Die spanische Vestige Collection führt beide Boutique-Hotels als ein gemeinsames Refugium im wenig erschlossenen Norden der Baleareninsel Menorca. Son Ermità empfängt seit 2025 Gäste, Binidufà öffnete Ende April 2026.
Ein Anwesen, zwei Charaktere
Rund 800 Hektar Privatland im Hinterland von Ferreries verbinden die beiden Häuser, mit Hügeln, Wäldern und Zugang zu drei Buchten an der Nordküste. Vom Flughafen Mahón dauert die Fahrt etwa 30 bis 40 Minuten, und schon unterwegs zeigt sich der Norden Menorcas deutlich rauer als der liebliche Süden mit seinen Pinienwäldern. Rote Felsen, zerklüftete Küsten und Strände mit rosa schimmerndem Sand prägen eine Landschaft, die auf der Insel bis heute als Geheimtipp gilt.

Binidufa I Foto: Vestige Collection
Zwei Hotels zum Preis von einem
Vestige selbst spricht von Yin und Yang. Son Ermità mit seinen zehn Zimmern und Suiten sucht die Höhe und den weiten Himmel, Binidufà mit elf Zimmern und Suiten die Geborgenheit des Tals. Beide Häuser funktionieren wie ein einziges Hotel. Nur das Zimmer gehört fest zu einem Haus, Restaurants, Bars, Gärten und alle anderen Räume teilen sich die Gäste.

Chefredakteurin Jenny im Allrad-Buggy auf Menorca. I Foto: Bettina Faust
Der Tag beginnt mit Yoga im Wald bei Binidufà und führt mittags vielleicht an den Pool von Son Ermità. Abends folgt der Sonnenuntergang auf dem Hügel mit Dinner im Brisa, am nächsten Tag die Gemüseküche im Mesura. Allrad-Buggys pendeln auf dem privaten Weg zwischen Tal und Hügel, und so bekommen Gäste praktisch zwei Hotels zum Preis von einem.
Binidufà: geborgen im grünen Tal
Von den Terrassen und Gärten der roten Finca schweift der Blick über Menorcas typische rote Erde, auf der Rinder grasen. Das Tal wirkt intim und zugleich weit, die Natur rückt bis an die Hauswand heran. Drinnen greift die Gestaltung diese Lage auf: natürliche Materialien, warme Erdtöne und eine reduzierte, handwerklich geprägte Einrichtung. Rundbögen mit Leinenvorhängen, hohe Decken mit alten Holzbalken und private Terrassen an jedem Zimmer verwischen die Grenze zwischen Innen und Außen.

Binidufa I Foto: Vestige Collection
Im Restaurant Mesura spielt Gemüse die Hauptrolle. Die Küche kocht pflanzenorientiert und saisonal mit Gemüse, Kräutern und Getreide aus der Umgebung, Milchprodukte und Eier liefern benachbarte Höfe. Mediterrane Rezepte bekommen dabei einen leisen Hauch aus dem Nahen Osten. Wer lieber auf der eigenen Terrasse bleibt, bestellt beim Room-Service. Rund um Binidufà begleiten Guides die Gäste außerdem zu Natur- und Vogelbeobachtungen. Mit etwas Glück kreisen Schmutzgeier oder Rotmilane über den Hügeln, beide Greifvögel sind hier heimisch.
Der Weg hinauf: durch den alten Wald nach Son Ermità
Zwischen den beiden Häusern verläuft ein privater Weg, auf dem Allrad-Buggys die Gäste vom Tal auf den Hügel bringen. Für mich gehört diese Strecke zu den spektakulärsten Momenten des Aufenthalts. Der Weg führt durch einen alten Wald aus Steineichen, Olivenbäumen und Erdbeerbäumen, bevor sich das Grün lichtet. Dann öffnet sich die Landschaft: sanfte Hügel, rote Erde und in der Ferne das Meer.

Hügellandschaft im Norden Menorcas I Foto: Vestige Collection
Die gesamte Region rund um das Anwesen zeigt diese unberührte Seite der Insel, mit Wald, Weiden und Küste bis zum Horizont. Genau diese Weite begleitet einen auf jeder Fahrt zwischen den Häusern, und sie verändert sich mit dem Licht des Tages.
Son Ermità: Landgut mit Rundumblick
Oben angekommen, empfängt Son Ermità mit einem 360-Grad-Panorama über Hügel und Meer. Die Ursprünge des Landguts reichen ins späte 18. Jahrhundert zurück, die Architektur trägt klar neoklassizistische und palladianische Züge. Frühe Aufzeichnungen erwähnen den Plan einer Kapelle für den heiligen Paulus den Einsiedler. Darauf geht vermutlich auch der Name zurück, denn »ermità« bedeutet auf Katalanisch Einsiedler.

Son Ermita I Foto: Vestige Collection
Für die Restaurierung holte Vestige Estudio, das hauseigene Architektur- und Designstudio, Handwerker der Insel ins Boot. Sie mauerten nach traditioneller Methode, verwendeten fast ausschließlich Naturkalk und verzichteten nahezu komplett auf Zement. So blieben Proportionen und Charakter des alten Gebäudes erhalten.
Die zehn Zimmer und Suiten verteilen sich auf die Casa de Payés, das Haupthaus, und die umgebauten Wirtschaftsgebäude. Einige besitzen einen eigenen Kamin, andere einen Balkon, viele Möbel entwarf Vestige Estudio selbst und ließ sie von lokalen Handwerkern fertigen. Restaurierte Antiquitäten und zeitgenössische Werke lokaler und spanischer Künstler setzen Akzente, die Kunst stammt aus einer Kooperation mit der Stiftung NUMA in Ciutadella. Die Inneneinrichtung ist jeweils so gekonnt inszeniert, man möchte sofort einziehen. Mehr Privatsphäre bietet die freistehende Villa Ullastres in unmittelbarer Nähe des Hotels.

Grand Suite von Son Ermità I Foto: Vestige Collection
Zwei Pools und großzügige Terrassen blicken über die Hügel bis zum Meer. In den weitläufigen Gärten wachsen alte Olivenbäume, Zwergpalmen, Tamarisken und Rosmarin. Über 5.000 Pflanzen setzte das Team neu, mit einheimischen Arten, durchlässigen Wegen und Tropfbewässerung.
Ein Abstecher in den Fitnessraum lohnt sich
Einen Tipp gebe ich allen mit, auch Gästen ganz ohne Trainingsehrgeiz: einmal im Fitnessraum von Son Ermità vorbeischauen. Die Aussicht ist phänomenal. Vom Laufband aus schweift der Blick über die Felsen der Penyals de Sa Muntanya Mala bis hinunter zur Cala Pilar. Selten hat mich ein Fitnessraum so lange festgehalten, ohne dass ich ein einziges Gerät angefasst habe.

Foto: Jenny Latuperisa-Andresen
Sonnenuntergang über Son Ermità
Am schönsten zeigt sich der Hügel am Abend. Die tief stehende Sonne taucht die Landschaft in warmes Licht, der Himmel über dem Meer glüht orange und rosa. Der Sonnenuntergang in Son Ermità war für mich einer der eindrücklichsten Momente der ganzen Reise. Die Llum Bar mixt dazu Cocktails mit Aromen der Insel, auf Wunsch auch alkoholarm oder alkoholfrei.

Cocktailhour im Son Ermita. I Foto: Jenny Latuperisa-Andresen
Danach zieht es die Gäste ins Restaurant Brisa. Küchenchef Joan Bagur kocht mit lokalen Zutaten und greift ein besonderes Kapitel der Inselgeschichte auf: die kurze französische Besatzungszeit im 18. Jahrhundert, die Menorcas Küche bis heute prägt. Seine Gerichte verbinden französische und spanische Aromen und Techniken. Nach Einbruch der Dunkelheit wechselt der Blick nach oben, beim Sternenbeobachten auf dem Hügel oder bei Kinoabenden unter freiem Himmel. Die Sternbeobachtung knüpft an Menorcas arabisches Erbe an und erzählt von Sternbildern, deren Namen aus der mediterranen Tradition von Navigation und Astronomie stammen.
Wandern, Buchten, Begegnungen: der Norden rund ums Anwesen
Direkt vom Anwesen führt der historische Camí de Cavalls entlang der Küste zu abgelegenen Buchten wie der Cala en Calderer oder der Cala Pilar. Auf geführten Wanderungen und Mountainbike-Touren innerhalb des Anwesens erklären Guides Flora, Fauna, Geologie und Geschichte der Insel. Aufs Wasser geht es bei Bootsausflügen und Schnorcheltouren, die das Team auf Wunsch organisiert. Außerhalb öffnen lokale Handwerker ihre Ateliers für Workshops, dazu kommen Besuche auf Bauernhöfen und Weingütern der Umgebung.

Foto: Vestige Collection
Wellness im Rhythmus der Natur
Statt eines großen Spas setzen die Häuser auf Ruhe, Bewegung im Freien und gezielte Behandlungen. Für Massagen verwenden die Therapeuten Bio-Öle, die nach Kräutern und Blumen der Insel duften. Yoga findet auf einer eigenen Plattform in Son Ermità statt und auf Holzdecks mitten im Wald.
Für wen sich das Vestige-Duo eignet
Son Ermità und Binidufà passen zu Reisenden, die Natur, Design und Privatsphäre über Trubel stellen. Mit zusammen 21 Zimmern auf einem so weitläufigen Anwesen bleibt selbst bei voller Belegung viel Raum für sich.
Am meisten aus dem Aufenthalt holen Gäste, die beide Häuser wirklich nutzen. Ob das Zimmer im stillen Tal liegt oder auf dem Hügel, beide Restaurants, Bars und Gärten stehen offen. Ein Doppelzimmer in Binidufà kostet ab 650 Euro pro Nacht für zwei Personen inklusive Frühstück. Dazwischen liegt der Weg durch den alten Wald, der allein schon die Reise lohnt.


