge spiegeln sich im Wasser, kleine Häuser stehen am Ufer, dazwischen tauchen immer wieder Kirchen und Klöster auf.

Spätestens hier zeigt sich, warum sich Serbien für eine Rundreise eignet. Zwischen dem Nachtleben Belgrads, den Ebenen der Vojvodina und den engen Flusstälern Zentralserbiens liegen nur wenige Stunden Fahrt. Die Eindrücke könnten unterschiedlicher kaum sein.

Weitere Infos über Urlaub in Serbien gibt es auf der Website Serbien Travel.

Häufige Fragen

Wie kommt man nach Serbien?
Der schnellste Weg aus Deutschland führt mit dem Flugzeug nach Belgrad. Air Serbia verbindet die serbische Hauptstadt 2026 mit zahlreichen deutschen Städten. Zum Streckennetz gehören unter anderem Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Nürnberg und Stuttgart. Der Flughafen Nikola Tesla liegt westlich des Belgrader Zentrums. Für eine Rundreise bietet sich an, zunächst einige Tage ohne Mietwagen in Belgrad zu verbringen und das Auto erst bei der Weiterfahrt in die Vojvodina oder nach Zentralserbien zu übernehmen. Auch die Anreise mit dem eigenen Auto ist möglich. Dabei führt die Strecke aus Deutschland meist über Österreich und Ungarn oder über Österreich, Slowenien und Kroatien.
Wie bewegt man sich innerhalb Serbiens am besten?
Für eine Rundreise abseits der großen Städte bleibt ein Mietwagen die flexibelste Lösung. Auf serbischen Autobahnen und autobahnähnlichen Straßen wird Maut erhoben. Bezahlt werden kann unter anderem mit Bargeld oder Kreditkarte. Landstraßen können deutlich schlechter ausgebaut und nachts nur unzureichend beleuchtet sein. Für kurze Strecken zwischen den großen Städten gibt es Alternativen. Besonders praktisch ist die Bahnverbindung zwischen Belgrad und Novi Sad. Andere Zugverbindungen sind häufig langsamer. Das Busnetz ist für viele Ziele deshalb weiterhin wichtig. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte außerdem beachten, dass in Serbien ganzjährig auch tagsüber mit Licht gefahren werden muss. Der deutsche Führerschein reicht für einen vorübergehenden Aufenthalt aus.
Was gilt es bei der Einreise nach Serbien zu beachten?
Deutsche Staatsangehörige können für touristische Aufenthalte von bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen ohne Visum nach Serbien reisen. Für die Einreise genügt neben dem Reisepass auch der Personalausweis. Das Dokument muss während des Aufenthalts gültig sein. Serbien gehört nicht zur Europäischen Union und auch nicht zum Schengenraum. Vor der Reise empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die aktuellen Einreise- und Sicherheitshinweise.
Wie wird in Serbien bezahlt?
Die Landeswährung ist der Serbische Dinar, kurz RSD. Der Euro ist kein offizielles Zahlungsmittel. Kreditkarten werden insbesondere in Städten und touristischen Betrieben weitgehend akzeptiert. Für kleinere Restaurants, Märkte oder ländliche Regionen ist etwas Bargeld dennoch sinnvoll.
Wann ist die beste Reisezeit für Serbien?
Für eine Rundreise eignen sich besonders Mai, Juni, September und die erste Oktoberhälfte. Dann sind die Temperaturen meist angenehmer als im Hochsommer und Städte wie Belgrad lassen sich gut mit Ausflügen und Wanderungen verbinden. Die Sommer können heiß werden, während die Winter im kontinental geprägten Serbien kalt ausfallen. Wer vor allem Belgrad und Novi Sad besuchen möchte, kann dagegen nahezu das ganze Jahr reisen.
Was sollte bei einem Urlaub in Serbien aktuell beachtet werden?
In Serbien kann es weiterhin zu Demonstrationen und politischen Protestaktionen kommen. Diese können kurzfristig entstehen und Verkehrsbehinderungen verursachen. Größere Demonstrationen sollten gemieden und vor Ort die aktuelle Nachrichtenlage verfolgt werden. Bei einer Rundreise mit dem Auto können außerdem an den Grenzen längere Wartezeiten entstehen. Vor allem an stark frequentierten Reisetagen lohnt es sich, dafür zusätzliche Zeit einzuplanen.
Simone Sever
Vor allem Big City Lights und Traumhotels locken Simone zu jeder Jahreszeit aus ihrem Hamburger Heimathafen hinaus in die weite Welt. Ob Orient oder Okzident, Nord- oder Südhalbkugel, Ost oder West, kalt oder warm … Wetter ist Nebensache, weiß die Hamburgerin mit Flugangst, denn jeder Ort der Welt hat seine eigene Schönheit. Simones Lieblingsspiel: Ich packe meinen Koffer. Ihr Erkennungszeichen: stets tip top manikürte Nägel. Ihr Motto besonders für Flugreisetage: Vor dem nächsten Traumziel liegt der Weg!