Ein Eis für 44 Euro. Die Rechnung eines amerikanischen Touristenpaares sorgt derzeit für Diskussionen in sozialen Netzwerken. Die beiden Urlauber wollten nahe der Piazza Navona in Rom eigentlich nur zwei Eis kaufen. Am Ende standen 44 Euro auf dem Kassenzettel. Die Geschichte verbreitete sich rasend schnell, u.a. berichtete der »Spiegel« auf seiner Website darüber, und trifft einen Nerv. Denn viele Reisende verbinden Rom nicht nur mit antiken Sehenswürdigkeiten und italienischer Lebensart, sondern auch mit einer langen Geschichte von Touristenfallen.
Der Vorfall zeigt, wie schnell eine kleine Bestellung zu einer ziemlich teuren und bösen Überraschung werden kann. Nach Angaben der Touristin bestellte das Paar eigentlich nur zwei Eis mit jeweils zwei Kugeln. Stattdessen erhielten beide drei Kugeln Eis sowie Sahne, Macaron und Cannolo. Jede Portion kostete schließlich 22 Euro. Die Urlauberin erklärte später, sie habe die Extras für kostenlose Zugaben gehalten. Erst beim Blick auf den Beleg bemerkte sie den tatsächlichen Preis.
Die betroffene Eisdiele äußerte sich zunächst nicht. In Online-Kommentaren berichteten jedoch zahlreiche Nutzer von ähnlichen Erfahrungen in derselben Gegend.
Warum die Piazza Navona immer wieder in der Kritik steht
Die Piazza Navona zählt zu den berühmtesten Plätzen der italienischen Hauptstadt. Täglich strömen Tausende Besucher über den langgezogenen Barockplatz. Straßenkünstler treten auf, Cafés stellen ihre Tische dicht an dicht auf, und im Zentrum erhebt sich Berninis berühmter Vierströmebrunnen.

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Genau diese Popularität macht die Gegend für manche Geschäftsmodelle attraktiv. Rund um die Piazza Navona verlangen Vermieter Spitzenpreise. Gleichzeitig treffen Restaurants, Cafés und Eisdielen auf Millionen Besucher, die nur kurz in der Stadt bleiben und Preisunterschiede oft nicht kennen.
Beschwerden über überhöhte Preise rund um die Piazza Navona tauchen seit Jahren regelmäßig in Reiseforen, Bewertungsportalen und Medienberichten auf. Immer wieder berichten Besucher über teure Getränke, hohe Zusatzkosten oder überraschende Aufschläge auf der Rechnung. Der aktuelle Eis-Fall reiht sich in eine lange Serie ähnlicher Geschichten ein.
Touristenfallen haben in Rom eine lange Geschichte
Touristenfallen gehören nicht zum Alltag der meisten Besucher in Rom. Dennoch sorgen einzelne Fälle regelmäßig für Schlagzeilen.
Bereits 2019 machte ein Restaurant in der italienischen Hauptstadt weltweit Schlagzeilen. Ein japanisches Paar erhielt für zwei Teller Fisch-Spaghetti und zwei Gläser Wasser eine Rechnung von mehr als 400 Euro. Der Fall, über den ebenfalls der »Spiegel« auf seiner Website berichtete, löste eine internationale Debatte über Touristenabzocke in Rom aus.

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Auch Eisdielen gerieten immer wieder in die Kritik. Schon 2013 berichteten britische Urlauber von vier Eistüten für insgesamt 64 Euro nahe der Spanischen Treppe. Damals beschäftigte der Vorfall sogar die Lokalpolitik. Ähnliche Diskussionen entstanden zuletzt rund um den Trevi-Brunnen. Dort zahlte ein Tourist 16 Euro für zwei Kugeln Eis. Die Lage direkt an einer der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Europas spielte dabei eine entscheidende Rolle.
Hohe Preise oder echte Abzocke?
Die Debatte über Touristenfallen verläuft oft emotional. Dabei lohnt sich ein genauer Blick. In ganz Italien sind die Preise für Gelato in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Höhere Energiepreise, steigende Rohstoffkosten und hohe Mieten belasten viele Betriebe. Verbraucherschützer registrierten zuletzt einen deutlichen Preisanstieg für Speiseeis.
Besonders in den historischen Zentren großer Städte kommen hohe Standortkosten hinzu. Ein Eis nahe der Piazza Navona oder am Trevi-Brunnen kostet deshalb fast immer mehr als in einem Wohnviertel.
Der Unterschied zwischen einem hohen Preis und einer Touristenfalle liegt häufig in der Transparenz. Wer vor der Bestellung klar erkennt, was ein Produkt kostet, trifft eine bewusste Entscheidung. Problematisch wird es, wenn Extras ungefragt hinzukommen oder Preisangaben missverständlich erscheinen.
Restaurants, Eisdielen und Taxis: Die häufigsten Fallen
Restaurants und Eisdielen sind freilich nicht die einzigen Bereiche, vor denen Reiseführer warnen. Auch Lokale mit aggressiven Anwerbern vor der Tür nerven. Häufig locken sie Gäste mit günstigen Angeboten. Die eigentliche Rechnung fällt später deutlich höher aus.

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Immer wieder beschweren sich Besucher auch über überteuerte Getränke in unmittelbarer Nähe großer Sehenswürdigkeiten. Besonders rund um den Trevi-Brunnen, die Spanische Treppe und die Piazza Navona liegen die Preise oft weit über dem römischen Durchschnitt.
Auch bei Taxis kommt es gelegentlich zu Konflikten. Offizielle Fahrzeuge verfügen über feste Tarife für bestimmte Strecken. Wer in ein nicht autorisiertes Fahrzeug steigt, zahlt mitunter deutlich mehr.
Ein weiteres Thema bleiben Taschendiebe. Vor allem an Bahnhöfen, in Metrostationen und an stark besuchten Sehenswürdigkeiten nutzen organisierte Gruppen das Gedränge aus.
Abseits der Hotspots sinken oft auch die Preise
Zur Wahrheit gehört aber natürlich auch, dass die große Mehrheit der Restaurants, Cafés und Eisdielen seriös arbeitet. Viele Römer ärgern sich selbst über schwarze Schafe, weil solche Vorfälle dem Ruf ihrer Stadt schaden.
Tipp: Wer sich einige Straßen von den bekanntesten Sehenswürdigkeiten entfernt, entdeckt oft ein anderes Rom. Dort sitzen Einheimische in kleinen Cafés, bestellen ihren Espresso an der Theke und holen ihr Gelato in familiengeführten Eisdielen. Schon wenige Gehminuten können den Unterschied zwischen Touristenmeile und Nachbarschaftstreff ausmachen.
Ein Blick auf die Preistafel vor der Bestellung hilft ebenfalls. In Italien unterscheiden viele Lokale zwischen dem Verzehr an der Theke und einem Platz auf der Terrasse. Auch zusätzliche Zutaten können den Preis deutlich erhöhen. Wer unsicher ist, fragt vor der Bestellung nach. Das vermeidet unangenehme Überraschungen beim Bezahlen.


