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Servicetipps

Sunflower Lanyard am Flughafen: Was das grüne Band mit den Sonnenblumen bewirkt

Für viele Reisende ist der Flughafen mit Stress verbunden. Besonders herausfordernd kann der Betrieb für Menschen mit nicht sichtbaren Einschränkungen sein. An vielen Flughäfen können Betroffene deshalb mit einem grünen Band mit Sonnenblumen zeigen, dass sie etwas mehr Unterstützung benötigen. Alle Infos im Überblick.  

Am Infoschalter liegt ein Stapel grüner Schlüsselbänder, bedruckt mit kleinen gelben Sonnenblumen. Wer eins mitnimmt, muss nichts erklären, nichts vorlegen und nichts bezahlen. Das Band trägt eine einzige Botschaft: Diese Person lebt mit einer Beeinträchtigung, die von außen niemand sieht, und braucht vielleicht etwas mehr Zeit, Geduld oder Hilfe.

Gemeint sind etwa Autismus, ADHS, Epilepsie, Demenz, Angststörungen (Panikattacken beispielsweise), chronische Schmerzen oder eine Hörbeeinträchtigung. Für viele Betroffene wird der Flughafen zur Belastungsprobe: Durchsagen, Gedränge, Zeitdruck an der Sicherheitskontrolle. Das Programm startete 2016 am Flughafen London-Gatwick und hat sich seitdem weltweit verbreitet, heute auch an Bahnhöfen, in Geschäften und öffentlichen Einrichtungen.

Grünes Schlüsselband mit gelben Sonnenblumen, schwarzem Sicherheitsverschluss und silbernem Karabiner vor weißem Hintergrund.

Das Sunflower Lanyard signalisiert eine nicht sichtbare Beeinträchtigung. Foto: Vetre/Shutterstock.com

Im deutschsprachigen Raum hat sich das Netz in den vergangenen anderthalb Jahren deutlich verdichtet. Zuletzt trat der Köln Bonn Airport am 9. Juli 2026 der Initiative bei.

Wo es das Sunflower Lanyard an Flughäfen gibt

Die großen Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz geben das Band kostenlos aus. Die Ausgabestellen unterscheiden sich:

Deutschland

  • Frankfurt
    Seit 1. Januar 2026 an den Service Points in Terminal 1 (Abflug B) und Terminal 3 sowie beim Betreuungsservice FraCareServices. Lufthansa gibt es zusätzlich an ihrem Special-Services-Schalter aus.
  • München
    In Terminal 1 an der Hauptinformation und am Mobility Service Point, in Terminal 2 an den Infoschaltern in Ankunft und Abflug sowie am Mobility Service Point. Lufthansa-Passagiere erhalten es außerdem an Schalter 416 in der Check-in-Halle T2. Auch der Besucherpark gibt das Band aus.
  • Köln/Bonn
    Am Informationsschalter in Terminal 1, kostenlos und ohne Nachweis.
  • Düsseldorf
    An den Informationsschaltern oder bei der Flughafenseelsorge im Terminal.
  • Hamburg
    Im Hamburg Welcome Center im öffentlichen Bereich und am Pier-Informationsschalter, wahlweise als Band oder als Anstecker.
  • Berlin BER
    Reisende fragen einfach nach dem Band, ein Nachweis entfällt.
  • Stuttgart
    Seit April 2025 am Informationsschalter in Terminal 3, Abflug, außerdem beim SAG Boarding Support und bei der Airport Security in Terminal 1 West, Abflug.

Österreich

  • Wien
    Am Informationsschalter im Terminal, wahlweise als Band, Anstecker oder Armband. Austrian Airlines gibt das Symbol auch an Bord aus.

Schweiz

  • Zürich
    An den PRM-Treffpunkten bei Check-in 1 und 2 sowie am Informationsschalter in Ankunft 2.
  • Genf
    In der GVassistance Lounge in Terminal 1.

Auch die Airlines ziehen nach. Austrian Airlines, Eurowings, SWISS und Lufthansa machen mit, bis Ende 2026 sollen alle Airlines der Lufthansa Group folgen. Nach Angaben eines italienischen Fachportals fehlte im Sommer 2026 nur noch ITA Airways. Eine weltweite Übersicht aller teilnehmenden Flughäfen und Unternehmen pflegt die Initiative auf der Website hdsunflower.com.

Wer schon zu Hause vorsorgen will, kann bei der Initiative ein Paket für deutschsprachige Länder bestellen: Band, Anstecker und eine Karte auf Deutsch, die auf die unsichtbare Beeinträchtigung hinweist.

Wer das Band bekommt und wann es sinnvoll ist

Die Hürde liegt bewusst niedrig. Jeder Mensch, der auf eine nicht sichtbare Behinderung oder Erkrankung aufmerksam machen möchte, darf das Band tragen. Frankfurt nennt ausdrücklich auch vorübergehende Einschränkungen, etwa nach einer Operation. Frankfurt, Köln/Bonn, Hamburg, Berlin und Stuttgart verlangen ausdrücklich keinen Nachweis.

Bei Begleitpersonen gehen die Regeln auseinander. Frankfurt wünscht sich ausdrücklich, dass auch Begleiter ein Band tragen, damit das Personal die Reisegruppe auf einen Blick erkennt. Stuttgart gibt das Band ebenfalls an Angehörige und Freunde aus. Heathrow bittet dagegen darum, dass in einer Gruppe nur die Person mit Unterstützungsbedarf das Band trägt.

Den Zeitpunkt bestimmen die Trägerinnen und Träger selbst. Manche legen das Band nur für Check-in und Sicherheitskontrolle an, andere tragen es während der gesamten Reise. Zurückgeben muss es niemand, es gilt auch an allen anderen Orten, die am Programm teilnehmen. Am BER zählt jedes Sunflower-Band, egal wo es ausgegeben wurde.

Was das Band bringt und wo seine Grenzen liegen

An deutschen, österreichischen und Schweizer Flughäfen öffnet das Band keine Abkürzung. Lufthansa stellt klar: Das Band ersetzt weder Begleit- noch Rollstuhlservice und beschleunigt weder Check-in noch Sicherheitskontrolle oder Boarding. Auch in Zürich durchlaufen Trägerinnen und Träger den normalen Prozess, ohne Anspruch auf zusätzliche Dienstleistungen.

Runder weißer Anstecker mit Sonnenblume und der Aufschrift »I support the Sunflower« am Revers eines marineblauen Sakkos mit grauer Krawatte.

Sunflower-Anstecker für geschultes Personal und Unterstützer. | Foto: KI-generiert/ChatGPT

Der Nutzen liegt im Umgang. Geschultes Personal erklärt ruhiger, lässt mehr Zeit und bietet bei Bedarf Hilfe oder ruhigere Wege und Wartebereiche an. Frankfurt verspricht ausdrücklich keine rechtlichen oder finanziellen Vorteile. München geht einen Schritt weiter: Die inklusive Sicherheitskontrolle in Terminal 2 ist ausdrücklich für Sunflower-Reisende ausgewiesen, großzügiger angelegt und schallgedämmt. Einen Anspruch auf Fast Track gibt es aber auch dort nicht. Wer eine durchgehende Begleitung durch das Terminal braucht, meldet weiterhin den Betreuungsservice rechtzeitig bei der Airline an.

Im Ausland sieht das teilweise anders aus. Im türkischen Dalaman verschafft das Band an der Sicherheitskontrolle ausdrücklich Vorrang. Manchester ließ Sunflower-Träger lange über die Familien- und Prioritätsspuren laufen, hat das aber zurückgefahren: Heute dürfen sie jede Spur nutzen, eine bevorzugte Spur ist nicht mehr garantiert. Heathrow gewährt keinen Fast Track. Passagiere hatten zurückgemeldet, dass ihnen die hektische Express-Spur mehr Stress bereitete als die normale.

Erfahrungen von Menschen, die das Sunflower Lanyardgenutzt haben

Die Berichte von Betroffenen reichen von begeistert bis ernüchtert. Eine Australierin mit POTS, einer Kreislaufstörung, schildert ihre erste Reise mit Band. In Adelaide sprach das Personal sie von sich aus an, prüfte ihren Pass außerhalb der Schlange, leitete sie durch die Assistenzspur und ließ sie früher an Bord. Auf Fidschi bot man ihr die beschleunigte Einreise an. Die Familie taufte das Phänomen am Ende »Sunflower Power«.

Junge Person mit weißen Kopfhörern und grünem Sunflower-Lanyard um den Hals steht auf dem Vorfeld vor einem Flugzeugheck und blickt zur Seite.

Foto: Vetre/Shutterstock.com

Phil Angrave, Mitglied einer europäischen Arbeitsgruppe von Menschen mit Demenz, flog mit Band zu einer Konferenz nach Bologna. Heathrow Terminal 5 gab er die volle Punktzahl: klare Beschilderung, ein aufmerksamer Mitarbeiter, eine eigene Sunflower-Spur. In Bologna dagegen reagierte bis zum Gate niemand auf das Band. Auf dem Rückweg musste er sich in Heathrow von einem BA-Piloten mehrfach anhören, er stehe in der falschen Spur.

Ähnlich gemischt klingt es im Forum der britischen National Autistic Society. Ein Nutzer berichtet, dass er in Manchester nur ein Viertel der üblichen Wartezeit an der Sicherheitskontrolle verbrachte, allerdings noch vor der Regeländerung des Flughafens. In Edinburgh bewirkte das Band bei einem anderen Mitglied nach eigener Aussage gar nichts. Aufgefallen sei es nur, als es für den Scanner abgenommen werden musste. In Sydney kannte die Airline-Mitarbeiterin an der Gepäckabgabe das Symbol schlicht nicht, wie eine Reisende im Blog der Initiative schildert. Eine autistische Reisende in Australien kritisiert außerdem schlecht kontrollierte Sunflower-Spuren, die sich mit Passagieren ohne Band füllen und dadurch genau den Stress erzeugen, den sie vermeiden sollen.

Hier setzt die größte Debatte an: Missbrauch

Birmingham verlangt deshalb seit August 2024, dass sich alle Sunflower-Träger vor der Sicherheitskontrolle am Assisted-Travel-Schalter registrieren. Erst dann gibt es einen Anhänger fürs Band. Ein Reisender auf Reddit berichtet, dass man ihm in Dublin am Fast Track nahegelegt habe, statt des Sunflower-Bands das hauseigene Band des Flughafens zu besorgen, das es nur mit Autismus-Diagnose gibt. Damit, schreibt er, verliere ein internationaler Standard seinen Sinn. Dazu kommt eine leise Hemmschwelle. Eine autistische Frau schreibt, wie Bekannte auf einer Party über Sunflower-Träger lachten und ihr damit die Lust am Band nahmen.

Die Zahlen aus der Praxis fallen positiv aus. Zürich hat seit November 2025 fast 700 Bänder ausgegeben und spricht von durchweg guter Resonanz, die SBB verteilten schweizweit über 23.000. In Stuttgart gingen bis Ende 2025 mehr als 1.000 Bänder über den Tresen. In Hamburg überraschte die hohe Nachfrage selbst das Team im Welcome Center.

Der deutschsprachige Raum koppelt das Band konsequent von jeder Abkürzung ab. Das nimmt dem Missbrauch den Anreiz, der in Großbritannien die Diskussion antreibt, und lässt dem Band seine eigentliche Aufgabe: dem Gegenüber einen Moment Aufmerksamkeit abzuverlangen.

Häufige Fragen

Was bedeutet ein weißes Band mit Sonnenblumen-Aufdruck?
Weiße Supporter-Bänder oder Sunflower-Anstecker tragen Mitarbeitende, die das Programm kennen; in Frankfurt erkennen Reisende geschulte Ansprechpartner daran.
Gibt es Alternativen zum Umhängeband?
Ja, die Initiative bietet auch Anstecker und Karten an; Hamburg gibt das Symbol als Pin aus, Wien zusätzlich als Armband.
Hilft das Band auch beim Umsteigen oder am Zielflughafen?
Der BER weist ausdrücklich darauf hin, dass das Symbol an allen teilnehmenden Flughäfen gilt, also auch bei Zwischenstopps und am Zielort.
Lässt sich auf der Karte zum Band notieren, welche Hilfe nötig ist?
Ja, die offizielle Sunflower-Karte hat Platz für Namen, Notfallkontakt und den konkreten Unterstützungsbedarf.
Jennifer Latuperisa-Andresen
Je kälter, karger und einsamer es um sie herum wird, desto höher schlägt Jennys Herz. Wer braucht schon Palmen im Urlaub, wenn man auch Eisberge haben kann? Deshalb verbringt die Chefredakteurin aus dem Ruhrpott ihre Sommer auch gerne mal in der Arktis bei den Eisbären. Sie sagt: Das ewige Eis kann zur Sucht werden.