Wandern boomt. Immer mehr Menschen schnüren ihre Schuhe, um Gipfel zu erklimmen, Almen zu entdecken oder einfach die Ruhe der Berge zu genießen. Doch mit der steigenden Zahl an Wanderern wächst auch die Zahl der Unfälle. Oft sind es keine spektakulären Abstürze, sondern vermeidbare Fehler, die einen Ausflug in die Berge abrupt beenden. Eine schlechte Tourenplanung, falsches Schuhwerk oder ein überraschender Wetterumschwung reichen mitunter aus, damit aus einem schönen Wandertag ein Einsatz für die Bergrettung wird.
Genau deshalb setzen Österreichs Wanderdörfer verstärkt auf Aufklärung. Ziel ist es, Wanderer besser auf Touren im alpinen Gelände vorzubereiten und gleichzeitig die Zahl vermeidbarer Notfälle zu senken. Denn wer die Besonderheiten der Berge kennt und seine Tour sorgfältig plant, ist deutlich sicherer unterwegs.

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Die Berge werden oft unterschätzt
Anders als Spaziergänge im Flachland verlangen Wanderungen im Gebirge Kondition, Trittsicherheit und eine realistische Selbsteinschätzung. Schon wenige hundert Höhenmeter können deutlich anstrengender sein als erwartet. Hinzu kommen wechselnde Untergründe, steile Passagen und das Wetter, das sich innerhalb kurzer Zeit komplett verändern kann.
Nach Angaben von Alpenvereinen und Bergrettungen gehören Erschöpfung, Selbstüberschätzung, mangelnde Vorbereitung und ungeeignete Ausrüstung zu den häufigsten Ursachen für Rettungseinsätze. Viele Notfälle ließen sich vermeiden, wenn Wanderer ihre Tour besser planen würden.

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Gute Planung beginnt zu Hause
Die wichtigste Sicherheitsmaßnahme startet lange vor der ersten Steigung. Wer eine Tour auswählt, sollte sich ehrlich fragen, wie fit man ist und ob Strecke, Gehzeit und Höhenmeter zur eigenen Kondition passen. Hilfreich ist außerdem ein Blick auf Wetterbericht, Kartenmaterial und aktuelle Weginformationen. Gerade nach starken Regenfällen oder Unwettern können Wege gesperrt oder schwer passierbar sein. Wer allein unterwegs ist, informiert am besten Angehörige oder Gastgeber über das geplante Ziel und die voraussichtliche Rückkehrzeit.
Digitale Helfer können die Planung erleichtern
Apps wie Bergfex oder die Tourenportale der Alpenvereine liefern aktuelle Tourenbeschreibungen, Höhenprofile und Wetterinformationen. Im Notfall kann die App SOS EU ALP den eigenen Standort an die Rettungskräfte übermitteln. Trotzdem gilt: Eine App ersetzt weder eine sorgfältige Tourenplanung noch die eigene Orientierung. Offline-Karten sollten vor dem Start heruntergeladen werden, da der Mobilfunkempfang in den Bergen lückenhaft sein kann.
Die richtige Ausrüstung entscheidet mit
Nicht jede Wanderung erfordert eine Hightech-Ausrüstung. Einige Dinge gehören jedoch immer in den Rucksack. An erster Stelle stehen knöchelhohe Wanderschuhe mit griffiger Sohle. Turnschuhe bieten auf losem Geröll oder nassen Wurzeln oft zu wenig Halt.

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Ebenso wichtig sind wetterfeste Kleidung, eine leichte Regenjacke, Sonnenschutz, Sonnenbrille und eine Kopfbedeckung. In den Bergen kann es selbst im Hochsommer deutlich kühler werden als im Tal.
Zur Grundausstattung gehören außerdem:
– ausreichend Trinkwasser (je nach Tour mindestens ein bis zwei Liter)
– energiereiche Snacks
– ein kleines Erste-Hilfe-Set
– Notfall-Biwaksack oder eine Rettungsdecke
– vollständig geladenes Mobiltelefon
– Powerbank
– Stirnlampe
– Kartenmaterial oder eine Offline-Navigation
Kaum irgendwo verändert sich das Wetter so schnell wie in den Alpen. Sonnenschein am Morgen ist keine Garantie für einen trockenen Nachmittag. Besondere Vorsicht gilt bei Gewittern. Wer dunkle Wolken bemerkt oder Donner hört, sollte einen Gipfel möglichst gar nicht erst ansteuern oder ihn sofort verlassen. Metallgegenstände, freistehende Bäume und Grate sollten während eines Gewitters gemieden werden.
Im Zweifel gilt: Lieber umkehren als ein unnötiges Risiko eingehen. Der Berg läuft nicht weg.
Diese Fehler passieren besonders häufig
Viele Bergretter erleben immer wieder dieselben Situationen. Dazu gehören Wanderer, die ihre Fitness überschätzen oder zu spät aufbrechen und dadurch erst in der Dunkelheit den Rückweg antreten müssen. Andere verlassen markierte Wege, weil sie eine vermeintliche Abkürzung nehmen möchten. Auch zu wenig Wasser oder fehlender Sonnenschutz führen regelmäßig zu Problemen.
Ein weiterer häufiger Fehler: Viele orientieren sich ausschließlich an der Streckenlänge. Im Gebirge sind jedoch vor allem die Höhenmeter entscheidend. Fünf Kilometer im Gebirge können deutlich anstrengender und zeitaufwendiger sein als zehn Kilometer im Flachland.
Rücksicht auf Tiere und Natur
Wer auf Almen unterwegs ist, sollte ausreichend Abstand zu Weidetieren halten. Kühe wirken oft friedlich, verteidigen jedoch ihre Kälber konsequent. Hunde sollten deshalb stets angeleint bleiben. Kommt es dennoch zu einer bedrohlichen Situation, empfiehlt die Bergrettung, den Hund loszulassen, damit er flüchten kann.

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Ebenso selbstverständlich sollte es sein, ausschließlich auf markierten Wegen zu bleiben. Das schützt nicht nur die empfindliche Natur, sondern verhindert auch, dass Wanderer die Orientierung verlieren. Müll gehört grundsätzlich wieder mit ins Tal. Das gilt auch für Bananenschalen, Taschentücher oder Zigarettenstummel.
Was im Notfall wichtig ist
Kommt es dennoch zu einem Unfall, zählt vor allem Ruhe. Wer Hilfe benötigt, sollte zunächst den eigenen Standort möglichst genau bestimmen.
Der europaweite Notruf 112 funktioniert auch in Österreich. Daneben ist dort die 140 direkt mit der Bergrettung verbunden. Viele Wander-Apps und Smartphones können den Standort inzwischen automatisch übermitteln, was Rettungskräften die Suche erleichtert.
Weitere Informationen hält die Webseite von Österreichs Wanderdörfern bereit.

